Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Kultur und Bildung Russische Föderation

Artikel

Stand: Mai 2018

Kultur

Hochkultur genießt in Russland traditionell einen hohen Stellenwert. Nach dem von Staatspräsident Putin ausgerufenen Nationalen Kulturjahr 2014 wurde 2015 das Nationale Literaturjahr begangen. 2016 stand im Zeichen des Films, und 2017 war  das Jahr der Umwelt. In den Metropolen Moskau und St. Petersburg befinden sich Kultureinrichtungen von Weltruf, darunter das Bolschoi-Theater in Moskau und die Eremitage in St. Petersburg, die eine der größten und bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt beherbergt. Daneben existiert auch in den Regionen eine beachtenswerte und international orientierte Kulturszene, so z.B. in Nowosibirsk, Jekaterinburg, Kasan und Nischni Nowgorod.
In etlichen Orten entstanden in ehemaligen Fabriken  alternative Kulturzentren, die sich zunehmenden Publikumsinteresses erfreuen.
Der Wunsch nach Stabilität und Sicherheit sowie die Suche nach einer kollektiven und intakten nationalen Identität sind im Kulturbereich deutlich spürbar. Er findet seinen Ausdruck in einem Erstarken wertkonservativer Haltungen, dem Wiederaufleben so genannter patriotischer Kunst und dem verstärkten Rekurs auf die russisch-orthodoxe Kirche sowie die vorrevolutionäre Geschichte.
Auch wenn Präsident Putin die Freiheit der Kultur als wesentliche Grundlage für herausragende Leistungen bestätigt hat, befinden sich Kulturschaffende unter wachsendem Rechtfertigungsdruck. Sie sind immer wieder Anfeindungen bis hin zu Zerstörungen ihrer Werke oder gerichtlichen Klagen wegen Verletzung religiöser Gefühle oder Diskreditierung staatlicher Symbole und Funktionsträger ausgesetzt.
Im nationalen Feiertagskalender nehmen militärbezogene Veranstaltungen einen prominenten Platz ein. Eine besondere Rolle spielt darin der Jahrestag des Sieges der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg am 9. Mai, der alljährlich mit einer großen Militärparade auf dem Roten Platz begangen wird. Eine neue Erscheinung ist der Versuch, Russlands Rolle und Schicksal im Ersten Weltkrieg aufzuarbeiten und damit die Themen „Untergang des alten Zarenreiches“ und „Neudeutung der Revolution“ in den Blick zu nehmen. Schwer tut sich das offizielle Russland mit der Einordnung der Oktober-Revolution und der Aufarbeitung von Gewalt und Repression unter Stalin, der von vielen vor allem als Garant für den Sieg gegen Hitler-Deutschland gesehen wird.  Die 2007 gegründete staatliche Stiftung „Russkij Mir“ (Russische Welt) hat sich der Förderung der russischen Sprache und Kultur im In- und Ausland verschrieben und setzt sich unter anderem eine stärkere Bindung der im Ausland lebenden Russen an ihre Heimat zum Ziel.
Die russisch-orthodoxe Kirche ist ein wichtiges Element der russischen Identität. Das Wiedererwachen des religiösen Lebens in Russland gibt regelmäßig Anlass zu Diskussionen über die Rolle der Kirche in der Gesellschaft und ihr Verhältnis zum Staat. Auch Restitutionsfragen und die Diskussion um die Erweiterung des 2012 eingeführten obligatorischen Religionsunterrichts spielen eine wichtige Rolle.

Bildung

Das russische Schulsystem gliedert sich in eine vierjährige Grundschule und eine fünfjährige allgemeinbildende Schule. Nach Absolvierung der neunjährigen Schulpflicht besteht die Möglichkeit, eine zweijährige Oberstufe zu besuchen.
Als erste Maßnahme einer langfristig angelegten Bildungsreform wurde 2010 eine zentrale Abschlussprüfung eingeführt, die die bisherigen Hochschulzugangsprüfungen weitgehend ersetzen soll. Eine Reform des Bildungswesens soll bis 2020 stufenweise umgesetzt werden.
Fremdsprachen können bereits ab der zweiten Klasse unterrichtet werden. Das Sprachenkonzept sieht seit dem 1. September 2015 eine zweite Pflichtfremdsprache für die Oberstufe vor. Englisch steht weiterhin an erster Stelle und verdrängt zunehmend andere Sprachen; Deutsch behauptet weiterhin einen soliden zweiten Platz. Nach einem jahrelangen Rückgang der  Gesamtzahl der Deutschlerner an Schulen ist seit 2017 wieder ein leichter Anstieg auf  rund 1,1 Millionen zu verzeichnen. Zudem steigt die Nachfrage nach dem Erwerb des Deutschen Sprachdiploms.
2003 ist Russland dem 'Bologna-Prozess' zur Schaffung eines Einheitlichen Europäischen Hochschulraumes beigetreten. Die damit verbundene Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen und die Umstellung auf ein einheitliches Bewertungssystem sind noch nicht abgeschlossen; die Bereitschaft zur Umsetzung der Bologna-Beschlüsse steigt jedoch nur langsam. Mit der Einrichtung von 29 Nationalen Forschungsuniversitäten und 10 Föderalen Universitäten (darunter die Föderale Universität Krim in Sewastopol, die im Zuge der völkerrechtswidrigen Annexion eingerichtet wurde) wird ein Akzent auf eine gezielte Förderung führender Hochschulen an strategisch wichtigen Standorten des Landes gesetzt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Verwandte Inhalte