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Wirtschaft Rumänien

Artikel

Stand: September 2017


Wirtschaftslage, Wirtschaftsstruktur

Mit Ende der Ceausescu-Diktatur befand sie die rumänische Wirtschaft und hier insbesondere die Industrie in einem desolaten Zustand. Nicht zuletzt dank der Unterstützung internationaler Geldgeber wie dem Internationalen Währungsfond und der Weltbank sowie der EU (Europäischen Union) ist es Rumänien in den zurückliegenden Jahren gelungen, seine Wirtschaft wiederzubeleben. Gleichwohl bleibt Rumänien mit 57 % des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens der EU das zweitärmste Land der EU.

Rumänien ist reich an Bodenschätzen und natürlichen Ressourcen, insbesondere gibt es Erdgas (drittgrößte Gasvorkommen der EU), Kohle, Salz und Erdöl. Dank der umfangreichen Gasvorkommen ist Rumänien nur zu weniger als 10 % auf Gasimporte (hauptsächlich aus Russland) angewiesen. Mit Effizienzgewinnen und Erschließung neuer Quellen im Schwarzen Meer strebt Rumänien ab 2019 energetische Unabhängigkeit an.

Rumäniens Wirtschaft ist relativ dienstleistungslastig. So trug der Dienstleistungssektor im Jahr 2015 mit 60,5 % zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, dahinter das produzierende Gewerbe (23,2 %) und die Landwirtschaft (4,2 %). Hauptindustriezweige sind Elektromaschinenbau, Textilindustrie, Bergbau, Holzindustrie, chemische Industrie sowie die Herstellung von Autoteilen und Kfz. In der Landwirtschaft dominieren der Anbau von Getreide, Zuckerrüben, Kartoffeln und Trauben sowie die Schafzucht.

Rumänien hat seit 2013 BIP-Wachstumszahlen, die zu den höchsten in EU gehören. Fortbestehende Mängel im Wirtschaftsumfeld (defizitäre und ineffiziente Staatsunternehmen, ineffiziente Verwaltung, unzureichende Infrastruktur, Absorption von EU-Mitteln) behindern jedoch einen Aufholprozess ggü. anderen EU-MS. Die Wirtschaft in Rumänien entwickelte sich auch 2016 in nominellen Zahlen sehr gut. Lag das Wachstum 2015 bei 3,8 % des BIP, ist das BIP 2016 nach vorläufigen Zahlen saisonbereinigt um 4,8 % gestiegen, ein Rekord seit 2008. Im ersten Trimester 2017 setzte sich dieser Trend fort: Das BIP legte um 5,7 % im Vergleich zum Vorjahr zu.

Trotz weiterhin positiver Wachstumsprognosen bleibt Wachstumspotential weiterhin ungenutzt angesichts ausstehender Reformen insbesondere bei der Privatisierung der zahlreichen Staatsunternehmen, dem Ausbau der Infrastruktur und zielgenaueren Absorption von EU-Mitteln.

Die private Nachfrage ist seit 2013 beständig angestiegen. Die Brutto-Umsätze des Einzelhandels stiegen 2015 um 8,9 % und in den ersten neun Monaten 2016 um 15,5 %. Nachdem die Inflation bereits Ende 2015 historische Tiefststände erreichte, lag sie im -September 2016 bei -0,6 %. Hauptgrund hierfür ist die Senkung der Mehrwertsteuer von 24 % auf 20 % im Januar 2016. Die Nationalbank geht für 2016 von einer Jahresinflation von -0,5 % aus, für 2017 erwartet sie 3 %.

Der Wechselkurs des RON liegt seit 2013 relativ stabil bei rund 4,4 RON/EUR. Die Nationalbank hat 2015 mehrmals den Leitzins gesenkt. Zurzeit liegt er bei 1,75 %. Dies ist für Rumänien ein historischer Tiefstand.

Offiziell liegt die Arbeitslosigkeit bei 4,5 % (März 2017), erfasst aber nur die beim Arbeitsamt Gemeldeten. Viele Rumänen werden durch temporäre Arbeitsmigration, Subsistenzlandwirtschaft und Schwarzarbeit statistisch nicht erfasst. Einige prosperierende Regionen (Westrumänien, Zentralsiebenbürgen, Bukarest) verzeichnen de facto Vollbeschäftigung und leiden akut unter Arbeitskräftemangel. Der Brutto-Mindestlohn wurde im Mai 2016 auf ca. 280 Euro (Netto: 205 Euro) angehoben. Der Brutto-Durchschnittslohn lag im März 2017 bei ca. 716 Euro (Netto: 515 Euro) - bei starken regionalen und sektoralen Unterschieden. V.a. einkommensschwache Rumänen haben oftmals multiple formelle und informelle Einkommen.

Der Modernisierungsbedarf im Umweltsektor bleibt weiterhin hoch. Für das Erreichen des EU-Acquis wurden Rumänien insbesondere im Bereich Trinkwasserversorgung und Abfallbeseitigung Übergangsfristen bis 2018 eingeräumt, doch liegt Rumänien weit hinter dem Zeitplan zurück. Seit Sommer 2012 hat Rumänien Investitionen in erneuerbare Energien über ein großzügiges marktbasiertes System gefördert. Unter dem Eindruck steigender Energiepreise und auch in Folge einer Marktliberalisierung wurde diese Förderung jedoch seit Sommer 2013 zum Teil drastisch gekürzt.

Weitere Informationen

Auskünfte über den jeweiligen Stand der Außenhandelsvorschriften sowie Messeaktivitäten u.Ä. erteilt die Deutsch-Rumänische Industrie- und Handelskammer in Bukarest.

Weitere Informationen: www.ahkrumaenien.ro

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland (Germany Trade and Invest, gtai) hält ein breites Informationsangebot über die allgemeinen Marktbedingungen, über Rechtsfragen, Zoll- und Steuerangelegenheiten sowie spezielle Branchenberichte bereit.

Weitere Informationen: www.gtai.de

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