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Wirtschaft Rumänien

Artikel

Stand: Juni 2018

Wirtschaftslage, Wirtschaftsstruktur

Mit Ende der Ceausescu-Diktatur befand sie die rumänische Wirtschaft und hier insbesondere die Industrie in einem desolaten Zustand. Nicht zuletzt dank der Unterstützung internationaler Geldgeber wie dem Internationalen Währungsfond und der Weltbank sowie der EU (Europäischen Union) ist es Rumänien in den zurückliegenden Jahren gelungen, seine Wirtschaft wiederzubeleben. Gleichwohl bleibt Rumänien mit  59 % des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens der EU das zweitärmste Land der EU.

Rumänien ist reich an Bodenschätzen und natürlichen Ressourcen, insbesondere gibt es Erdgas (drittgrößte Gasvorkommen der EU), Kohle, Salz und Erdöl. Dank der umfangreichen Gasvorkommen ist Rumänien nur zu weniger als 10 % auf Gasimporte (hauptsächlich aus Russland) angewiesen. Mit Effizienzgewinnen und Erschließung neuer Quellen im Schwarzen Meer strebt Rumänien ab 2019 energetische Unabhängigkeit an.

Rumäniens Wirtschaft ist relativ dienstleistungslastig. So trug der Dienstleistungssektor im Jahr  2017mit  62% zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, dahinter das produzierende Gewerbe ( 24,2 %) und die Landwirtschaft ( 4,4 %). Hauptindustriezweige sind Elektromaschinenbau, Textilindustrie, Bergbau, Holzindustrie, chemische Industrie sowie die Herstellung von Autoteilen und Kfz. In der Landwirtschaft dominieren der Anbau von Getreide, Zuckerrüben, Kartoffeln und Trauben sowie die Schafzucht.

Rumänien hat seit 2013 BIP-Wachstumszahlen, die zu den höchsten in EU gehören. Fortbestehende Mängel im Wirtschaftsumfeld (defizitäre und ineffiziente Staatsunternehmen, ineffiziente Verwaltung, unzureichende Infrastruktur, Absorption von EU-Mitteln) behindern jedoch einen Aufholprozess ggü. anderen EU-MS. Die Wirtschaft in Rumänien entwickelte sich auch  2017 in nominellen Zahlen sehr gut. Lag das Wachstum  2016 bei  4,8 % des BIP, ist das BIP  2017 nach vorläufigen Zahlen saisonbereinigt um  6,9 % gestiegen. Die Prognose (EU-KOM) für 2018 liegt bei 4,5%. Wachstumstreiber ist dabei v.a. der Konsum.

Trotz weiterhin positiver Wachstumsprognosen bleibt Wachstumspotential weiterhin ungenutzt angesichts ausstehender Reformen insbesondere bei der Privatisierung der zahlreichen Staatsunternehmen, dem Ausbau der Infrastruktur und zielgenaueren Absorption von EU-Mitteln.

Die private Nachfrage ist seit 2013 beständig angestiegen. Die Brutto-Umsätze des Einzelhandels stiegen 2015 um 8,9 % und in den ersten neun Monaten 2016 um 15,5 %. Nachdem die Inflation  Ende 2015 historische Tiefststände erreichte, lag sie im -September 2016 bei -0,6 %.  Im März 2018 verzeichnete Rumänien die höchste jährliche Inflationsrate in der EU (4,0%) und hat die Inflationsprognose für 2018 auf 3,5% angehoben.

Der Wechselkurs des RON liegt seit 2013 relativ stabil bei rund 4,4 RON/EUR. Die Nationalbank hat 2015 mehrmals den Leitzins gesenkt. Zurzeit liegt er bei 1,75 %. Dies ist für Rumänien ein historischer Tiefstand.

Offiziell liegt die Arbeitslosigkeit bei  3,94 % (Februar 2018), erfasst aber nur die beim Arbeitsamt Gemeldeten. Viele Rumänen werden durch temporäre Arbeitsmigration, Subsistenzlandwirtschaft und Schwarzarbeit statistisch nicht erfasst. Einige prosperierende Regionen (Westrumänien, Zentralsiebenbürgen, Bukarest) verzeichnen de facto Vollbeschäftigung und leiden akut unter Arbeitskräftemangel. Der Brutto-Mindestlohn  hat sich seit 2016 von 225 EUR auf ca. 410 EUR Anfang 2018 fast verdoppelt.  Der Brutto-Durchschnittslohn  steigt weiter an und lag im Februar 2018 bei ca. 887 EUR (Netto: 535 EUR) - bei starken regionalen und sektoralen Unterschieden. V.a. einkommensschwache Rumänen haben oftmals multiple formelle und informelle Einkommen.

Der Modernisierungsbedarf im Umweltsektor bleibt weiterhin hoch. Für das Erreichen des EU-Acquis wurden Rumänien insbesondere im Bereich Trinkwasserversorgung und Abfallbeseitigung Übergangsfristen bis 2018 eingeräumt, doch liegt Rumänien weit hinter dem Zeitplan zurück. Seit Sommer 2012 hat Rumänien Investitionen in erneuerbare Energien über ein großzügiges marktbasiertes System gefördert. Unter dem Eindruck steigender Energiepreise und auch in Folge einer Marktliberalisierung wurde diese Förderung jedoch seit Sommer 2013 zum Teil drastisch gekürzt.

Weitere Informationen

Auskünfte über den jeweiligen Stand der Außenhandelsvorschriften sowie Messeaktivitäten u.Ä. erteilt die Deutsch-Rumänische Industrie- und Handelskammer in Bukarest.

Weitere Informationen: www.ahkrumaenien.ro

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland (Germany Trade and Invest, gtai) hält ein breites Informationsangebot über die allgemeinen Marktbedingungen, über Rechtsfragen, Zoll- und Steuerangelegenheiten sowie spezielle Branchenberichte bereit.

Weitere Informationen: www.gtai.de

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