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„Zweierlei Heimaten“ - Steinmeier eröffnet Lesereihe zum deutsch-israelischen Jubiläumsjahr Israel

16.01.2015 - Artikel

Vor 50 Jahren nahmen Deutschland und Israel diplomatische Beziehungen auf: Außenminister Steinmeier eröffnete das deutsch-israelische Jubiläumsjahr mit einer Lese- und Gesprächsreihe.

v.l.: Shalev, Liebrecht, Steinmeier, Frohloff, Reitz
v.l.: Shalev, Liebrecht, Steinmeier, Frohloff, Reitz© Photothek/Köhler

Vor 50 Jahren nahmen Deutschland und Israel diplomatische Beziehungen auf: Außenminister Frank-Walter Steinmeier eröffnete das deutsch-israelische Jubiläumsjahr mit einer Lese- und Gesprächsreihe. Dass beide Staaten nunmehr auf 50 Jahre offizieller Beziehungen zurückblicken könnten, sei „inbesondere für uns Deutsche wie ein Wunder“, betonte Steinmeier. Mit einer Vielzahl von Veranstaltungen in Deutschland und Israel wird in diesem Jahr an die Geschichte dieser Beziehungen gedacht - und es werden neue Perspektiven entwickelt.

Am 15. Januar eröffnete Außenminister Steinmeier im Auswärtigen Amt die deutsch-israelische Lese- und Gesprächsreihe unter dem Titel „Zweierlei Heimaten“. Gemeinsam mit dem israelischen Schriftsteller Meir Shalev und dem deutschen Autor und Regisseur Edgar Reitz fand im Anschluss eine Podiumsdiskussion statt - im Fokus standen dabei die Begriffe „Heimat“ und Identität. Ehrengast des Abends war die israelische Schriftstellerin Savyon Liebrecht.

Steinmeier zum Auftakt des deutsch-israelischen Jubiläumsjahrs im Weltsaal
Steinmeier zum Auftakt des deutsch-israelischen Jubiläumsjahrs im Weltsaal© photothek/Köhler

Zunächst wurden die zahlreichen Gäste im Weltsaal des Auswärtigen Amts aber musikalisch begrüßt: Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin spielte Stücke des jüdischen Komponisten Ericht Wolfgang Korngold.

Außenminister Steinmeier eröffnete den Abend, der zugleich den Auftakt für das deutsch-israelische Jubiläumsjahr in Berlin bildete. In seiner Ansprache ging er auf das fünfzigjährige Bestehen der Beziehungen zwischen Deutschland und Israel ein. Der Außenminister erinnerte in Anlehnung an das Werk Shalevs, dass „Krieg, Trauer, Verlust, Frieden, Identität und vor allem Heimat und Verlust derselben“ kennzeichnend für den Ausgangspunkt der deutsch-israelischen Beziehungen gewesen seien.

Steinmeier erklärte weiter:

Dass wir 70 Jahre nach der Befreiung von Ausschwitz das fünfzigjährige Bestehen unserer diplomatischen Beziehungen feiern können, ist daher alles andere als selbstverständlich. Es scheint insbesondere für uns Deutsche wie ein Wunder.

Land der Opfer, Land der Täter

Außenminister Steinmeier mit Israels Botschafter in Deutschland, Hadas-Handelsman
Außenminister Steinmeier mit Israels Botschafter in Deutschland, Hadas-Handelsman© Photothek/Köhler

Dies sei, so Steinmeier, erst möglich geworden, weil „das Land der Opfer dem Land der Täter die Hand reichte - erst zögernd, dann entschieden“. Deutschland habe sich zudem zu seiner historischen Schuld und zur aktuellen Verantwortung für das Existenzrecht Israels bekannt - und bekennt sich weiter dazu. Heute verbinde beide Länder eine tiefe Partnerschaft und Freundschaft. Steinmeier erklärte weiter, diese sei „eine Freundschaft, die uns vieles Gemeinsame schenkt, die unsere Solidarität verlangt, wenn Israels Sicherheit bedroht ist, die aber auch das offene Wort verträgt“.

Im Anschluss ging auch der israelische Botschafter in Deutschland, Yacov Hadas-Handelsman, auf die Geschichte der deutsch-israelischen Beziehungen ein: Sie hätten „aus der dunkelsten Hölle der Geschichte“ kommend eine fast unglaubliche Entwicklung genommen. Er hoffe, die Gesprächsreihe werde aufschlussreiche Einblicke in Lebens- und Alltagssituationen in beiden Ländern geben.

„Heimat“ und „Identität“

Blick in die Paneldiskussion zu Heimat und Identität
Blick in die Paneldiskussion zu Heimat und Identität© Photothek/Köhler

Das erste Podiumsgespräch im Rahmen der Lese- und Gesprächsreihe brachte Meir Shalev und Edgar Reitz mit Außenminister Steinmeier auf der Bühne zusammen. Sowohl der israelische Schrifsteller Shalev als auch der deutsche Regisseur Reitz haben sich über lange Strecken ihres künstlerischen Schaffens mit dem Thema Heimat und Identität befasst. In prägnanten Worten versuchten die Diskutanten zu ergründen, was sie unter den Begriffen verstehen. Damit eng verbunden war die Frage, was Heimat in Deutschland und in Israel bedeutet - und wo Unterschiede auszumachen sind. Moderiert wurde die Diskussion von der Fernsehjournalistin und ehemaligen Israel-Korrespondentin Astrid Frohloff.

Zum Abschluss der Diskussion ging es auch um den Blick in die Zukunft und die Gestaltung der nächsten 50 Jahre bilateraler Beziehungen. Außenminster Steinmeier ging dabei vor allem auf die junge Generation ein: Dass viele junge Israelis den Weg nach Deutschland suchten und junge Deutsche in Israel Freundschaften schlössen, stimme ihn zuversichtlich, sagte Außenminister Steinmeier: „Wir werden die deutsch-israelischen Beziehungen nicht nur im Rückblick betrachten, sie werden auch eine gute Zukunft haben“.

Gespräche nach der Diskussion: Steinmeier mit Daniela Schadt und Edgar Reitz
Gespräche nach der Diskussion: Steinmeier mit Daniela Schadt und Edgar Reitz© Myrtha Köhler

Jubiläumsjahr 2015 in Deutschand und Israel

Die Veranstaltung bildete zugleich den Auftakt für das Jubiläumsjahr zum fünfzigjährigen Bestehen der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel im Jahr 1965.

Mit einer dichten Folge von Veranstaltungen, die in beiden Ländern von verschiedenen Ministerien, aber vor allem auch von zivilgesellschaftlichen Organisationen ausgerichtet werden, wird über das ganze Jahr 2015 hinweg der Geschichte dieser besonderen Beziehungen gedacht.

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