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Italien: Beziehungen zu Deutschland Italien

22.08.2019 - Artikel

Politische Beziehungen

Die deutsch-italienischen Beziehungen sind eng. Gemeinsamkeiten in der historischen Entwicklung (Deutschland und Italien als „späte Nationen“), die heutige Position beider Länder in der Mitte Europas und ihre Mitgliedschaft in der NATO (North Atlantic Treaty Organization) und in der Europäischen Union, der umfangreiche Handelsaustausch sowie die Vielschichtigkeit der Kontakte (u.a. Kultur, Tourismus, Sport, gesellschaftliche Gruppen, Gewerkschaften) stellen eine exzellente Basis dar. Die Erarbeitung gemeinsamer europapolitischer Positionen durch die Regierungen konzentriert sich auf Fragen grundsätzlicher Bedeutung wie die weitere Vertiefung der EU, die europäische Migrationspolitik oder die europäische Nachbarschaftspolitik und die Erweiterung der EU.

Die Regierungen und Parlamentarier aus Deutschland und Italien stehen in einem regelmäßigen intensiven Meinungsaustausch, der durch zahlreiche Begegnungen im Rahmen internationaler Konferenzen oder bei Europäischen Räten ergänzt wird. Auch auf Ebene der Staatsoberhäupter wird ein enger Kontakt gepflegt. Am Comer See liegt mit der „Villa Vigoni“ eine eigens zur Pflege des bilateralen Austauschs ins Leben gerufene deutsch-italienische Begegnungsstätte, in der zahlreiche Veranstaltungen zu Fragen der Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft stattfinden. Die politischen Stiftungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle für die deutsch-italienischen Beziehungen.

Wirtschaftliche Beziehungen

Die deutsch-italienischen Wirtschaftsbeziehungen sind traditionell sehr eng. Deutschland ist mit Abstand Italiens wichtigster Handelspartner mit einem Anteil an den italienischen Importen von 12,5 Prozent und einem Anteil an den italienischen Exporten von 16,4 Prozent (2017). Umgekehrt steht Italien für Deutschland als Importland an fünfter, als Exportland an sechster Stelle. Mit über 12 Prozent des Umsatzes des Agrarsektors in der EU ist die italienische Landwirtschaft nach Frankreich und Deutschland die drittgrößte Agrarwirtschaft Europas. 2018 betrug der gesamte bilaterale Handelsaustausch über 127 Mrd. Euro, wobei der deutsche Überschuss ca. 11,2Mrd. Euro betrug. Mit Deutschland besteht eine hervorragend integrierte Wertschöpfung: deutsche Milch fließt in die italienische Käseproduktion und Deutschland nimmt 52 Prozent der jährlichen Obst- und Gemüseproduktion aus Italien. Deutschlands Haupt-Exportgüter waren 2018 Kraftwagen und Kraftwagenteile, chemische Erzeugnisse, Maschinen, Nahrungsmittel, sowie elektronische Erzeugnisse. Die wichtigsten italienischen Exportgüter waren 2016 Maschinen und Apparate, Textilprodukte (inkl. Bekleidung, Leder, Accessoires) sowie Chemie-, Pharma- und Botanikerzeugnisse. Von etwa 367.000 Übernachtungen ausländischer Touristen stellten Deutsche im Jahr 2017 knapp 20 Prozent. Die deutschen Direktinvestitionen beliefen sich 2016 (GTAI 2018) auf ca. 33,2 Mrd. Euro. Der Schwerpunkt dieser deutschen Auslandsinvestitionen entfällt hierbei auf Norditalien. Umgekehrt betrugen die italienischen Direktinvestitionen in Deutschland ca. 36,7 Mrd. Euro.

Militärische Beziehungen

Neben der gemeinsamen Einbindung in die NATO, EU (im Rahmen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU), OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) und die Vereinten Nationen bestehen traditionell enge bilaterale Beziehungen zwischen den Streitkräften. Dies beinhaltet auch regelmäßige Gespräche auf militärpolitischer Ebene und auf Ebene der Teilstreitkräftekommandos, ständige Austausch- und Ausbildungsprogramme von Soldatinnen und Soldaten und eine enge Zusammenarbeit im Rahmen der internationalen Einsätze von NATO, EU und VN. Es bestehen enge rüstungswirtschaftliche Kooperationen.

Kulturelle Beziehungen

Die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien sind in ihrer Dichte weltweit einzigartig. In keinem anderen Land unterhält Deutschland so viele kulturelle Institutionen wie in Italien. Einige von ihnen gehören zu den ersten Gründungen ihrer Art überhaupt:

  • fünf wissenschaftliche Institute: Deutsches Archäologisches Institut (DAI) Rom seit 1829; zwei kunsthistorische Max-Planck-Institute („Bibliotheca Hertziana“ in Rom seit 1913 und Kunsthistorisches Institut in Florenz (KHI) seit 1897); Deutsches Historisches Institut (DHI) in Rom seit 1888; Deutsches Studienzentrum in Venedig seit 1972;
  • vier Häuser mit Künstlerstipendien: Villa Massimo in Rom seit 1913 mit der Dependance Casa Baldi in Olevano Romano, Villa Serpentara in Olevano Romano, Villa Romana in Florenz seit 1905; Europäische Akademie für Musik und Darstellende Kunst in Montepulciano seit 2001;
  • zwei größere Goethe-Institute (Rom, Mailand) und fünf Kleinstinstitute (Genua, Turin, Triest, Neapel, Palermo); sechs Goethe-Zentren, 32 Prüfungslizenznehmer;
  • drei Deutsche Schulen (Rom seit 1861, Mailand, Genua);
  • die Casa di Goethe als Museum und Ausstellungsort (gegr. 1997);
  • das deutsch-italienische Exzellenzzentrum Villa Vigoni am Comer See;
  • das deutsch-italienische Büro für den Jugendaustausch („Ciao-Tschau“) in Rom, Projekt der Villa Vigoni.

Das weltweit präzedenzlos dichte Netz der knapp 38 deutsch-italienischen Kulturgesellschaften (davon 24 von AA/GI geförderte) ermöglicht es, Kulturangebote sowie die Spracharbeit auch in die Provinz zu tragen.

Wichtigstes Netzwerk für die Förderung von Deutsch an italienischen Schulen sind die 34 Partnerschulen (PASCH). Zu diesen gehören neben den drei Deutschen Schulen 22 Deutsche-Sprachdiplom-Schulen (DSD-Schulen), fünf vom Goethe-Institut betreute Partnerschulen sowie 6 Schulen mit einer Deutschen Abteilung, die seit neuestem den Titel „Deutsche Profil-Schulen“ tragen (davon sind zwei gleichzeitig DSD-Schulen).

Der DAAD unterhält seit 2004 in Rom ein Informationszentrum zur Beratung von Studierenden und Wissenschaftlern über das deutsche Hochschulsystem, über Studien- und Forschungsmöglichkeiten sowie Stipendien. Mit dem Ladislao-Mittner-Preis fördert der DAAD ausgewählte italienische NachwuchswissenschaftlerInnen in jährlich wechselnden Disziplinen. Die Attraktivität Deutschlands als Studienstandort und das Interesse am deutschen Arbeitsmarkt spiegeln sich in kontinuierlich steigenden Zahlen italienischer Studierender (Verdopplung seit 2010/2011) und Wissenschaftler (Deutschland mit Abstand auf Platz 1) wider. Damit steigen auch kontinuierlich die Deutschlernerzahlen an Schulen und Universitäten.

Seit 2008 vergeben das AA und der Beauftragte für Kultur und Medien den Deutsch-italienischen Übersetzerpreis im jährlichen Wechsel an italienische bzw. deutsche ÜbersetzerInnen, ab 2010 auch mit Beteiligung des italienischen Kulturministeriums.

Mit dem Ziel, den Jugendaustausch zwischen Deutschland und Italien zu fördern, besteht seit 2009 als Projekt der Villa Vigoni das deutsch-italienische Jugendbüro (Büro in Rom und Internetplattform). Es wird vom Auswärtigen Amt und dem italienischen Außenministerium finanziell gefördert. Die Plattform umfasst Informationen rund um Austauschaktionen, Begegnungsprogramme und Partnerorganisationen in Deutschland und Italien.

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