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Wirtschaftspolitik Mosambik

Artikel

Stand: September 2018

Wirtschaftliche Lage

Seit Bekanntwerden bedeutender Erdgasfunde im Herbst 2011 hat sich die Sichtweise auf Mosambiks Wirtschaftspotential drastisch geändert. Die Erdgasvorkommen werden mit denen von Katar verglichen und könnten Mosambik mittel- bis langfristig zum dritt- oder viertgrößten Erdgasexporteur weltweit machen. Der grundlegende gesetzliche Rahmen und damit Investitionssicherheit für den Einstieg in die Gasförderung wurde Ende 2014 geschaffen. Zum Abbau der Vorkommen haben sich internationale Unternehmen in Konsortien zusammengeschlossen. Das Konsortium der „Area 4“ hat die finale Investitionsentscheidung 2017 getroffen, für die Area 1 wird mit einer solchen Investitionsentscheidung 2019 gerechnet. Bei gutem Timing und kluger Verwendung könnten die Erdgasfunde für die mosambikanische Regierung den Schlüssel zu einer nachhaltigen Armutsreduzierung darstellen. Allerdings ist frühestens Ende der 2020er Jahre mit signifikanten Einnahmen aus der Gasförderung zu rechnen. Bis dahin muss die Regierung von Mosambik gemeinsam mit Projektpartnern und Gebern die Herkulesaufgabe bewältigen, die nötige Infrastruktur und die erforderlichen Kapazitäten für die Bewältigung und Kanalisierung des potenziellen Booms auch zur inklusiven Nutzung zum Wohl der Bevölkerung zu schaffen.

Auch über Kohle und Gas hinaus ist Mosambik reich an Bodenschätzen (unter anderem Eisen, Titan, Tantal, Seltene Erden, Gold, Diamanten, Uran, Industriemineralien, Baumaterialien), an natürlichen Energieressourcen (Hydro, Geothermie, Solar, Windkraft) und verfügt mit rd. 36 Millionen Hektar urbarem Land über großes agrarisches Potenzial, von dem zur Zeit nur etwa 10 Prozent hauptsächlich durch Kleinbauern genutzt wird (nur 3 Prozent für kommerzielle Produktion).

Über 2700 Kilometer größtenteils unberührte Küste mit vorgelagerten Riffen und Inseln, der Niassa-See und im Wiederaufbau begriffene Nationalparks sind touristisch immer noch weitgehend unerschlossen und ungenutzt, bergen aber für den Tourismus großes Potenzial.

Mosambik hatte in den ersten 20 Jahren seit Ende des Bürgerkriegs zunächst eine bemerkenswerte Entwicklung zu Wege gebracht (Pro-Kopf-Einkommen 1994 bei unter 100 US-Dollar pro Jahr, 2017 bei 415 US-Dollar, Quelle: Weltbank). In den Jahren 2007 – 2015 lagen die Wachstumszahlen stabil um die 7-8%.

Mit dem Verfall der Rohstoffpreise am Weltmarkt 2015 und dem Bekanntwerden 2016 der dem IWF und dem Parlament verheimlichten Kredite von Credit Suisse und der russ. Außenhandelsbank aus 2013-15in Höhe von 2 Mrd. USD folgte jedoch der große Crash und die mosambikanische Wirtschaft stürzte in die schwerste Finanz- und Schuldenkrise in der Geschichte des Landes.

2018 ist erstmals wieder ein leichter wirtschaftlicher Positivtrend erkennbar. Die Wachstumsprognose für 2018 liegt bei ca. 3,5%, die Inflation ist bei rund 6% eingehegt, die Währung Metical stabilisiert. Aber die Wirtschaft bleibt geschwächt und äußerst anfällig für externe Schocks. Und auch der Vertrauensverlust der internationalen Finanzmärkte und Geber aufgrund der Skandalkredite ist noch nicht überwunden.

Und auch perspektivisch bleiben die Herausforderung groß: Fast 55 Prozent der mosambikanischen Bevölkerung leben immer noch unter der absoluten Armutsgrenze (weniger als 0,5 US-Dollar pro Tag). Im UNDP Human Development Index 2017 steht Mosambik auf Platz 181 von 189 Ländern. Mosambik bleibt stark anfällig für externen Schocks: Veränderungen der Weltmarktpreise für die wenig diversifizierten Exporte des Landes und Auswirkungen des Klimawandels (Dürren, Überschwemmungen, Zyklone)   auf die Landwirtschaft spielen in diesem Zusammenhang eine große Rolle. Einheimisches Unternehmertum und lokale Arbeitskraft sind unterqualifiziert und unterentwickelt. Das Geschäftsklima wird von vielen Unternehmern - jenseits der Megaprojekte – als entwicklungshemmend gesehen. Unzureichender Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten, Korruption und wenig oder schlecht ausgebaute Infrastruktur werden als größte Hemmnisse genannt. Im „Doing Business Index“ geht es seit 2015 für Mosambik kontinuierlich abwärts Mosambik liegt auf Platz 138 (von 190).Die Alphabetisierungsrate von 55 Prozent sowie die HIV/AIDS-Rate von etwa 12 Prozent innerhalb der arbeitsfähigen Bevölkerung (15-49 Jahre) stellen das Land vor große Herausforderungen mit Auswirkungen auf die weitere soziale und wirtschaftliche Entwicklung. Auf dem aktuellen Index für Wettbewerbsfähigkeit der Weltbank liegt Mosambik auf Platz 136 von 137.

Wirtschaftssektoren

Neben dem Anbau von Nahrungsmitteln (hauptsächlich Subsistenzwirtschaft) werden in Mosambiks Landwirtschaft nur wenige „cash crops„ wie Tabak, Zucker, Tee, Baumwolle und Cashew-Nüsse angebaut, jedoch kaum im Land selbst weiterverarbeitet. Trotz günstiger Anbaumöglichkeiten ist Mosambik Nettoimporteur von Getreide und Reis (über 90 Prozent des Bedarfs). Im Zuckerbereich profitiert Mosambik vom EU-Präferenzabkommen („everything but arms„), welches zoll- und quotenfreien EU-Marktzugang bei festen Abnahmepreisen gewährt. Mosambik ist auch Zeichnerstaat des seit Februar 2018 in Kraft getretenen Europäische Partnerschaftsabkommens für die SADC-Region, das dauerhaft zoll- und quotenfreien Marktzugang zum europäischen Markt garantiert und wirtschaftliche und sozial nachhaltige Entwicklung im südlichen Afrika fördern soll. Die Fischwirtschaft spielt traditionell eine wichtige Rolle in Mosambik. Mosambik hat de facto keine Kontrolle über illegale Fischerei oder andere wirtschaftsschädigende Aktivitäten (Piraterie) in den nationalen Gewässern.

Charakteristisch sind extreme Disparitäten zwischen Stadt und Land sowie zwischen den strukturschwachen Nord- und Mittelregionen und den wirtschaftlichen Zentren in der Provinz Maputo im Süden des Landes. Das Nord-Süd-Gefälle könnte sich, abhängig von der Entwicklung der Kohle- und Gasvorkommen, langfristig ausgleichen, da die Vorkommen vor-nehmlich im Nordwesten (Tete) beziehungsweise Norden (Cabo Delgado) liegen.

Staatshaushalt

Nach Ende des Bürgerkriegs 1992 und Einführung eines Mehrparteiensystems entwickelte sich Mosambik zunächst zu einem „Donor Darling“.

Als eines der ersten Schuldnerländer profitierte Mosambik von dem im Rahmen der G8-Initiative (Highly Indebted Poor Countries) beschlossenen Schuldenerlass. Einschließlich des im September 2001 gewährten erweiterten Schuldenerlasses wurden Mosambik insgesamt 4,3 Milliarden US-Dollar Auslandsschulden erlassen, was Mosambik finanzielle Spielräume verschafft hat.

Bis zu einer Inwertsetzung des eigenen wirtschaftlichen Potenzials bleibt Mosambik zur Finanzierung der sozioökonomischen Entwicklung in hohem Maße auf internationale Zusammenarbeit angewiesen. Insgesamt treten in Mosambik 25 Staaten, sowie 25 multilaterale Organisationen und Unterorganisationen der Vereinten Nationen als Geber auf. Mit Aufdeckung der Skandalkredite von rund 2 Mrd. USD im April 2016 verlor Mosambik quasi über Nacht das Vertrauen der internationalen Finanzmärkte und Geber. Die Budgethilfe wurde eingestellt, ebenso wie ein laufendes IWF-Programm, derzeit erhält Mosambik vom IWF lediglich Unterstützung in Form von technischer Assistenz.

Die Schuldensituation Mosambiks bleibt völlig unhaltbar, der IWF spricht inzwischen von „debt distress“. Ende 2016 belief sich die Verschuldung nach Schätzungen auf rund 128% des BIP. MOZ ist derzeit nicht in der Lage alle fälligen Verbindlichkeiten zu bedienen. Die Restrukturierung der kommerziellen Schulden und deutlich stärkere Fiskaldisziplin, einschließlich grundlegender Reformen von staatlichen Unternehmen, bleiben Schlüsselelemente, um makroökonomische Stabilität herzustellen.

Außenhandel

Importe und Exporte bewegen sich noch auf niedrigem Niveau. Der Anteil Mosambiks am Welthandel ist gering. Die Handelsbilanz Mosambiks ist traditionell negativ. Das Defizit betrug 2016 rund 4 Milliarden US-Dollar (Exporte: ca. 4,7 Milliarden US-Dollar, Importe ca. 9,1 Milliarden US-Dollar – Quelle: Nationales Statistikinstitut). Die EU und Südafrika sind mit Abstand die stärksten Handelspartner, gefolgt von China, Indien, und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Exporte werden von den Einnahmen aus Kohle, Aluminium, Stromexport, Rohstoffen und Erdgas dominiert. Daneben sind Tabak, Garnelen, Zucker, Baumwolle und Cashew-Nüsse für den Export von Bedeutung. Die Importe bestehen vor allem aus Zulieferungen für die Aluminiumschmelze MOZAL (Bauxit), Maschinen, Fahrzeugen, Stromimport, Treibstoff, Medikamente und Getreide. Ausländische Unternehmen sind hauptsächlich im Bergbausektor, im Einzelhandel, im Tourismus und im Baubereich präsent. Der Investitionsbedarf im Bergbaubereich (Kohle und Erdgas) sowie im Infrastruktursektor wird für die nächsten 10 Jahre auf 50-100 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Mosambik ist Mitglied der Welthandelsorganisation und der Entwicklungsgemeinschaft im südlichen Afrika (SADC).

Umweltpolitik

Mosambik ist eines der am meisten vom Klimawandel betroffenen Länder der Welt und leidet zunehmend unter Wirbelstürmen, Überschwemmungen und Dürren. Die Auswirkungen des Klimawandels haben das Potential, Mosambik in seiner Entwicklung zurückzuwerfen. Überflutungen sorgen jedes Jahr für große Schäden an der Infrastruktur; zerstörte Straßen und Eisenbahnverbindungen bremsen das Wirtschaftswachstum des Landes. Das Land kann es sich daher nicht mehr leisten die Umweltpolitik als Posteriorität zu betrachten. So bemüht sich das Land vermehrt an der internationalen Umweltpolitik teilzuhaben und hat z.B. das Abkommen von Paris unterschrieben und stellt derzeit seine Nationally Determined Contributions auf.

Trotzdem ist zu sagen, dass Mosambik als eines der ärmsten Länder der Welt häufig andere Prioritäten setzt und es schlichtweg vielfach an der Kapazität fehlt, eine kohärente Umweltpolitik zu betreiben.

Das Land verfügt mit seinen zahlreichen großen Flüssen (Limpopo, Sambesi, Lurio, Rovuma, Save) über reichhaltiges klimafreundliches Potenzial an Wasserkraftressourcen, sowie mit seiner fast 2500 langen Küste, zusammen mit den nach dem Bürgerkrieg rehabilitierten Nationalparks im Landesinneren ein Reservoir an Artenvielfalt, das bisher nur wenig kommerziell (Fischfang, Garnelenzucht) und touristisch genutzt wird.

Illegaler Holzeinschlag, extensive Landnutzung (Brandrodung, Monokulturen, Bodenerosion), Wilderei und Überfischung durch ausländische Fangflotten stellen in einigen Landesteilen Risiken für Umwelt und Natur dar.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

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