Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Kultur und Bildung Russische Föderation

Artikel

Stand: September 2018

Kultur

Hochkultur genießt in Russland traditionell einen hohen Stellenwert. 2018 wurde zum nationalen Jahr des Theaters ausgerufen.  In den Metropolen Moskau und St. Petersburg befinden sich Kultureinrichtungen von Weltruf, darunter das Bolschoi-Theater in Moskau und die Eremitage in St. Petersburg, die eine der größten und bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt beherbergt. Daneben existiert auch in den Regionen eine beachtenswerte und international orientierte Kulturszene, so z.B. in Nowosibirsk, Jekaterinburg, Kasan und Nischni Nowgorod.

An etlichen Orten entstanden in ehemaligen Fabriken auch alternative Kulturzentren, die sich mit ihren kulturellen Freiräumen zunehmenden Publikumsinteresses erfreuen.

Der Wunsch nach Stabilität und Sicherheit sowie die Suche nach einer kollektiven und intakten nationalen Identität sind im Kulturbereich deutlich spürbar. Er findet seinen Ausdruck in einem Erstarken wertkonservativer Haltungen, dem Wiederaufleben sogenannter „patriotischer Kunst“ und dem verstärkten Rekurs auf die Traditionen der russisch-orthodoxen Kirche sowie auf die vorrevolutionäre Geschichte.

Auch wenn Präsident Putin die Freiheit der Kultur als wesentliche Grundlage für herausragende Leistungen bestätigt hat, befinden sich Kulturschaffende unter wachsendem Rechtfertigungsdruck. Sie sind immer wieder Anfeindungen bis hin zu Zerstörungen ihrer Werke oder gerichtlichen Klagen wegen der Verletzung religiöser Gefühle,  der Diskreditierung staatlicher Symbole und Funktionsträger oder angeblicher Unterschlagung öffentlicher Mittel (Beispiel: Regisseur Kirill Serebrennikow) ausgesetzt.

Im nationalen Feiertagskalender nehmen militärbezogene Veranstaltungen mit Bezug zur Vergangenheit einen prominenten Platz ein. Eine besondere Rolle spielt dabei traditionell der Jahrestag des Sieges der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg am 9. Mai, der alljährlich mit einer großen Militärparade auf dem Roten Platz begangen wird. Eine neuere Erscheinung ist der Versuch, Russlands Rolle und Schicksal im Ersten Weltkrieg aufzuarbeiten und damit die Themen „Untergang des Zarenreichs“ und „Neudeutung der Revolution“ in den Blick zu nehmen. Das offizielle Russland tut sich mit der Einordnung der Oktober-Revolution schwer, ebenso mit der Aufarbeitung von Gewalt und Repression unter Stalin, der von vielen vor allem als Garant für den Sieg gegen Hitler-Deutschland gesehen wird.  Die 2007 gegründete staatliche Stiftung „Russkij Mir“ (Russische Welt) hat sich der Förderung der russischen Sprache und Kultur im In- und Ausland verschrieben und strebt unter anderem eine stärkere Bindung der im Ausland lebenden Russen an ihre Heimat an.

Die russisch-orthodoxe Kirche ist ein wichtiges Element der russischen Identität. Das Wiedererwachen des religiösen Lebens in Russland gibt regelmäßig Anlass zu Diskussionen über die Rolle der Kirche in der Gesellschaft und ihr Verhältnis zum Staat. Auch Restitutionsfragen und die Diskussion um die Erweiterung des 2012 eingeführten obligatorischen Religionsunterrichts spielen eine wichtige Rolle.

Bildung

Das russische Schulsystem gliedert sich in eine vierjährige Grundschule und eine fünfjährige allgemeinbildende Schule. Nach Absolvierung der neunjährigen Schulpflicht besteht die Möglichkeit, eine zweijährige Oberstufe zu besuchen.

Als erste Maßnahme einer langfristig angelegten Bildungsreform wurde 2010 eine zentrale Abschlussprüfung eingeführt, die die bisherigen Hochschulzugangsprüfungen weitgehend ersetzen soll. Eine Reform des Bildungswesens soll bis 2020 stufenweise umgesetzt werden.

Fremdsprachen können bereits ab der zweiten Klasse unterrichtet werden. Das Sprachenkonzept sieht seit dem 1. September 2015 eine zweite Pflichtfremdsprache für die Oberstufe vor. Englisch steht weiterhin an erster Stelle und verdrängt zunehmend andere Sprachen. Deutsch behauptet weiterhin einen soliden zweiten Platz. Nach einem jahrelangen Rückgang der  Gesamtzahl der Deutschlerner an Schulen ist seit 2017 wieder ein leichter Anstieg auf  rund 1,1 Millionen zu verzeichnen. Zudem steigt die Nachfrage nach dem Erwerb des Deutschen Sprachdiploms.

2003 trat Russland dem 'Bologna-Prozess' zur Schaffung eines Einheitlichen Europäischen Hochschulraumes bei. Die damit verbundene Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen und die Umstellung auf ein einheitliches Bewertungssystem sind noch nicht abgeschlossen; die Bereitschaft zur Umsetzung der Bologna-Beschlüsse steigt jedoch nur langsam. Mit der Einrichtung von 29 Nationalen Forschungsuniversitäten und 10 Föderalen Universitäten (darunter die Föderale Universität Krim in Sewastopol, die im Zuge der völkerrechtswidrigen Annexion eingerichtet wurde) wird ein Akzent auf eine gezielte Förderung führender Hochschulen an als strategisch definierten Standorten des Landes gesetzt. Mit hohen Investitionen versucht der Staat zu erreichen, dass ausgesuchte russische Hochschulen auch Spitzenplätze im internationalen Ranking einnehmen (Programm 5 von 100).

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

nach oben