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Polen: Kultur- und Bildungspolitik Polen

11.04.2019 - Artikel


Kultur- und Bildungsaustausch

Der intensive deutsch-polnische Kultur- und Bildungsaustausch wird institutionell durch Kulturmittler wie das Goethe-Institut und den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), das Deutsch-Polnische Jugendwerk sowie politische und private Stiftungen aber auch durch ein dichtes Netzwerk auf zivilgesellschaftlicher Ebene getragen. Auch hunderte Schulen, Hochschulen und wissenschaftliche Gesellschaften sind in vielfältiger Weise engagiert.

Grundlage der Tätigkeit der wichtigsten deutschen Mittlerorganisationen in Polen ist das deutsch-polnische Kulturabkommen vom 14. Juli 1997, das am 4. Januar 1999 in Kraft getreten ist.

Nirgendwo in der Welt lernen so viele Menschen Deutsch als Fremdsprache wie in Polen: Ca. 1,9 Millionen Schülerinnen und Schüler lernen Deutsch. Ein Schwerpunkt der deutschen auswärtigen Kulturpolitik in Polen liegt in Unterstützungsangeboten für den Erwerb der deutschen Sprache. 101 polnische Schulen sind Teil der Partnerschulinitiative PASCH.. Rund 20 entsandte deutsche Lehrkräfte unterrichten dort mit ihren polnischen Kollegen Deutsch. An 91 der Partnerschulen wird das Deutsche Sprachdiplom (DSD I und II) der Kultusministerkonferenz verliehen. In Warschau können die Absolventen der Willy-Brandt-Schule, der deutschen Auslandsschule und der deutsch-polnischen Begegnungsschule neben der deutschen Reifeprüfung auch die polnische Matura ablegen. Zehn weitere Schulen der Partnerschulinitiative sind vom Goethe-Institut geförderte FIT-Schulen.

Im Programm-, Sprach- und Informationsbereich sind die Goethe-Institute in Warschau und Krakau mit zusätzlichen Lesesälen und Partnerbibliotheken sowie deutsch-polnische Kulturgesellschaften in größeren Städten Polens tätig. Das Auswärtige Amt fördert Projekte aus Musik, Film, Literatur und darstellender bzw. bildender Kunst sowie Maßnahmen der kulturellen und historisch-politischen Bildung für junge Deutsche und Polen.

Im Deutschen Historischen Institut (DHI) in Warschau arbeiten seit 1993 deutsche und polnische Historiker vornehmlich zu Themen der gemeinsamen deutsch-polnischen Geschichte.

Das 1991 durch ein Regierungsabkommen gegründete Deutsch-Polnische Jugendwerk (DPJW) fördert die Begegnungen von deutschen und polnischen Jugend- und Schülergruppen sowie trilaterale Projekte zusammen mit anderen Ländern. In den Jahren seit 1991 hat das DPJW Begegnungen von mehr als 3 Millionen Jugendlichen unterstützt. Das DPJW wird von Deutschland und Polen gemeinsam finanziert. Die deutsche Seite hat ihren Beitrag für das Jahr 2019 auf sieben Millionen Euro erhöht.

Seit Ende der 50er-Jahre hat der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) im Austausch mit Polen mehr als 70.000 polnische und 27.000 deutsche Wissenschaftler gefördert. Verschiedene deutschsprachige Studiengänge an polnischen Hochschulen, die 1991 wieder gegründete Europa-Universität „Viadrina“ in Frankfurt/Oder, die Angebote der „Neiße-Universität“, der Universitäten Rostock, Greifswald und Wismar oder des „Internationalen Hochschulinstituts Zittau“ sowie das Zentrum für Polen-Studien an den Universitäten Halle-Wittenberg und Jena vertiefen den wissenschaftlichen und kulturellen Austausch. Deutsche und polnische Universitäten arbeiten insgesamt seit Jahrzehnten eng zusammen: derzeit gibt es 1.522 Hochschulkooperationen. Auch die großen Wissenschaftsgemeinschaften wie die Max-Planck-Gesellschaft (MPG), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), díe Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft und die Alexander-von-Humboldt-Stiftung (AvH) haben zahlreiche Projektkooperationen in Wissenschaft und Forschung mit Partner an polnischen Hochschulen. Engen Austausch pflegt auch die Leopoldina -  Akademie der Wissenschaften. Deutsch-polnische Projekte in den Geisteswissenschaften fördert  die Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung.

Deutsche Minderheit

Die deutsche Minderheit in Polen umfasst nach eigener Einschätzung etwa 300.000 bis 350.000 Personen. Die Volkszählung von 2011 erbrachte dagegen eine Zahl von 148.000 Menschen; dieses Ergebnis wird von der deutschen Minderheit aber wegen der Methodik der Volkszählung in Frage gestellt. Viele Angehörige der Minderheit besitzen neben der polnischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit. Die deutsche Minderheit ist die größte von insgesamt 13 anerkannten nationalen oder ethnischen Minderheiten. Die Angehörigen der deutschen Minderheit leben vor allem in Oberschlesien (über 80 Prozent in den Woiwodschaften Oppeln und Schlesien). Die Organisationen der Minderheit gehören überwiegend einem Dachverband (Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften - VdG) mit Sitz in Oppeln an. Die Minderheitenrechte sind in der polnischen Verfassung und im Deutsch-Polnischen Nachbarschaftsvertrag vom 17. Juni 1991 garantiert. Im Januar 2005 trat ein Minderheitengesetz in Kraft, das unter anderem die Verwendung von Minderheitensprachen als Hilfssprachen auf lokaler Ebene und die Aufstellung zweisprachiger Ortsschilder ermöglicht. Diese Möglichkeit wird von der deutschen Minderheit in ihrem Hauptsiedlungsgebiet zunehmend aktiv genutzt.

Die deutsche Minderheit ist zurzeit mit einem Abgeordneten im polnischen Parlament vertreten. Auf regionaler Ebene ist sie in der Woiwodschaft Oppeln eine gewichtige politische Kraft und an der Regionalregierung mitbeteiligt. Sie stellt mehrere Landräte, viele Kreistagsabgeordnete, einen Stadtrat sowie Bürgermeister.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

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