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Wirtschaft Mexiko

Artikel

Stand: März 2018

Struktur der Volkswirtschaft

Als fortgeschrittenes Schwellenland steht Mexiko an fünfzehnter Stelle der größten Volkswirtschaften der Erde. Als Exportnation belegt es den 13. Platz der Weltrangliste und ist die Nr. 12 unter den Importländern der Erde. Mexiko ist die Nummer zehn unter den ölexportierenden Staaten der Welt, siebtgrößter Automobilproduzent und viertgrößte Exportnation im Automobilsektor. Die mexikanische Volkswirtschaft erwirtschaftet ihr Bruttoinlandsprodukt (BIP) schwerpunktmäßig in den Bereichen Industrie und Tourismus.  

Mexiko ist ein sog. "upper middle income country". Es ist Mitglied der OECD und stellt seit Juni 2006 deren Generalsekretär Angel Gurría – eine Tatsache, die Mexikos Selbstverständnis als Industrienation unterstreicht. Mexiko ist Mitglied der G20, deren Präsidentschaft es 2012 ausgeübt hat. Ein System von 12 Freihandelsabkommen mit 46 Ländern (mit insgesamt über 1,55 Mrd. Konsumenten) soll durch die Trans-Pacific Partnership (TPP) ergänzt werden. Mit TPP würde sich das Netz von Freihandelsabkommen Mexikos um sechs weitere Länder erweitern (Australien, Neuseeland, Singapur, Vietnam, Malaysia, Brunei).  

Von zentraler Bedeutung für die Modernisierung der mexikanischen Volkswirtschaft in den letzten beiden Jahrzehnten war das 1994 in Kraft getretene Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA), das einen Modernisierungsschub nach sich gezogen und die wirtschaftliche Liberalisierung Mexikos eingeleitet hat und nach wie vor die wesentlichen Handelsströme Mexikos abbildet. Denn der mit Abstand wichtigste Handelspartner Mexikos sind sowohl export- als auch importseitig die USA: 80% der mexikanischen Gesamtausfuhren und knapp 50 % der mexikanischen Importe werden mit den USA abgewickelt.  

Mexiko strebt eine Diversifizierung seiner Außenhandelsstruktur an. U.a. hat es mit Kolumbien, Peru und Chile die Pazifikallianz gegründet. Die Wirtschaftsbeziehungen zu China sollen vertieft und das hohe Handelsbilanzdefizit perspektivisch abgebaut werden; China ist daran interessiert, in Schlüsselsektoren der mexik. Wirtschaft zu investieren. Mexiko verhandelt derzeit neue Freihandelsabkommen mit Jordanien, Paraguay und der Türkei. Zudem wird gegenwärtig mit der EU über die Aktualisierung des Handelsteils des EU-Mexiko-Globalabkommens verhandelt, wobei nicht-tarifäre Handelshemmnisse, Ursprungsregeln, Öffentliches Beschaffungswesen und der Schutz Geistigen Eigentums im Mittelpunkt stehen. Im Bereich mexikanischer Exporte zeigten sich  2017 erste Ergebnisse der Diversifizierungsstrategie: Exporte z.B. nach China  nahmen um 24 %, Exporte in die EU um 8 % zu.

Trotz der Liberalisierung der Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten, gab es in Schlüsselsektoren wie der Energiewirtschaft, der Telekommunikation oder dem Bankensektor noch immer Oligopole und Monopole, die den Wettbewerb in Mexiko behinderten und der Wirtschaft hohe Kosten verursachten. Daher hatte die Regierung Peña Nieto zu Beginn ihrer Amtszeit Reformgesetze auf den Weg gebracht, die diese Strukturen aufbrechen und damit die Öffnung der Wirtschaft in zentralen Bereichen voranbringen sollen. Vor allem der Umbau der mexikanischen Energiewirtschaft, der die Jahrzehnte alte Monopolstellung der staatlichen Erdölgesellschaft PEMEX beendet und die Erdölindustrie für Investitionen öffnet und auch den staatlichen Energieerzeuger CFE in ein privatwirtschaftliches Unternehmen umwandelt, soll erhebliche Wachstumsimpulse für die mexikanische Volkswirtschaft setzen. Die Implementierung der Reformen kommt trotz der weltweit weiterhin schwachen Rohölpreise gut voran, private Investoren aus aller Welt zeigen großes Interesse am Markteinstieg in Mexiko. Der Ausbau der Energieversorgung durch erneuerbare Energien nimmt nach Verabschiedung des Energiewendegesetzes (Dezember 2015) und der Liberalisierung des Strommarkts seit Anfang 2016 Form an und bietet erhebliche Chancen für deutsche Technologieanbieter. 

Außenhandel

Die mexikanischen Exporte entfallen vor allem auf Industrieerzeugnisse (insbesondere Fahrzeuge und Fahrzeugteile (35 %), Elektronik und Elektrotechnik (zusammen 20 %), Maschinen und Stahlverarbeitung  ( 23 %) sowie Agrarprodukte (3,8 %). 
Armut

Im August 2017 veröffentlichte CONEVAL (Consejo Nacional de Evaluación de la Política de Desarrollo Social) eine aktualisierte Armutsschätzung. Das Ergebnis zeigt eine positive Entwicklung nach Veröffentlichung des letzten Armutsberichts im Jahr 2015: Der Anteil der in extremer Armut lebenden Bevölkerung ist seit der letzten Erhebung in 2014 von 9,5 % auf 7,6 % im Jahr 2016 gesunken; die Anzahl der Armen hat insgesamt um 2,6 % abgenommen und betrug im Jahr 2016 43,6 % (2014: 46,2 %). Damit gelten 53,4 Mio. Mexikaner als arm (2014: 55,3 Mio.), von denen 9,4 Mio. Mexikaner in extremer Armut leben (2014: 11,4 Mio.). Auffällig sind weiterhin die regionalen Disparitäten: In den Städten ist der Anteil der in extremer Armut lebenden Bevölkerung mit 4,7 % deutlich geringer als im ländlichen Raum (17,4 %), wo der Zugang zu Grunddienstleistungen selten gewährleistet ist. Darüber hinaus werden die Unterschiede zwischen der indigenen Bevölkerung und der nicht-indigenen Bevölkerung deutlich. 34,8 % der indigenen und lediglich 5,8% der nicht-indigenen Bevölkerung lebte im Jahr 2016 in extremer Armut.  

Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1.135 Mrd. US-Dollar (rund 22 Billionen MXN Pesos) verzeichnete Mexiko im Jahr 2017 die zweitgrößte Wirtschaftsleistung Lateinamerikas (zweitgrößte Bevölkerung, drittgrößtes Territorium der Region), was einem Anstieg des BIP um 2,1% im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Das BIP pro Kopf betrug 2017 etwa  9.200 US-Dollar.  

Motor des Wirtschaftswachstums ist der Export: Vor allem die Kfz-Industrie und deren Zulieferer haben 2017 mit der Herstellung von 3,77 Mio. Fahrzeugen (+8,8 % gegenüber 2016) nach 2016 ein weiteres Rekordergebnis eingefahren. 

Die Devisenreserven belaufen sich auf ca. 172 Mrd .USD.  
Nach Verabschiedung der Durchführungsgesetze im Energiebereich im Sommer 2014 sind in diesem Sektor die Rahmenbedingungen für in- wie ausländische Privatinvestitionen gesetzt. In der Erdölwirtschaft haben unter großer internationaler Beteiligung zwei von drei Bieterrunden mit jeweils vier Ausschreibungen stattgefunden. Das Interesse der großen internationalen Erdölfirmen ist ungebrochen. Allerdings haben die Rückgänge der Einnahmen aus dem Erdölexport aufgrund des Preisverfalls seit Juni 2014 Haushaltskürzungen für 2016 und 2017 erzwungen. Mexiko verfolgt weiter den Weg solider Haushaltsführung. 
Unverändert hoch ist mit noch immer über 55 % der Anteil des informellen Sektors am Arbeitsmarkt. Einerseits fungiert er als Ventil für die Aufnahme von jährlich etwa 1 Million Jugendlichen, die auf den Arbeitsmarkt drängen, andererseits ist er aber auch strukturell für die niedrige Arbeitsproduktivität verantwortlich, die das Wachstum der mexikanischen Wirtschaft seit Jahrzehnten bremst. Um diese zu steigern, ist nicht zuletzt auch eine bessere Grund- und Berufsausbildung notwendig. Dies hat die mexikanische Regierung erkannt und arbeitet mit Nachdruck an der Umsetzung der 2013 beschlossenen Reform des Schulsystems, die bei der Lehrerschaft aber auf erbitterten Widerstand stößt.  

Wichtig für die Behebung des Fachkräftemangels ist die Einführung dualer Elemente in die mittlere Berufsbildung. Deutschland unterstützt die mexikanische Regierung bei der Einführung einer Dualen Berufsausbildung nach deutschem Modell (MMFD). Bisher nehmen über 5000 Auszubildende daran teil. 

Zu vermerken sind die Investitionsentscheidungen von Daimler und BMW zugunsten von neuen Werken in Mexiko, Volkswagens Erweiterung des Stammwerkes in Puebla sowie die Eröffnung eines neuen Werkes durch Audi im September 2016. Auch der Zustrom von Automobilzulieferern und der Ausbau von Fertigungsanlagen der bereits in Mexiko tätigen Firmen halten weiter an. Darüber hinaus befinden sich der Luft- und Raumfahrtsektor, die Pharma- und Medizintechniksparte, die Bergbauindustrie, die Elektroindustrie sowie der Transportsektor im Aufschwung. Bemerkenswert ist die dynamische Entwicklung beim Export von Agrargütern (Exporterlöse 2016: 14,74 Mrd. USD).

Mit einer vergleichsweise niedrigen Verschuldung des Bundeshaushalts von 48,4 % des BIP und einem Haushaltsdefizit von 2,7 %  steht Mexiko im internationalen Vergleich solide da. Sorgen bereiten lediglich die Haushalte der Bundesstaaten: Deren Verschuldung hat sich seit 2006 um 170 % erhöht. Im Februar 2015 hat der Senat die Verfassung geändert, um die Schuldenaufnahme durch die Bundesstaaten und Gemeinden zu reglementieren und ihr Grenzen zu setzen. 

Klima und Umwelt

International nimmt Mexiko bei der Umwelt- und Klimaschutzpolitik eine konstruktive und ambitionierte Haltung ein und hat eine positive Vorreiterrolle unter den Schwellenländern inne. Bei der COP 21 in Paris gehörte Mexiko der Koalition der ambitionierten Länder an. Die Ernennung der bisherigen mexikanischen Botschafterin in Deutschland, Patricia Espinosa, zur Generalsekretärin des Uno-Klimasekretariats kann Mexiko zu Recht auch als Geste der Anerkennung seiner eigenen Klimapolitik bewerten.

National hat sich Mexiko mit einem Klimaschutzgesetz und einer nationalen Klimaschutzstrategie auf langfristige Minderungsziele selbst verpflichtet: Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 30 % bis 2020 sowie um 50 % bis 2050 gegenüber 2000. Ein Regierungsprogramm zur Förderung erneuerbarer Energien soll die gesetzliche Vorgabe umsetzen, den Anteil 'sauberer' Energie (erneuerbare Energie, plus Kernenergie  und effiziente Kraftwärmekopplung) bis 2024 auf 35 % zu erhöhen. Weitere Ziele für saubere Energie sind 2018: 25%, 2021: 30%, 2024: 35%. Im März 2015 hat Mexiko als erstes Schwellenland seinen freiwilligen Minderungsbeitrag (INDC) zur Begrenzung der globalen Erwärmung zur Vorbereitung eines internationalen Klimaschutzabkommens eingereicht; im Dezember 2015 wurde ein Energiewendegesetz verabschiedet, das den Ausbau der erneuerbaren Energien mit konkreten Ausbauzielen festschreibt. Bisher haben die langfristigen Stromausschreibungen Investitionen in Höhe von 6,6 Mrd. USD gesichert. Die Ölausschreibungen stellen Investitionen von 153 Mrd. USD dar.

Mexiko setzt sich als eines der artenreichsten Länder der Welt ebenso für ambitionierte Ziele zum Erhalt der Biodiversität ein und hat im Dezember 2016 in Cancún die 13. VN-Vertragsstaatenkonferenz der Biodiversitätskonvention ausgerichtet. Damit übt es für zwei Jahre den CBD-Vorsitz aus.
Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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