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Wirtschaftspolitik Iran

Artikel

Stand: Juni 2018

Wirtschaftsstruktur

Die Wirtschaft Irans liegt überwiegend in den Händen des Staates beziehungsweise religiöser Stiftungen (Schätzung zufolge etwa 70 bis 80 Prozent). Die iranische Regierung ist bestrebt, den privaten Anteil spürbar zu erhöhen. Die Regierung formuliert ihre wirtschaftlichen Ziele in Fünfjahresplänen. Derzeit gilt der 6. Fünfjahresplan.

Im Jahr 2017 betrug das Bruttoinlandsprodukt Schätzungen zufolge circa 431,92 Milliarden US-Dollar. Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen Irans zählen die Öl- und Gasindustrie, petrochemische Industrie, Kfz-Industrie, Landwirtschaft und Metallindustrie. Die Inflationsrate wird aktuell von offizieller Seite mit ca. 10Prozent angegeben. Die Arbeitslosenrate beträgt offiziellen Angaben zufolge 12,1 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit (15 – 29 Jahre) 25,3 Prozent. Jedes Jahr drängen 1 Mio. neue Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt. Iran belegt im Doing-Business-Index der Weltbank von 2017 Rang 124 unter 190 Nationen.

Aktuelle Wirtschaftslage

Die Aufhebung der Sanktionen gemäß Wiener Nuklearvereinbarung erfolgte am 16. Januar 2016. Messbare Erfolge verzeichnete die Regierung beim Wirtschaftswachstum (iranischen Angaben zufolge von rund 7% für das iranische Jahr vom 21.03.16 bis 20.03.17) und beim Rückgang der Inflationsrate (von ca. 40% bei Amtsantritt Ruhanis im August 2013 auf aktuell rund 10%). Der Wechselkurs des Rials war in den letzten Jahren relativ stabil (um 40.000 IRR/1 EUR), fiel aber seit Mitte 2017. Der Marktkurs erreichte im April 2018 fast 70.000 IRR/1 EUR. Mit Wirkung zum 10. April setzte die Regierung daher einen einheitlichen Wechselkurs fest (USD 42.000/EUR 51.700).

Im Jahr 2017 stieg der deutsch-iranische Außenhandel gegenüber dem Vorjahr um 17% und erreichte einen Wert von ca. 3,4 Mrd. Euro. Deutschland lieferte Waren im Wert von 3 Mrd. Euro (+16%); die die iranischen Importe lagen bei 410 Mio. Euro (+31%). Deutschland war damit größter Exporteur aus der EU nach Iran. Der  Außenhandel zwischen Iran und EU ist in den zwei Jahren seit Aufhebung der nuklearbezogenen Sanktionen im Januar 2016 im Schnitt jährlich um 53% gewachsen. Im Jahr 2017 betrugt das Handelsvolumen rd. 21 Mrd. Euro und war nahezu ausgeglichen. Bedeutendstes Exportgut Irans ist Öl. Bei der Ölförderung hat Iran das Vor-Sanktionsniveau von rund 4 Mio. Fass täglich wieder erreicht. Zum Ausbau der Förderung ist der Einsatz neuer Technologien erforderlich. Die wichtigsten Abnehmer iranischen Öls sind China, Indien, Südkorea, Türkei, Japan und die EU.

Mitgliedschaft in wirtschaftlichen Zusammenschlüssen

Iran hat seit 1995 wiederholt den Beitritt zur Welthandelsorganisation beantragt, bei der das Land seit Mai 2005 über einen Beobachterstatus verfügt. Das Land ist Mitglied der Economic Cooperation Organisation, einem regionalen Wirtschaftsbund der west- und mittelasiatischen Staaten Iran, Türkei, Pakistan, Aserbaidschan, Turkmenistan, Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan, Tadschikistan und Afghanistan. Iran ist außerdem Mitglied der Organisation Erdöl exportierender Staaten (OPEC).

Seit 2005 hat Iran Beobachterstatus bei der Shanghai Cooperation Organisation, einem Bündnis, das sich originär mit Sicherheits-, zunehmend aber auch mit Energiefragen befasst und dem die Staaten China, Russland, Usbekistan, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan angehören. Darüber hinaus gehört Iran dem Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und den anderen mit Wirtschaft befassten Organisationen (darunter Internationale Arbeitsorganisation ILO und Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung UNCTAD) an.

Auf der Plenumssitzung der Financial Action Task Force (FATF) vom 19.-24.06.16 in Südkorea rief die FATF ihre Mitgliedsstaaten erstmals nicht mehr dazu auf, Maßnahmen gegen Iran zum Schutz des internationalen Finanzsystems zu ergreifen (Suspendierung der Gegenmaßnahmen zunächst für zwölf Monate). Diese Entscheidung wurde auf der Plenumssitzung vom 21.-23.06.17 in Spanien verlängert. Grundlage sind Fortschritte bei der Umsetzung eines Aktionsplans, den Iran am 09.04.16 in Rom mit dem FATF-Sekretariat vereinbart hat.

Umwelt und Umweltpolitik

Umweltpolitik spielt in Iran eine immer wichtigere Rolle. Neben starker Luftverschmutzung steht die Wasserknappheit im Fokus der nationalen Politik. Deutschland fördert Projekte der „German Water Partnership„, die eine effizientere Wasserwirtschaft in Iran unterstützt.

Iran zielt auf einen Ausbau von erneuerbaren Energien. Insbesondere Windkraft und Solarenergie sollen das Land in den nächsten Jahren unabhängiger von fossilen Energieträgern machen. Staatliche geförderte Projekte und Produktionsstätten vor Ort sollen für iranische und ausländische Unternehmen Investitionsanreize sein. Mehrere deutsche Unternehmen haben in den letzten Jahren Solaranlagen in Iran in Betrieb genommen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 

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