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Wirtschaft Neuseeland

Artikel

Stand: Oktober 2018

Wirtschaftsstruktur und aktuelle Wirtschaftslage

Neuseelands Volkswirtschaft ist am Freihandel orientiert und in hohem Maße exportabhängig. Das Land hat seit Mitte der 1980er Jahre Anstrengungen zur Diversifizierung seines Außenhandels unternommen und seine Wirtschaft, einschließlich der Landwirtschaft, nahezu vollständig dereguliert. Die neuseeländische Wirtschaft bleibt im Exportsektor dennoch stark landwirtschaftlich geprägt. Der Tourismus ist der zweitwichtigste Exportzweig und wächst derzeit wieder stark. Auch in diesem Zusammenhang wichtige Branche ist die Filmindustrie, die mit den „Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“-Trilogien zahlreiche Filmfans nach Neuseeland lockt.

Nachdem sich Neuseeland Anfang 2010 von den Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise langsam erholt hatte, bremste das verheerende Erdbeben im September 2010 den wirtschaftlichen Aufschwung aus und führte das Land beinahe in eine Rezession. Mit den Wiederaufbauarbeiten in der Region Canterbury hat die Wirtschaft – insbesondere die Baubranche – aber wieder an Schwung gewonnen. Zuletzt hatte der Einbruch der Weltmarktpreise für Milchpulverprodukte - das wichtigste Ausfuhrprodukt - eine dämpfende Wirkung auf die Wirtschaftsdynamik. Die leichte Erholung der Preise trägt jedoch zu einem optimistischen Ausblick bei. Das Wirtschaftswachstum lag 2017 bei durchschnittlich 2,9 %. Die Arbeitslosenquote lag 2017 bei ca. 4,5 %.

Die Rahmenbedingungen für Investitionen im Land sind gut. Für Kapitaleinfuhren auf dem Bankweg oder in Form legal importierter Waren werden keine Genehmigungen benötigt. Ausländer können ihr eingeführtes Kapital wie auch in Neuseeland erzielte Zinsen, Gewinne und Dividenden frei ausführen, wenn dies durch eine hierzu befugte Stelle (Handelsbank oder Devisenhändler) erfolgt. Die Devisenkurse sind frei veränderlich und werden durch Angebot und Nachfrage festgelegt. Die Inflationsrate belief sich 2017 auf ca. 1,6%.

Wirtschaftszweige

Die Agrarwirtschaft, hier an erster Stelle die Milch- und Fleischwirtschaft, hat für den Export nach wie vor eine überragende Bedeutung. Gesamtwirtschaftlich nimmt der Dienstleistungssektor eine immer stärkere Rolle ein. Der sektorale Aufbau des BIP-Bruttoinlandsprodukt gliederte sich zuletzt in einen Anteil von rund 10 % an der Produktion des primären Sektors, rund 20 % an der Güterproduktion und rund 70 % an Dienstleistungen.

Außenwirtschaft

Die wichtigsten Exportgüter Neuseelands sind land- und forstwirtschaftliche Produkte (insb. Milchprodukte, Fleisch und Holz, Äpfel, Kiwis). Unter den Importgütern dominieren weiter Nutzfahrzeuge und Ersatzteile, Maschinen und Geräte, Erdöl sowie elektrische Anlagen und Geräte.

Die EU war 2017 für Neuseeland der erneut wichtigste Importpartner (Deutschland war 2017 sechswichtigster Handelspartner für Neuseeland), als Exportdestination stand die EU an dritter Stelle nach China und Australien. Insgesamt ist die EU damit der drittwichtigste Warenhandelspartner, gefolgt von USA und Japan umgekehrt steht für die EU Neuseeland an 51. Stelle.

Mitgliedschaft in internationalen und regionalen Wirtschaftsgruppierungen

Neuseeland ist unter anderem Mitglied der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der Welthandelsorganisation (WTO), des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank, der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) und der Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC). Zudem hat Neuseeland das South Pacific Regional Trade and Economic Cooperation Agreement (SPARTECA) sowie Ende 2002 das Pacific Agreement on Closer Economic Relations (PACER) unterzeichnet.

Mit der im April/Mai 2018 vorgestellten „Trade for All“-Agenda will die neuseeländische Regierung neue Akzente in der Handelspolitik setzen. Der Abschluss von Freihandelsabkommen (FHA) spielt weiterhin eine wichtige Rolle. Mit dem wichtigsten Handelspartner Australien herrscht seit dem 1. Juli 1990 freier Warenverkehr im Rahmen des CER-Abkommens (Closer Economic Relations). Die im Februar 2004 mit Australien aufgenommenen Verhandlungen über die Einführung eines gemeinsamen Binnenmarktes werden weiter vorangetrieben. Nach dem Abschluss eines FHA mit Taiwan im Juli 2013 war Neuseeland das erste Land, welches mit der Volksrepublik China (2008), mit Hongkong (2010) und mit Taiwan gleichzeitig Freihandelsabkommen unterhält.

Ebenfalls 2008 wurde ein Freihandelsabkommen zwischen Australien, Neuseeland und den ASEAN-Staaten (Association of Southeast Asian Nations) abgeschlossen, das im Januar 2012 auch in Indonesien, dem letzten noch ausstehenden ASEAN-Staat, in Kraft trat. Als erstes westliches Land verhandelte Neuseeland mit Russland, Weißrussland und Kasachstan über ein Freihandelsabkommen, das 2014 abgeschlossen werden sollte. Im Kontext der Ukraine-Krise hat Neuseeland die Verhandlungen im März 2014 allerdings ausgesetzt. Ein Freihandelsabkommen mit Indien befindet sich weiter in der Verhandlungsphase. Im Oktober 2009 wurden Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen mit dem „Gulf Cooperation Council“ abgeschlossen, eine Unterzeichnung steht jedoch noch aus. Im März 2015 wurde ein Freihandelsabkommen mit Südkorea unterzeichnet. Nach dem die USA aus dem Handelsabkommen TPP (Trans Pacific Partnership) ausgestiegen waren, war Neuseeland einer der Wegbereiter des geänderten Freihandelsabkommens „ Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership (CPTPP)“, das im März 2018 unterzeichnet wurde.

Parallel engagiert sich Neuseeland seit November 2012 bei der Einrichtung des Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP), eine Freihandelsinitiative der ASEAN Mitgliedstaaten mit ihren Freihandelspartnern China, Japan, Indien sowie Korea, Neuseeland und Australien.

Umwelt und Klimapolitik

Der Umwelt- und Naturschutz gehören seit Jahrzehnten zu den besonderen neuseeländischen Prioritäten. In der internationalen Klimapolitik zeigt Neuseeland sich engagiert. Die Labour geführte Regierung hat die Klimapolitik – nicht zuletzt wegen Unterstützung der Koalition durch die Grünen – zur Priorität gemacht. Bis 2050 soll der NZL CO2-Ausstoss bei „netto null“ liegen. Der neue Haushalt sieht als Teil dieser Strategie für die Etablierung eines „Green Investment Fund“ 100 Mio. NZ$ vor.

NZL konnte seinen Anteil der erneuerbaren Energien (v.a. Wind- und Wasserkraft sowie Geothermie) am gesamten Stromverbrauch auf 81 % erhöhen, bis 2025 soll dieser bei 91 % liegen und ist schon jetzt unter den höchsten im OECD Vergleich.

Wichtigstes Instrument zur Umsetzung der neuseeländischen Reduktionsverpflichtungen aus der ersten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls sowie der VN-Klimarahmenkonvention ist das auf Grundlage des im Jahr 2008 beschlossenen „Climate Change Response (Emissions Trading and other matters) Amendment Act“ eingeführte Emissionshandelssystem (ETS). Mit Rücksichtnahme auf bestimmte Wirtschaftszweige (vor allem Landwirtschaft) wurde die vollständige Umsetzung zunächst mehrfach verzögert. Vom ETS werden mittlerweile Unternehmen folgender Sektoren erfasst: Forstwirtschaft (seit 2008), Energie (2010), Fischerei (2010), Industrie (2010), flüssige fossile Brennstoffe (2010), synthetische Gase (2013) sowie Abfallwirtschaft (2013).

Der Agrarsektor, in Neuseeland für fast die Hälfte der Treibhausgasemissionen verantwortlich, ist bislang ausgenommen: Landwirtschaftliche Unternehmen müssen seit dem 01. Januar 2012 lediglich ihre Emissionen jährlich an die Environmental Protection Authority melden. Ein Datum, ab welchem sie tatsächlich am ETS teilnehmen müssen, wurde bisher noch nicht gesetzlich festgelegt.

Im November 2012 entschied die neuseeländische Regierung, sich nicht an einer zweiten Verpflichtungsperiode unter dem Kyoto-Protokoll zu beteiligen und hält auch aktuell an dieser Position fest. Im April 2015 kündigte der damalige Klimaminister Groser an, die neuseeländischen Klimagasemissionen bis 2020 um 5 % unter das Niveau von 1990 zu senken wollen. Zwar sind laut eines Berichtes des neuseeländischen Umweltministeriums vom April 2015 die neuseeländischen Klimagasemissionen im Jahr 2013 (80.961,6 kt CO2-e) gegenüber dem Jahr 2012 um 1,4 % gesunken, sie liegen aber immer noch deutlich über dem Niveau von 1990 (66.720,16 kt CO2-e).

Außerdem ist das Land Mitglied der Climate and Clean Air Coalition (CCAC), unterstützt die Abschaffung von Subventionen auf fossile Energieträger im Rahmen der „Fossil-Fuel Subsidy Reform“, hat die Global Research Alliance zur Erforschung von Landwirtschaft und Klimawandel gegründet und den Asia-Pacific Carbon Markets Roundtable initiiert. Am Rande von COP21 ist NZL der Globalen Geothermal-Allianz (GGA) beigetreten. Die GGA, eine von der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) geleitete Initiative, fördert vermehrte geothermale Energieerzeugung und den direkten Einsatz von geothermaler Wärmenutzung. Der International Renewable Energy Agency (IRENA) war Neuseeland bereits am 1. April 2011 beigetreten.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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