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Kenia: Wirtschaft Kenia

15.08.2019 - Artikel

Allgemeine Wirtschaftslage

Kenia konnte seit der Jahrtausendwende deutliche wirtschaftliche Fortschritte verzeichnen und verfügt über die zweitstärkste Volkswirtschaft in Ostafrika mit einem BIP von rund 89,4 Mrd. USD im Jahr 2018. Für das Jahr 2019 soll das BIP dann auf 99,4 Mrd. USD ansteigen. Auch wenn Äthiopien zuletzt eine dynamischere Wirtschaftsentwicklung  vorweisen konnte, bleibt Kenia jedoch vorerst der regionale Hub Ostafrikas, was sich auch in der Präsenz zahlreicher Regionalbüros internationaler Unternehmen und Organisationen ausdrückt.

Kenias wirtschaftliche Attraktivität ist erklärbar durch seine strategische Lage in der Region (mit Mombasa als Eingangshafen auch für Binnenstaaten wie Uganda und Südsudan) und eine liberale Wirtschaftsordnung mit einem starken Privatsektor. Das Wirtschaftswachstum liegt relativ konstant bei 5 bis 6 Prozent. Kenia ist bereits seit 2014 mit einem geschätzten Pro-Kopf Einkommen von gegenwärtig 1.991 US-Dollar (2019) als “Middle Income Country” klassifiziert.  Einkommen und Wohlstand sind jedoch extrem ungleich verteilt. Die Inflationsrate lag 2018 bei 4,7 % und soll 2019 auf 4,4 % sinken.

Auch wegen großer und kostspieliger Infrastrukturprojekte (wie z.B die Eisenbahnstrecke Mombasa-Nairobi) verschlechterte sich die Verschuldungssituation Kenias. So waren die Staatsschulden im Jahr 2018 mit 8,6 Mrd. USD und 5,8% des BIP der größte Posten im Staatshaushalt. Prognosen für 2019 stellen eine Auslandsverschuldung von 33,5 Mrd. USD in Aussicht. Auch die Brutto-Außenverschuldung Kenias ist erheblich gestiegen: Laut Economist Intelligence Unit (EIU) lag sie 2018 bei 31,7 Mrd. USD.  Dabei liefern sich China und die Weltbank seit 2 Jahren ein Kopf an Kopf Rennen, wer dabei der größte Gläubiger Kenias ist. China ist inzwischen Gläubiger von über 70% der bilateralen Staatsverschuldungen.

Über die Arbeitslosenquote liegt keine offizielle Statistik vor, doch ist die Arbeitslosigkeit der unter 35 Jährigen besonders hoch; sie bleibt die größte gesellschaftspolitische Herausforderung auf dem Arbeitsmarkt.

Mit Blick auf das Bevölkerungswachstum strebt die Regierung ein zweistelliges Wirtschaftswachstum an. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, sind weitere Strukturreformen erforderlich, ebenso konsequente Maßnahmen gegen Korruption, gegen mangelhaften Zugang zu Krediten, Kriminalität, unzureichende Infrastruktur, hohe offizielle Steuern und ineffiziente Bürokratie.

Im neuesten Ease of Doing Business Ranking 2019 der Weltbank konnte sich Kenia deutlich auf Platz 61 (von 190 Plätzen; 2018: 80 von 189) verbessern. In anderen internationalen Rankings schneidet Kenia hingegen schwächer ab: Im Global Competitiveness Index für 2018 des World Economic Forum erreichte Kenia nur Rang 93 (von 140), und im letzten Corruption Perception Index Platz 143 (von 180; 2016: Rang 145 von 176). Auch im Rule of Law Index 2017/18 liegt Kenia von 113 bewerteten Ländern nur auf Platz 95 (2016: Platz 100).

Wichtigste Wirtschaftszweige

Der wichtigste Wirtschaftssektor Kenias ist nach wie vor die Landwirtschaft inklusive Fischerei und Forstwirtschaft), in der circa 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet werden. Landwirtschaftliche Produkte (Schnittblumen, Tee, Kaffee) sind Hauptexportgüter, wobei Tee Kenias wichtigstes Exportprodukt bleibt. Außerdem wichtig sind die Bereiche Infrastruktur, Telekommunikation, Baugewerbe und Tourismus. Eine nachhaltige Modernisierung des landwirtschaftlichen Sektors und umfassende Investitionen in die Wertschöpfungskette sind jedoch weiterhin vonnöten.

Der bedeutendste Wirtschaftszweig im Dienstleistungssektor ist nach wie vor die Tourismusbranche, die allerdings von der problematischen Sicherheitslage an der Küste, aber auch von überhöhter Preispolitik und gewachsener Konkurrenz durch ähnliche Tourismusziele beeinträchtigt wird.

Die Wachstumsraten bei den Exporten gehen überwiegend auf landwirtschaftliche Produkte zurück. Die Tee- und Schnittblumenindustrie bilden auch weiterhin eine der wichtigsten Deviseneinnahmequelle des Landes. Bank- und Telekommunikationsdienstleistungen wachsen stark. In einigen Branchen wie Maschinen- und Anlagenbau, Chemie, Bauwirtschaft, Kommunikation, Umwelt-, Medizintechnik, Infrastruktur und Bergbau wird kräftig investiert.

Außenhandel

2018 betrug Kenias gesamtes Importvolumen 16,5 Milliarden US-Dollar. Kenias Importe aus Deutschland sind hierbei  von 2017 zu 2018 um 20,7 % auf 370,3 Mio. Euro angewachsen. Aus Deutschland werden hauptsächlich KFZ-Teile, Maschinen, Nahrungsmittel und Elektrotechnik importiert. Nach Angaben des Kenyen National Bureau of Statistics (KNBS)  bezog Kenia seine Produkte 2018 hauptsächlich aus China (3,66 Mrd.USD), Indien (1,83 Mrd. USD), Saudi –Arabien (1,70 Mrd. USD, den VAE (1,45 Mrd. USD) und Japan (985 Mio. USD). Kenia exportierte 2018 vorrangig nach Pakistan (583 Mio. USD), Uganda (503 Mio. USD), USA (456 Mio. USD) und die Niederlande (447 Mio USD).

Den noch vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge lieferte Deutschland 2018 für 418 Mio. USD Waren nach Kenia, und somit 21 % mehr als ein Jahr zuvor (2017: 346 Mio. USD). Kenia exportierte 2018 nach Deutschland Waren im Wert von 151 Mio. USDS, ein Minus von 15% im Vergleich zum vorherigen Jahr (2017: 178 Mio. USD). Nahrungsmittel (Tee, Kaffee) und Rohstoffe stellen die Hauptexportprodukte Kenias nach Deutschland dar.

Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Kenia ist Gründungsmitglied des Common Market für Eastern and Southern Africa (COMESA) und der East African Community (EAC). Die regionale Kooperation in Ostafrika geht zurück bis ins Jahr 1971. 1999 wurde die 1977 zunächst gescheiterte EAC von Kenia zusammen mit Uganda und Tansania wiederbelebt, 2007 traten Burundi und Ruanda bei. 2010 trat das “Common Market Protocol” in Kraft, das - zumindest theoretisch - einen gemeinsamen Binnenmarkt für circa 130 Millionen Bürger aus den EAC-Staaten mit freiem Waren- und Personenverkehr einführt.

Das Geschäftsklima in der EAC hat sich deutlich verbessert und die Transaktionskosten im EAC-weiten Waren- und Personenverkehr sinken, auch wenn es noch viele Hindernisse gibt und einzelne EAC-Länder bei der Integration oft schneller vorangehen als andere.

Auch die Zollunion macht Fortschritte: Zölle und Abgaben werden seit April 2014 zunächst nur für bestimmte Produktgruppen in Kenia, Uganda und Ruanda am “port of entry” in die EAC erhoben und nicht mehr wie zuvor an der jeweiligen Landesgrenze. Seit Mai 2014 existiert in Kenia ein “digital trade window”, das Im- und Exporteuren ermöglicht, in einem Schritt alle Formalitäten online abzuhandeln, statt wie früher mit unterschiedlichen Behörden umgehen zu müssen

Umweltschutz

Kenia hat durch die Annahme der neuen Verfassung das „Recht auf saubere und gesunde Umwelt“ als Grundrecht verankert. Die Verfassung enthält außerdem ein eigenes Kapitel zum Thema Umwelt und natürliche Ressourcen. In der Vision 2030 hat die Regierung Umweltziele festgelegt, um zu erreichen, dass Kenia ein Land mit sauberer, sicherer und nachhaltiger Umwelt wird. In diesem Zuge verkündete Kenia  im Rahmen des Pariser Klimaabkommens, seine Treibhausgasemissionen bis 2030 um 30% zu senken.

Die größten Umweltprobleme stellen die Luftverschmutzung, Abfallbeseitigung und -verbrennung, Bodenschutz sowie der illegale Holzeinschlag dar. Der Waldbestand des Landes ist mittlerweile auf 1,7 Prozent der Gesamtfläche geschrumpft, in besonders dramatischer Weise etwa im Mau Forest in Zentral-Kenia. Dieser Entwicklung versucht die Regierung mit einem Umsiedlungs- und Wiederaufforstungsprogramm entgegenzuwirken. Beim Klimaschutz ist Kenia ebenfalls sehr engagiert. Kenia führte am 28.8.2017 gegen große politische und wirtschaftliche Widerstände ein Verbot gegen die Herstellung, die Einfuhr und den Besitz von Plastiktüten im kommerziellen wie im privaten Bereich ein.

Der Schutz der natürlichen Umwelt ist für Kenia von großer wirtschaftlicher Bedeutung, besonders im Tourismus. Das Land verfügt über 59 geschützte Nationalparks - die höchste Konzentration weltweit. Mit dem Erlös der hohen Parkeintrittsgebühren wird versucht, die Nationalparks zu schützen und den Wildtierbestand zu erhalten. Gleichwohl wird regelmäßig in diese Nationalparks und auch “Conservancies” eingedrungen, um sie für die Viehwirtschaft von Nomaden (Massai) zu nutzen.  Zudem werden Elefanten und Nashörner von Wilderen gejagt und getötet, um das Elfenbein teuer zu verkaufen. Die Wilderei ist in den letzten Jahren dramatisch angestiegen. Die Verbindung zur organisierten Kriminalität wird immer deutlicher. Eine wirksame Bekämpfung wird deshalb nur mit Anstrengung der internationalen Gemeinschaft möglich sein, die sich diesem Thema nun verstärkt annimmt.

In allen Umweltbereichen ist Kenia ein sehr aktiver Partner bei internationalen Verhandlungen und tritt oftmals mit der Afrikanischen Union an der Seite der EU auf.

Nairobi ist Standort des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (United Nations Environment Programme, UNEP).

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