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Nordkorea: Wirtschaft Korea (Demokratische Volksrepublik, Nordkorea)

21.03.2019 - Artikel

Volkswirtschaft

Nordkorea produziert kaum international wettbewerbsfähige Güter. Es herrscht Mangel an Devisen und somit auch an Investitionsgütern. Die Infrastruktur ist marode, zahlreiche Industrieanlagen sind seit Jahren nicht mehr in Betrieb oder werden notdürftig in Betrieb gehalten. Es bestehen große Probleme bei der Energieversorgung. Wo der Staat große Mengen an Devisen einsetzt, geschieht dies hauptsächlich für den Bau von Vorzeigebauten in der Hauptstadt, deren Nutzen im Sinne einer wirtschaftlichen Entwicklung in der Regel fraglich ist.

Der Zusammenbruch des Sowjetregimes zu Beginn der 1990er Jahre bedeutete für das Land einen dramatischen Einschnitt. Das damalige System des Gütertausches wurde auf Devisenzahlungen umgestellt – eine Entwicklung, die Nordkorea bis heute vor Probleme stellt.

 

Das ineffiziente, staatliche Versorgungssystem ist nicht in der Lage, den Lebensmittelbedarf der Bevölkerung zu decken. Die Lebensmittelzuteilung ist zudem von dem eigenen Platz im sozialen Gruppensystem Nordkoreas („songbun“) abhängig, das Menschen nach ihrer politischen Zuverlässigkeit einteilt. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass der Versorgungsstand mit Gütern jeder Art in der Hauptstadt – aber auch in anderen Städten – weit über dem ländlicher Räume liegt. Der überwiegende Teil der Bevölkerung muss sich zusätzliche Versorgungskanäle erschließen, z.B. Gemüseanbau, Kleintierhaltung oder Kleinhandel. Ansätze zu privatwirtschaftlichen Aktivitäten wie improvisierte Verkaufsstände und Märkte sind heute zumindest in den Städten allgegenwärtig. Sie operieren jedoch in einem rechtlichen Vakuum und sind der Willkür der Behörden ausgeliefert.

Was die Nahrungsmittelsituation insgesamt betrifft, gehen die meisten Beobachter von einer strukturellen Unterversorgung im Umfang von einer halben Million Getreideeinheiten pro Jahr aus. VN-Berichte warnen für 2019 angesichts zurückgehender Ernteerträge vor Nahrungsmittelknappheit, die Datenlage ist jedoch dünn. Die nach wie vor (mit großen regionalen Unterschieden) festzustellende Unterversorgung mit Lebensmitteln gefährdet vor allem anfällige Gruppen wie Kleinkinder, Schwangere, stillende Mütter, Alte und Kranke.

Immer wieder werden zu aus Sicht des Regimes wichtigen Jubiläen Massenmobilisierungen angestrengt, die u.a. auch den Bau von Vorzeigeprojekten durch „freiwillige“ sog. Schocktruppen (dolgyokdae) beinhalten. Durch den Einsatz von solchen Laien, die Betonung von Schnelligkeit beim Bau und dem Mangel an hochwertigem Baumaterial ist eine vernünftige Qualität der Bauten selten gewährleistet ist. Ein spektakulärer Hochhauseinsturz im Mai 2014, für den sich die Regierung entschuldigen musste, hat das Problem ins Bewusstsein der breiten Massen gebracht. Das Regime besteht jedoch weiter auf 'Geschwindigkeitskampagnen' zum Aufbau des Landes, zuletzt zum Republikgründungsjubiläum am 9.9.2018, zu dem auch die zwischenzeitliche abgeschafften Massengymnastikspiele unter Mobilisierung zehntausender Jugendlicher und Kinder als Disziplinierungsmaßnahme und Devisenquelle wiederbelebt wurden.

Die Führung versucht durch verschiedene Großprojekte den Tourismus zu fördern, um Devisen ins Land zu bringen. Diese Versuche sind bisher wenig erfolgreich, zum einen wegen der restriktiven Vorschriften für Touristen und zum anderen wegen eines wenig attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnisses der angebotenen Leistungen. Immerhin haben im Zuge der atmosphärischen Verbesserungen im Jahr 2018 Besuche chinesischer Touristen – der wichtigsten Gruppe – spürbar zugenommen.

Außenhandel

Nordkoreas größte Handelspartner sind China und Russland, wobei China mit einem Anteil am Gesamthandel zwischen 90 % mit Abstand der wichtigste ist.

Durch die Schließung des gemeinsam mit Südkorea betriebenen Kaesong Industrial Complex seit Februar 2016 ist neben direkten Einnahmeausfällen auch langfristiger Schaden entstanden: Das ohnehin kaum vorhandene Vertrauen ausländischer Investoren in den Standort Nordkorea ist erneut auf einen Tiefpunkt gesunken. Der innerkoreanische Handel bleibt weiterhin mit Sanktionen belegt, die Teil der südkoreanischen Reaktion auf die Versenkung der Korvette Cheonan (März 2010) und den Artillerieangriff auf die südkoreanische Insel Yeonpyeong (November 2010) durch Nordkorea sind.

Russland versucht, seine Position als Handelspartner auszubauen. Es hat mehrere Infrastrukturprojekte vorgeschlagen. Prominentestes Beispiel ist der geplante Bau einer Erdgasleitung von Sibirien über nordkoreanisches Territorium nach Südkorea ebenso wie eine Bahnstrecke für den Transit. Die Eisenbahnverbindung vom nordkoreanischen Seehafen Rajin zum russischen Khasan ist inzwischen hergestellt.

Verlässliche Handelsdaten sind in Nordkorea praktisch nicht erhältlich. Seit den 1960er Jahren sind keine Statistiken mehr in absoluten Zahlen herausgegeben worden, sondern jeweils nur Angaben über prozentuale Veränderungen gegenüber dem Vorjahr. Handelsdaten lassen sich daher nur spiegelbildlich aus den Statistiken der wichtigsten Handelspartner errechnen.

Durch verschiedene Resolutionen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen unterliegt Nordkorea einem strikten Sanktionsregime, das die Einfuhr von Rüstungs- und Dual Use-Gütern, aber auch von Luxusgütern verbietet. Alle Resolutionen sind auch im Recht der EU implementiert. Die EU hat darüber hinausgehende Maßnahmen ergriffen, um Nordkoreas Streben nach Massenvernichtungswaffen einzuhegen.

 

Aufgrund insbesondere der bilateralen Sanktionen der USA verweigern mittlerweile praktisch alle internationalen Banken die Durchführung von Geldtransfers nach Nordkorea.

Wegen offener Forderungen von etwa 260 Millionen Euro besteht eine Sperre für Hermes-Ausfuhrkreditbürgschaften.

Umwelt

Nordkorea hat große Probleme durch Abholzung und einseitige Bebauung von Ackerflächen, die den Boden auslaugt. Allerdings ist hier eine zunehmende Bewusstwerdung zu verzeichnen, dass nachhaltiges Wirtschaften langfristig zu höheren Erträgen und mehr Wohlstand führt. Das Interesse an alternativer Energieerzeugung ist ebenfalls zunehmend.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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