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Myanmar: Wirtschaft Myanmar

28.03.2019 - Artikel

Wirtschaftsstruktur

Myanmar ist ein ressourcenreiches Land mit circa 54 Mio. Einwohnern auf einer Fläche circa doppelt so groß wie Deutschland an der Schnittstelle zwischen China, Indien und Südostasien. Das wirtschaftliche Potenzial des Landes ist beachtlich, es verfügt über große Erdgasvorräte, Hölzer, Kupfer, Edelsteine und andere Rohstoffe sowie über große Wasserkraftreserven und umfangreiche landwirtschaftliche Nutzflächen. Angesichts des angespannten außenpolitischen Umfeldes in Folge der andauernden Rakhine-Krise hat das Interesse an Myanmar als Investitionsstandort abgenommen. Darüber hinaus sind die Rahmenbedingungen angesichts unzureichender Infrastruktur, Modernisierungsbedarf der entsprechenden Gesetze sowie Anpassungsbedarf in der öffentlichen Verwaltung noch schwierig. Artikel 35 der Ende Januar 2011 in Kraft getretenen Verfassung legt fest, dass Myanmar ein markwirtschaftliches System verfolgt. Die myanmarische Wirtschaft ist zu einem großen Anteil agrarisch geprägt (knapp 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP)), Hauptwirtschaftszweig ist jedoch mittlerweile der Dienstleistungssektor (40 Prozent des BIP). Rund zwei Drittel aller Beschäftigten leben auf dem Land.

Der Finanzsektor ist noch schwach entwickelt. 2013 wurden nationale bargeldlose Zahlungssysteme eingeführt, Geldautomaten sind inzwischen in großer Zahl vorhanden. Zuletzt wurde ausländischen Banken offiziell die Möglichkeit eröffnet, sich an lokalen Banken zu beteiligen. Internationale Geldübertragungen mit Western Union etc. sind möglich. Die Kreditversorgung der Wirtschaft ist niedrig.

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Bei der Beurteilung der wirtschaftlichen und sozialen Situation Myanmars ist zu beachten, dass es kaum verlässliche nationale Statistiken gibt und auch internationale Organisationen wie IWF, Weltbank oder UNDP deshalb nur grobe und teils voneinander abweichende Schätzungen abgeben.

Neben politischen Reformen hat die Vorgänger-Regierung seit Sommer 2011 auch umfassende Wirtschaftsreformen angestoßen.  Nach etwa zwei Jahren Regierungszeit hat die NLD (National League for Democracy)-Regierung 2018 mit dem Myanmar Sustainable Development Plan ein Regelwerk für die Entwicklung des Landes herausgegeben, was seitens der internationalen Gemeinschaft als die notwendige Konkretisierung der Wirtschaftspolitik angesehen wird. Als große strukturelle Entwicklungshindernisse gelten vor allem die mangelhafte Infrastruktur sowie der intransparente Rechtsrahmen. Das BIP (zu jeweiligen Preisen) schätzt der IWF im Haushaltsjahr 2017/18 auf 66,7 Mrd. USD, pro Kopf auf  6.262 USD (Kaufkraftparität). Für das aktuelle Haushaltsjahr 2018/2019 wird eine Wachstumsrate von 6,4 Prozent erwartet, für das Folgejahr 2019/20 von 6,6 Prozent Die Inflationsrate lag  2017/2018 bei geschätzt 4 Prozent. 

Der Export von Erdgas wird für Myanmar weiterhin eine wichtige Einnahmequelle bleiben, die geförderten Mengen gehen nach stetigem Anstieg zwischen 2005 und 2015 zuletzt leicht zurück (2017: 18,0 Milliarden Kubikmeter, 2016: 18,9 Milliarden Kubikmeter). Im Haushaltsjahr 2017/18 trugen die Gasexporte geschätzt etwa 7 Prozent zum BIP bei. Die Erschließung neuer Gasfelder ist zu erwarten. Insgesamt hat Myanmar mit 1,2 Billionen Kubikmeter im weltweiten Vergleich geringe Reserven (0,6 Prozent) ist jedoch einer der größten Lieferanten auf dem regionalen Markt. Die Ölreserven sollen sich insgesamt auf 3,2 Milliarden Barrel belaufen. Die Ölförderung ist jedoch relativ gering, der Hauptteil des Bedarfs an Rohöl und Raffinerieprodukten muss über Importe abgedeckt werden.

Trotz aller Kraftanstrengungen bleibt die allgemeine Infrastruktur (vor allem Energieversorgung und Verkehrsverbindungen) insbesondere außerhalb der großen Städte unterentwickelt und damit ein großes Investitionshindernis. Selbst in Rangun kommt es in den vielen Stadtvierteln noch immer zu täglichen Stromausfällen, so dass sich die Industrie, touristische Einrichtungen und Haushalte mit Dieselgeneratoren behelfen müssen. Rund 60 Prozent der myanmarischen Elektrizität stammt aus Wasserkraft, circa ein Drittel aus Gaskraftwerken.

Myanmar hat mittlerweile ein an internationalen Standards orientiertes Arbeitsgesetz, das auch die Gründung von Gewerkschaften ermöglicht und klare Regeln zum Streikrecht beinhaltet. Die 2012 eingerichtete Sozialversicherung sieht u.a. eine besondere Gesundheitsversorgung für Arbeitnehmer und eine geringe Arbeitslosenversicherung vor, in die Arbeitnehmer und Arbeitgeber paritätisch jeweils ein Prozent des Arbeitslohns einzahlen sollen.

Die Sozialindikatoren Myanmars sind größtenteils ungünstig. Etwa ein Viertel der Bevölkerung lebt unter der absoluten Armutsgrenze (Weltbank). Besonders gravierend ist die Armut in den schwer zugänglichen Siedlungsgebieten der ethnischen Minderheiten in den Grenzregionen Myanmars sowie in der zentralen Trockenzone. Die Zahl der Arbeitslosen wird von der Regierung nicht ermittelt. Der Anteil der Unterbeschäftigten wird auf mindestens ein Drittel der arbeitenden Bevölkerung geschätzt. Tagelöhnertum ist weit verbreitet. Die schlechte sozioökonomische Situation führt zu einer Abwanderung von Arbeitskräften ins Ausland.

Myanmar ist Teil des „Golden Triangle“ und weltweit der zweitgrößte Opium-Produzent nach Afghanistan. Schätzungen von UNODC (United Nations Office on Drugs and Crime) zufolge kommt rund ein Viertel der Weltproduktion aus Myanmar.

Außenhandel und ausländische Investitionen

Myanmar ist Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) und Mitglied regionaler Zusammenschlüsse wie ASEAN, BIMSTEC (Bangladesch, Bhutan, Indien, Myanmar, Nepal, Sri Lanka, Thailand) und dem Kooperationsprojekt der Greater Mekong Subregion.

Der Außenhandel hat in den letzten Jahren als Devisenbringer und Wachstumsmotor an Bedeutung gewonnen. Allerdings exportiert Myanmar bisher kaum verarbeitete Waren, sondern vorrangig Rohstoffe. Exportiert werden neben Erdgas  hauptsächlich Agrarprodukte (insb. Bohnen, Hülsenfrüchte und Reis), Hölzer, Edelsteine, Bekleidung und Fischereiprodukte. Hauptimportgüter sind Kraftstoffe und Maschinen, daneben Stoffe für die Textilwirtschaft, Stahl, Konsumgüter und Pharmazeutika. Der Großteil der myanmarischen Exporte und Importe geht bzw. kommt aus der asiatischen Region: Die wichtigsten Handelspartner sind im Export China (39 Prozent), Thailand (19 Prozent) und Japan (7 Prozent). Beim Import liegt China (31 Prozent) vor Singapur (15 Prozent) und Thailand (13 Prozent). Der Außenhandelsanteil der EU ist trotz steigender Tendenz im Vergleich immer noch gering. Die EU hat im März 2014 Verhandlungen über einen EU-Myanmar-Investitionsschutzvertrag aufgenommen. Im Sommer 2013 führte die EU wieder Handelspräferenzen (GSP+) für Myanmar ein. Vor dem Hintergrund der andauernden Rakhine-Krise sind die Verhandlungen zum Investitionsschutzabkommen jedoch gegenwärtig ausgesetzt, die EU prüft weiterhin die Notwendigkeit des Entzugs der Handelspräferenzen.

Ein Kernelement der Wirtschaftsreformen ist das im April 2017 in Kraft getretene Investitionsgesetz. Dieses führt nun das Gesetz über ausländische Investitionen von Ende 2012 und das Gesetz über einheimische Investitionen von 2013 zusammen. Prinzipiell sieht das Gesetz die Gleichbehandlung ausländischer und einheimischer Investoren vor. Erwartet werden nicht  unerhebliche praktischen Verbesserungen für ausländische Investoren u.a. in den Bereichen langfristige Landnutzung, Steuer- und Zollermäßigungen bzw. –befreiungen, Einstellung qualifizierter Kräfte. Auch wurden bestimmte Sektoren, wie Einzelhandel oder Viehzucht sowie der Bankensektor für ausländische Investoren geöffnet.

Bisher wurden drei Sonderwirtschaftszonen (SEZ) eingerichtet bzw. sind geplant. Diese bieten Investoren Sonderprivilegien wie mehrjährige Steuerbefreiungen, aber auch bessere Infrastruktur und Erleichterungen bei bürokratischen Prozessen. Die bisher eingerichteten bzw. geplanten SEZ  sind Kyaukpyu im Nordwesten mit einer Öl- und Gaspipeline nach China, Thilawa am Stadtrand von Rangun mit japanischer Beteiligung und Dawei im Süden mit thailändischer Beteiligung. Bisher ist jedoch nur die SEZ Thilawa voll funktionsfähig und zieht Investoren an.

Bis zur Öffnung des Landes flossen knapp 90 Prozent der ausländischen Investitionen in die Bereiche Gas/Ölförderung und Energieerzeugung. Außerhalb dieser Sektoren wurden seit Jahren praktisch keine ausländischen Investitionen getätigt. Zuletzt gingen jedoch viele der genehmigten ausländischen Neu-Investitionen in den Telekommunikationssektor, die Transportinfrastruktur, die Bauwirtschaft, den Tourismus und die verarbeitende Industrie. Die größten ausländischen Investitionen kamen  aus China,  Hongkong,  Singapur, Thailand und Südkorea. Japans Engagement in Myanmar hat sich weiter erheblich intensiviert.

Eine im Januar 2013 getroffene Umschuldungsvereinbarung mit dem Pariser Club sieht für Myanmar einen zweistufigen Schuldenerlass von insgesamt 50 Prozent vor (bei einer Rückzahlung der verbleibenden Schulden über 15 Jahre inklusive sieben Freijahre). Insgesamt erlassen die Gläubiger des Pariser Clubs Myanmar ca. 5,3 Mrd. US-Dollar.

Umweltfragen

Myanmar gilt als das Land mit der größten biologischen Vielfalt an Tieren und Pflanzen in Südostasien. Berühmt ist Myanmar insbesondere für seine Teakholzbestände. Zwar bedrohen weiterhin mangelnder Schutz von Wäldern, die Ausdehnung von landwirtschaftlichen Nutzflächen und übermäßiger kommerzieller Holzeinschlag den Fortbestand der Primärwälder. Allerdings ist der Raubbau an der Natur kein Tabuthema mehr. Der durch öffentlichen Protest (auch wegen möglicher Umweltzerstörungen) hervorgerufene Baustopp des Myitsone-Staudammprojekts in Kachin – ebenso wie der Stopp eines gigantischen Kohlekraftwerks im Rahmen des Dawei-Projekts Ende 2011 - zeigen, dass die Politik die öffentliche Meinung nicht mehr ignoriert. Weiterhin sind jedoch zahlreiche Staudammprojekte mit massiven Konsequenzen für die Umwelt geplant und im Bau.

Myanmar ist Signatarstaat des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt vom 5. Juni 1992 sowie des Internationalen Protokolls über die Biologische Sicherheit („Cartagena Protocol“).

Seit 2011 verfügt Myanmar über ein Umweltministerium und seit 2012 über ein Umweltschutzgesetz.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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