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Saudi-Arabien: Wirtschaft Saudi-Arabien

19.08.2019 - Artikel

Allgemeines 

Saudi-Arabien ist die größte Volkswirtschaft im arabischen Raum. Es bemüht sich derzeit im Rahmen der „Vision 2030“ um wirtschaftliche Reformen, die seine Abhängigkeit vom Öl vermindern sollen. Das nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank in Folge des Ölpreisverfalls nach einem Rekordwert im Jahr 2014 (754 Milliarden USD) auf 645 Milliarden USD 2016. Es stieg bis 2018 wieder auf 783 Milliarden USD an, nachdem Saudi-Arabien im Jahr 2017 in eine Rezession gerutscht war. 2018 lag das Wachstum bei 2,2 Prozent. Das BIP pro Kopf betrug zuletzt 23.566 USD (2018). 

Saudi-Arabien gehört zu den drei weltweit größten Erdölproduzenten. Ein Großteil der Staatseinnahmen wird aus dem Ölgeschäft generiert. Dadurch ist das Königreich stark von der Entwicklung auf dem Erdölmarkt abhängig. Anders als in der Vergangenheit kam es seit Ende 2016 in Absprache mit anderen OPEC- und nicht-OPEC Ländern wie Russland zu einer Drosselung der Fördermenge, was zur Stabilisierung und zum Wiederanstieg des Ölpreises beigetragen hat.

Der Ölpreisverfall hatte 2015 zu einem Haushaltsdefizit von knapp 100 Milliarden USD geführt. Das Defizit konnte inzwischen durch gestiegene Ölpreise, den Abbau von Subventionen, Preissteigerungen für Energie und Wasser und die Einführung einer Umsatzsteuer deutlich verringert werden. Saudi-Arabien arbeitet auf einen ausgeglichenen Haushalt bis 2023 hin. Die Inflationsrate stieg von -0,9 Prozent (2017) auf 2,5 Prozent (2018).

Saudi-Arabien setzt sich im Golfkooperationsrat (GKR) für die Schaffung einer gemeinsamen Währung ein. Innerhalb des GKR besteht seit 2003 eine Zollunion und seit 2008 ein gemeinsamer Markt; beides wurde jedoch noch nicht vollständig in die Praxis umgesetzt. Die Katar-Krise hat seit Mitte 2017 Fragezeichen hinter eine engere Kooperation am Golf gesetzt.

Reformvorhaben 

Hauptziele der saudischen Wirtschaftspolitik im Rahmen der „Vision 2030“ sind wirtschaftliche Diversifizierung und die Steigerung der Wertschöpfung im eigenen Land. Dazu gehören:

  • u.a. eine Forcierung der Diversifizierung der Wirtschaft (u.a. Aufbau einer eigenen Fertigung von Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien),
  • eine Reform des Bildungssystems,
  • die Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen,
  • die verstärkte Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt,
  • die Verdoppelung der Anzahl der Umrah-Pilger
  • sowie die Entwicklung eines allgemeinen Tourismus und Kulturbetriebs und des Bergbaus.

Zugleich sollen die Staatseinnahmen in Zukunft immer mehr aus Steuern und Abgaben anstatt aus den Einnahmen aus dem Ölverkauf generiert werden. Der 2017 angekündigte teilweise Börsengang des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco wurde allerdings auf 2021 verschoben.

Arbeitsmarkt 

Die offizielle Arbeitslosenquote beträgt 5,7 Prozent. Für saudische Staatsangehörige liegt sie bei 12,5 Prozent (Beginn 2019). Die Arbeitslosigkeit unter Frauen ist um ein Vielfaches höher als unter Männern, die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 30 Prozent. Problematisch bleibt der überdimensionierte öffentliche Sektor, für den über die Hälfte des Staatshaushalts aufgewendet wird.

Die Regierung bemüht sich seit 2011 verstärkt, mehr eigene Staatsbürger in Beschäftigung zu bringen und gleichzeitig die Zahl der ca. 11 Millionen ausländischen Arbeitnehmer zu verringern. Allerdings ist der größte Teil dieser Arbeitnehmer (insbesondere aus Indien, Pakistan, Bangladesch und den Philippinen) in Niedriglohnsegmenten des privaten Sektors beschäftigt, die von der einheimischen Bevölkerung bisher gemieden wurden. Die „Saudisierung“, d.h. der Austausch von ausländischen durch einheimische Arbeitskräfte, gewinnt angesichts gesunkener Einnahmen aus dem Verkauf von Öl und dem Eintritt geburtenstarker Jahrgänge ins arbeitsfähige Alter zunehmend an Bedeutung. Die Schaffung von Arbeitsplätzen für Saudis und die Steigerung der Wertschöpfung in Saudi-Arabien anhand von ambitionierten Quoten stellen Unternehmen wegen höherer Kosten allerdings vor Herausforderungen.

Handels- und Leistungsbilanz 

Im Jahr 2018 führte Saudi-Arabien Waren im Wert von ca. 295 Milliarden USD aus, etwa 79 Prozent davon Öl und petrochemische Produkte. Die Importe beliefen sich auf ca. 124 Milliarden USD und sind damit gegenüber 2015 (163,8 Milliarden USD) um ca. 24 Prozent eingebrochen, was hauptsächlich an der Zurückstellung von Anlageinvestitionen und größeren Infrastrukturprojekten aufgrund des Ölpreiseinbruchs und der daraus resultierenden Unsicherheit liegen dürfte. Importiert werden in erster Linie Maschinenbauerzeugnisse, Fahrzeuge und elektronische Geräte. Deutschland lag 2018 an vierter Stelle der Lieferstaaten (nach China, den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten). Die drei größten Abnehmer saudischer Erzeugnisse sind Japan, China und Korea. 

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