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Wirtschaft Laos

Artikel

Stand: März 2018

Wirtschaftsstruktur

Nach wie vor sind rund 75 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt, davon ein großer Teil noch in Subsistenzwirtschaft. Die Land-, Forst- und Fischwirtschaft erwirtschaftet rund 23 Prozent des BSP. In den letzten Jahren ist eine deutliche Verdrängung der Subsistenzwirtschaft durch die industrielle Landwirtschaft zu beobachten. Bergbau, Energie, Leichtindustrie (darunter die auch für bekannte europäische Marken arbeitende Textilindustrie mit ca. 60.000 Arbeitsplätzen) und Tourismus wurden in den Jahren nach der wirtschaftlichen Öffnung Mitte der 1980er Jahre zu wichtigen Wirtschaftsmotoren, die mehr und mehr die wirtschaftliche Entwicklung prägen. Die Industrie einschließlich Bergbau trägt rund 26 Prozent zur Erwirtschaftung des BSP bei, der Dienstleistungssektor etwa 43 Prozent und der Bausektor ca. 7 Prozent. Bergbau, Wasserkraft, großflächige Landwirtschaft und Tourismus liefern die entscheidenden Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und bieten großes Entwicklungspotential für die Zukunft. Ein Ausbau der Energieerzeugung ist von derzeit 6,4 auf 13 GW bis 2021  geplant, die Planung des Zuwachses beschränkt sich auf Wasserkraft. Von der erzeugten Energie sollen 85 Prozent in Nachbarländer exportiert werden. Das industrielle Potential (Fertigung) ist noch nicht ausgeschöpft: Die Regierung versucht, durch Anwerbung ausländischer Investoren zunehmend Industriearbeitsplätze als Ersatz für Arbeit in der Subsistenzlandwirtschaft zu schaffen.

Internationale Verflechtung

Die Verhandlungen für den Beitritt des Landes zur Welthandelsorganisation (WTO) konnten im Oktober 2012 abgeschlossen werden; der Beitritt wurde im Februar 2013 vollzogen. Seit dem 1. Januar 2016 besteht die ASEAN Economic Community (AEC) unter dem Dach von ASEAN, die u.a. die Abschaffung von Zöllen zwischen den ASEAN-Staaten und sukzessive die Schaffung eines einheitlichen Arbeitsmarktes anstrebt. Nach wie vor bleibt der Intra-ASEAN-Handel weit hinter dem Handelsaustausch mit Drittländern zurück, nicht-tarifäre Handelshemmnisse wirken sich parallel zur Reduzierung der Zölle zunehmend aus. Die wichtigsten Wirtschaftsbeziehungen bestehen zu den Nachbarländern China, Vietnam und Thailand, die zugleich die größten Auslandsinvestoren sind (jeweils ca. 5 Mrd. USD). Sonderwirtschaftszonen sollen die Attraktivität für ausländische Investoren erhöhen. Die hier gebotenen Möglichkeiten werden derzeit vor allem von japanischen und koreanischen Unternehmen genutzt (Autoteile, Digitalkameras u.a.m., Outsourcing aus Thailand), vermehrt engagieren sich auch chinesische Unternehmen; es gibt auch einzelne europäische und nordamerikanische Investoren. Zwar bemüht sich die Regierung um Verbesserung der Standortqualitäten (neues Investitionsgesetz, "Single Window", Web-Informationen in englischer Sprache); doch bleiben der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, Rechtsunsicherheit und Korruption Herausforderungen für Investoren. Die seit Anfang 2015 mit EU-Förderung arbeitende Europäische Industrie- und Handelskammer in Laos (ECCIL) unterstützt deutsche und europäische Firmen mit an Standorten in Europa und den Nachbarländern bei ihrem Engagement in Laos.

Aktuelle Wirtschaftslage

Laos zählt zu den am stärksten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Während das Wachstum im Baugewerbe zuletzt etwas stagnierte, zog es insbesondere in der Elektrizitätswirtschaft merklich und im Bergbau leicht an. Es bleibt eine große Herausforderung, die jährlich etwa 250.000 Neuzugänge für den Arbeitsmarkt ausreichend zu qualifizieren. Die Anzahl von Absolventen qualifizierter beruflicher Bildung ist nach wie vor zu gering.

Die Politik der marktwirtschaftlichen Öffnung, die Laos seit 1986 mit der Einführung des „New Economic Mechanism“ verfolgt, hat dem Land jahrelang seit einigen Jahren Wachstumsraten von zwischen 7 bis 9 Prozent gebracht. 2016 lag das Wachstum bei 6,9 (nach 2015: 7,5%) Prozent, für dieses Jahr wird ein ähnlicher Wert erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs 2016 auf 13,8 Mrd. USD (2015: 12,4 Mrd USD) bei einem Pro-Kopf-Einkommen von knapp 2.000 USD.

Die wirtschaftliche Entwicklung wird durch eine anhaltende Haushaltskrise belastet. Zurückgegangene Rohstoffpreise (Bergbau) und zu geringe Steuereinnahmen führen seit einigen Jahren zu jährlichen Defiziten von über 5 Prozent des BIP, im letzten Jahr gar zu einer Liquiditätskrise der öffentlichen Haushalte.. Die Staatsverschuldung wird 2017 erstmals über 70 Prozent des BIP steigen.

Bei seinen Reformanstrengungen wird Laos von der internationalen Gebergemeinschaft stark unterstützt. Etwa 75 Prozent der staatlichen Investitionen werden von Gebern finanziert.

Bei einem hochrangigen Treffen der Entwicklungspartner unter dem Ko-Vorsitz von UNDP-Administratorin Helen Clark im November 2015 wurde die „Vientiane-Erklärung über Partnerschaft bei effektiver Entwicklungszusammenarbeit 2016-2025“ angenommen. Der 8. Nationale Fünfjahresplan 2016-2020 (NSEDP) berücksichtigt die neuen „Nachhaltigen Entwicklungsziele“ (Vereinte Nationen, Agenda 2030). Die Regierung will damit Laos bis 2020 aus dem Kreis der am wenigsten entwickelten Länder (LDC) herausführen.

Bei seinen Reformanstrengungen wird Laos von der internationalen Gebergemeinschaft stark unterstützt. Etwa 75 Prozent der staatlichen Investitionen werden von Gebern finanziert.

Bei dem High Level-Roundtable-Treffen der Entwicklungspartner unter dem Ko-Vorsitz von UNDP-Administratorin Helen Clark im November 2015 wurde die „Vientiane-Erklärung über Partnerschaft bei effektiver Entwicklungszusammenarbeit 2016-2025“ angenommen. Der 8. Fünfjahresplan 2016-2020 (NSEDP) berücksichtigt die neuen „Nachhaltigen Entwicklungsziele“ (Vereinte Nationen, Agenda 2030). Die Regierung will damit Laos bis 2020 aus dem Kreis der am wenigsten entwickelten Länder (LDC) herausführen.

Umweltpolitik

Die von der Führung des Landes gewünschte rasante Wirtschaftsentwicklung nachhaltig zu gestalten und zugleich für die Entstehung von Arbeitsplätzen zu sorgen, bleibt eine zentrale Herausforderung. Die schnelle Modernisierung der letzten Jahre durch Staudammbau für den Elektrizitätsexport (Laos hat neben Myanmar das größte Wasserkraftpotential in der Region), Bergbau (vor allem Gold, Kupfer und Eisenerz) und Plantagenlandwirtschaft sind nicht ohne Auswirkungen auf die Umwelt geblieben. Mit zunehmenden Verboten von Bananenplantagen, die in großem Maße Pestizide einsetzen, reagiert die Regierung auf verbreitete Unzufriedenheit.

Nicht nur Umweltschutz-Gruppen, sondern auch die Mekong-Unterlieger Kambodscha und Vietnam äußern Kritik an dem von Laos geplanten Ausbau der Wasserkrafterzeugung (installierte Kapazität derzeit etwa 6,4 GW, davon 1,8 GW Braunkohle, Ausbauplanung 13 GW bis 2021, wobei der Zuwachs ausschließlich bei der Wasserkraft liegt). Zwei Mekong-Staudämme sind im Bau (Xayabouri, Don Sahong), das Konsultationsverfahren für einen weiteren laotischen Mekong-Hauptstrom-Staudamm (Pak Beng, chinesische Investoren) nach den Regeln der in Vientiane ansässigen Mekong River Commission (MRC) wurde im Dezember 2016 eingeleitet. Hinzu kommen eine Reihe Staudammprojekte an Nebenflüssen des Mekong.

Die Regierung hat inzwischen eine ganze Reihe von Gesetzen zum Schutz der Umwelt erlassen (Environmental Protection Law; Forestry Law; Wildlife and Aquatic Animal Law, Dekret zum Verbot des Rohholzexports vom März 2016), wobei sie  Unzulänglichkeiten bei der Umsetzung dieser Gesetze einräumt. Das Ministerium für natürliche Ressourcen und Umwelt besteht seit 2011 und wird bei zentralen Themen im Rahmen der deutschen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit unterstützt. Die Erhaltung des natürlichen Reichtums ist nicht nur aus Umweltgesichtspunkten, sondern auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten für Laos von Bedeutung – im Hinblick auf nachhaltige Erwerbsmöglichkeiten für die Landbevölkerung und den wachsenden Tourismus. Green Growth – Grünes Wachstum ist Regierungspolitik. 

Projekte der deutschen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit zielen auch auf Klimaschutz, Umweltbildung und Naturschutz. Die Bundesregierung berät die Regierung bei der Erstellung und Umsetzung entsprechender Vorschriften und unterstützt entsprechende Maßnahmen in ländlichen Gebieten.

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