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Wirtschaft Republik Moldau

Artikel

Stand: März 2018

Wirtschaftliche Lage

Die Republik Moldau hat eine in weiten Teilen freie Marktwirtschaft. Als Teil des Assoziierungsabkommens mit der EU ist die Einrichtung einer Vertieften  und Umfassenden Freihandelszone (Deep and Comprehensive Free Trade Area - DCFTA) vereinbart worden. Diese Freihandelszone sieht die schrittweise Annäherung moldauischer Rechtsvorschriften an EU-Rechtsvorschriften vor und ermöglicht eine enge Anbindung an den EU-Binnenmarkt. Das seit Herbst 2014 in Teilen vorläufig angewendete Abkommen trat am 1. Juli 2016 vollständig in Kraft.
Das BIP stieg Januar - September 2017 nach bisherigen Schätzungen im Vergleich zur gleichen Zeitperiode des Vorjahres um ca. 3,8% (real, 2016: 4%). Für 2017 gehen Prognosen von einem Wachstum zwischen 3,5% und 4,5% aus. Mit einem BIP pro Kopf von 2.650 USD (nominal, 2017) ist die Republik Moldau eines der ärmsten Länder Europas.
Die EU ist größter Handelspartner der Republik Moldau. Laut Statistikamt der Republik Moldau stammten 2017 49,4% der Importe aus der EU und 25% aus den GUS-Staaten. Exporte gingen zu 65,8% in die EU und 19% in die GUS. Die Republik Moldau ist weiterhin in hohem Maß auf Russland als Energielieferant und wichtigem Absatzmarkt für Agrarerzeugnisse sowie Rücküberweisungen dort lebender Gastarbeiter angewiesen.
Die Verbesserung des Geschäftsklimas und der Investitionsbedingungen, der Abbau von bürokratischen Hindernissen sowie der Kampf gegen die Korruption gehören zu den erklärten Prioritäten der Regierung. Gleichzeitig werden jedoch immer wieder Fälle der Veruntreuung von Staatsvermögen und des Missbrauchs von staatlichen Ämtern bekannt.
Die ausländischen Direktinvestitionen betrugen in den ersten drei Quartalen 2017 146,31 Mio. USD. Etwas mehr als 80% kamen aus der EU und 9,4% aus den GUS-Ländern. Es gibt im Land neun Freie Wirtschaftszonen, denen für ausländische Unternehmen große Bedeutung zukommt, da sie Steuervorteile und eine verbesserte Infrastruktur bieten. Moldauische Hoffnungen auf eine weitere Intensivierung der wirtschaftlichen Beziehungen durch Bildung einer größeren Zahl von Joint Ventures haben sich - auch wegen der verbreiteten Korruption, Bürokratie und Mängeln bei Konzeption und Umsetzung von Investitionsförderungsmaßnahmen -  bisher nur teilweise erfüllt. Laut Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International belegt Moldau auf einer Skala von 0 bis 100 den Wert 30, wobei 100 die geringste Wahrnehmung von Korruption anzeigt.

Wirtschaftszweige

Moldau ist mit seinen fruchtbaren Schwarzerde-Böden und mildem Klima traditionell landwirtschaftlich geprägt. Wein, Rüben, Sonnenblumen, Nüsse, Lavendel, Mais und Getreide spielen eine wesentliche Rolle.
Dienstleistungen machten Januar - September 2017 insgesamt mehr als 50% des BIP aus. Die Agrarwirtschaft hatten einen Anteil von insgesamt 20,3% (zum Vergleich: 29% im Jahre 2000). Die Industrieproduktion und die Bauwirtschaft belegten den dritten Platz mit 17%. In der Republik Moldau ist die Leichtindustrie (Textil, Schuhe, Teppiche) stark vertreten. In jüngster Zeit spielen Automobilzulieferer aus den EU-Mitgliedstaaten eine zunehmend wachsende Rolle. 48,8% der Beschäftigten arbeiteten 2017 im Dienstleistungssektor, 35,2% in der Landwirtschaft und 16% in der Industrieproduktion sowie Bauwirtschaft.

Außenhandel

Moldau bleibt von Importen abhängig, das Handelsbilanzdefizit ist jedoch rückläufig: die Exporte stiegen im Jahr 2017 um 18,6% auf 2,43 Mrd. USD (2016: 2,05 Mrd. USD), die Importe um 20,2 % auf 4,83 Mrd. USD (2016: 4,02 Mrd. USD). Exportiert werden vor allem Agrarprodukte (Wein, Gemüse, Obst, Trockenfrüchte, Getreide, Fleisch, Tiere), Schuhe und Textilien sowie in beschränktem Umfang Elektrotechnik. Seit 2014 ist Rumänien wichtigster bilateraler Handelspartner Moldaus. Bei den Importen waren 2017 die wichtigsten Handelspartner Rumänien, Russland, Ukraine, China und Deutschland, bei den Exporten Rumänien, Russland, Italien und Deutschland (plus 30% im Vergleich zum Vorjahr).
Im September 2013 suspendierte die Russische Föderation den Import moldauischer Weine, im Juli 2014 wurde ein Importverbot für verschiedene Früchte und Konserven ausgesprochen. Die EU reagierte mit der Liberalisierung des Weinhandels mit der Republik Moldau und zusätzlichen Marktöffnungen. 2017 hat sich der Außenhandel mit Russland im Vergleich zum Vorjahr leicht belebt: Exporte sind um 9,2% (2016: minus 3,1%) und Importe um 7% (2016: minus 0,1%) gestiegen

Energie

Moldau ist vollständig abhängig von Gasimporten aus Russland. Rund 30% der Ausgaben für Importe entfallen auf Energieträger.

Im Herbst 2014 wurde eine Gaspipeline fertiggestellt, die Rumänien (Iaşi) und Moldau (Ungheni) verbindet. Das Projekt mit einem Finanzvolumen von ca. 20 Mio. EUR wurde maßgeblich von der EU und Rumänien finanziert. Die Pipeline soll bis nach Chisinau verlängert werden (Kosten: ca. 85 Mio Euro).

Ziel der Regierung ist es, die Energieeffizienz zu erhöhen, erneuerbare Energien stärker zu gewichten und neue Energiepartnerschaften zu etablieren. Das Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien wurde im Februar 2016 verabschiedet und wird Ende März 2018 in Kraft treten.

Soziales

Die Republik Moldau rangiert beim Human Development Index (2016) auf Rang 107 von 188 Ländern. Das Stadt-Land-Gefälle ist beträchtlich. In den meisten Dörfern fehlt der Anschluss an das Wasser- und Abwassersystem, Straßen und Wege sind oft unbefestigt. Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie häusliche Gewalt sind keine Seltenheit. Zahlreiche Dörfer sind verlassen. Eltern gehen vielfach als Arbeitsmigranten ins Ausland und lassen Kinder und alte Menschen zurück. Die Rücküberweisungen der ca. 1.000.000 Auslands-Moldauer belaufen sich auf ein Viertel der Höhe des BIP. Dies stabilisiert den inländischen Konsum, allerdings fehlen qualifizierte Arbeitskräfte für nachhaltiges produktives Wachstum in Inland.
Die Arbeitslosenrate wurde für 2017 mit 3,2% angegeben. Diese Zahl berücksichtigt weder die Migranten noch die erhebliche Schattenwirtschaft. Das monatliche Durchschnittsgehalt von knapp 270 Euro reicht zum Leben nicht aus. Auf den Dörfern wird daher häufig Subsistenzwirtschaft betrieben, und in den Städten sind Mehrfach- und Gelegenheitsjobs die Regel.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Landschaft an Dnjestr
Landschaft an Dnjestr © picture alliance

Deutsche Botschaft Chisinau

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