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Namibia: Kultur- und Bildungspolitik Namibia

15.08.2019 - Artikel

In Vielfalt geeint

In Namibia lebt rund ein Dutzend Volksgruppen, denen die namibische Verfassung kulturelle Eigenständigkeit zusichert: u.a. Ovambo, Kavango, Herero, Nama, Damara, San ebenso wie Deutschsprachige und andere Europäischstämmige. Zugleich hat sich eine selbstbewusste namibische Identität herausgebildet, auch dank der Überschreitung ethnischer Grenzen im Sport (Fußball, Rugby), in der Musik (Kwaito) und im Film.

Charakteristisch für Namibia ist die Sprachenvielfalt im Alltag mit dem ständigen Wechsel zwischen der jeweiligen Muttersprache, Afrikaans (lingua franca) und Englisch (offizielle Landessprache).

Zu den zahlreichen Kultureinrichtungen gehören Museen und Galerien im ganzen Land sowie das Nationaltheater und das Nationalarchiv in Windhuk. Ein Rat für Denkmalschutz kümmert sich um den Erhalt historischer Bausubstanz.

Bildungspolitik

Die namibische Regierung verfolgt das Ziel, allen Kindern bis zum 16. Lebensjahr eine Schulbildung zu ermöglichen. Im Dezember 2012 wurde der kostenlose Grundschulbesuch landesweit eingeführt. Kostenlose Sekundarschulbildung ist erklärtes Ziel.

Jährlich werden erhebliche Mittel für Bildungsausgaben zur Verfügung gestellt. Weiterhin erreicht allerdings nur etwas über die Hälfte der Schulkinder den ersten nationalen Schulabschluss nach Klasse 10. Die Hochschulreife kann nach zwölfjähriger Schulzeit erreicht werden.

Die im regionalen Vergleich schwach ausgeprägte Leistungsfähigkeit des namibischen Schulwesens behindert die langfristige Entwicklung des Landes.

Neben der “University of Namibia” (UNAM) hat sich das frühere „Polytechnikum“ als Namibian University of Science and Technology (NUST) als zweite Hochschule des Landes etabliert.

Darüber hinaus besteht eine private, staatlich anerkannte „International University of Management“ (IUM).

Deutsche Sprache und Kultur

Namibia ist seit der Kolonialzeit Einwanderungsland für Deutsche. Die rund 20.000 Menschen umfassende deutschsprachige Gemeinschaft hat ein aktives Kulturleben, verfügt über ein dichtes Netzwerk von Institutionen und spielt eine tragende Rolle in der namibischen Wirtschaft. Sie wird von der namibischen Regierung als integraler Bestandteil der namibischen Gesellschaft anerkannt und geachtet. Gleichzeitig ist sie Deutschland kulturell eng verbunden.

Die deutsche Sprache ist in Namibia relativ stark präsent:

  • als Muttersprache von etwa 20.000 Menschen

  • in den deutschsprachigen Medien („Allgemeine Zeitung“, deutsches Programm des staatlichen Rundfunks NBC, privates „Hitradio“ sowie Satellitenfernsehen);

  • als Fremdsprache, die von immer mehr Menschen landesweit erlernt wird;

  • als Geschäftssprache im Handwerk und vor allem im Tourismussektor mit seiner immens wachsenden Bedeutung für die Zukunft der namibischen Wirtschaft: Mit über 100.000 Ankünften pro Jahr stellen Deutsche bei weitem die größte Gruppe der Touristen aus Übersee.

Ende 2018 erlernten an 55 zumeist staatlichen Schulen ca. 10.000 Schülerinnen und Schüler Deutsch als Mutter- und Fremdsprache. Derzeit existieren acht Partnerschulen (PASCH) in Namibia.

Zu den deutschen kulturellen Einflüssen in Namibia zählt das Erbe der Kolonialarchitektur, das von der namibischen Regierung und der Gesellschaft als Teil der eigenen Geschichte wahrgenommen und geschätzt wird. Zur Restaurierung solcher Bauwerke (wie dem Estorff-Haus in Windhuk und dem Offiziershaus Warmbad) hat Deutschland im Rahmen des Kulturerhalt-Programms des Auswärtigen Amts beigetragen.

Vermehrt regt sich Kritik an Denkmälern aus der Kolonialzeit und an der Weiterverwendung deutscher Straßen-, Orts- oder Flurnamen. Einige Orte und etliche Straßen, vor allem in Windhuk, wurden bereits umbenannt. Das 1912 zu Ehren deutscher Kriegstoter errichtete Reiterstandbild in Windhuk wurde an Weihnachten 2013 auf Veranlassung der namibischen Regierung von seinem bisherigen Standort vor der Alten Feste entfernt und anlässlich des Unabhängigkeitstages 2014 durch ein Denkmal für die afrikanischen Opfer des grausamen Kolonialkriegs von 1904 bis 1908 ersetzt.

Weitere Informationen

Namibia ist Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Mehr dazu beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:

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