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Sinjar nach dem IS. Wie das Auswärtige Amt die Jesiden in Irak unterstützt Irak

Unter der Terrorherrschaft des Islamischen Staat (IS) wurden die Jesiden im Irak massiv verfolgt.

Unter der Terrorherrschaft des Islamischen Staat (IS) wurden die Jesiden im Irak massiv verfolgt., © Iason Athanasiadis / OCHA

06.12.2019 - Artikel

Unter der Terrorherrschaft des Islamischen Staats (IS) wurden die Jesiden im Irak massiv verfolgt.

Auch fünf Jahre nach dem Sieg über den IS leidet diese ethnisch-religiöse Minderheit noch immer an den Folgen der vom IS-verübten Gräueltaten und der weiterhin schwierigen Sicherheitslage im Nordwesten Iraks.

Hunderttausende Jesiden sind auch heute noch nicht in ihre ursprüngliche Heimat zurückgekehrt, sondern leben stattdessen als Binnenflüchtlinge in der Region Kurdistan-Irak.

Deutschland setzt sich gemeinsam mit seinen internationalen Partnern und den irakischen Behörden vor Ort dafür ein, die Lebensumstände der Jesiden in Irak zu verbessern. Aus den Mitteln der Abteilung für Krisenprävention, Stabilisierung, Konfliktnachsorge und humanitäre Hilfe unterstützt das Auswärtige Amt in der Region Sinjar laufende irakische Initiativen, um den Jesiden eine Rückkehr in ihre Heimatorte zu ermöglichen und eine dauerhafte Bleibeperspektive zu schaffen.

Außenpolitik mit Mitteln im Einsatz

Erst wenn Bürgerinnen und Bürger wieder Vertrauen in ihren Staat fassen, wenn sie sich dort sicher fühlen und sich auf eine Grundversorgung verlassen können, ist eine nachhaltige Stabilisierung in Irak möglich. Hier setzt die von Deutschland maßgeblich initiierte und von UNDP, dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, implementierte Stabilisierungsfazilität an: Eine Reihe schnell umsetzbarer und aufeinander abgestimmter Einzelmaßnahmen sollen die Handlungsfähigkeit der Regierung für die Menschen erkennbar erhöhen und die Lebensumstände der Iraker als „Friedensdividende“ verbessern.

Jesidische Siedlungsgebiete vor August 2014
Jesidische Siedlungsgebiete vor August 2014© AA

In Sinjar werden z.B. die Stromversorgung und Straßen wiederaufgebaut, aber auch Abwasserkanäle, Schulen und Kindergärten. So wird aktiv dazu beigetragen, die grundlegenden Voraussetzungen für verbesserte Rückkehrperspektiven der aus der Region Vertriebenen, insbesondere auch religiösen Minderheiten wie Christen und Jesiden, in ihre Heimatsiedlungsgebiete zu schaffen. Flankiert wird das Vorhaben von einem GIZ Projekt zur Abdeckung von Basisversorgung (z.B. mobile Kliniken, Abfallbeseitigung).

Bilateral trägt das Auswärtige Amt über verschiedene Durchführungsorganisationen wie UNMAS, IOM, GIZ und die JIYAN Stiftung sowie mit einem über die KfW abgewickelten 500 Mio. EUR Kredit zum Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur bei.

Die Räumung von Landminen wird über UNMAS im gesamten Land, aber explizit auch in der Region Sinjar, gefördert. Der IS hat extrem kontaminierte Städte hinterlassen und Minen bewusst politisch eingesetzt, um die Rückkehr der geflohenen Zivilbevölkerung zu erschweren und die Sicherheitslage weiter zu destabilisieren. Mit deutscher Unterstützung werden vom IS verlassene und verminte Gebäude wieder bewohnbar gemacht und den Irakern als sicheres Zuhause zur Verfügung gestellt. Damit sich die irakische Bevölkerung in Zukunft selbst helfen kann, wird in diesem Projekt auch die lokale Bevölkerung ausgebildet und in Minenräumteams eingesetzt. In Sinjar haben sich im Rahmen der Ausbildungsmodule geschlechtergemischte und Teams mit gemischter religiöser Zugehörigkeit zur Minenräumung zusammengefunden.

Auch das vom Auswärtigen Amt geförderte IOM Projekt Community Policing ist im Distrikt Niniveh, darunter auch die Region Sinjar, an mehr als 20 Standorten aktiv. Vertreter der Gemeinde und der Sicherheitsbehörden kommen mit deutscher Unterstützung zusammen, um über dringende Probleme zu beraten und Lösungen zu finden. So sollen Iraker die konkrete Erfahrung machen, dass die Polizei den Bürgern als „Freund und Helfer“ zur Seite steht und Rückkehrern die Angst vor Konflikten genommen werden.

Die Bundesrepublik misst der Aufarbeitung der erlebten Traumata der Binnenvertriebenen in Irak, darunter viele Jesiden, besondere Bedeutung bei. Daher fördert das Auswärtige Amt die psychosoziale Betreuung von Opfern, u.a. über die JIYAN Stiftung im Raum Dohuk. Zudem wurde an der dortigen Universität mit Unterstützung des Landes Baden-Württemberg der erste Studiengang zur Ausbildung von Trauma-Therapeuten in Irak ermöglicht.

Hunderttausende Jesiden sind auch heute noch nicht in ihre ursprüngliche Heimat zurückgekehrt.
Hunderttausende Jesiden sind auch heute noch nicht in ihre ursprüngliche Heimat zurückgekehrt.© Alan Ayouni NRC

Im Bereich Stabilisierung hat das AA dabei zwischen 2014-2019 Projekte mit einem Volumen von 237 Mio. EUR im Irak gefördert.

Hilfe für Vertriebene und Aufnahmegemeinden

Um die Grundversorgung von Binnenvertriebenen und vulnerablen Rückkehrern in Irak sicherzustellen und irakische Gastgemeinden bei der Aufnahme zu stärken stellt die deutsche humanitäre Hilfe Unterkünfte, Gesundheitsversorgung, sowie Wasser,- Hygiene und Sanitärversorgung bereit. Die deutsche Humanitäre Hilfe in Irak hat diejenigen Menschen im Fokus, die besonders verwundbar und deren humanitäre Bedarfe daher prioritär sind, darunter auch die Jesiden. Für Projekte in der Provinz Niniveh, im Raum Sinjar und in Dohuk, mit hohen jesidischen Bevölkerungsanteil stellt das AA Mittel für humanitäre Hilfe bereit, die von den Partnerorganisationen Malteser International, Deutsches Rotes Kreuz, Mission East, Ärzte der Welt und CARE umgesetzt werden. Zudem fördert das AA humanitäre  Programme internationaler Organisationen (UNHCR, IOM, IKRK, WFP), die auch den Menschen in Regionen mit hohem jesidischen Bevölkerungsanteil z.B. in Sinjar zugutekommen.

Seit 2014 hat Deutschland insgesamt 550 Mio Euro für humanitäre Hilfe in Irak bereitgestellt, davon allein 52 Mio. im Jahr 2019.

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