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Rumänien: Wirtschaft Rumänien

06.03.2019 - Artikel


Wirtschaftslage, Wirtschaftsstruktur

Zwölf Jahre nach dem EU-Beitritt entwickelt sich Rumäniens Wirtschaft dynamisch. In den vergangenen sechs Jahren wuchs die Wirtschaft kontinuierlich, z.T. mit europäischen Spitzenwerten. Gleichwohl bleibt das Land mit  63 % des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens der EU das drittärmste Land der EU nach Bulgarien und Kroatien. Zudem bestehen sehr große regionale Disparitäten. Die wirtschaftlichen Aktivitäten konzentrieren sich auf die Hauptstadt Bukarest sowie Städte und Kreise in Siebenbürgen und im Banat– insbesondere Temeswar, Klausenburg und Kronstadt. Im Gegensatz hierzu zählen andere ländliche Regionen zu den ärmsten Gebieten Europas. Trotz weiterhin positiver Wachstumsprognosen bleibt das Wachstumspotential angesichts ausstehender Reformen weiterhin ungenutzt, insbesondere bei der Privatisierung der zahlreichen Staatsunternehmen, dem Ausbau der Infrastruktur und der zielgenaueren Absorption von EU-Mitteln.
Der Dienstleistungssektor ist die zentrale Säule der rumänischen Wirtschaft. So trug der Dienstleistungssektor im Jahr 2017 mit 62 % zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, dahinter das produzierende Gewerbe (24,2 %) und die Landwirtschaft (4,4 %). Mehr als 6 % des BIP wird vom IT Sektor generiert, der sich sehr dynamisch entwickelt. Hauptindustriezweige sind Elektromaschinenbau, Textilindustrie, Bergbau, Holzindustrie, chemische Industrie sowie die Herstellung von Kfz-Teilen. In der Landwirtschaft dominieren der Anbau von Getreide, Zuckerrüben, Kartoffeln und Trauben sowie die Schafzucht.

Rumänien ist reich an Bodenschätzen und natürlichen Ressourcen, insbesondere gibt es Erdgas (drittgrößte Gasvorkommen der EU), Kohle, Salz und Erdöl. Dank der umfangreichen Gasvorkommen ist Rumänien nur zu weniger als 10 % auf Gasimporte (hauptsächlich aus Russland) angewiesen. Schätzungen zufolge finden sich vor der rumänischen Schwarzmeerküste Gasvorkommen im Umfang von 200 Mrd. m³. Der gesetzliche Rahmen für die Ausbeutung der Offshore-Vorhaben wurde Ende 2018 verabschiedet. Eine Investitionsentscheidung der beteiligten Unternehmen soll im Jahr 2019 fallen.

Die private Nachfrage ist seit 2013 beständig angestiegen. Die Brutto-Umsätze des Einzelhandels stiegen 2016 um 13,5 %, 2017 um 10,7 % und in den ersten elf Monaten 2018 um 5,6 %. Nachdem die Inflation  Ende 2015 historische Tiefststände erreichte, lag sie im September 2016 bei -0,6 %.  Im März 2018 verzeichnete Rumänien die höchste jährliche Inflationsrate in der EU (4,0%) und hatte die Inflationsprognose für 2018 auf 3,5% angehoben.

Seit Anfang Februar 2017 hat sich der Rumänische Leu (RON) gegenüber dem Euro konstant abgewertet; er sackte 2018 mehrmals auf historische Tiefen ab und schwankte zwischen 4,64 RON und 4,66 RON. Die Nationalbank hat Anfang Januar 2018 das erste Mal seit 2008 den Leitzins von 1,75 % auf 2 % erhöht; im Februar 2018 auf 2,25 % und im Mai weiter auf 2,5 %.

Offiziell liegt die Arbeitslosigkeit bei  3,3 % (November 2018), erfasst aber nur die beim Arbeitsamt Gemeldeten. Viele Rumänen werden durch temporäre Arbeitsmigration, Subsistenzlandwirtschaft und Schwarzarbeit statistisch nicht erfasst. Einige prosperierende Regionen (Westrumänien, Zentralsiebenbürgen, Bukarest) verzeichnen de facto Vollbeschäftigung und leiden akut unter Arbeitskräftemangel. Der Brutto-Mindestlohn  hat sich seit 2016 von 225 EUR auf ca. 445 EUR im Januar 2019 verdoppelt.  Der Brutto-Durchschnittslohn stieg weiter an und lag im Dezember 2018 bei ca. 1.061 EUR (Netto: 635 EUR) - bei starken regionalen und sektoralen Unterschieden. V.a. einkommensschwache Rumänen haben oftmals multiple formelle und informelle Einkommen.

Der Modernisierungsbedarf im Umweltsektor bleibt weiterhin hoch. Für das Erreichen des EU-Acquis wurden Rumänien insbesondere im Bereich Trinkwasserversorgung und Abfallbeseitigung Übergangsfristen bis 2018 eingeräumt, doch liegt Rumänien weit hinter dem Zeitplan zurück. Seit Sommer 2012 hat Rumänien Investitionen in erneuerbare Energien (EE) über ein großzügiges marktbasiertes System gefördert. Unter dem Eindruck steigender Energiepreise und auch in Folge einer Marktliberalisierung wurde diese Förderung jedoch seit Sommer 2013 zum Teil drastisch gekürzt. Inzwischen wurde die Situation für einen Teil der EE-Produzenten verbessert, allerdings ohne Anreize für eine Rückkehr zum Ausbau der EE-Kapazitäten zu schaffen.

Zu Klimaschutz und COP 23 trägt Rumänien die EU-Position. Besondere Umweltgefährdungen und Risiken in Rumänien sind nicht EU-konforme Abfalldeponien, der im EU-Vergleich massive illegale Holzeinschlag, der vor allem auch die letzten europäischen Urwälder betrifft, sowie die Feinstaubbelastung in den Großstädten.
Chancen für den Einsatz DEU Technologien bestehen in den Bereichen Recycling, Abwasser, Thermosolar, Energieeffizienz und Automatisierung.

Weitere Informationen

Auskünfte über den jeweiligen Stand der Außenhandelsvorschriften sowie Messeaktivitäten u.Ä. erteilt die Deutsch-Rumänische Industrie- und Handelskammer in Bukarest.

Weitere Informationen: www.ahkrumaenien.ro

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland (Germany Trade and Invest, gtai) hält ein breites Informationsangebot über die allgemeinen Marktbedingungen, über Rechtsfragen, Zoll- und Steuerangelegenheiten sowie spezielle Branchenberichte bereit.

Weitere Informationen: www.gtai.de

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


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