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Jordanien: Wirtschaft Jordanien

15.03.2019 - Artikel

Wirtschaft

Mit einer Bevölkerung von 9,7 Mio. und einem BIP von rund 41,9 Mrd. US-Dollar (pro Kopf  grob 4.300 US-Dollar) zählt Jordanien zu den sogenannten „middle income“-Ländern. Der Reichtum im Land ist ungleich verteilt. Weltbank-Angaben zufolge lebt ca. ein Drittel der Bevölkerung für mindestens ein Quartal im Jahr in Armut. Die Arbeitslosenquote lag zuletzt bei 18,7%. Insbesondere die hohe Jugendarbeitslosigkeit (ca. 37,2% bei den 15-24-Jährigen) stellt Jordanien vor massive Probleme.

Der jordanische Staat ist der größte Arbeitgeber, gefolgt von UNRWA (Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten). 56% der in Beschäftigung stehenden jordanischen Arbeitskräfte sind im formalen Sektor tätig (42% im öffentlichen Sektor und 22% in der Privatwirtschaft). 44% der jordanischen Arbeitskräfte arbeiten im informellen Sektor (vor allem Einzelhandel, Handwerk, Dienstleistungen, Bau, Landwirtschaft).

Jordanien ist ein Land ohne nennenswerte Rohstoffe und industrielle Basis. Es ist zudem eines der wasserärmsten Länder der Welt. Zu den vorhandenen Ressourcen und Hauptexportgütern zählen Kaliumcarbonat und Phosphat. Darüber hinaus gibt es Ölschiefer- und Uranvorkommen.

Die jordanische Wirtschaft ist stark dienstleistungslastig (Anteil am BIP 67,4% - hauptsächlich Tourismus, Banken/Finanzdienstleistungen, IT) mit deutlichem Abstand gefolgt vom produzierenden Gewerbe (Anteil am BIP 29,3% - vor allem Textilindustrie, Bau, Chemie) und der Landwirtschaft (Anteil am BIP 3,2%). Das produzierende Gewerbe ist lediglich bei Textilien sowie in chemischen und pharmazeutischen Nischenmärkten von regionaler Bedeutung. Der Export nach Europa scheitert oft an der Nichteinhaltung der EU-Standards. Kennzeichnend für alle Sektoren ist, dass kleine und mittelständische Unternehmen die Masse der Wirtschaftsleistung im Privatsektor erbringen. Das produzierende Gewerbe steht für 90% der jordanischen Exporte und ist vorwiegend in einer Reihe von Industrie- bzw. Freihandelszonen ansässig. Hauptabsatzgebiete sind Saudi Arabien, Irak, Indien sowie (im Textilbereich) die USA.

Jordanien ist seit 2000 Mitglied der WTO (Welthandelsorganisation). Freihandelsabkommen bestehen unter anderem mit den USA, den Ländern des Golf-Kooperationsrates (Greater Arab Free Trade Area GAFTA) und Kanada, mit der EU seit 2002 ein Assoziierungsabkommen. 2010 wurde der Partnerschaft mit der EU ein „fortgeschrittener Status“ zuerkannt. Deutschland und Jordanien haben 2010 ein Investitionsförder- und -schutzabkommen abgeschlossen. Im 2016 vereinbarten „Jordan Compact“ haben sich Jordanien und wichtige Geber auf das Prinzip „Hilfe für Integrationsleistung“ geeinigt. Jordanien hat seitdem seinen Arbeitsmarkt schrittweise für syrische Flüchtlinge geöffnet und im Gegenzug dafür umfassende Finanz- und Wirtschaftshilfe sowie erleichterten Zugang zum EU-Markt erhalten. So sollen Exporte aus Jordanien in die EU erleichtert und neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Die jordanische Wirtschaft hängt stark von ausländischen Zuwendungen und den Rücküberweisungen von Auslandsjordaniern sowie ausländischen Direktinvestitionen ab. Aufgrund ihrer Struktur ist sie anfällig für externe Schocks. Die Konsequenzen der regionalen Krisen – u.a. der Zustrom von syrischen Flüchtlingen und der Wegfall der traditionellen Absatzmärkte in Syrien und Irak – haben die Wirtschafts- und Finanzsituation weiter verschlechtert. Die öffentliche Verschuldung liegt bei 94,4% des BIP (Stand 2018).

Die Wirtschaft wird durch zahlreiche Organisationen vertreten, dazu gehören u.a. die Jordan Chamber of Commerce, die Jordan Chamber of Industry, die Jordan Enterprise Development Corporation (JEDCO), das Jordan Investment Board (JIB), das Jordan Tourism Board, der Jordanian-German Business Council, German Business Services und die Deutsch-Arabische Industrie- und Handelskammer Kairo als Dachverband mit Nebenzuständigkeit für Jordanien.

Energie

Jordanien ist zu ca. 94% von Energieimporten abhängig. Das Land versucht, seine Energieversorgung zu diversifizieren und setzt verstärkt auf erneuerbare Energien (Solar- und Windenergie) sowie Flüssiggas- und Erdgasimporte. Als eines der ersten Länder in der Region hat Jordanien die rechtlichen Rahmenbedingungen für Einspeisetarife und das Net-Metering-Konzept eingeführt. Ein Erneuerbare Energie- und Energieeffizienzgesetz ist seit 2012 in Kraft. Ziel der jordanischen Regierung ist, bis 2020 20% der Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen zu realisieren. Auf Grundlage des Gesetzes wurde 2012 auch ein Fonds geschaffen, der Energieeffizienzprogramme, Medienkampagnen sowie Aus- und Fortbildungsmaßnahmen in diesem Bereich finanziell unterstützt. Energieeffizienz wird bislang weder bei öffentlichen noch privaten Gebäuden nennenswert berücksichtigt.

Umwelt

Mehrere Initiativen wie die Queen Alia Competition oder die Königliche Naturschutzgesellschaft versuchen, das in Jordanien bislang nur begrenzt vorhandene Umweltbewusstsein zu wecken.

Erst 2003 wurde das jordanische Umweltministerium gegründet. 2008 wurde eine dem Innenministerium unterstellte Umweltpolizei („Ranger“) als Überwachungs- und Kontrollinstrument eingerichtet. Deutschland unterstützt sowohl das Ministerium als auch die Umweltpolizei im Rahmen mehrerer Projekte.

Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) erhielten 2018 den Deutschen Umweltpreis – den  höchst dotierten Umweltpreis in Europa – für die Entwicklung der Grundlagen für eine dezentrale Abwassersystemlösung in Jordanien und deren politische Umsetzung. Das UFZ hat in Jordanien im Jahr 2010 eine Forschungs- und Demonstrationsanlage in Betrieb genommen und in Kooperation mit dem BMBF und dem Jordanischen Wasserministerium 2012 das Implementierungsbüro für dezentrales Abwassermanagement in Amman gegründet.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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