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Wirtschaft Macau

Artikel

Stand: März 2018

Volkswirtschaft

Mit einem BIP (ppp) pro Kopf von 95.151 US Dollar belegt Macau hinter Katar und Luxemburg den dritten Platz. Mit Abstand bedeutendster Wirtschaftssektor ist die Glückspielindustrie, da Macau das einzige Gebiet in China ist, in dem Glückspiel legal ist.
Nach der Übergabe an China am 20.12.1999 bleibt die Sonderverwaltungsregion Macau eine kleine, offene Marktwirtschaft. Die Regierung interveniert kaum in die Wirtschaft. Die Gemeinsame Erklärung vom April 1987 garantiert Macau bis 2049 einen wirtschaftlichen Sonderstatus. So ist Macao ein Freihafen und autonomes Zoll- und Steuergebiet, mit voll konvertibler Währung und freiem Kapitalverkehr. Auch das Steuersystem sowie Währungs- und Haushaltsreserven bleiben unabhängig. Macau kann seine Außenwirtschaftsbeziehungen selbst gestalten und ist zum eigenständigen Abschluss von Abkommen und Verträgen in diesem Bereich befugt.
Offizielle Währung istder Macau Pataca (MOP), der uneingeschränkt konvertierbar ist. Unter einem Currency Board System ist der MOP mit einem festen Wechselkurs von MOP 1,03 = HKD 1 an den Hongkong-Dollar gebunden. Indirekt besteht damit ein fester Wechselkurs zum US-Dollar von MOP 8 = USD 1. Devisen dürfen ohne Beschränkung ein- und ausgeführt werden.

Volkswirtschaftliche Struktur

Die Volkswirtschaft wird durch die Glücksspielindustrie und den damit verbundenen Tourismus dominiert, die überwiegend zum Bruttoinlandsprodukt beitragen. 
Auf dem sogenannten Cotai-Strip sind gigantische Kasino-, Unterhaltungs-, Hotel-, Konferenz- und Ausstellungskomplexe amerikanischer Investoren wie Wynn, Crown und MGM entstanden. Derzeit gibt es 38 Kasinos in Macau, der Bau weiterer Anlagen ist geplant.
Der Industriesektor spielt angesichts dieses Booms in Macau kaum noch eine Rolle. Der Anteil der Beschäftigten in der verarbeitenden Industrie ist von 45% im Jahr 1990 auf circa 1,7% (Stand: 2016) gefallen. Nur die Textil- und Bekleidungsindustrie hat noch eine gewisse Bedeutung. Importrestriktionen der USA, Quotierungen der EU und die zunehmende Billiglohn-Konkurrenz, vor allem aus anderen südostasiatischen Staaten, sorgen jedoch für Einbußen. 21,1% aller Beschäftigten arbeiten im Kasino-Sektor.
Bereits seit längerem versucht Macau, seine Tourismusindustrie zu diversifizieren, etwa durch den Bau familientauglicher Ferienanlagen. Der Ausbau der Macau vorgelagerten Insel Hengqin soll Macau insgesamt familienfreundlicher machen und die Gäste dazu einladen, länger als einen Tag zu bleiben. Dort wurde 2014 mit dem "Ocean Kingdom" das weltweit größte Aquarium eröffnet. Außerdem ist Macau bemüht, sich als eigenständiger Messe- und Konferenzort zu präsentieren, was aufgrund der unmittelbaren Nähe zu Hongkong mit einem sehr etablierten Messewesen jedoch schwerfällt. Die Hongkong-Zhuhai-Macau-Brücke  zum Hongkong International Airport (Fertigstellung voraussichtlich 2019) wie auch eine beschleunigte Grenzabfertigung vom Festland sollen die Erreichbarkeit Macaus verbessern und Aktivitäten dort attraktiver machen.
Erwähnenswert ist der von der Regierung kontrollierte Goldhandel, der die an Qualität und Reinheit besonders interessierten Festland-Touristen bedient.

Aktuelle Lage

Die Glücksspielindustrie, damit einhergehende Investitionen im Bausektor und die gewaltigen Besucherströme (2016: 30,95 Millionen, davon 28 Millionen aus Festlandchina) sorgten in den letzten 10 Jahren für einen Wirtschaftsboom: Mit Ausnahme des Krisenjahres 2009 wuchs das Bruttoinlandsprodukt ab 2003 jährlich im zweistelligen Bereich. Im Jahr 2012 verringerte sich das Wachstum jedoch unter anderem aufgrund der wirtschaftlichen Abkühlung in Festlandchina auf 9,9%. Durch eine verschärfte Anti-Korruptions-Politik in Festland-China kam es seit 2014 zu einem drastischen Einbruch der Kasinoeinnahmen, Als Folge brach das BIP 2015 um 20,3% ein. Seitdem ist jedoch eine Erholung zu verzeichnen, im zweiten Quartal 2017 bewegten sich die Wachstumsraten sogar wieder im knapp zweistelligen Prozentbereich. 
Die Casino Industrie in Macau erwirtschaftet mittlerweile fünf bis sechs Mal so viel Umsatz wie Las Vegas. Anders als in Las Vegas jedoch, wo 55% des Umsatzes aus Geschäften außerhalb des eigentlichen Glücksspiels (Shopping Malls, Kongresse, Entertainment etc.) stammen, ist der Umsatz der sechs lizenzierten Betreiberfirmen in Macau noch nicht sehr diversifiziert. Nur etwa 5% des Umsatzes entstammen nicht dem Glücksspiel. Während der Umsatz der Glücksspielindustrie in den letzten Jahren bis auf umgerechnet circa 37,42 Milliarden Euro (360,7 Milliarden MOP) in 2013 anstieg, fiel er im Jahr 2016 auf circa 25,65 Milliarden Euro (233,20 Milliarden MOP) ab.
Die Zahl der Touristen stieg in den letzten Jahren kontinuierlich bis auf über 31,5 Millionen in 2014 an, fiel jedoch im Jahr 2016 etwas bis auf 30,95 Millionen. Mehr als die Hälfte der Besucher Macaus stammt aus Festlandchina, die Mehrheit der Gäste bleibt nur für einen bis zwei Tage. Die Zahl der internationalen Touristen nimmt eher ab, während Macau trotz der Anti-Korruptions-Maßnahmen weiterhin einen deutlichen Zuwachs an festlandchinesischen Touristen verzeichnet. Um den Kapitalabfluss aus Festlandchina zu reduzieren, wurde im Dezember 2016 der tägliche Betrag, der von Geldautomaten abgehoben werden kann auf die Hälfte reduziert (ca. 700€).
Der nach wie vor gut laufende Kasinobetrieb sorgt dafür, dass die öffentlichen Finanzen Macaus seit Jahren Überschüsse erzielen. Rund 82% der öffentlichen Einnahmen beruhen auf Steuern und Abgaben, die auf die Bruttoeinnahmen des Glücksspielsektors erhoben werden (Abgabesatz rund 39%). Macau hat inzwischen beträchtliche Fiskalreserven angesammelt. Während sich die Währungsreserven im Jahre 2013 bereits auf 12,3 Milliarden Euro beliefen, erhöhten sie sich bis 2016 sogar auf über 40 Milliarden Euro.
Angesichts der sehr günstigen Haushaltslage Macaus behält die Regierung das von der Vorgängerregierung eingeführte "wealth partaking scheme" bei: Einwohner Macaus erhalten jährlich Gutschriften (aktuell i.H.v. ca. 1000€) sowie Gutscheine für ärztliche Behandlungen. Vor dem Hintergrund des bislang starken Wachstums der Glücksspielindustrie bezeichnet die Regierung die Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur als ihre Priorität. Eine Vergabe von weiteren Lizenzen für Kasinobetreiber ist aktuell nicht geplant. Wachstum soll es insbesondere bei den Messen und Ausstellungen, kulturellen Großveranstaltungen und im Bereich Traditionelle Chinesische Medizin geben.
Zu den negativen Effekten des bislang spektakulären Wachstums gehört neben einer wachsenden Ungleichverteilung des Wohlstandes und steigenden Immobilienpreisen auch eine übermäßige Belastung der öffentlichen Infrastruktur, insbesondere der Verkehrswege. 
Die Inflationsrate ist im Vergleich zum Vorjahr aufgrund der andauernd hohen Wachstumsraten auf 4,6% gestiegen.
Ein weiteres Problem ist der gravierende Arbeitskräftemangel in der Sonderverwaltungsregion. Nachdem in der Wirtschaftskrise zahlreiche, vor allem ausländische Arbeitnehmer, ihre Stelle verloren hatten, werden nun angesichts praktisch herrschender Vollbeschäftigung (Arbeitslosenquote 2016: 1,8%) insbesondere qualifizierte Arbeitskräfte gesucht.

Infrastrukturelle Großprojekte

Im Jahre 2009 wurde der Grundstein für eine Brücke zwischen Hongkong, Zhuhai und Macau gelegt, die eine bessere Anbindung der Städte an das chinesische Festland gewährleisten und deren Besucherströme weiter erhöhen soll. Die Fertigstellung war für 2016 geplant, mittlerweile wird jedoch ein Abschluss der Bauarbeiten im Jahr 2019 als realistisch betrachtet. Ein neues Fährterminal wird 2017 ebenfalls fertiggestellt, insbesondere um die Verbindung zur vorgelagerten Insel Henquin zu verbessern.

Macau ist mit der chinesischen Provinz Guangdong eine Kooperation in der Entwicklung der zum chinesischen Festland gehörenden Insel Hengqin eingegangen. Dort entstehen unter anderem neue touristische Gebiete, die die Attraktivität Macaus erhöhen und Touristen dazu veranlassen sollen, einen längeren Aufenthalt in Macau zu verbringen (siehe oben). Dort ist auch der Bau von neuen Wohnsiedlungen geplant, die den gestiegenen Bedarf der wachsenden Macanesischen Bevölkerung an Wohnraum befriedigen sollen. Darüber hinaus wurde auf Hengqin der neue Campus der University of Macau errichtet, der zu Beginn des Wintersemesters 2014 eröffnet wurde.

Darüber hinaus baut Macao eine 152.000 qm große Kasinoanlage auf den Cap Verden, welche 2019 fertiggestellt sein wird.

Außenhandel

Unter Macaus Handelspartnern zählen Hongkong, Festlandchina, die USA und die EU zu den wichtigsten Abnehmern. Die wichtigsten Exportziele sind Festlandchina, die EU, Hongkong, die Schweiz, Japan und die USA. Die Exporte Macaus sind 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 6% gesunken. Die Ausfuhren in die EU sanken schon 2015 um 30%, im Jahr 2016 haben sie sich um weitere 22,7% verringert. Auch die Exporte in die USA nahmen um 19,1% im Vergleich zu 2015 ab, erstmals im letzten Jahr auch die nach Festlandchina um 4,7%. Über die Hälfte der Exporte aus Macau gingen im letzten Jahr in die benachbarte Sonderverwaltungsregion Hongkong. Allerdings ist zu beachten, dass ein großer Teil der Warenströme Macau über Hongkong erreicht oder verlässt. Die ursprünglichen Liefer- und Abnehmerländer tauchen in den Statistiken nicht gesondert auf.

Legte der Wert der Importe 2015 noch um 18,5% zu, so sank er 2016 um 15,7%. Die Warenimporte Macaus aus der EU sanken 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 9,6%. Mit der EU besteht seit 1992 ein Handels- und Kooperationsabkommen, das alle vier Jahre verlängert wurde.

Während sich seit dem Auslaufen des Welttextilabkommens 2004 die direkten Exporte aus Macau kontinuierlich verringerten, gewinnen Re-Exporte erheblich an Bedeutung. Ihr Anteil an den Gesamtexporten Macaus stieg von 12,1% 1997 auf heute etwa drei Viertel.

Die 2003 abgeschlossenen und seitdem kontinuierlich ausgeweiteten Closer Economic Partnership Arrangements (CEPA I bis X) mit Festlandchina gewähren in Macau ansässigen (auch ausländischen) Unternehmen auf dem festlandchinesischen Markt einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz aus Drittländern im Vorfeld der umzusetzenden Marktöffnungsfristen.

Die Regierung möchte erklärtermaßen die außenwirtschaftliche Rolle Macaus dadurch stärken, dass es sich zu einer Drehscheibe im Wirtschaftsaustausch zwischen der lusophonen Welt und China entwickelt.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Deutschland ist innerhalb der EU vor Frankreich und dem Vereinigten Königreich der wichtigste Handelspartner Macaus im Bereich der Exporte. Knapp ein Fünftel aller Ausfuhren Macaus in die EU gingen 2016 in die Bundesrepublik (ca. 5,453 Mio €, -2,6% im Vgl. zum Vorjahr). Hinsichtlich der europäischen Exporte nach Macau liegt Deutschland mit einem Wert von ca. 165 Mio € nach Frankreich und Italien an dritter Stelle.

Die geschäftlichen Aktivitäten deutscher Unternehmen in Macau halten sich in eher kleinem Rahmen. Erwähnenswert sind das langjährige Engagement der Firma Siemens sowie die sichtbare Präsenz von Continental, DHL und BMW. Deutsche Messegesellschaften wie die Messe München und die Koelnmesse organisieren regelmäßig verschiedene Messen in Macau, so zum Beispiel die "Macao International Environmental Co-operation Forum & Exhibition" (MIECF).

Umgekehrt sehen chinesische Geschäftsleute aus Macau Deutschland als Standort und Sprungbrett für ihre Aktivitäten in Mittel- und Osteuropa. Die im Jahr 2004 auf Initiative des Generalkonsulats gegründete "German Macau Business Association" trägt zur Intensivierung der Besuchs- und Firmenkontakte mit Deutschland bei und führt unter anderem Deutschkurse für Wirtschaftsfachkräfte durch.

Marktchancen, Investitionsbedingungen und Ausschreibungen

Für deutsche Unternehmen bieten sich Geschäftsmöglichkeiten am ehesten in Nischenbereichen (zum Beispiel Energie-, Signal- und Sicherheitstechnik). Durch die zahlreichen neuen bzw. fortgesetzten Hotelbauten dürften auch Produkte wie Aufzüge, Klimaanlagen und Ausstattungen (Küchen, Badezimmer, etc.) gefragt sein. Weitere Projekte sind der Bau einer Light Rail-Bahnstrecke in Macau, die bis 2020 eröffnet werden soll, sowie die Entwicklung der Macau vorgelagerten festlandchinesischen Insel Hengqin zusammen mit der Stadt Zhuhai. Die Regierung von Macau unterstützt ausländische Investitionen einschließlich Offshore-Aktivitäten mit der Bereitstellung von ausgestatteten Büroräumen und finanziellen Anreizen (zum Beispiel Zinssubventionen, Steuererleichterungen). Teilweise werden Steuern auch völlig erlassen.

Für kleine und mittlere Unternehmen (weniger als 100 Angestellte) gibt es besondere Kreditgarantien der Regierung. Weitere Informationen, auch bezüglich Ausschreibungen, sind beim Macau Trade and Investment Promotion Institute zu erhalten (siehe nützliche Links). Macau empfiehlt sich aufgrund guter Infrastruktur, internationaler Verkehrsverbindungen sowie attraktiver Investitionsbedingungen auch als Plattform für kleine und mittlere deutsche Unternehmen mit geschäftlichen Interessen im westlichen Perlfluss-Delta und in Südchina.

Macau ist Mitunterzeichner des am 03.06.2004 zwischen neun südchinesischen Provinzen und Hongkong/Macau geschlossenen Kooperationsvertrags zur Förderung der regionalen wirtschaftlichen Integration in der Pan-Perlflussdelta-Region (sogenanntes 9 + 2-Konzept).

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

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