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Katar: Wirtschaftspolitik Katar

11.02.2019 - Artikel

Struktur der Wirtschaft

Katar gehört zu den wohlhabendsten Ländern der Welt (BIP/Kopf 2017: 61.070 USD, Quelle: Weltbank). Quelle des katarischen Wohlstands ist das im Persischen Golf gelegene größte Offshore-Gasfeld der Welt, durch das das Land seit Aufnahme der Produktion 1995 zum größten Flüssiggasexporteur (LNG) der Welt aufstieg. Ca. 66 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) werden direkt oder indirekt im Öl- und Gassektor erwirtschaftet. Vom Öl-/Gassektor werden auch weiterhin starke Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung von Katar ausgehen, in den kommenden Jahren soll die Produktion um rund ein Drittel auf über 100 Millionen Tonnen jährlich ausgebaut werden. 

Daneben stellt die Regierung die Weichen, um die Diversifizierung der Wirtschaft voranzutreiben und zukünftige/alternative Einkommensquellen zu erschließen. Mit dem Infrastrukturprogramm “Vision Qatar 2030” wird der Übergang zu einer wissensbasierten Wirtschaft angestrebt. Zukünftig sollen vor allem die erfolgten bzw. geplanten Milliardeninvestitionen in den Bereichen Stadtentwicklung, Verkehrsinfrastruktur sowie Dienstleistungen das Wirtschaftswachstum stützen. Dem Bereich der Finanzdienstleistungen, der Logistik sowie der chemischen und pharmazeutischen Industrie wird besondere Bedeutung zugemessen. 

Ein weiteres Standbein zur wirtschaftlichen Diversifizierung und Absicherung ist der sogenannte „Zukunftsfonds“ der staatlichen Investitionsbehörde Qatar Investment Authority (QIA). Die QIA gehört zu den größten Staatsfonds weltweit und ist mit Direktinvestitionen und Unternehmensbeteiligungen auch in Deutschland und Europa engagiert. 

Die großen katarischen Unternehmungen befinden sich in überwiegend staatlicher Hand, wobei angesichts der engen Verflechtung zwischen Staat und Herrscherfamilie eine Trennung zwischen staatlich und privat nicht immer möglich ist. 

Rund 88 Prozent der gegenwärtig rund 2,7 Millionen Einwohner Katars sind nicht katarischer Staatsangehörigkeit. Ein großer Teil davon ist im Dienstleistungs-, Bau- und produzierenden Gewerbe beschäftigt, häufig bei niedrigem Lohnniveau und z.T. unter prekären Bedingungen. Vor dem Hintergrund der 2022 in Katar stattfindenden FIFA Fußball-WM ist die Lage der ausländischen Niedriglohnarbeiter auf den Großbaustellen international in den Blickpunkt geraten. Katar hat sich daraufhin den Missständen gestellt und als erster Golfstaat gegenüber der ILO (Internationale Arbeitsorganisation) dazu verpflichtet, den Rechtsstatus sowie die Arbeitsschutz- und Sozialstandards der Arbeiter zu verbessern und zu kodifizieren. Die zahlenmäßig stärksten Gruppen ausländischer Arbeitnehmer kommen aus Indien, Nepal, Bangladesch und den Philippinen. 

Wirtschaftsklima 

Die gegen Katar gerichtete Sperrung des Luft-, Land- und Seeraums im Juni 2017 durch Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain sowie Ägypten (mit Ausnahme des Suez-Kanals) stellte für Katar einen politischen und wirtschaftlichen Schock dar. Über Nacht war das Land von wichtigen Bezugsmärkten und Transportrouten abgeschnitten, mit entsprechenden Auswirkungen auch am Finanzmarkt. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) hat sich das katarische Wirtschafts- und Finanzsystem nach diesem Schock jedoch wieder vergleichsweise gut erholt.

Im Zuge der Katar-Krise hat die katarische Regierung Bemühungen zur wirtschaftlichen Diversifizierung noch verstärkt. Der Fokus liegt seitdem auch auf dem Aufbau einer eigenen Nahrungsmittelbranche. Auch wenn im Rahmen der Krise ehrgeizige Projektambitionen zurückgeschraubt wurden, Projekte z.T. gestrichen oder auf Eis gelegt wurden, wird an Investitionen in die Infrastruktur (Straßenbau, Kanalisation, Eisenbahn, Flughafen und Hafenbau) gerade vor dem Hintergrund der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 festgehalten.  

Für 2018 wird ein reales Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 3,1% angenommen. Damit fiele das Wachstum geringer aus als in den Boomjahren vor dem Verfall des Ölpreises 2015 (davor regelmäßig Werte i.H.v. 5 bis 8%), wäre jedoch im Vergleich zu 2017 wieder leicht angestiegen (2017: 2%).

Außenhandel/Weltwirtschaft 

Entsprechend seiner Position als Exporteur von Gas und Öl ist Katar ein wichtiger Akteur im internationalen Energiemarkt. Das Land verfügt über die drittgrößten Erdgasreserven der Welt. Katar war in den letzten Jahren der größte Exporteur von verflüssigtem Erdgas (LNG). 80% des Gasexports gehen nach Asien (Japan, Südkorea, Indien, China). Etwa 10% gehen trotz der Krise per Pipeline in die Vereinigten Arabischen Emirate. In Europa werden u. a. Spanien, Frankreich, Italien, Großbritannien, Polen und die baltischen Staaten mit LNG aus Katar beliefert. 

Unter den Lieferländern lagen 2016 nach katarischen Angaben die USA mit 4,6 Mrd. USD, gefolgt von China mit 3,3 Mrd. USD, Deutschland mit 2,97 Mrd. USD, den Vereinigten Arabischen Emirate mit 2,49 Mrd. USD und Japan mit 2,14 Mrd. USD vorne. Wegen der gesunkenen Rohstoffpreise verminderten sich die Exporteinnahmen Katars zuletzt deutlich, es wurde 2015 und 2016 erstmals seit 1998 ein Leistungsbilanzdefizit verzeichnet. Auch 2017 verzeichnete Katar ein wenngleich verringertes Haushaltsdefizit. 

Generell ist für den Marktzugang noch immer ein lokaler Partner sinnvoll, ein solcher Partner ist jedoch grundsätzlich nicht mehr zwingend, da in  jüngst eine hundertprozentige ausländische Eigentümerschaft zugelassen wurde. Direktinvestitionen sollen auch dadurch erleichtert werden, dass die Körperschaftssteuer für ausländische Unternehmen seit 2010 durchgängig bei 10 Prozent liegt. 

Katar ist Mitglied in allen relevanten internationalen Wirtschaftsorganisationen. Nach 57 Jahren Mitgliedschaft hat Katar jedoch im Dezember 2018 überraschend angekündigt, die OPEC (Organisation Erdöl exportierender Länder) zum Jahresbeginn 2019 zu verlassen. Der Schritt wurde damit begründet, sich auf die Steigerung der Gasproduktion zu konzentrieren. Katar ist dabei sehr aktiv in dem Bemühen, eine engere Koordination mit anderen gasproduzierenden Ländern herbeizuführen. Dies geschieht vor allem im Rahmen des Forums gasexportierender Länder (GECF), dessen Sitz in Doha ist..  

Der mit den anderen Mitgliedstaaten des Golfkooperationsrates (GKR) für den 1. Januar 2008 vereinbarte Beginn eines gemeinsamen Marktes wurde noch nicht implementiert und liegt durch die Katar-Krise bis auf Weiteres auf Eis. Gleiches gilt für die GKR-Zollunion, die bisher nur in Ansätzen verwirklicht ist. Die Einführung der im Rahmen des Golfkooperationsrats vereinbarten Umsatzsteuer zum 1. Januar 2018 hat Katar wie auch Kuwait und Oman zunächst aufgeschoben.

Umwelt 

Katar hat mit über 60 t/Jahr einen der weltweit höchsten CO2-Ausstöße pro Kopf. Mit einem Wasserverbrauch von über 500 Litern pro Kopf pro Tag befindet sich Katar unter den globalen Spitzenreitern.

Fragen des Umweltschutzes wird in Katar jedoch zunehmend politisches Gewicht beigemessen. So ist Katar dem Pariser Klimaschutzabkommen beigetreten, das es im Juni 2017 ratifiziert hat und will seine CO2-Emissionen in Zukunft erheblich reduzieren. 2008 wurde ein eigenes Umweltministerium geschaffen und es trat ein Nationaler Umweltplan in Kraft. Eine effiziente Klima- und Umweltpolitik soll im Rahmen des “Qatar National Vision 2030” Programms auf den Weg gebracht werden. Dabei erfreuen sich auch erneuerbare Energien, insbesondere Photovoltaik, zunehmender Wertschätzung. Die installierte Leistung erneuerbarer Energien soll bis 2020 auf 1800 MW ausgebaut werden. Mit Blick auf die WM 2022 wird ein ehrgeiziges, integriertes elektrifiziertes Nahverkehrssystem für den Großraum Doha realisiert (150 km Metro-, 50 km Straßenbahnnetz). Eine umweltfreundliche und nachhaltige Recycling- und Abfallwirtschaft sowie Abwasserreinigung befindet sich derzeit im Aufbau. 

Bei dem Urbanisierungsprojekt „Lusail“ (mit einem Investitionsvolumen von 45 Mrd. USD das größte Investitionsvorhaben Katars) wird besonderes Augenmerk auf eine energieeffiziente Bauweise gelegt. Weitere Prestigeprojekte sind das „Mega“-Wasserreservoir und das im Juni 2015 fertiggestellte Wasserkraftwerk “Facility D”. Beim Ausbau der Öl-, Gas- und petrochemischen Industrieanlagen werden zunehmend moderne Umweltstandards beachtet.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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