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Wirtschaft und Umwelt Korea (Demokratische Volksrepublik, Nordkorea)

Artikel

Stand: Januar 2018

Volkswirtschaft

Nordkorea produziert kaum wettbewerbsfähige Güter. Es herrscht Mangel an Devisen und somit auch an Investitionsgütern. Die Infrastruktur ist marode, zahlreiche Industrieanlagen sind seit Jahren nicht mehr in Betrieb oder werden notdürftig in Betrieb gehalten. Es bestehen große Probleme bei der Energieversorgung. Wo der Staat große Mengen an Devisen einsetzt, geschieht dies hauptsächlich für den Bau von Vorzeigebauten in der Hauptstadt, deren Nutzen im Sinne einer wirtschaftlichen Entwicklung in der Regel fraglich ist.

Der Zusammenbruch des Sowjetregimes zu Beginn der 1990er Jahre bedeutete für das Land einen dramatischen Einschnitt. Das damalige System des Gütertausches wurde auf Devisenzahlungen umgestellt – eine Entwicklung, die Nordkorea bis heute vor Probleme stellt.

Das staatliche Versorgungssystem ist nicht in der Lage, den Lebensmittelbedarf der Bevölkerung zu decken. Der überwiegende Teil der Bevölkerung muss sich zusätzliche Versorgungskanäle erschließen, z.B. Gemüseanbau, Kleintierhaltung oder Kleinhandel. Ansätze zu privatwirtschaftlichen Aktivitäten wie improvisierte Verkaufsstände und Märkte sind heute zumindest in den Städten allgegenwärtig, sie werden teils geduldet, teils aber auch entschieden unterdrückt.

Was die Nahrungsmittelsituation insgesamt betrifft, gehen die meisten Beobachter von strukturellen Mängeln, jedoch nicht von einer akuten Hungerkatastrophe aus. Nach offiziellen Zahlen ging die Ernte 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 11,4% zurück, nahm 2016 aber um 14,6% zu und lag damit über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Die nach wie vor (mit regionalen Unterschieden) festzustellende Unterversorgung mit Lebensmitteln gefährdet vor allem anfällige Gruppen wie Kleinkinder, Schwangere, stillende Mütter, Alte und Kranke.

Im Vorfeld des 100. Geburtstages des (1994 verstorbenen) Staatsgründers Kim Il Sung (15. April 2012) wurde die Bevölkerung dazu angehalten, mit einer kollektiven Anstrengung die Wohnungssituation in der Hauptstadt zu verbessern; es sind in Pjöngjang zahlreiche neue Gebäude entstanden. Das Ziel, 100.000 neue Wohnungen bereitzustellen, konnte jedoch nicht verwirklicht werden. Hinzu kommt, dass durch die Betonung von Schnelligkeit beim Bau, dem Mangel an hochwertigem Baumaterial sowie dem Einsatz von Wehrpflichtigen und 'Freiwilligen' eine vernünftige Qualität der Bauten selten gewährleistet ist. Ein spektakulärer Hochhauseinsturz im Mai 2014, für den sich die Regierung entschuldigen musste, hat das Problem ins Bewusstsein der breiten Massen gebracht. Das Regime besteht jedoch weiter auf 'Geschwindigkeitskampagnen' zum Aufbau des Landes.

Im November 2013 hat das Scheinparlament des Landes, die Oberste Volksversammlung, beschlossen, zusätzlich zu den bereits bestehenden 4 (Kaesong, Rason, Wihwa, Hwanggumpyong) 13 neue Sonderwirtschaftszonen einzurichten. Zudem versucht die Führung durch verschiedene Großprojekte den Tourismus zu fördern, um Devisen ins Land zu bringen, bislang jedoch mit sehr begrenztem Erfolg.

Außenhandel

Nordkoreas größte Handelspartner sind China und Russland, wobei China mit einem Anteil am Gesamthandel zwischen 90% mit Abstand der wichtigste ist.

Durch die zeitweilige Schließung des gemeinsam mit Südkorea betriebenen Kaesong Industrial Complex durch Nordkorea im Zuge der Spannungen im Frühjahr 2013 und die erneute Schließung seit Februar 2016 ist neben direkten Einnahmeausfällen auch langfristiger Schaden entstanden: das ohnehin kaum vorhandene Vertrauen ausländischer Investoren in den Standort Nordkorea ist erneut auf einen Tiefpunkt gesunken. Der innerkoreanische Handel außerhalb des Komplexes bleibt zudem weiterhin mit Sanktionen belegt, die Teil der südkoreanischen Reaktion auf die Versenkung der Korvette Cheonan (März 2010) und den Artillerieangriff auf die südkoreanische Insel Yeonpyeong (November 2010) durch Nordkorea sind.

Russland versucht in letzter Zeit wieder, seine Position als Handelspartner auszubauen. Es hat mehrere Infrastrukturprojekte vorgeschlagen. Prominentestes Beispiel ist der geplante Bau einer Erdgasleitung von Sibirien über nordkoreanisches Territorium nach Südkorea ebenso wie eine Bahnstrecke für den Transit. Die Eisenbahnverbindung vom nordkoreanischen Seehafen Rajin zum russischen Khasan ist inzwischen hergestellt.

Verlässliche Handelsdaten sind in Nordkorea praktisch nicht erhältlich. Seit den 1960er Jahren sind keine Statistiken mehr in absoluten Zahlen herausgegeben worden, sondern jeweils nur Angaben über prozentuale Veränderungen gegenüber dem Vorjahr. Handelsdaten lassen sich daher nur spiegelbildlich aus den Statistiken der wichtigsten Handelspartner errechnen.

Durch die Resolutionen Nr. 1718 und 1874 des Vereinte Nationen-Sicherheitsrats unterliegt Nordkorea einem Sanktionsregime, das die Einfuhr von Rüstungs- und Dual Use-Gütern, aber auch von Luxusgütern verbietet. Beide Resolutionen sind auch im EUEuropäische Union-Recht implementiert. Die in Reaktion auf den völkerrechtswidrigen Raketentest vom 12.12.2012 und den ebenso völkerrechtswidrigen Nukleartest vom 12.2.2013 erlassenen VN-Sicherheitsratsresolutionen 2087 und 2094 haben die Sanktionen noch einmal verschärft. Nach dem Atomtest vom Januar und dem Raketenstart vom Februar 2016 wurden mit der VW-Sicherheitsratsresolution 2270 weitere Sanktionen verhängt. Der VN-Sicherheitsrat hat nach dem Atomtest vom 9. September 2016 die Sanktionen mit Resolution 2321 weiter verschärft. Auf die Raketenstarts im Laufe des letzten Jahres und den Atomtest vom 3. September 2017 reagierte der Sicherheitsrat mit den Resolutionen 2356, 2371, 2375 und 2397  die weitere Sanktionen beinhalten.

Aufgrund insbesondere der bilateralen Sanktionen der USA verweigern mittlerweile praktisch alle internationalen Banken die Durchführung von Geldtransfers nach Nordkorea – und dies selbst dann, wenn die Gelder für Projekte der humanitären Hilfe bestimmt sind, die allgemein ausdrücklich nicht Ziel von Sanktionen sind.

Wegen offener Forderungen von etwa 260 Millionen Euro besteht eine Sperre für Hermes-Ausfuhrkreditbürgschaften.

Umwelt

Nordkorea hat große Probleme durch Abholzung und einseitige Bebauung von Ackerflächen, die den Boden auslaugt. Allerdings ist hier eine zunehmende Bewusstwerdung zu verzeichnen, dass nachhaltiges Wirtschaften langfristig zu höheren Erträgen und mehr Wohlstand führt. Das Interesse an alternativer Energieerzeugung ist ebenfalls zunehmend. Die deutschen politischen Stiftungen laden in regelmäßigen Abständen Umweltexperten zu Lehrgängen ein.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Weitere Informationen

Pjöngjang
Pjöngjang © picture-alliance/dpa

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