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Wirtschaft Madagaskar

Artikel

Stand: Dezember 2017

Wirtschaftslage, Wirtschaftsstruktur

Die politische Dauerkrise von Anfang 2009 bis zur von der internationalen Gemeinschaft als demokratisch anerkannten Präsidentschaftswahl im Dezember 2013 hat die ökonomische Entwicklung des Landes erheblich beeinträchtigt: Verschlechterte Auftragslage für Exportfirmen, Firmenschließungen, Konkurse, schwindendes Interesse ausländischer Investoren, steigende Arbeitslosigkeit mit Fernwirkungen auf den informellen Sektor. Investitionen in die Infrastruktur sind weitgehend zum Erliegen gekommen. Madagaskar ist so zu einem der am wenigsten entwickelten Länder der Welt geworden. Die allgemeine Armut ist dramatisch. Über 90% der Bevölkerung leben nach Daten der Weltbank von weniger als zwei US-Dollar pro Tag.

Mit Bildung einer neuen demokratischen Regierung im Dezember 2013 endete die Isolation Madagaskars und die  Wirtschaft begann sich zu erholen: Die wichtigste Rolle kommt dem Agrarsektor zu, der traditionell den Großteil der Arbeitsplätze zur Verfügung stellt. Der Bergbau und eine Erholung der Textilexporte tragen ebenfalls zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage bei. Der madagassische Tourismussektor ist zwar aufstrebend, aber weist noch erheblich ungenutztes Potenzial auf.

Bereits vor der politischen Krise im Januar 2009 zeichnete sich ab, dass Madagaskar noch erhebliche Anstrengungen unternehmen muss, um das Investitionsklima zu fördern und dem Privatsektor eine größere Rolle bei der Wirtschaftsentwicklung einzuräumen. Angesichts des starken Bevölkerungswachstums reicht das Wirtschaftswachstum seit Jahrzehnten nicht aus, um die dramatisch gestiegene Armut zu verringern: Die zu geringe Diversifizierung macht Madagaskar zudem anfällig für externe Schocks wie Naturkatastrophen und Änderungen der Weltmarktpreise.

Die Inflation, die 2011 noch bei fast 10% lag, lag auf Verbraucherpreisbasis im August 2017 bei annualisiert 8,9% (nach Angaben der madagassischen Statistikbehörde instat). 

Das Handelsvolumen weist steigende Tendenzen auf und lag 2016 bei  4,8 Milliarden Euro. Exportiert werden Waren im Wert von 2,01 Milliarden Euro. Der Hauptexportpartner ist Frankreich mit 23,8 % der Exporte. Danach folgen die USA (13,9%), Deutschland (8,4%) und China (6,4%). Importiert werden Waren im Wert von fast 2,7 Milliarden Euro vor allem aus China (21,2 %) und Frankreich (6,9%). Importe aus Deutschland sind im Vergleich dazu nicht signifikant.

Nach starken Einbrüchen des Wirtschaftswachstums für 2009 und 2010 steigt das BIP-Wachstum seit 2011 wieder an. Es lag 2016 bei + 4,1%. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2016 wird auf circa 9,991 Milliarden US-Dollargeschätzt, das BIP pro Kopf liegt 2016 bei 400 US-Dollar. Circa 29% des BIP werden von der Landwirtschaft erwirtschaftet, 55% vom Dienstleistungssektor und 16% von der Industrie. Demgegenüber sind 80% der arbeitsfähigen Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt, 4% in der Industrie und 16% im Dienstleistungssektor – mit krisenbedingt sinkender Tendenz bei den beiden letzteren Sektoren. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung ist auf eine Beschäftigung im informellen Sektor angewiesen.

Infrastruktur

Hohe Priorität gilt dem Ausbau der Infrastruktur (insbesondere dem Straßenbau), der durch  Weltbank, EU und Afrikanischer Entwicklungsbank (ADB) gefördert wird. Die durch die politische Krise bedingte jahrelange Aussetzung der Programme der meisten Geberinstitutionen  bzw. Beschränkung auf laufende Vorhaben oder humanitäre Projekte,  hat vor allem die Investitionen stark eingeschränkt. Selbst Erhaltungsmaßnahmen konnten kaum mehr durchgeführt werden.

Seit der erfolgreichen Bewältigung der Krise wird durch die Wiederaufnahme der Entwicklungszusammenarbeit mit internationalen Gebern auch der Infrastrukturausbau wieder vorangetrieben.

Wichtigste Wirtschaftszweige

Die Industrie war bis 2009 der Motor des Wachstums. Hierzu trugen vor allem die 102 Unternehmen der Freihandelszone (Zone franche) bei, mit rund 115.000 Beschäftigten überwiegend im Textilbereich. Mit der Krise seit 2009 fiel die Produktion in der Textilbranche um 30 Prozent, die Aktivitäten der Freihandelszone verringerten sich um 15 Prozent, circa 50.000 Arbeitsplätze gingen verloren. Wegen erheblicher Mängel bei Demokratie und Rechtsstaatlichkeit strichen die USA 2010 den zoll- und quotenfreien Zugang zum US-Markt („African Growth and Opportunity Act“, AGOA). Die Wiederfreigabe 2014 trägt zu einer langsamen Erholung der Wirtschaft Madagaskars bei.

Die madagassische Landwirtschaft ist nach wie vor durch geringe Dynamik und Probleme beim Marktzugang gekennzeichnet. Insgesamt überwiegt die Subsistenzwirtschaft (bei Reis, Mais und Maniok). Die Reisernte reicht regelmäßig nicht zur Versorgung der stetig wachsenden Bevölkerung aus, weshalb Madagaskar auf Reisimporte angewiesen ist. Madagaskar ist der größte Produzent von Vanille und hat sich eine starke Marktposition für hochwertige Garnelen erarbeitet. Die Zahl der Touristen stieg bis 2008 stark an (ca. 380.000 Besucher), was Deviseneinnahmen von 393 Millionen US-Dollar erbrachte. Mit Beginn der Krise sind die Besucherzahlen eingebrochen, seit 2010 steigen sie wieder langsam. 2016 kamen 293.000 Touristen auf die Insel (Quelle: Weltbank).

Der Bergbau gilt als Wirtschaftszweig der Zukunft. Der Reichtum an Rohstoffen wird bisher nur wenig verwertet bzw. ohne allgemeinen Nutzen für die madagassische Bevölkerung von einer Wirtschaftsoligarchie ausgebeutet - teilweise offensichtlich illegal (Rosenholz, Gold, Edelsteine). Seit 2009 werden im Südosten und Südwesten des Landes Titan-Sande abgebaut. 2012 ist eines der weltweit größten Nickel- und Kobaltprojekte im Osten des Landes in Produktion gegangen. 2014 wurden 13.520 Tonnen Nickel und 1.090 Tonnen Kobalt produziert, was eine Erhöhung von 50% im Vergleich zur vorjährigen Produktion bedeutet (2013: 9.023 Tonnen Nickel und 740 Tonnen Kobalt). In der Straße von Mosambik wird mit ersten Erfolgen nach Erdöl gesucht. Im EITI-Jahresbericht 2016 wird auf 17 vergebene und noch 225 verfügbare Erdölblöcke hingewiesen.

Mit dem Anschluss an submarine Fiber-Optik-Kabel im Norden und im Süden des Landes sind die technischen Voraussetzungen für westliche Telekommunikationsstandards mit Europa, Asien und Afrika geschaffen.

Im Energiesektor befindet sich das staatliche Strom- und Wasserversorgungsunternehmen JIRAMA wegen schlechter Verwaltung/ Korruption, veraltetem Material und teurem Treibstoff in Schwierigkeiten. Der Subventionsbedarf aus dem Staatsaushalt ist nach wie vor hoch. Erste Strukturreformen beginnen jedoch zu greifen.

Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Madagaskar ist Mitglied des Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank und Welthandelsorganisation (WTO) sowie der AKP-Gruppe (Gruppe der afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten, über Cotonou-Abkommen mit der EU verbunden). Es gehört den regionalen Zusammenschlüssen Kommission des Indischen Ozeans (COI) und der Indian Ocean Rim Association for Regional Cooperation (IOR-ARC) an und ist Mitglied des Gemeinsamen Marktes für das östliche und südliche Afrika (COMESA). Seit 17. August 2005 ist Madagaskar Mitglied der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika (SADC), seit August 2008 auch der SADC-Freihandelszone.

Umweltpolitik

Die größten Umweltprobleme entstehen durch die massive illegale Abholzung von Edelhölzern in geschützten Gebieten und Naturparks sowie durch die hierdurch verursachte Bodenerosion. Der Raubbau an Naturressourcen (neben Wald auch geschützte, oft endemische Tierarten) hat sich durch den krisenbedingten Zusammenbruch staatlicher Ordnungs- und Kontrollmechanismen und die fehlende Durchsetzung von Verboten durch Exekutive und Judikative noch erheblich verschärft. Experten gehen davon aus, dass nach wie vor beträchtliche Mengen an Edelhölzern wie Rosen- und Palisanderholz illegal exportiert werden.

In den Städten belasten Autoabgase die Luft stark; Gewässer sind verunreinigt. In einschlägigen Studien über die Lebensumstände in Millionenstädten belegt Antananarivo regelmäßig einen der letzten Plätze weltweit.

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