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Versöhnung braucht Erinnerung: Steinmeier und Gentiloni eröffnen Ausstellung Italien

28.11.2016 - Artikel

„Zwischen allen Stühlen – Die Geschichte der italienischen Militärinternierten 1943-1945“

Während des zweiten Weltkriegs wurden 650.000 italienische Kriegsgefangene nach Deutschland zur Zwangsarbeit deportiert, tausende von ihnen kamen um. Ihr Schicksal wurde bisher kaum beleuchtet. Zusammen mit seinem italienischen Amtskollegen Paolo Gentiloni hat Außenminister Steinmeier heute (28.11.) eine Ausstellungen über das Thema in Berlin eröffnet.

Steinmeier und Genitloni eröffnen die Ausstellung gemeinsam mit einem Zeitzeugen
Steinmeier und Genitloni eröffnen die Ausstellung gemeinsam mit einem Zeitzeugen© Photothek.net

Michele Montagano war 22 Jahre alt, als im Herbst 1943 seine Odyssee durch deutsche Arbeits- und Gefangenenlager begann, deren Ende er nur mit Glück physisch und psychisch stark geschwächt überlebte. Nachdem Italien am 8. September 1943 aus dem Bündnis mit NS-Deutschland austrat, war Montagano einer der hunderttausenden italienische Soldaten, die von der Wehrmacht zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt wurden.

Die Ausstellung zeigt Stücke aus dem Alltagsleben der Gefangenen
Die Ausstellung zeigt Stücke aus dem Alltagsleben der Gefangenen© Photothek.net

Mehr als sechzig Jahre später ist Michele Montagano in ein ehemaliges deutsches Zwangsarbeiterlager zurückgekehrt. Gemeinsam mit Außenminister Steinmeier und dessen italienischen Amtskollegen Gentiloni geht er durch die Räume der Ausstellung und erzählt seine Geschichte. Blechgeschirr, in das die Soldaten ihre Sehnsüchte und Gedanken ritzten, Vermisstenanzeigen, Tagebücher - die Ausstellungsstücke erzählen von den tausenden persönlichen Schicksalen hinter den großen Zahlen.

Die Suchanzeige für einen vermissten Militärinternierten
Die Suchanzeige für einen vermissten Militärinternierten© Fondazione Luigi Micheletti

Zuvor hatten Steinmeier und Gentiloni gemeinsam die Ausstellung „Zwischen allen Stühlen“– Die Geschichte der italienischen Militärinternierten 1943-1945“ eröffnet. Sie geht zurück auf die Arbeit der Deutsch-Italienischen Historikerkommission und wird durch das Auswärtige Amt mit mehr als 1,4 Millionen Euro gefördert. „Mit diesem Blick zurück ins Dunkel erhellt sich unsere Sicht auf die Gegenwart“, so Steinmeier. Der Weg hin zu einem gemeinsamen Erinnern an die deutsch-italienische Kriegsvergangenheit sei nur durch viel gegenseitiges Vertrauen möglich geworden. „Dafür bin ich Dir, Paolo, und all unseren italienischen Freunden zutiefst dankbar“, sagte Steinmeier.

Die italienischen Militärinternierten standen auch nach Kriegsende lange buchstäblich „zwischen allen Stühlen“. Da sie bis zum Austritt Italiens aus dem Bündnis mit NS-Deutschland an der Seite der Wehrmacht gekämpft hatten, wurde ihr Schicksal weder in Italien noch in Deutschland angemessen gewürdigt. Mit der Ausstellung im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Schöneweide ist nun ein dauerhafter Ort der Erinnerung geschaffen.

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