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Wegbereiter für anhaltenden Frieden: Deutsche humanitäre Hilfe und Stabilisierung in Kolumbien Kolumbien

09.12.2016 - Artikel

Deutschland ist schon seit Langem für die Stabilisierung Kolumbiens und bei der Versorgung der Opfer des Konflikts aktiv.

Der längste bewaffnete Konflikt in der westlichen Hemisphäre geht zu Ende. Kolumbiens Präsident Santos erhält am Samstag (10.12.) für sein Engagement den Friedensnobelpreis. Dabei begleitet ihn auch Tom Koenigs, der Beauftragte des deutschen Außenministers für den Friedensprozess in Kolumbien. Deutschland ist schon seit Langem für die Stabilisierung Kolumbiens und bei der Versorgung der Opfer des Konflikts aktiv.

Minenopfer Jesús Azar erhielt medizinische Therapie und eine Umschulung
Minenopfer Jesús Azar erhielt medizinische Therapie und eine Umschulung© Caritas International

In Kolumbien haben die Kämpfe zwischen Guerillas, Paramilitärs und Regierung in über 50 Jahren mehr als 340.000 Todesopfer gefordert und sechs Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Nach erfolgreichen Gesprächen mit der FARC-Guerilla (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) und Anzeichen für einen beginnenden Verhandlungsprozess mit der ELN (Ejército de Liberación Nacional) nähert sich das Land nun einem möglichen Ende des bewaffneten Binnenkonflikts.

Deutschland engagiert sich seit über zehn Jahren für den Frieden vor Ort – seit 2015 auch durch Tom Koenigs, den Kolumbien-Beauftragten des Bundesministers des Auswärtigen. Im Bereich der humanitären Hilfe sowie für Projekte zur Stabilisierung des Landes ist Deutschland mit knapp 50 Millionen Euro die drittgrößte bilaterale Geber-Nation. Intensive Hilfs- und Schutzmaßnahmen konnten die Situation besonders gefährdeter Menschen deutlich verbessern. Seinen Beitrag zum Friedensprozess leistete Deutschland durch die gezielte Stärkung der Zivilgesellschaft, die Unterstützung rechtsstaatlicher Mechanismen und Stabilisierung besonders vom Konflikt betroffener Regionen.

Aufklärung über Landminen und Unterstützung von Opfern

Räumung der zahllosen Landminen in Kolumbien
Räumung der zahllosen Landminen in Kolumbien© Halo

Kolumbien ist nach Afghanistan das Land mit den meisten Landminen. Allein die gemeldete Zahl der Minenopfer lag zwischen 1990 und 2013 bei mehr als 10.000 Menschen. Viele landwirtschaftliche Nutzflächen sind vermint und nehmen so der ländlichen Bevölkerung die Lebensgrundlage. Humanitäres Minen- und Kampfmittelräumen ist daher ein weiterer Schwerpunkt der Unterstützung des Auswärtigen Amtes.

So arbeitet die Caritas an der Verbesserung der Unfallprävention und an der Minimierung der Risiken. Die Organisation hat allein mehr als 100 Multiplikatoren ausgebildet, die in Schulungen bereits über 10.000 Menschen in der Gefahrenreduzierung instruieren konnten. Fonds zur juristischen, medizinischen und humanitären Unterstützung von Minenopfern sowie individuelle Therapiemaßnahmen und Selbsthilfegruppen sind weitere Instrumente, die zur Verbesserung der Lebenssituation der kolumbianischen Bevölkerung beitragen.

Beratung für Minenopfer durch die Caritas
Beratung für Minenopfer durch die Caritas© Caritas International

Bürgergespräche für nachhaltigen Frieden

Der Friedensprozess zwischen FARC und kolumbianischer Regierung musste nicht nur politische Hürden überwinden, sondern stößt auch in Teilen der Bevölkerung auf Widerstände. Dabei spielen oft unvollständiges Wissen und festgefahrene Ressentiments eine Rolle.

Die Organisation „Viva la Ciudadania“ engagiert sich für die aktive Teilhabe der kolumbianischen Zivilgesellschaft am Friedensprozess. In Workshops und Foren werden Inhalte des Friedensprozesses und Möglichkeiten zur aktiven Mitgestaltung an dessen Umsetzung vermittelt. Wichtigstes Instrument ist das Bürgergespräch, das die Sachkenntnisse verbessert, den konstruktiven Dialog fördert und einen friedlichen

Interessensausgleich unterstützt. Denn nur mit ausreichender Beteiligung und entsprechendem Rückhalt in der Bevölkerung kann der Frieden in Kolumbien Bestand haben.

Der Konflikt und deutsche Unterstützung in Zahlen
Der Konflikt und deutsche Unterstützung in Zahlen© Auswärtiges Amt

Sicherstellung angemessener Reparationsleistungen

Das 2011 unterzeichnete Gesetz 1448 der kolumbianischen Regierung erkennt die Auswirkungen des Konflikts zwischen FARC und Regierung an und sieht eine Wiedergutmachung für die über sieben Millionen registrierten Opfer vor. Eine Herausforderung ist die Entschädigung von Menschen, die u.a. wegen ihrer ethnischen Identität, ihrer sexuellen Orientierung oder einer Behinderung diskriminiert werden.

Hier setzt das Projekt der Max-Planck-Stiftung an, das die staatliche Organisation „Unidad para las Víctimas“ bei der Sicherstellung von Reparationsmaßnahmen für Konfliktopfer unterstützt. Experten analysieren die Wiedergutmachungsverfahren in den Provinzen Caquetá, Meta und Putumayo, beraten die Unidad in Bogotá und bilden die Mitarbeiter der staatlichen Behörde weiter. Zielsetzung ist die verstärkte Berücksichtigung spezifischer Bedürfnisse von Angehörigen diskriminierter Minderheiten.

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