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Irland: Kultur- und Bildungspolitik Irland

29.03.2019 - Artikel

Bildungssystem

Das irische Bildungssystem ist dreistufig angelegt: Primary School (Grundschule), Secondary School (Weiterführende Schule) und Higher – “third level” – Education (Universität und Fachhochschule).

Die öffentlichen Primarschulen sind schulgeldfrei. Privatschulen, deren Zahl in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen hat, erheben zum Teil beträchtliche Schulgebühren.

Die katholische Kirche spielt eine große Rolle im Bildungssystem. Derzeit betreiben die Kirchen immer noch 90% der Grundschulen und 50% der Sekundarschulen (die Kosten trägt der Staat). Eine Initiative der Regierung, sukzessive Schulen aus der Trägerschaft der katholischen Kirche herauszulösen und ihre Umwandlung in nicht- oder multikonfessionelle Einrichtungen zu betreiben, kommt nur schleppend voran. Der öffentliche Druck von Eltern wächst. Anfang November wurde von dem irischen Bildungsministerium die Abschaffung der sog. „Taufbarriere“ mit Beginn des Schuljahres 2019 bekannt gegeben. Demnach dürfen Schulen in katholischer Trägerschaft bei einem Nachfrageüberschuss getaufte Kinder nicht mehr bevorzugt aufnehmen.

Im letzten PISA-Studienvergleich findet sich Irland im Vergleich zu den europäischen Partnerländern im Mittelfeld.

Traditionell haben Gewerkschaften einen erheblichen Einfluss auf die Ausgestaltung und die Fortentwicklung des Schulsystems. Allein die Primar- und Sekundarschullehrer sind in drei, Universitätsprofessoren und Dozenten in zwei verschiedenen Gewerkschaften organisiert. In einer Reihe von Schulfächern, auch Deutsch als Fremdsprache, besteht ein Lehrermangel.

Sprachenunterricht

Die Unterrichtssprache in Irland ist grundsätzlich Englisch. Irisch ist ein Pflichtfach in der Schule; manche Schulen sind jedoch auch primär irischsprachig. Bei der Fremdsprachenausbildung liegt Irland im europäischen Vergleich zurück. Nur 5% der irischen Studentinnen und Studenten sprechen zwei Fremdsprachen (in der EU: 20%).

Am 19. September 2018 wurden die neuen Räumlichkeiten des Goethe Instituts in Dublin durch Staatsministerin Müntefering und die irischen Kulturministerin Madigan eröffnet. Ca. 1.000 Teilnehmer besuchen dort jährlich einen Sprachkurs; zudem wird ein vielfältiges Kulturprogramm angeboten.  

Französisch oder Deutsch, zunehmend auch Spanisch, werden in Schulen vorrangig angeboten. Deutsch rangiert unter den Fremdsprachen hinter Französisch und vor Spanisch und Italienisch auf Platz 2. Der damalige Minister für Bildung und Qualifikation Richard Bruton legte im Dezember 2017 mit der Foreign Languages Strategy einen Fokus auf die Entwicklung der Fremdsprachenpolitik in Irland. Diese war bisher keine Priorität. Insbesondere im Hinblick auf den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU will Irland nun jedoch signifikant mehr Schüler und Studierende in Fremdsprachen (auch Chinesisch, so am neuen Konfuziuszentrum der DCU) ausbilden.

Wissenschaft

Irland hat sieben Universitäten: drei in Dublin – darunter das renommierte Trinity College - und jeweils eine in Cork, Galway (mit Irisch und Englisch die einzige zweisprachige Uni), Limerick und Maynooth. Am 1. Januar 2019 wurde mit der Technical University Dublin die erste Technische Universität Irlands gegründet. Daneben gibt es 11 „Institutes of Technology“ (IoT) - vergleichbar mit der deutschen Fachhochschule. Das Niveau von Lehre und Forschung gilt trotz aus Expertensicht nicht ausreichender staatlicher Unterstützung und einem im EU-Vergleich hohen Studenten-Dozierenden-Verhältnis von 20 zu 1 als sehr gut.

Alle Universitäten verfügen über einen hohen Anteil an ausländischen Professoren, Dozenten und akademischem Personal. Die Vernetzung mit ausländischen Universitäten ist hervorragend, insbesondere im Rahmen internationaler Förderprogramme wie z. B. Erasmus und Horizon 2020. Deutschland ist hier, nach Großbritannien, der wichtigste bilaterale Forschungspartner Irlands.

Es werden in Irland mehr und mehr die Auswirkungen des EU-Austritts Großbritanniens auf die Hochschullandschaft thematisiert. Großbritannien ist mit Abstand Irlands größter Kooperationspartner im Hochschulsektor. Die Bewerberzahlen ausländischer Studenten an irischen Universitäten stiegen in dem Jahr 2017/18 um 17% im Vergleich zum Vorjahr. Deshalb wird öffentlich eine verbesserte Ausstattung der Universitäten gefordert.

Kulturpolitik

Irland ist eine Kulturnation westeuropäischer Prägung mit starken amerikanischen Einflüssen. Vor dem Hintergrund der jahrhundertelangen Anbindung an Großbritannien gibt es einen parteiübergreifenden Konsens, die eigene Kultur und den Gebrauch der irischen Sprache zu fördern. Das Interesse der irischen Diaspora, vor allem in den USA, und vieler ausländischer Irlandliebhaber an irischer Kultur kommt dem entgegen. Kenntnisse in Irisch/Gälisch, offiziell die erste Landessprache, besitzen noch rund 40%. Im Alltag findet die Sprache aber nur noch von knapp zwei Prozent der Bevölkerung in den „Gaeltachts“ (irische „Sprachinseln“ im Westen und Süden des Landes) Anwendung.

Dem Arts Council stehen für die Förderung irischer Kunst für 2018 68 Millionen Euro an staatlichen Mitteln zur Verfügung (+ 5% ggü. Vorjahr). Die Regierung plant außerdem die Gelder für den Kunst- und Kultursektor bis 2024 zu verdoppeln.

Das kulturelle Leben ist vielfältig und durch eine bunte Reihe namhafter internationaler Festivals vor allem in den Bereichen Film, Theater und Literatur gekennzeichnet. Das Land hat viele bekannte Schriftsteller hervorgebracht, darunter allein vier Nobelpreisträger: William Butler Yeats 1923, George Bernard Shaw 1925, Samuel Beckett 1969 und Seamus Heaney 1995.

Medien

In Irland spielen Radio und Printmedien eine vergleichsweise große Rolle. Die Berichterstattung ist weitgehend frei von staatlichen und kirchlichen Einflüssen. Reporter ohne Grenzen platzierte Irland 2018 an 16. Stelle auf der Rangliste der Pressefreiheit.

In der Presse dominieren nationale Themen bzw. Themen aus dem englischsprachigen Ausland. Vor allem international interessierte Iren greifen häufig auf Medien des Vereinigten Königreichs zurück.

Radio

Nach Angaben der staatlichen Radioanstalt RTÉ hören 83% der irischen Bevölkerung täglich Radio. Der größte und halb-staatliche Sender RTÉ bietet drei englischsprachige und ein irischsprachiges Programm an. Daneben verfügen die privaten Anbieter Newstalk 106 und Today FM über ein nationales Radioprogramm. Es gibt zahlreiche örtliche Radiosender.

Fernsehen

Neben den staatlichen Anbietern RTÉ 1, RTÉ 2 und TG 4 (irischsprachig) gibt es mehrere private irische Sender, der größte davon ist TV3. Daneben werden britische Sender viel gesehen, vor allem BBC Northern Ireland.

Zeitungen

Nach Angaben des irischen Zeitungsverbandes lesen 83% der 4,6 Millionen Iren regelmäßig Zeitung – Tendenz abnehmend. Von den großen politischen Tageszeitungen kommt nach Angaben des Audit Bureau of Circulations der Irish Independent im zweiten Halbjahr 2018 auf eine Auflage von 87.512, die Irish Times auf 79.406 Printexemplare. Beachtlich ist die Auflage der Wochenzeitungen Sunday Independent mit 168.976 und Sunday World mit 123.095 Exemplaren. Die Irish Times hat als einzige irische Zeitung einen Deutschlandkorrespondenten und widmet aktuellen Entwicklungen in Deutschland regelmäßig Aufmerksamkeit. Die Regenbogenpresse wird vom Daily Star und der Irish Sun (Ableger der UK Sun) dominiert.

Soziale Medien

Das junge Durchschnittsalter in Irland von 37 Jahren schlägt sich auch in der Nutzung sozialer Medien nieder. 66% der Bevölkerung sind Mitglied bei Facebook, ca. 75% davon täglich aktiv. 39% der Iren nutzen Instagram und je 33% sind bei Linkedin und Twitter angemeldet.

Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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