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Kanada: Wirtschaft Kanada

04.04.2019 - Artikel

Kurzcharakteristik der Wirtschaft

Kanada ist die zehntgrößte Volkswirtschaft der Erde. Die kanadische Wirtschaft wird vor allem vom Dienstleistungssektor geprägt, auf den rund 70% des Bruttoinlandsprodukts entfallen. Danach folgen das verarbeitende Gewerbe, Energie und Rohstoffe sowie Landwirtschaft. Die Industrie konzentriert sich in den Provinzen Ontario und Québec, sowie im Großraum Vancouver. Es liegen zum Teil Distanzen von bis zu 5.000 km zwischen den Wirtschaftszentren. Wichtige Zweige sind der Automobilbau im südlichen Ontario, der Flugzeugbau und die Luftfahrttechnologie im Raum Montreal, sowie die Metall- und Nahrungsmittelindustrie, Holz- und Papierverarbeitung, chemische Industrie sowie Informations- und Kommunikationstechnologie.

Der innerkanadische Markt ist durch tarifäre Schranken fragmentiert. Am 01.07.2017 trat ein innerkanadisches Freihandelsabkommen in Kraft, das den Abbau interner Handelshemmnisse bei öffentlichen Auftragsvergaben, der Anerkennung beruflicher Qualifikationen oder der Mobilität von Arbeitskräften vorsieht. Das Thema bleibt aber weiterhin virulent.

Kanada hat mit 2,1 % BIP-Wachstum innerhalb der G7 das zweihöchste Wachstum. Die Arbeitslosenquote liegt bei 6,1 % und die Inflation bei 3% (4. Quartal 2018).

Kanada hat das Potential, sich zu einer Energie- und Rohstoff-Großmacht zu entwickeln. Das Land verfügt über die drittgrößten Energie- und Rohstoffreserven und die größten Süßwasservorkommen der Welt. Außerdem lagern im Land weitere Rohstoffe wie Nickel, Kobalt und Diamanten. Die Regierung Trudeau versucht den Balanceakt zwischen der Nutzung der Bodenschätze und einer ambitionierten Klimapolitik. Kanada hat das Pariser Klimaabkommen ratifiziert und sich verpflichtet, die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um 30% gegenüber 2005 zu senken (derzeit 19,0% des Strommix stammen aus fossilen Brennstoffen). Im Dezember 2016 wurde eine Nationale Klimastrategie beschlossen, die die Einführung eines nationalen CO2-Mindestpreises und den weitgehenden Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2030 vorsieht.

Während aktuell knapp 64% der Elektrizität aus erneuerbaren Ressourcen gewonnen werden, hält die Regierung an Nuklearenergie fest. Auch die Nutzung fossiler Energieträger wird trotz Klimapolitik nicht in Frage gestellt. Kanada ist sechstgrößter Ölproduzent und fünftgrößter Produzent von Erdgas, beide Sektoren erwirtschaften gemeinsam rund 10% des kanadischen BIP.

Nicht ausreichende Intrastruktur zum Export und Überproduktion führen dazu, dass Kanada derzeit Abschläge von bis zu 50 USD pro Barrel beim Export von Rohöl und damit große Verluste für die Wirtschaft in Kauf nehmen muss.

Außenhandel

Die kanadische Wirtschaft ist in erheblichem Maß exportabhängig, weswegen Kanada traditionell an freiem Handel und dem Abbau von Investitionsschranken interessiert ist. Obwohl ausländische Direktinvestitionen in Kanada in einigen Schlüsselbereichen Einschränkungen unterliegen, sorgen die üppigen Ressourcen sowie die solide Wirtschaftsstruktur des Landes weiterhin dafür, dass Kanada ausländische Investoren anzieht. Bundesregierung und Provinzen werben mit steuerlichen und anderen Vergünstigungen um ausländische Direktinvestitionen in Schwerpunktbereichen wie Automobilsektor, Biotechnologie, Nanotechnologie, Luft- und Raumfahrt, Petrochemie und Energiegewinnung. Hauptinvestor ist die USA, der Anteil der deutschen Direktinvestitionen ist vergleichsweise gering.

Die wichtigsten Exportgüter Kanadas im Jahr 2018 waren Energierohstoffe und Elektroenergie, Fahrzeuge, Maschinen, mineralische Rohstoffe, Holzerzeugnisse, chemische Erzeugnisse insbesondere Plastik, Aluminium sowie Flug- und Raumfahrtgüter. Eingeführt werden hauptsächlich Maschinen, metallurgische und chemische Erzeugnisse, Fahrzeuge und Verbrauchsgüter.

Kanada ist Mitglied aller wichtigen internationalen Wirtschaftsforen wie G7, G20, OECD, WTO, IWF und der Weltbank. Insgesamt hat Kanada ca. ein Dutzend bilaterale Freihandelsabkommen geschlossen. Der Staat ist schon seit 1994 mit den USA und Mexiko über das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA verbunden und wird diese Handelspartnerschaft voraussichtlich 2019 mit der Ratifikation des U.S.-Mexico-Canada Agreements (USMCA) erneuern. Mit der EU hat Kanada ein umfassendes Wirtschafts- und Handelsabkommen, das Comprehensive Economic and Trade Agreement (CETA) geschlossen. Dieses wird  seit dem 21.09.2017 vorläufig angewendet. Des Weiteren hat Kanada im März 2018 das Comprehensive and Progressive Trans Pacific Partnership (CPTPP) Abkommen, den Nachfolger des Trans Pacific Partnership Agreement (TPP), unterzeichnet. Ersteres ist noch nicht in Kraft getreten. Weitere Handelsabkommen bestehen mit den EFTA-Staaten, Südkorea und der Ukraine. Im Übrigen konzentriert sich Kanada darauf, den Handel mit China und Indien weiter auszubauen.

Wirtschaftsbeziehungen mit den USA

Die USA sind mit Abstand der wichtigste Wirtschaftspartner Kanadas, ca. 75 % der Exporte gehen in die USA, bei den Ölexporten sind es 98,5%, bei Gasexporten sogar 100%. Ende September 2018 einigten sich die USA, Mexiko und Kanada auf das neue Freihandelsabkommen US–Mexico-Canada Agreement (USMCA), das nach Abschluss der nationalen Ratifikationsprozesse (voraussichtlich bis Anfang 2019) den Handel in Nordamerika regeln und NAFTA (North American Free Trade Agreement) ersetzen wird. Die seit dem 31.05.2018 bzw. 01.07.2018 von den USA und Kanada gegeneinander erhobenen Strafzölle auf Aluminium, Stahl und einige andere Warengruppen bleiben aber voraussichtlich auch nach dem Inkrafttreten von USMCA bestehen.

Kanada hat starkes wirtschaftliches und politisches Interesse an der Diversifizierung seines Außenhandels, ohne die privilegierten Beziehungen zu den USA in Frage stellen zu wollen. Dazu soll auch die Pipeline-Infrastruktur für Öl- und Gasexporte ausgebaut werden, um künftig auch Wachstumsmärkte wie China und Indien beliefern zu können.

Wirtschaftsbeziehungen mit der EU

Die Europäische Union ist der zweitwichtigste Handelspartner Kanadas, 2016 wurden 9,6% des kanadischen Außenhandels mit der EU betrieben. Der Handel mit Kanada macht im Gegenzug 2% des EU-Außenhandels aus. Das Wirtschafts- und Handelsabkommen zwischen der EU und Kanada CETA, das am 30.10.2016 in Brüssel unterzeichnet wurde, wird seit dem 21.09.2017 vorläufig angewandt. Es sieht neben dem weitgehenden Abbau bestehender Zölle und anderer Handelshemmnisse u.a. die Stärkung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, die Gleichstellung bei der Vergabe öffentlicher Aufträge, einen verbesserten Schutz geistigen Eigentums, erleichterte gegenseitige Anerkennung von Berufsqualifikationen und die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Investitionen vor. Damit ist CETA ein wichtiger Bestandteil der Handelsdiversifizierung Kanadas.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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