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Mutige Journalisten fördern Mexiko

Rafael Pineda (links) mit seinem Team von Chamuco-TV

Rafael Pineda (links) mit seinem Team von Chamuco-TV, © Chamuco-TV

14.12.2018 - Artikel

In Mexiko vergibt Deutschland jedes Jahr einen Medienpreis.

„Haltet die Klappe“ stand auf einem Zettel an seinem Auto. Es war eine Aufforderung zu schweigen oder zu gehen. Rafael Pineda, Künstlername Rapé, der Besitzer des Autos, ist seit 23 Jahren Karikaturist in Mexiko. Er kommt aus dem Bundesstaat Veracruz und gründete dort als junger Mann eine Gruppe unabhängiger und kritischer Journalisten. Mit ihren Recherchen und Berichten über korrupte Strukturen, Menschenrechtsverletzungen, Drogenhandel und Gewalt verschaffte sich die Gruppe Gehör. Nicht viele Journalisten in dem für Gewalt berüchtigten Bundesstaat Veracruz wagten sich so weit vor. „Wir waren allein“, sagt Pineda. Und sie eckten an. Anfang 2012 fand Rafael den Zettel an seinem Auto. Er nahm die Drohung ernst und verließ mit den meisten Mitgliedern der Journalistengruppe Veracruz und zog nach Mexiko Stadt. Eine aber blieb: Regina Martínez Pérez. Am 28. April 2012 wurde die kritische Journalistin auf brutale Weise in ihrem Wohnhaus in Xalapa ermordet. Die Umstände sind für viele Beobachter bis heute nicht zweifelsfrei aufgeklärt.

Walter Reuter Preis für herausragenden Journalismus

Die Gewinner der Walter Reuter Preises und Botschafter Peter Tempel (vorne links)
Die Gewinner der Walter Reuter Preises und Botschafter Peter Tempel (vorne links)© Deutsche Botschaft Mexiko

Rafael Pineda erzählt diese Geschichte im Rahmen seiner Auszeichnung mit dem Walter Reuter Preis in Mexiko Stadt. Bereits zum 12. Mal wurde Ende November neun mexikanische Journalistinnen und Journalisten der Preis verliehen. Damit setzt sich Deutschland für Pressefreiheit und Qualitätsjournalismus in Mexiko ein, der Preis wird von der deutschen Botschaft, dem Goethe-Institut, deutschen politischen Stiftungen, der Deutsch-Mexikanischen Außenhandelskammer sowie der Deutschen Welle vergeben. Die Jury besteht meist aus mexikanischen Journalisten.

Mexiko ist ein schwieriges Umfeld für Journalisten. Laut Reporter ohne Grenzen wurden seit dem Jahr 2000 in Mexiko mehr als achtzig Medienschaffende ermordet, allein seit Beginn des Jahres sind über zehn von ihnen getötet worden. Auf der Rangliste der Pressefreiheit nimmt das Land Platz 147 von 180 ein.

Wahlen als Feuerprobe

Dieses Jahr war das Oberthema der Beiträge: „Wahlen 2018: Eine Feuerprobe für die mexikanische Demokratie?“ Die eingereichten Beiträge setzten sich aus den verschiedensten Blickwinkeln mit den mexikanischen Wahlen im Juli dieses Jahres auseinander und erhielten Preise in den drei Kategorien Schriftpresse, Radio & Fernsehen sowie Fotografie & Karikatur. Einige Stücke beschreiben die rohe Gewalt, die auch diesen Wahlprozess begleitete. Andere portraitieren symbolträchtige Personen dieser Wahl, wie zum Beispiel einen Kandidat, der Ex-Gang-Mitglied ist oder auch den gewählten Präsident López Obrador. Rafael Pineda gründete nach der Flucht aus Veracruz in Mexiko zusammen mit seinen Kollegen El Fisgón, Hernández, Helguera und Patricio den Internet-Sender „Chamuco-TV“, der sich mit Hilfe von politischer Karikatur und Parodie sehr kritisch in Berichten und Interviews mit Mexikos Politik auseinandersetzt. Die Auszeichnung zur Wahlberichterstattung sieht er als Chance: „Wir sind sehr dankbar für diese Bestätigung unserer Arbeit. Es hilft uns, zu wachsen und noch mehr Anerkennung zu bekommen. Wir wollen einfach die Wahrheit aufdecken, das, was in diesem Land wirklich passiert.“ Rafael Pineda hat sich nicht abschrecken lassen von den schwierigen Umständen seiner Arbeit. Er schreibt, zeichnet und sendet weiter. Den Zettel an seinem Auto wird er nicht vergessen. Befolgen tut er ihn nicht.

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