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Wirtschaft Macau

Artikel

Stand: November 2018

Volkswirtschaft

Gemeinsam mit der Übergabe an China im Jahr 1999 wurde der Sonderverwaltungszone Macau für 50 Jahre, d.h. bis 2049, unter dem Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“ u.a. ein wirtschaftlicher Sonderstatus garantiert. Das hat zum einen dazu geführt, dass es weiterhin trotz seiner verhältnismäßig kleinen Wirtschaft eine offene Wirtschaftspolitik verfolgt. Zum anderen ist Macau seit dem - zusammen mit Hongkong - einer der beiden internationalen Freihäfen in China. Es ist ein autonomes Zoll- und Steuergebiet mit freiem Waren-, Kapital- und Devisenverkehr sowie einer voll konvertiblen Währung, der Macau-Pataca (MOP). Aufgrund eines Wechselkurssystems (sog. „Currency Board System“) ist der MOP mit einem festen Wechselkurs an den Hongkong-Dollar (1,03 MOP = 1 HKD) und damit indirekt an den US-Dollar (derzeit 8,09 MOP = 1 USD) gebunden. Macau kann zudem seine Außenwirtschaftsbeziehungen selbst gestalten und ist zum eigenständigen Abschluss von Abkommen und Verträgen in diesem Bereich befugt. Dadurch ist die Sonderverwaltungsregion in die Weltwirtschaft integriert und pflegt traditionell besondere wirtschaftliche Beziehungen mit der Europäischen Union und den portugiesisch-sprachigen Ländern. Die zentralchinesische Regierung hält zum größten Teil aus lokalen wirtschaftlichen Angelegenheiten heraus. Folglich spielt Macau eine relativ wichtige Rolle in den regionalen Wirtschaften seiner Partner und ist ein Tor, das China mit internationalen Märkten verbindet.

Macaus Wirtschaft besteht aus vier Säulen: Produktion, Banken und Finanzen, Bau und Immobilien sowie Tourismus und Glücksspiel, wobei der Beitrag letzterer zu Macaos BIP die Summe der drei anderen Wirtschaftszweige zusammen längst überholt hat.

Macaus Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag im Jahr 2017 bei 404,2 Mrd. MOP (ca. 44 Mrd. Euro) mit einer realen Wachstumsrate von 9,1  %.

Mit einem BIP pro Kopf von 622.803 MOP (ca.72.260 Euro) belegt Macau im Ländervergleich Platz drei nach Luxemburg und der Schweiz; kaufkraftbereinigt („PPP“) sogar den zweiten Platz nach Katar.

Die Arbeitslosenrate liegt bei nur 2  %.

Volkswirtschaftliche Struktur

Die Glücksspielindustrie und der damit verbundene Tourismus sind mit Abstand die bedeutendsten Wirtschaftssektoren in Macau und eine wichtige Einnahmequelle für die Regierung.

Macau ist der einzige Ort in China, an welchem Glücksspiel erlaubt ist. Bereits Anfang des 19. Jahrhundert wurde es durch die portugiesische Regierung legalisiert, die 1938 ein Lizenz-System einführte, welches einem einzelnen Unternehmen ein Glückspielmonopol erteilte. 64 Jahre lang wurde die Glücksspielbranche daraufhin von zwei einzelnen Unternehmen geführt (1938 – 1961 „Thai Heng Entertainment Corporation“ und 1962 – 2001 „Sociedade de Turismo e Diversões de Macau“). Nach der Errichtung der Sonderverwaltungsregion Macao im Jahr 1999 hat die Regierung beschlossen, den Franchisevertrag nach seinem Ablauf (Ende 2001) nicht zu erneuern, um den Wettbewerb auf dem Markt und die Attraktivität der Glücksspielbranche in Macao zu erhöhen und so die öffentlichen Einnahmen zu steigern.

Seitdem sind auf dem sogenannten „Cotai-Strip“ gigantische Kasino-, Unterhaltungs-, Hotel-, Konferenz- und Ausstellungskomplexe nationaler und internationaler Investoren entstanden. Derzeit gibt es 44 Kasinos in Macau, wie u.a. die aus Las Vegas bekannten „Wynn“, „The Venetian“ oder „MGM“. Der Bau weiterer Anlagen ist geplant.

Die Öffnung des Marktes hat die Entwicklung der Wirtschaft von Macao erheblich gefördert:

Die Bruttoeinnahmen aus Spielaktivitäten betrugen im Jahr 2017 etwa 266,6 Mrd. MOP (ca. 29 Mrd. Euro).

Die Steuereinnahmen aus dem Glücksspielsektor lagen im Jahr 2017 bei 99,8 Mio. MOP (ca. 10,9 Mio. Euro) und 21,2  % aller Beschäftigten waren dort angestellt.

Im Gegensatz dazu hat insbesondere der Produktionssektor angesichts dieses Booms an Bedeutung verloren: Der Anteil der Beschäftigten in der verarbeitenden Industrie ist von 45 % im Jahr 1990 auf 1,7  % (Stand: 2017) gefallen.

Aktuelle Lage

Die Glücksspielindustrie sowie damit einhergehende Investitionen im Bausektor und die gewaltigen Besucherströme (2017: 32,6 Mio. bei nur rund 600 000 Einwohnern, davon 22,1 Mio. vom chinesischen Festland) sorgten bis 2014 für Wachstumsraten im zweistelligen Bereich. Durch eine verschärfte Anti-Korruptions-Politik in Festland-China kam es danach jedoch zu einem drastischen Einbruch der Kasinoeinnahmen. Als Folge brach das BIP 2015 um 20,3 % ein. Seitdem ist jedoch eine Erholung zu verzeichnen, im ersten Halbjahr 2018 wuchs die Wirtschaft 7,5 %.

Die Casino Industrie in Macau erwirtschaftet mittlerweile fünf bis sechs Mal so viel Umsatz wie Las Vegas. Anders als in Las Vegas jedoch, wo 55 % des Umsatzes aus Geschäften außerhalb des eigentlichen Glücksspiels (Shopping Malls, Kongresse, Entertainment etc.) stammen, ist der Umsatz der sechs lizenzierten Betreiberfirmen in Macau noch nicht sehr diversifiziert. Nur etwa 5 % des Umsatzes entstammen nicht dem Glücksspiel.

Die Zahl der Touristen s bewegte sich in den letzten Jahren um 30 Mio. 2017 wurden 32,6 Mio. Besucher verzeichnet. Zwei Drittel der Besucher Macaus stammt dabei aus Festlandchina, die Mehrheit der Gäste bleibt nur für einen bis zwei Tage. Die Zahl der internationalen Touristen nimmt eher ab, während Macau trotz der Anti-Korruptions-Maßnahmen weiterhin einen deutlichen Zuwachs an festlandchinesischen Touristen verzeichnet. Um den Kapitalabfluss aus Festlandchina zu reduzieren, wurde im Dezember 2016 der tägliche Betrag, der von Geldautomaten abgehoben werden kann, auf die Hälfte reduziert (ca. 700€).

Der nach wie vor gut laufende Kasinobetrieb sorgt dafür, dass die öffentlichen Finanzen Macaus seit Jahren Überschüsse erzielen. Rund 82 % der öffentlichen Einnahmen beruhen auf Steuern und Abgaben, die auf die Bruttoeinnahmen des Glücksspielsektors erhoben werden (Abgabesatz rund 39 %). Macau hat inzwischen beträchtliche Fiskalreserven angesammelt. Während sich die Währungsreserven im Jahre 2013 bereits auf 12,3 Milliarden Euro beliefen, erhöhten sie sich bis 2017 sogar auf über 55 Mrd. Euro.

Angesichts der sehr günstigen Haushaltslage Macaus behält die Regierung das von der Vorgängerregierung eingeführte „wealth partaking scheme“ bei: Einwohner Macaus erhalten jährlich Gutschriften (aktuell i.H.v. ca. 1000 Euro) sowie Gutscheine für ärztliche Behandlungen. Vor dem Hintergrund des bislang starken Wachstums der Glücksspielindustrie bezeichnet die Regierung die Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur als ihre Priorität. Eine Vergabe von weiteren Lizenzen für Kasinobetreiber ist aktuell nicht geplant. Wachstum soll es insbesondere bei den Messen und Ausstellungen, kulturellen Großveranstaltungen und im Bereich Traditionelle Chinesische Medizin geben.

Zu den negativen Effekten des bislang spektakulären Wachstums gehört neben einer wachsenden Ungleichverteilung des Wohlstandes und steigenden Immobilienpreisen auch eine übermäßige Belastung der öffentlichen Infrastruktur, insbesondere der Verkehrswege.

Ein weiteres Problem ist der gravierende Arbeitskräftemangel in der Sonderverwaltungsregion. Nachdem in der Wirtschaftskrise zahlreiche, vor allem ausländische Arbeitnehmer, ihre Stelle verloren hatten, werden nun angesichts praktisch herrschender Vollbeschäftigung (Arbeitslosenquote 2017: 2  %) insbesondere qualifizierte Arbeitskräfte gesucht.

Infrastrukturelle Großprojekte

Im Jahre 2009 wurde der Grundstein für eine Brücke zwischen Hongkong, Zhuhai und Macau gelegt, die eine bessere Anbindung der Städte an das chinesische Festland gewährleisten und deren Besucherströme weiter erhöhen soll. Diese wurde mit über zwei Jahren Verspätung im Oktober 2018 eröffnet. Ein neues Fährterminal wird 2017 ebenfalls fertiggestellt, insbesondere um die Verbindung zur vorgelagerten Insel Henquin zu verbessern.

Macau ist mit der chinesischen Provinz Guangdong eine Kooperation in der Entwicklung der zum chinesischen Festland gehörenden Insel Hengqin eingegangen. Dort entstehen unter anderem neue touristische Gebiete, die die Attraktivität Macaus erhöhen und Touristen dazu veranlassen sollen, einen längeren Aufenthalt in Macau zu verbringen. Unter anderem ist dort mit dem „Chimelong Ocean Kingdom“ das größte Aquarium der Welt entstanden. Auch ist dort der Bau von neuen Wohnsiedlungen geplant, die den gestiegenen Bedarf an Wohnraum befriedigen sollen.

Außenhandel

Macaus wichtigste Handelspartner sind Hongkong, Festlandchina, die EU und die USA. Die wichtigsten Exportziele sind Hongkong, Festlandchina und Japan. Die Exporte Macaus steigen nach einem Einbruch 2016 in den letzten Jahren wieder leicht an. Über drei Viertel der Exporte aus Macau gingen 2016 in die benachbarte Sonderverwaltungsregion Hongkong. Allerdings ist zu beachten, dass ein großer Teil der Warenströme Macau über Hongkong erreicht oder verlässt. Die ursprünglichen Liefer- und Abnehmerländer tauchen in den Statistiken nicht gesondert auf.

Die 2003 abgeschlossenen und seitdem kontinuierlich ausgeweiteten Closer Economic Partnership Arrangements (CEPA I bis X) mit Festlandchina gewähren in Macau ansässigen (auch ausländischen) Unternehmen auf dem festlandchinesischen Markt einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz aus Drittländern im Vorfeld der umzusetzenden Marktöffnungsfristen.

Die Regierung möchte erklärtermaßen die außenwirtschaftliche Rolle Macaus dadurch stärken, dass es sich zu einer Drehscheibe im Wirtschaftsaustausch zwischen der lusophonen Welt und China entwickelt.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Deutschland ist innerhalb der EU nach Frankreich der wichtigste Handelspartner Macaus im Bereich der Exporte. Hinsichtlich der europäischen Exporte nach Macau liegt Deutschland mit einem Wert von ca. 199 Mio.€ (2016) nach Frankreich und Italien an dritter Stelle.

Die geschäftlichen Aktivitäten deutscher Unternehmen in Macau halten sich in eher kleinem Rahmen. Erwähnenswert sind das langjährige Engagement der Firma Siemens sowie die sichtbare Präsenz von Continental, DHL und BMW. Deutsche Messegesellschaften wie die Messe München und die Koelnmesse organisieren regelmäßig verschiedene Messen in Macau, so zum Beispiel die „Macao International Environmental Co-operation Forum & Exhibition“ (MIECF).

Umgekehrt sehen chinesische Geschäftsleute aus Macau Deutschland als Standort und Sprungbrett für ihre Aktivitäten in Mittel- und Osteuropa. Die auf Initiative des Generalkonsulats gegründete „German Macau Business Association“ trägt zur Intensivierung der Besuchs- und Firmenkontakte mit Deutschland bei.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

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