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Wirtschaftspolitik Katar

Artikel

Stand: März 2018

Struktur der Wirtschaft

Katar ist eines der reichsten Länder der Welt (BIP/Kopf 2016: 64.450 USD lt. IWF ). Die Wirtschaft wird dominiert vom Erdgas- und Erdölreichtum. Katar ist weltgrößter Exporteur von Flüssiggas (LNG). Ca. 66 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) werden direkt oder indirekt vom Öl- und Gassektor erwirtschaftet.

Vom Öl-/Gassektor werden folglich auch weiterhin starke Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung von Katar ausgehen, jedoch mittlerweile auf niedrigerem Niveau als vor einigen Jahren.

Daneben stellt die katarische Regierung die Weichen, um die Diversifizierung der Wirtschaft voranzutreiben und zukünftige/alternative Einkommensquellen zu erschließen. Mit dem Infrastrukturprogramm „Vision Qatar 2030“ ist der Übergang zu einer wissensbasierten Gesellschaft geplant. Zukünftig sollen vor allem die erfolgten bzw. geplanten Milliardeninvestitionen in den Bereichen Stadtentwicklung, Verkehrsinfrastruktur sowie Dienstleistungen das Wirtschaftswachstum stützen. Dem Bereich der Finanzdienstleistungen wird besondere Bedeutung zugemessen.

Ein weiteres Standbein zur wirtschaftlichen Diversifizierung und Absicherung ist der sogenannte „Zukunftsfonds“ der staatlichen Investitionsbehörde Qatar Investment Authority. Die QIA  gehört zu den größten Staatsfonds weltweit und ist mit Direktinvestitionen und Unternehmensbeteiligungen auch in Europa engagiert.

Die großen katarischen Unternehmungen befinden sich in überwiegend staatlicher Hand, wobei angesichts der engen Verflechtung zwischen Staat und Herrscherfamilie eine Trennung zwischen staatlich und privat nicht immer möglich ist.

Rund 88 Prozent der gegenwärtig rund 2,6 Millionen Einwohner Katars sind nicht katarischer Staatsangehörigkeit; die große Mehrzahl davon verrichtet Dienstleistungen im Bau- und produzierenden Gewerbe, bei sehr niedrigem Lohnniveau und z.T. unter prekären Bedingungen. Die zahlenmäßig stärksten Gruppen ausländischer Arbeitnehmer kommen aus Indien, Nepal,Bangladesch und den Philippinen.

Das Rechtssystem hat noch erhebliche Defizite. Gerade für nicht-katarische Arbeitnehmer ist eine gerichtlich durchsetzbare Rechtssicherheit, beispielsweise bei ausstehenden Forderungen, bisher nur bedingt gegeben.

Arbeitslosigkeit besteht praktisch nicht; ausländische Arbeitskräfte werden weiterhin benötigt. Die Attraktivität des Standortes Katar leidet jedoch unter hohen Preisen und einem diesen oft nicht entsprechenden Lohnniveau.

Wirtschaftsklima

Die gegen Katar gerichtete Sperrung des Luft-, Land- und Seeraums im Juni 2017 durch Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain sowie Ägypten (mit Ausnahme des Suez-Kanals) stellte für Katar einen politischen und wirtschaftlichen Schock dar. Über Nacht war Katar von wichtigen Bezugsmärkten und Transportrouten abgeschnitten, mit entsprechenden Auswirkungen auch am Finanzmarkt. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) hat sich das katarische Wirtschafts- und Finanzsystem nach diesem Schock jedoch wieder vergleichsweise gut erholt.

Für 2018 wird ein reales Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 3,1% prognostiziert. Damit würde das Wachstum geringer ausfallen als noch in den Boomjahren vor dem Verfall des Ölpreises 2015 (davor regelmäßig Werte i.H.v. 5 bis 8%), jedoch im Vergleich zu 2017 wieder leicht ansteigen (2017: 2%).

Im Zuge der Katar-Krise, durch die Katar über Nacht von zentralen Bezugsmärkten und Transportrouten abgeschnitten wurde, hat die katarische Regierung Bemühungen zur wirtschaftlichen Diversifizierung noch verstärkt. Der Fokus liegt seitdem auch auf dem Aufbau einer eigenen Lebensmittelbranche. Auch an Investitionen

in Infrastruktur (Straßenbau, Kanalisation, Eisenbahn, Flughafen und Hafenbau) wird gerade auch vor dem Hintergrund der Fußball-Weltmeisterschaft2022 festgehalten.

Außenhandel/Weltwirtschaft

Entsprechend seiner Position als Exporteur von Gas und Öl ist Katar ein wichtiger Akteur im internationalen Energiemarkt. Das Land verfügt über die drittgrößten Erdgasreserven der Welt. Katar war in den letzten Jahren der größte Exporteur von verflüssigtem Erdgas (LNG). 80% des Gasexports gehen nach Asien (Japan, Südkorea, Indien, China). In Europa werden u. a. Spanien, Frankreich, Italien, Großbritannien, Polen und die baltischen Staaten mit LNG aus Katar beliefert.

Unter den  Lieferländern  lagen  2016 nach katarischen Angaben die USA mit 4,6 Mrd. USD, gefolgt von China mit 3,3 Mrd. USD,, Deutschland mit 2,97Mrd. USD, die Vereinigten Arabischen Emirate mit 2,49 Mrd. USD und  Japan mit 2,14 Mrd. USDvorne. Wegen der gesunkenen Rohstoffpreise verminderten sich die Exporteinnahmen Katars zuletzt deutlich, es wurde 2015 und 2016 erstmals seit 1998 ein Leistungsbilanzdefizit verzeichnet. 

Generell ist für den Marktzugang noch immer ein lokaler Partner sinnvoll, ein solcher Partner ist jedoch für immer mehr  Bereiche (wie beispielsweise Bildung, Gesundheit, Tourismus, Landwirtschaft und Industrie sowie Projekte im Zusammenhang mit Energie und Bodenschätzen) nicht mehr zwingend.. In weiteren Bereichen, so bei Beratungsdiensten, IT, Tourismus und Sport, wurde jüngst eine hundertprozentige ausländische Eigentümerschaft zugelassen. Direktinvestitionen sollen auch dadurch erleichtert werden, dass die Körperschaftssteuer für ausländische Unternehmen seit 2010 durchgängig bei 10 Prozent liegt.

Katar ist Mitglied in allen relevanten internationalen Wirtschaftsorganisationen, ebenso der OPEC und der OAPEC (Organisation der arabischen Erdöl-exportierenden Staaten). Darüber hinaus ist das Land sehr aktiv in dem Bemühen, auch eine engere Koordination mit anderen gasproduzierenden Ländern herbeizuführen; dies geschieht vor allem im Rahmen des Forums Gas-exportierender Länder (GECF). Doha ist Sitz des Forum-Sekretariats. Generell ist es der Führung jedoch ein Anliegen, dass dies nicht zu einer konfrontativen Position mit den Verbraucherländern führt.

Der mit den anderen Mitgliedstaaten des Golfkooperationsrates (GKR) für den 1. Januar 2008 vereinbarte Beginn eines gemeinsamen Marktes wurde noch nicht implementiert, ebenso ist die GKR-Zollunion nur in Ansätzen verwirklicht.Die Einführung der im Rahmen des Golfkooperationsrats vereinbarten Umsatzsteuer zum 1. Januar 2018 hat Katar wie auch Bahrain, Kuwait und Oman zunächst aufgeschoben ..

Umwelt

Fragen des Umweltschutzes wird in Katar zunehmend politisches Gewicht beigemessen. Dies zeigt sich auch darin, dass im Juni 2008 ein eigenes Umweltministerium geschaffen wurde und seit Februar 2008 ein Nationaler Umweltplan  in Kraft ist.

Katar hat mit über 60t/Jahr weltweit mit den höchsten CO2-Ausstoß pro Kopf, will die Emissionen aber in Zukunft erheblich reduzieren. Auch mit  einem Wasserverbrauch von über 500 Litern pro Kopf pro Tag ist Katar unter den Spitzenreitern. Die 18. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention UNFCCC („COP18“), die Ende November/Anfang Dezember 2012 in Doha stattfand, hat jedoch keine wesentlichen Auswirkungen auf die lokale Gesetzeslage mit sich gebracht. Das Pariser Klimaschutzabkommen hat Katar im Juni 2017 ratifiziert (in Kraft seit 23.07.2017).

Erneuerbare Energien erfreuen sich zunehmender Wertschätzung. Besonderes Gewicht wird auf die entsprechenden Arbeiten in Forschung und Entwicklung gelegt. Vorreiter dabei ist die Photovoltaik. Die durch erneuerbare Energieträger erzeugten Strommengen sind jedoch gering.

Bei dem Urbanisierungsprojekt „Lusail“ (mit einem Investitionsvolumen von 45 Mrd. USD das größte Investitionsvorhaben Katars) wird besonderes Augenmerk auf energieeffiziente Bauweise gelegt. Weitere Prestigeprojekte sind das „Mega“-Wasserreservoir und das im Juni 2015 fertiggestellte Wasserkraftwerk „Facility D“. Beim Ausbau der Öl-, Gas- und petrochemischen Industrieanlagen werden zunehmend moderne Umweltstandards beachtet.


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