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Kultur, Medien, Bildung, Wissenschaft Japan

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Stand: November 2018

Kultur

Kultur hat einen sehr hohen Stellenwert in Japan. Wissen und Kenntnis kultureller Traditionen gehört weithin zum guten Ton. Hochkultur ist oft Alltags-Gesprächsthema. Daher gibt es insbesondere in den Großstädten ein ausgesprochen breites kulturelles Angebot. Bedeutsame Sammlungen, gute Museen und kulturelle Darbietungen vor allem traditioneller Kunstformen (Tanz, Volksfeste) gibt es indes auch in der Fläche abseits der Metropolen. Gerade die Ess- und Trinkkultur ist stark regional geprägt. Architektonisch und kulturgeschichtlich bedeutsame Stätten – von Tempeln, Schreinen, Gärten und Schlössern bis hin zu Industriebauten der klassischen Moderne und postmodernen Gebäuden – sind über das ganze Land verstreut. Japan ist zudem eine Kultur der Schrift und des Lesens. Nirgendwo sonst auf der Welt werden mehr Zeitungen gelesen, und Schriftsteller genießen hohes Ansehen. Viele Preise fördern die Nachwuchs-Literatur. Kalligraphie ist eine bedeutsame Kunst-Form.

Zu den wichtigsten Sportarten zählen Baseball, Fußball, Sumo, Galopprennen, Leichtathletik, Schwimmen, Rugby und Wintersport.

Vor allem die Hauptstadt Tokyo bietet eine auch im Weltmaßstab beeindruckend große Vielfalt von Unterhaltungsmöglichkeiten in allen Sparten, und das kulturelle Leben der Stadt erweist sich als ebenso vielfältig wie rege. Tokyo gehört zu den großen Musikzentren der Welt. Es bietet zahlreiche Konzerte japanischer Orchester und Solisten, vor allem aber auch Darbietungen erstklassiger ausländischer Orchester und Solisten. Deutsche Musik-Ensembles sind häufig Gäste in japanischen Top-Konzertsälen (Suntory, Bunka Kaikan). Auch große Opernhäuser wie aus Berlin oder München sind regelmäßig zu Gast in Tokyo (New National Theatre). Dort inszenierte Katharina Wagner im Mai 2018 Beethovens „Fidelio“. Es gibt japanische Opernaufführungen in der Original- oder Landessprache.

Das Theater bietet die klassischen japanischen Formen Kabuki, Noh und Bunraku (Puppenspiel). Daneben gibt es auch modernes Theater. Sowohl traditionelles wie modernes Theater setzen ausreichende Japanisch-Kenntnisse voraus; einige Kabuki-Theater bieten Erklärungen auf Englisch an. Moderner deutscher Tanz stößt auf großes Interesse. Sparten wie Jazz, Rock, Pop und elektronische Musik gibt es in jeder Couleur. Beim internationalen Nachwuchsband-Wettbewerb „Emergenza“, dessen Finale in Deutschland ausgetragen wird, holten 2015 („Ninja Beats“) und 2017 („Snare Cover“) japanische Künstler erste Preise. Das technologieaffine Japan experimentiert viel im Grenzbereich zwischen Digitalem und Kunst. Design spielt im Alltag eine herausgehobene Rolle.

Erwähnenswert sind die vielen guten Museen in Tokyo (auch für westliche Kunst) sowie die zahlreichen hervorragenden Kunstausstellungen. Kinos zeigen zahlreiche amerikanische, südkoreanische und europäische Filme in der Originalfassung mit japanischen Untertiteln. Die japanische Populärkultur ist vor allem durch Manga, Visual Kei, Anime und J-Pop bekannt und hat eine wachsende Fangemeinde im asiatischen und westlichen Ausland.

Die japanische Kulturpolitik nahm in den vergangenen Jahren deutlichere Konturen an und erhielt  eine ausgeprägte außenpolitische Komponente, die sich unter dem Schlagwort „Cool Japan“ die im Ausland beliebten Elemente japanischer Kultur zunutze macht. Die „Japan Foundation“ als offizielle Mittlerorganisation wurde mit dem Status größerer Regierungsunabhängigkeit versehen. Wesentliche Ziele sind ein verstärkter akademischer Austausch und die Förderung des Japanisch-Unterrichtes für Ausländer. Hier ist besonders ein Programm zur Entsendung von 3000 Sprachlehrern und Lehrassistenten (bis 2020) in die ASEAN-Staaten zu erwähnen. Besonderer Fokus liegt momentan auch auf den kulturellen Veranstaltungen, die seit 2016 auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo hinführen.

Einen regionalen Schwerpunkt bilden die pazifischen Nachbarländer. Am stärksten ist nach wie vor der kulturelle Austausch mit den USA, gefolgt von Südkorea, der Volksrepublik China, Taiwan und den ASEAN-Staaten. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien teilen sich in der Europäischen Union die vordersten Ränge als Partner der japanischen auswärtigen Kulturpolitik.

Bildung

Es besteht ein eingliedriges Bildungssystem aus sechsjähriger Grundschule, dreijähriger Mittel- und dreijähriger Oberschule. Die Schulpflicht umfasst Grund- und Mittelschule. Ungefähr 96% aller Japaner eines Jahrgangs gehen auf eine Oberschule. Deutlich mehr als die Hälfte studiert anschließend.

2017 gab es 779 Universitäten in Japan, drei Viertel davon private Universitäten. Das Studium an einer japanischen Universität gliedert sich in die Abschnitte a) Bachelor (4 Jahre), b) Master (+ 2 Jahre) und c) Doktorat (+ 3 Jahre). Das akademische Hochschuljahr ist aufgeteilt in zwei Semester. Studiengebühren in Japan variieren seit einer Neuorganisation der Universitäten sehr stark, liegen aber im Durchschnitt deutlich unter den Studiengebühren amerikanischer Universitäten. Um die Studienplätze an den angesehensten Hochschulen besteht ein harter Wettbewerb, während weniger renommierte Universitäten Nachwuchssorgen haben.

In den vergangenen Jahren wurde eine Reihe von Initiativen gestartet, um den internationalen Austausch der japanischen Hochschulen zu erhöhen und das Abschneiden der Hochschulen in internationalen Rankings zu verbessern. Die Zahl der Studierenden in Japan, die aus ASEAN-Staaten kommen, hat jährlich zweistellige Zuwachsraten. Der akademische Austausch mit Deutschland wird von einem Büro des DAAD in Tokyo unterstützt. Die berufliche Bildung erfolgt an technisch-handwerklichen Oberschulen in öffentlicher und privater Trägerschaft.

Medien

In Japan erscheinen täglich 117 Zeitungen mit einer – konstant zurückgehenden - Gesamtauflage von derzeit noch 51,8 Millionen Exemplaren. Die Verteilungsrate bleibt mit 412 Exemplaren pro 1.000 Einwohner dagegen weltweit unerreicht.
Neben der öffentlich-rechtlichen Nippon Hoso Kyokai (NHK), der zweitgrößten Rundfunkgesellschaft der Welt, existieren ca. 206 private und kommerzielle Rundfunk- und Fernsehstationen.

Junge Japaner nutzen fast alle die mobilen Medien und das Internet. Die meistgenutzen Netzwerke dabei sind LINE und Twitter.

Die starke Durchdringung der japanischen Gesellschaft durch die Medien und ihr Einfluss auf öffentliche Meinung, Bewusstsein und Konsum- und Freizeitverhalten machen aus Japan die Medien- und Informationsgesellschaft schlechthin. Dabei ist das in den Medien gezeichnete Bild von Deutschland ein grundsätzlich positives.

Die großen japanischen Medien berichten meist objektiv und detailliert und verstehen sich als tragende Säule von Staat und Gesellschaft, weniger als vierte Gewalt. Die so genannten Presseclubs, die von Regierungsstellen, Verbänden und wichtigen Wirtschaftsunternehmen unterhalten werden, schaffen eine größere Interessengemeinschaft zwischen den großen Medien einerseits und Staat und Wirtschaft andererseits, als dies in Deutschland denkbar wäre.

Wissenschaft und Technologie

Wissenschaft, Forschung und Technologie genießen in Japan große Aufmerksamkeit. Die Gesamtausgaben für Forschung und Entwicklung (öffentliche Hand und Privatsektor) lagen im Haushaltsjahr 2016 (Beginn des Haushaltsjahres am 1. April) nach Angaben des japanischen Statistikamtes bei rund 18,43 Billionen Yen (ein Rückgang von 2,7 % zum Vorjahr) und erreichten hiermit eine Quote von 3,42% für den Anteil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben bezogen auf das japanische Bruttoinlandsprodukt. Dies ist im internationalen Vergleich ein Spitzenwert.
2015 wurden laut World Intellectual Property Organisation (WIPO) rund 2.049 Patente pro 1 Mio. Einwohner aus Japan registriert, womit Japan gemeinsam mit der Schweiz und Südkorea zur Weltspitze gehört. Als regionaler Patent-Cluster steht die Region Tokyo-Yokohama laut WIPO mit großem Abstand an der Weltspitze: 94.000 der 950.000 Patentanträge aus den Jahren 2011 bis 2015 wurden hier gestellt. In den vergangenen Jahren wurden auch mehrfach Nobelpreise in den Naturwissenschaften und in der Medizin an Forscher aus Japan vergeben: 2015 erhielt Satoshi Omura (zusammen mit dem Iren William C. Campbell) den Nobelpreis für Medizin für die Entdeckung einer Therapie gegen durch Fadenwürmer ausgelöste Infektionskrankheiten. Takaaki Kajita und der Kanadier Arthur B. McDonald wurden im selben Jahr für den Nachweis, dass Neutrinos eine Masse besitzen, mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. 2016 erhielt Yoshinori Ohsumi für seine Verdienste um die Zellforschung den Medizinnobelpreis. Die Zahl japanischer Nobelpreisträger in den Naturwissenschaften und der Medizin stieg damit auf insgesamt 23 an.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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