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Malaysia: Wirtschaft Malaysia

22.02.2019 - Artikel

Kurzprofil Wirtschaft

Malaysia hat sich erfolgreich vom Rohstofflieferanten zum diversifizierten Industriestandort mit einem mittleren Einkommensdurchschnitt entwickelt. Der Dienstleistungssektor erwirtschaftet 56 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP), der herstellende Bereich 22,8 %, gefolgt von Bergbau mit 7,9 % und Landwirtschaft mit 7,9 %. Erdöl und Erdgas und Palmöl sind nach wie vor von Bedeutung für die Wirtschaft des Landes. Die Öl-/Gasförderung soll 2019 gut 30 % zum Staatshaushalt Malaysias beitragen. Davon machen 10 % eine Sonderdividende des staatlichen Ölkonzerns Petronas aus, um Einnahmeausfälle nach dem Ersatz der General Sales Tax durch eine Sales and Service Tax abzufedern. Die Palmölproduktion musste in den letzten Jahren einen starken Preisverfall verkraften, seit ihrem dreijährigen Tiefstand im September 2018 konnte sich der Preis bis Februar 2019 aber um rund 25 % erholen.

Langfristiges Ziel ist, dass Malaysia bis zum Jahre 2020 in die Riege der „High Income Countries“ aufsteigt. Dieses Ziel wird mit einem Netz aus mittelfristigen Plänen unterlegt. Relevant sind insbesondere die Fünfjahrespläne, mit denen die wirtschaftliche Entwicklung des Landes gesteuert wird. Unter der Regierung Najib (2009 bis Mai 2018) wurde im Mai 2015 der „11. Malaysia Plan“ veröffentlicht, der die wirtschaftliche Entwicklung von 2016 bis 2020 steuern sollte. Im Oktober 2018 legte die neue Regierung zur halben Laufzeit eine Überprüfung des 11. Malaysia Plans vor. Angesichts enger finanzieller Spielräume reduzierte sie einige ambitionierte Zielsetzungen, formulierte die langfristigen Ziele der Regierung für die wirtschaftliche Entwicklung und legte neue Prioritäten fest. Zu diesen gehören eine bessere Regierungsführung und mehr Gewicht auf die regionale Entwicklung, Transparenz und Korruptionsbekämpfung.

Malaysia belegt im United Nations Human Development Index (2018 Update) den 57. Platz (von 189 Staaten, an dritter Stelle unter den ASEAN-Mitgliedstaaten nach Singapur, 9, und Brunei, 39) und gehört damit zu den „Hochentwickelten Ländern“.

Struktur der Wirtschaft

Malaysia ist eine wichtige Handelsnation mit Schwerpunkten bei elektronischen Gütern (2018: 38,2 %), so z. B. als weltweit exportierender Mikrochip- und Solarzellenhersteller, 12,5 % der Beschäftigung entfällt auf den land- und forstwirtschaftlichen Bereich, auf den Bergbau 0,7 %. Im verarbeitenden Gewerbe arbeiten 16,5 % der Beschäftigten, im Baugewerbe 9,3 %, in Hotels/Gaststätten 8,2 % sowie in Handel/Kfz-Reparatur 16,8 %. 

Während die weltweite Rohölproduktion 2017 stabil blieb, ging die malaysische Förderung leicht zurück. Die Erdgasproduktion hingegen stieg 2017 um 3,82 % im Vergleich zum Vorjahr an. Nach der “BP Statistica.l Review of World Energy” (2017) produziert Malaysia ca. 0,7 % des weltweiten Rohöls und 2,1 % des Erdgases, wobei der eigene fossile Bedarf stetig ansteigt. Malaysias seit Mai 2018 amtierende Regierung hat sich eine Erhöhung der Nutzung erneuerbarer Energien von 2 % auf 20 % bis 2025 zum Ziel gesetzt und gleichzeitig die Nutzung von Atomkraft ausgeschlossen. Malaysia ist nach Indonesien der zweitgrößte Palmölproduzent der Welt; 30 % der weltweiten Produktion). Der Beschluss des französischen Parlaments zur zukünftigen Nichtberücksichtigung von Palmöl im nationalen Biokraftstoffschema und die drohende Nichtanrechnung von Palmöl bzw. das Ausphasen im Zeitraum 2024-2030 in der EU sorgt in Malaysia für große Besorgnis, da ca. 40 % des in die EU exportierten Palmöls für Biodiesel Verwendung findet. Malaysia als fünftgrößter Kautschukproduzent ist seit 2015 Nettoimporteur von Kautschuk.  Auf der Basis von Halbjahresdaten ist die Produktion auch 2018 8 weiter gestiegen. Gummi trug 2018 2,7 % zum Exportvolumen bei.

Das wirtschaftliche Wachstum soll auch durch sogenannte regionale Entwicklungskorridore vorangetrieben werden, um die lokale Wirtschaft gezielter zu fördern und bestehende Ungleichgewichte zwischen den Regionen zu vermindern. Dies sind die „East Coast Economic Region“ (ECER), der „Iskandar Malaysia“, die „Northern Corridor Economic Region“ (NCER), der „Sabah Development Corridor“ (SDC), sowie der „Sarawak Corridor of Renewable Energy“ (SCORE). Die Steuerbasis war im April 2015 durch die Einführung der Goods and Services Tax (GST, entspricht einer allgemeinen Mehrwertsteuer) verbreitert worden. Die seit Mai 2018 neue Regierung setzte jedoch ihr Wahlversprechen um, schaffte zum 1. Juni 2018 die GST ab und ersetzte sich nach dreimonatigem „tax holiday“ am 1. September 2018 durch die Sales and Services Tax (SST) von bis zu 10 % auf bestimmte Waren und Dienstleistungen. Die jetzige SST erbringt für den Staatshaushalt ca. 50 % der (früheren) GST-Einnahmen. 

Aufgrund externer Effekte wie einer geringeren weltwirtschaftlichen Dynamik und dem Handelskonflikt zwischen China und den USA als auch dem Streichen, der Verschiebung sowie Reduzierung von Projekten zur Haushaltskonsolidierung ist Malaysias Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2018 mit 4,7 % geringer als im Vorjahr (2017: 5,9 %) gewachsen. Wachstumstreiber 2018 waren maßgeblich  der private Konsum und der Servicesektor.

Der Wert der Landeswährung im Vergleich zum US-Dollar und Euro sich 2017 um rund  5 % erhöht. Die Zentralbankreserven blieben gegenüber dem Vorjahr mit 102,1 Mrd. USD nahezu unverändert. Das positive Leistungsbilanzsaldo verringerte sich 2018 auf 2,7 % des Bruttoinlandprodukts (2017: 3,0 %).

Die Arbeitslosenquote liegt mit 3,3 % nahezu unverändert (2017: 3,4 ) nahe einer Vollbeschäftigung. Malaysias Konsumentenpreise stiegen (Dez. 2018) im Jahresvergleich um 0,2 %. 

Für die seit Mai 2018 amtierende Regierung ist nicht nur die Aufarbeitung der Causa “1 Malaysia Development Berhad (1MDB)”, sondern Korruptionsbekämpfung im Allgemeinen eine Priorität. Im Korruptionswahrnehmungsindex 2018 von “Transparency International” hat dieses noch keinen Niederschlag gefunden. Malaysia belegt mit einem unveränderten Wert von 47 den 61. Platz in der Liste der 180 untersuchten Länder. (2017:  Platz 62, 2016: Platz 55).

Offenheit gegenüber der Weltwirtschaft

Malaysia ist sehr exportorientiert und hat sich als Vollmitglied der Welthandelsorganisation sowie in ASEAN und APEC für den Abbau von Handelsschranken engagiert. Das Außenhandelsvolumen ist 2018 leicht gestiegen, mit einer Zunahme von Importen (+ 4,9 % zu 2017) und Exporten (6,7 %). Die wichtigsten Exportgüter sind elektrische und elektronische Güter (38,2 %), Ölprodukte (7,7 %), chemische Produkte (5,8 %), Metallprodukte (4,5 %), Palmöl und Palmölprodukte (4,5 %), Maschinen, Ausrüstung, Teile (4,1 %), LNGs (4 %), Rohöl (3,7 %), optische und wissenschaftliche Ausrüstung (3,6 % ) sowie Gummiprodukte (2,6 %). Malaysia stellt 1,2 % (2017) der Weltexporte. 

Wichtigster Handelspartner ist seit 2009 die Volksrepublik China, gefolgt von Singapur. Die EU 28 liegen mit 9,8 % vor den USA (8,3 %) auf Platz 3). Malaysia liegt bei den EU-Handelspartnern mit einem Anteil von 1,1 % auf Platz 21. Die Niederlande und Deutschland sind die wichtigsten Handelspartner in der EU. Der Außenhandel mit Deutschland stieg 2018 weiter an und liegt nun bei rund 14,1 Mrd. EUR. Die deutschen Exporte nach Malaysia waren mit 5,2 Mrd. EUR leicht über Vorjahresniveau (5,0), die Einfuhren nach Deutschland stiegen auf 8,9 (2017: 8,6) Mrd. EUR. Damit weist Deutschland mit Malaysia eine negative Handelsbilanz von 3,8 Mrd. EUR aus. 

In den ersten acht Monaten 2018 konnten mit 64 Mrd. MYR 17,6 % mehr ausländische Direktinvestitionen als im Vorjahreszeitraum in Malaysia verbucht werden. 2017 lagen die neu genehmigten Investitionen mit 197 Mrd. MYR  unter dem Vorjahreswert (208 Mrd), davon 61 % im Dienstleistungssektor. Die real geflossenen ausländischen Direktinvestitionen haben wie im Vorjahr einen Anteil von 27,8 % an den neu genehmigten Investitionen, vornehmlich im produzierenden Sektor (64,4 % d. FDI). Deutschland gehört regelmäßig zu den größten Investoren in Malaysia (2017: China, Schweiz, Singapur, Deutschland, Niederlande; 2016: China, Niederlande, Deutschland, Vereinigtes Königreich, Korea). 

Malaysia ist in ein dichtes Netz an Freihandelsabkommen (FHA) eingebunden. Bilaterale Freihandelsabkommen bestehen mit Japan (seit 2006), Pakistan (seit 2008), Neuseeland (seit 2010), Indien (seit 2011), Chile (seit 2012), Australien (seit 2013) und der Türkei (seit 2014). Mit der EU begannen 2010 Verhandlungen zum Abschluss eines Freihandelsabkommens; 2012 wurden die Verhandlungen auf Wunsch Malaysias auf Eis gelegt. Für die seit Mai 2018 amtierende malaysische Regierung ist die Wiederaufnahme der Verhandlungen derzeit kein Schwerpunkt. Malaysia unterzeichnete im März 2018 das Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership (CPTPP), das nach dem Rückzug der USA aus dem regionalen Freihandelsabkommen TPPA quasi an dessen Stelle trat. CPTPP ist mittlerweile ohne Malaysia, das es noch nicht ratifiziert hat, in Kraft getreten.

ASEAN

Malaysia ist seit 1993 in der „ASEAN Free Trade Area“ engagiert. Im ASEAN-Verbund bestehen außerdem Freihandelsabkommen mit Südkorea, Japan, China sowie mit Indien, Australien und Neuseeland. Anfang 2013 wurden Verhandlungen zu einer “Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP)” aufgenommen. Die RCEP würde die weltgrößte Freihandelszone mit den ASEAN-Staaten sowie Japan, China, Indien, Südkorea, Australien und Neuseeland. Ein Abschluss der Verhandlungen wird für 2019 angestrebt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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