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Kultur- und Bildungspolitik, Medien Saudi-Arabien

Artikel

Stand: Januar 2018

Kultur- und Bildungspolitik

Die ambitionierte Reformpolitik der saudi-arabischen Regierung bringt auch eine rasche Öffnung im Bereich der Kultur mit sich: Seit 2017 sind in Saudi-Arabien wieder öffentliche Konzerte zugelassen. Das Verbot von Kinos im Land wurde aufgehoben. Auch im Sportbereich gibt es Veränderungen, unter anderem zur Förderung des Frauen- und Mädchensports. Die Geschlechtertrennung bei Konzerten und anderen öffentlichen Großveranstaltungen wird inzwischen zunehmend aufgehoben. Seit Januar 2018 ist Frauen der Zutritt – wenn auch ein getrennter - zu Sportveranstaltungen in Stadien gestattet.

Das 2003 gegründete Kulturministerium, die im Zuge des Reformprogramms „Vision 2030“ geschaffene Unterhaltungsbehörde und private Akteure bemühen sich, nicht zuletzt durch Kooperation mit dem Ausland, die weitere Öffnung in diesen Bereichen voranzutreiben. Moderne Techniken wie das Satellitenfernsehen, Internet (besonders populär ist in Saudi-Arabien die Nutzung sozialer Medien), aber auch die regelmäßigen Fahrten ins westliche Ausland oder in die benachbarten arabischen Staaten ermöglichen der Bevölkerung bereits jetzt den Zugang zu einem breiteren Kulturverständnis.

Das Bildungssystem ist weiterhin islamisch geprägt und entspricht in vielen Bereichen nicht modernen bildungspolitischen Standards. Daher steht die Bildungspolitik im Zentrum der politischen Aufmerksamkeit. Etwa ein Fünftel des staatlichen Budgets wird in neue Schulen, Universitäten und ihre Ausstattungen investiert. Allein die hohe Geburtenrate stellt das Bildungssystem vor enorme Herausforderungen. Zudem wird in der Öffentlichkeit lebhaft über eine Verbesserung der Bildungsstandards diskutiert. Viele kritisieren die Dominanz von Frontalunterricht und Auswendiglernen auf Kosten von Kreativität und sozialen Fähigkeiten. Die islamischen Fächer nehmen einen beträchtlichen Teil des Lehrstoffes ein. Als nützlichen Baustein einer auf Toleranz und moderne Inhalte ausgerichteten Lehre sehen viele auch das Studium im Ausland an, für das jedes Jahr Tausende Regierungsstipendien vergeben werden. Gegenwärtig studieren im Rahmen des „Stipendienprogramm des Hüters der beiden Heiligen Stätten“ ca. 115.000 saudische Männer und Frauen im Ausland. Die Ausbildung ist an Schulen und Universitäten in Saudi-Arabien mit wenigen Ausnahmen streng nach Geschlechtern getrennt. Insgesamt sind inzwischen über die Hälfte der saudi-arabischen Studierenden Frauen.

Die deutsche auswärtige Kultur- und Bildungspolitik kann unter diesen Rahmenbedingungen nur eingeschränkt aktiv betrieben werden. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist mit einem Lektor an der König-Saud-Universität Riad vertreten. Ein regelmäßiges Kulturprogramm wird von den Botschaften angeboten. Die deutsche Botschaft veranstaltet regelmäßig Kinoabende, Konzerte und Ausstellungen. Deutschland war 2016 Gastland des größten kulturellen Ereignisses in Saudi-Arabien, des unter der Schirmherrschaft des Königs stehenden Janadriyyah-Festivals. Seit 2014 ist das Goethe Institut mit einem Sprachlernzentrum in Riad vertreten, das seit 2016 in eigenen Räumlichkeiten untergebracht ist und auch Kulturveranstaltungen ausrichtet.

Medienlandschaft

Neben den staatlichen Fernsehsendern (KSA1, Ekhbariah, Thaqafiah, Sport und die beiden religiösen Kanäle unnah und Quran) dominiert das panarabische Privatfernsehen den saudischen Markt. Der Nachrichtensender al-Arabiyya (Sitz in Dubai) befindet sich in saudischem Besitz, und seine Programme geben häufig eine der offiziellen saudischen Position nahe Sicht des Weltgeschehens wieder. Daneben werden auch die Unterhaltungsprogramme der sich in saudischem Privatbesitz befindlichen Sendergruppen MBC und Rotana viel gesehen.

Die technologische Entwicklung hat den saudischen Medienkonsumenten in kurzer Zeit eine Fülle von Informationsmöglichkeiten eröffnet. Internet, Mobiltelefone und E-Mail bieten Raum für Kommunikation und Austausch. Allerdings besteht strenge Zensur hinsichtlich einiger politischer Inhalte, vor allem aber in Bezug auf „unislamische“ Webseiten, was insbesondere den Zugang zu pornographischem Material betrifft. Auch radikal-islamische und dschihadistische Internetseiten, auf denen zur Ausübung von Gewalt und Terror aufgerufen wird, unterliegen strenger Zensur und werden immer wieder aus dem Angebot der saudi-arabischen Provider entfernt. Ca. 24 Mio. Menschen in Saudi Arabien haben Zugang zum Internet. Die sozialen Netzwerke Twitter (weltweit höchste Verbreitung pro Kopf in Saudi-Arabien) und Facebook sind insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sehr beliebt und ein zunehmend an Bedeutung gewinnendes Dialogforum.

Die Medien unterliegen staatlicher Kontrolle, genießen aber gewisse Freiheiten und sind meist als private Wirtschaftsunternehmen organisiert. Missstände können benannt werden, auch Korruption, Verwaltungswillkür und konservative Traditionen können kritisiert werden, nicht allerdings die oberste politische Führung. Daher greifen die Behörden weiterhin ein, wenn die Politik der Regierung zu direkt angegriffen wird. Auch die Selbstzensur wirkt. Die größten saudischen Tageszeitungen sind „Al-Jazeera“, „Ar-Riyadh“, „Al-Watan“ und „Okaz“. Daneben gibt es die englischsprachigen „Arab News“ und „Saudi Gazette“. Die panarabischen Tageszeitungen „Ash-Sharq Al-Awsat“ und „Al-Hayat“ befinden sich in saudischem Besitz und erscheinen in Saudi-Arabien als Lokalausgabe.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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