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Kroatien: Wirtschaft Kroatien

03.09.2019 - Artikel

Die Stärkung der Wirtschaft und die Verbesserung des Investitionsklimas für in- und ausländische Investoren durch Strukturreformen sind seit mehreren Jahren erklärtes Ziel der kroatischen Politik. In mehreren Wirtschaftsbereichen wurden Reformschritte eingeleitet, darunter eine Steuerreform, die Restrukturierung und Privatisierung staatlicher Unternehmen, Arbeitsmarktreformen und Maßnahmen zum Abbau von Zahlungsrückständen im gesamten Wirtschaftskreislauf. Weitere Reformschritte sind angekündigt: Entlastung von Unternehmen, Verschlankung der öffentlichen Verwaltung und des öffentlichen Beschaffungswesens sowie eine Rentenreform.

Seit dem EU-Beitritt am 1. Juli 2013 erlebt Kroatien einen moderaten Aufschwung. 2017 ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Kroatiens mit einem Plus von 2,9 Prozent zum dritten Mal und 2018 mit einem Plus von 2,6 Prozent zum vierten Mal in Folge gestiegen. Der Trend hat sich auch im Jahr 2019 mit einem Plus von 3,9 Prozent im ersten Quartal fortgesetzt. Das Außenhandelsvolumen verzeichnete 2018 einen Anstieg von 6,6 und in ersten vier Monaten 2019 von 8,8 Prozent. Die Industrieproduktion nahm 2017 um 1,9 Prozent zu, sank 2018 um 1,0 Prozent. In den ersten vier Monaten 2019 nahm die Industrieproduktion wieder zu (+ 2,8 Prozent). Treibende Kraft sind der private Konsum und der Außenhandel, Rückgrat der kroatischen Wirtschaft ist der Tourismus, nach verschiedenen Schätzungen mit rund 20 Prozent Anteil am Bruttoinlandsprodukt.

Die Arbeitslosenquote betrug 2018 nach ILO-Standard 8,4 Prozent. Die Erwerbstätigenquote ist eine der niedrigsten in der EU. Die Abwanderung junger Menschen und qualifizierter Arbeitskräfte hat nach dem EU-Beitritt stark zugenommen. Belastend trotz leicht abnehmender Tendenz bleibt die sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit von circa 23,7 Prozent (2018). Kroatische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer genießen seit dem 1. Juli 2015 Arbeitnehmerfreizügigkeit. Das Augenmerk der kroatischen Finanzpolitik gilt der Senkung des Haushaltsdefizits und der Erfüllung beziehungsweise Einhaltung der Maastricht-Kriterien (2016: -1,0 Prozent, 2017: +0,8 Prozent, 2018: +0,2 Prozent). Die öffentliche Verschuldung nimmt seit 2015 leicht ab: 74,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts Ende 2018. Kontinuierlich rückläufig ist seit 2015 auch die Außenverschuldung: 75,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts Ende 2018. Die Währung Kroatiens ist die Kuna. Die Notenbank hält an einer engen Anbindung am Euro fest, sie gilt daher sowohl binnenwirtschaftlich als auch im Verhältnis zum Euro als wertstabil. Die kroatische Regierung strebt den Beitritt zur Eurozone an.

Wirtschaftssektoren

Kroatien erwirtschaftete 2018 ein Bruttoinlandsprodukt von circa 51,5 Mrd. Euro (+2,6 Prozent). Bestimmender Wirtschaftssektor sind die Dienstleistungen mit einem Anteil von 70 Prozent an der Wertschöpfung. Fast 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts generiert der Fremdenverkehr. 2018 besuchten 18,7 Mio. Touristen Kroatien, 7,1 Prozent mehr als im Vorjahr, davon 2,7 Mio. Reisende aus Deutschland (Anstieg von 6,4 Prozent).

In der verarbeitenden Industrie dominiert der Nahrungsmittelsektor, gefolgt von der Verlags- und Druckindustrie, der Produktion nichtmetallischer Mineralprodukte, der chemischen Industrie, der Herstellung von Metallprodukten, Transportmitteln, elektrischen Maschinen und Geräten sowie die Holzverarbeitung. Land- und Forstwirtschaft sowie die Fischerei tragen circa 5 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei.

Außenhandel

Das Außenhandelsvolumen Kroatiens betrug im Jahr 2018 38,3 Mrd. Euro. Die Exporte stiegen um 3,8 Prozent, die Importe um 8,5 Prozent. Der Trend hat sich in den ersten vier Monaten 2019 fortgesetzt: die Exporte stiegen um 8,2 Prozent, die Importe um 9,2 Prozent. Der Exportanteil gemessen am Bruttoinlandsprodukt betrug in 2018 28,2 Prozent. Circa 75 Prozent des Außenhandels werden mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union abgewickelt. Deutschland, Italien, Slowenien, Österreich, Ungarn und Bosnien und Herzegowina sind derzeit die wichtigsten Handelspartner Kroatiens. Der aktive bilaterale Handelsaustausch schlägt sich auch im Mitgliederzuwachs der inzwischen über 420 Unternehmen starken Deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer nieder.

Deutschland ist mit einem bilateralen Außenhandelsumsatz von 5,5 Mrd. Euro (2018) vor Italien, Slowenien und Österreich wichtigster Handelspartner Kroatiens. Die Exporte nach Deutschland erreichten 2018 ein Gesamtvolumen von 1,9 Mrd. Euro (+11,7 Prozent), die Importe aus Deutschland 3,6 Mrd. Euro (+7,8 Prozent). Die kroatische Leistungsbilanz wies für 2016 einen Saldo von 2,6 Prozent, für 2017 von 3,7 Prozent und für 2018 von 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf. Die Devisenreserven der Kroatischen Nationalbank beliefen sich am 31.12.2018 auf 17,4 Mrd. Euro. Diese reichen aus, um Importe für die Dauer von etwa neun Monaten abzudecken.

Ausländische Investitionen

Im Zeitraum von 1993 bis zum ersten Quartal 2018 beliefen sich die Auslandsinvestitionen auf etwa 33,6 Mrd. Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 3,31 Mrd. Euro. Damit liegt Deutschland nach den Niederlanden, Österreich und Italien an vierter Stelle der ausländischen Investoren. Kernbereiche für die Investoren sind Finanzwirtschaft/Banken, Telekommunikation, Immobilienwirtschaft, Petrochemie, Erdöl- und Gasförderung, Hotel- und Gastgewerbe sowie pharmazeutische Industrie. Die kroatische Regierung plant zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung des Investitionsklimas.

Der Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union ermöglicht den Einsatz von Mitteln aus EU-Fonds für Infrastrukturinvestitionen und Investitionen in die Landwirtschaft. Kroatien ist bestrebt, die Absorptionsfähigkeit der Fördermittel zu verbessern.


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