Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Wirtschaft Malaysia

Artikel

Stand: November 2018

Kurzprofil Wirtschaft

Malaysia hat sich erfolgreich vom Rohstofflieferanten zum diversifizierten Industriestandort mit einem mittleren Einkommensdurchschnitt entwickelt. Der Dienstleistungssektor erwirtschaftet ca. 55 % des BIP, der herstellende Bereich 23 %, gefolgt von Bergbau mit 7,9 % und Landwirtschaft mit 7,31 %. Erdöl und Erdgas und Palmöl sind nach wie vor von Bedeutung für die Wirtschaft des Landes. Betrachtet man nicht nur allein die Öl/Gasförderung sondern die damit in diesem Bereich verbundenen Sektoren, so betragen die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft sowie die verbundenen Sektoren (z. B. nachgelagerte Industriezweige, Dienstleistungsbereich, energieintensive Produktionsbetriebe) 2017 noch ca. 15 % des Staatshaushalts Malaysias. Die Palmölproduktion musste in den letzten Jahren einen starken Preisverfall verkraften, im September 2018 steht der Preis seit drei Jahren am niedrigsten.

Langfristiges Ziel ist, dass Malaysia bis zum Jahre 2020 in die Riege der „High Income Countries“ aufsteigt. Dieses Ziel wird mit einem Netz aus mittelfristigen Plänen unterlegt. Relevant sind insbesondere die Fünfjahrespläne, mit denen die wirtschaftliche Entwicklung des Landes gesteuert wird. Unter der Regierung Najib (2009 bis Mai 2018) wurde im Mai 2015 der „11. Malaysia Plan“ veröffentlicht, der die wirtschaftliche Entwicklung von 2016 bis 2020 steuern soll. Zentral neben den Fünfjahresplänen wurde außerdem das „Government Transformation Programme“, welches Reformvorhaben für die Verwaltung und das öffentliche Leben (u. a. Effizienzsteigerung, Bekämpfung von Korruption und Kriminalität) umfasst und im wirtschaftlichen Bereich durch das „Economic Transformation Programme“ mit einer Vielzahl von Projekten ergänzt wird, ins Leben gerufen Die seit Mai 2018 im Amt befindliche Regierung unter Premierminister Mahathir hat diese Pläne und Programme bisher nicht geändert.

Malaysia belegt im United Nations Human Development Index 2017 den 57. Platz (von 189 Staaten, an dritter Stelle unter den Association of South East Asian Nations-Ländern nach Singapur, 9, und Brunei, 39) und gehört damit zu den „Hochentwickelten Ländern“.

Struktur der Wirtschaft

Malaysia ist eine wichtige Handelsnation mit Schwerpunkten bei elektronischen Gütern (2017: 32 %), so z. B. als weltweit exportierender Mikrochip- und Solarzellenhersteller 12,5 % der Beschäftigung entfällt auf den land- und forstwirtschaftlichen Bereich, auf den Bergbau 0,7 % . Im verarbeitenden Gewerbe arbeiten 16,5 % der Beschäftigten, im Baugewerbe 9,3 %, in Hotel/Gaststätten 8,2 % sowie in Handel/Kfz-Reparatur 16,8 %.

Während die weltweite Rohölproduktion 2017 stabil blieb, ging die malaysische Förderung leicht zurück. Die Erdgasproduktion hingegen stieg 2017 um 3,82 % im Vergleich zum Vorjahr an. Nach der „BP Statistica.l Review of World Energy“ (2017) produziert Malaysia ca. 0,7 % des weltweiten Rohöls und 2,1 % des Erdgases, wobei der eigene fossile Bedarf stetig ansteigt. Malaysias seit Mai 2018 amtierende Regierung hat sich eine Erhöhung der Nutzung erneuerbarer Energien von 2 % auf 20 % bis 2025 zum Ziel gesetzt und die Nutzung von Atomkraft ausgeschlossen. Malaysia ist nach Indonesien der zweitgrößte Palmölproduzent der Welt; 39 % der weltweiten Produktion). Der Beschluss des EU-Parlaments, Palmöl ab 2021 nicht mehr als Biokraftstoff zuzulassen, sorgt in Malaysia für große Besorgnis, da 30 % des in die EU exportierten Palmöls für Biodiesel Verwendung finden. Die Kautschukproduktion ist 2017 gestiegen und erreicht den höchsten Wert seit 2013. Gummi trägt 4,41 % zum Exportvolumen bei, mit Hauptabnehmer China (2017 73 %, 2018 vss. 67 %) und an zweiter Stelle Deutschland mit 8 % in 2017 und für 2018 prognostiziertem Zuwachs auf insg. 9 %.

Das wirtschaftliche Wachstum soll auch durch sogenannte regionale Entwicklungskorridore vorangetrieben werden, um die lokale Wirtschaft gezielter zu fördern und bestehende Ungleichgewichte zwischen den Regionen zu vermindern. Dies sind die „East Coast Economic Region“ (ECER), der „Iskandar Malaysia“, die „Northern Corridor Economic Region“ (NCER), der „Sabah Development Corridor“ (SDC), sowie der „Sarawak Corridor of Renewable Energy“ (SCORE). Die Steuerbasis war im April 2015 durch die Einführung der Goods and Services Tax (GST, entspricht einer allgemeinen Mehrwertsteuer) verbreitert worden. Die seit Mai 2018 neue Regierung setzte jedoch ihr Wahlversprechen um, schaffte zum 1. Juni 2018 die GST ab und ersetzte sich nach dreimonatigem „tax holiday“ am 1. September 2018 mit der Sales and Services Tax (SST) von bis zu 10 % auf bestimmte Waren und Dienstleistungen, wobei die Liste der zu besteuernden Güter/Dienstleistungen erst zum Jahresende endgültig festgelegt werden soll. Aktuelle wirtschaftliche Lage

Malaysias wirtschaftlicher Aufschwung hat sich durch den stark gesunkenen Ölpreis sowie die Wachstumsschwäche in China und anderen Industrie- und Schwellenländern in den Vorjahren verlangsamt. 2014 betrug das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) 6,0 %, 2015 und 2016 wurden 5,0 bzw. 4,2 % erreicht, 2017 nun wieder deutlich höher bei 5,9 %. Wachstumstreiber in den vergangenen zwei Jahren war insbesondere die private Konsum- und Investitionsnachfrage.

Der Wert der Landeswährung im Vergleich zum US-Dollar und anderen Vergleichswährungen hat sich zu 2016 leicht erhöht. Die Zentralbank-Reserven erhöhten sich gegenüber dem Vorjahr um ca. 9 % (auf 102,4 MRD USD). Das positive Leistungsbilanzsaldo ist im Vergleich zu 2016 (2,1 %) angewachsen, auf 3,0 % des Bruttonationaleinkommens.

Die Arbeitslosenquote liegt mit 3,4 % nahezu unverändert (2016: 3,5 ) nahe einer Vollbeschäftigung; Malaysia wies jedoch 2017 eine Inflationsrate von 3,8 % auf, eine nicht unerhebliche Zunahme zum Vorjahr (2,1 %).

Die mit dem „Government Transformation Programme“ angestrebte Korruptionsbekämpfung zeigte auch 2017 trotz einiger recht spektakulärer Fälle der Antikorruptionsbehörde noch keinen grundlegenden Erfolg. Im Korruptionswahrnehmungsindex 2017 von „Transparency International“ ist Malaysia mit einem Wert von 47 auf den 62. Platz in der Liste der 180 untersuchten Länder abgerutscht (2016: Platz 55) Für die seit Mai 2018 amtierende Regierung ist nicht nur die Aufarbeitung der Ca.usa „1 Malaysia Development Berhad (1MDB)“, sondern Korruptionsbekämpfung im Allgemeinen eine Priorität.

Offenheit gegenüber der Weltwirtschaft

Malaysia ist sehr exportorientiert und hat sich als Vollmitglied der Welthandelsorganisation sowie in ASEAN und APEC für den Abbau von Handelsschranken engagiert. Das Außenhandelsvolumen ist 2017 leicht gestiegen, mit einer deutlichen Zunahme von Importen (+ 15,1 % zu 2016) und Exporten (14,2 %). Die wichtigsten Exportgüter sind elektronische Güter (31,7 %), natürliche Öle, Fette, Wachse (7,1 %, hauptsächlich Palmöl), Petrochemie (6,1 %), Elektrotechnik (6,1 %), Gas (4,6 %), Malaysia stellt 1,23 % der Weltexporte.

Wichtigster Handelspartner ist seit 2009 die Volksrepublik China, gefolgt von Singapur. Die EU 28 liegen mit 10,1 % vor den USA (8,9 %) auf Platz 3). Malaysia liegt bei den EU-Handelspartnern auf Platz 21. Die Niederlande und Deutschland sind die wichtigsten Handelspartner in der EU (beide 2,9 %). Der Außenhandel mit Deutschland stieg 2017 weiter an und liegt nun bei rund 13,8 Mrd. EUR. Die deutschen Exporte nach Malaysia waren mit 5,0 Mrd. EUR annähernd auf Vorjahresniveau (4,8), die Einfuhren nach Deutschland stiegen auf 8,8 Mrd. EUR. Damit weist Deutschland mit Malaysia eine negative Handelsbilanz von 3,8 Mrd. € aus.

Die neu genehmigten Investitionen lagen mit 197 Mrd. MYR 2017 unter dem Vorjahreswert (208 Mrd), davon 61 % im Dienstleistungssektor. Die real geflossenen ausländischen Direktinvestitionen haben wie im Vorjahr einen Anteil von 27,8 % an den neugenehmigten Investitionen, vornehmlich im produzierenden Sektor (64,4 % d. FDI). Deutschland gehört regelmäßig zu den größten Investoren in Malaysia (2017: China, Schweiz, Singapur, Deutschland, Niederlande; 2016: China, Niederlande, Deutschland, Vereinigtes Königreich, Korea).

Malaysia ist in ein dichtes Netz an Freihandelsabkommen (FHA) eingebunden. Bilaterale Freihandelsabkommen bestehen mit Japan (seit 2006), Pakistan (seit 2008), Neuseeland (seit 2010), Indien (seit 2011), Chile (seit 2012), Australien (seit 2013) und der Türkei (seit 2014). Mit der EU begannen 2010 Verhandlungen zum Abschluss eines Freihandelsabkommens; 2012 wurden die Verhandlungen auf Wunsch Malaysias auf Eis gelegt. 2016/17 erfolgte eine Evaluierung der Chancen einer Verhandlungswiederaufnahme. Die seit Mai 2018 amtierende malaysische Regierung hat sich zur Wiederaufnahme der Verhandlungen bislang nicht geäußert. Malaysia trat im März 2018 dem Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership (CPTPP) bei, das nach dem Rückzug der USA aus dem regionalen Freihandelsabkommen TPPA quasi an dessen Stelle trat.

ASEAN

Malaysia ist seit 1993 in der „ASEAN Free Trade Area” engagiert. Im ASEAN-Verbund bestehen außerdem FHAs mit Südkorea, Japan, China sowie mit Indien, Australien und Neuseeland. Anfang 2013 wurden Verhandlungen zur „Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP)“ aufgenommen. Die RCEP würde die weltgrößte Freihandelszone mit den ASEAN-Staaten sowie Japan, China, Indien, Südkorea, Australien und Neuseeland. Ein Abschluss der Verhandlungen wird für 2018 angestrebt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Verwandte Inhalte

nach oben