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Wirtschaftspolitik Indonesien

Artikel

Stand: Oktober 2018

Wirtschaftsstruktur

Indonesien ist reich an mineralischen Rohstoffen und zählt zu den weltweiten Hauptexporteuren von Kohle, Zinn, Nickel, Kupfer, Bauxit und Gold. Im Hinblick auf seine Gas- und Kohlevorkommen ist Indonesien weiter Nettoexporteur; aufgrund der seit 1995 sinkenden Erdölförderung wurde es 2016 zum Nettoimporteur. Daneben besitzt Indonesien große Holzvorkommen, die es im Rahmen eines mit der EU abgeschlossenen Zertifizierungsschemas (FLEGT) seit 2016 nach Europa exportieren kann. Agrarprodukte, insbesondere Palmöl, Kautschuk, Kakao, Tee, Kaffee und Tabak sind wichtige  Hauptexportgüter. Bei den Grundnahrungsmitteln Reis, Mais und Soja sowie Zucker ist Indonesien z.T. auf Importe angewiesen. In den letzten Jahren ist auch der Import von Weizen für die Lebensmittel- und Futtermittelindustrie stark gestiegen.

Darüber hinaus bestehen weitere personalintensive Industriezweige im Bereich der Textil-, Bekleidungs-, Schuh- und Möbelindustrie.

Der Dienstleistungssektor ist der wichtigste Wirtschaftssektor des Landes, gefolgt von industrieller Fertigung, Bergbau und Bauwirtschaft, sowie Land- und Forstwirtschaft/ Fischerei, Handel und Transport.

In Kernbereichen der Wirtschaft hat der Staat noch erheblichen Einfluss. Er konkurriert mit dem Privatsektor mit mehr als 100 staatseigenen Unternehmen in 14 verschiedenen Sektoren z. B. im Transportsektor, bei der Telekommunikation, der Energieversorgung, im Bausektor oder in der Finanzwirtschaft.

Die arbeitsfähige Bevölkerung beläuft sich auf rd. 125 Mio. Personen. Der Anteil, der im informellen Sektor tätigen Arbeitnehmer, beträgt rd. 60 % – dort werden über 50 % der Wirtschaftsleistung erbracht. Über 40 Mio. Menschen sind im Bereich Landwirtschaft, Forsten und Fischerei beschäftigt, 25 Mio. in Handel, Hotels und Restaurants. Im Hinblick auf den Arbeitsmarkt verfügt Indonesien eine ausgeprägte Dienstleistungs- und Agrarwirtschaft mit einem relativ kleinen Anteil industrieller Produktion. Die offizielle Arbeitslosenquote lag zuletzt bei rd. 6 %. Nach Angaben der Statistikbehörde leben landesweit erstmals knapp unter 10% der Bevölkerung unter der nationalen Armutsgrenze von ca. 25 USD pro Monat.

Wirtschaftslage

Das BIP Indonesiens wurde 2017 auf 1.015 Mrd. USD, das nominelle BIP/Kopf auf rund 3.876 USD geschätzt. Nach Wachstumszahlen von zeitweise über 6 % in den Jahren bis 2015 fiel das BIP-Wachstum 2015 auf 4,9 % zurück und erholte sich 2016 marginal auf 5 % und 2017 auf 5,1 % ; für 2018 wird ein Wachstum von rd. 5,2 % erwartet. Die ADB schätzt das Potentialwachstum Indonesiens auf 7 %. Um die Arbeitslosigkeit angesichts der wachsenden Bevölkerung nicht ansteigen zu lassen, wäre ein BSP-Zuwachs von über 6 % erforderlich. Gründe für die Wachstumsabkühlung waren u. a. die nur langsame Erholung auf den Rohstoffmärkten, der Einbruch auf wichtigen Exportmärkten wie China, ein Exportverbot für mineralische Rohstoffe und Konsumzurückhaltung. Sorge bereiten die handelspolitischen Spannungen zwischen CHN und USA  – zum einen, weil umgeleitete chinesische Exportströme den Druck auf die bilaterale indonesisch-chinese Handelsbilanz nochmals erhöhen könnten, zum anderen weil signifikante Anteile der indonesischen Exporte nach China als Vorprodukte in chinesische Exporte in die USA eingehen, die von den eingeleiteten US-Sanktionen betroffen sind.

Exporte und Importe haben nur einen begrenzten Einfluss auf die indonesische Volkswirtschaft, da Indonesien auch im Vergleich zu anderen ASEAN-Staaten weniger in die Weltwirtschaft integriert ist. Dabei wurden bisher regelmäßig Handelsüberschüsse erzielt. Für das erste Halbjahr 2018 zeichnet sich allerdings eine negative Handelsbilanz von rd. 3 Mrd. USD ab, da die Importe insbesondere von Kapitalgütern und raffinierten Mineralölen deutlich zugelegt  haben.   

Im Verhältnis zu Deutschland weist Indonesien  ein Handelsdefizit auf. Importe aus Deutschland beliefen sich 2017 nach Angaben des indonesischen Handelsministeriums auf 3,54 Mrd. USD, während Indonesien Waren im Wert von 2,67 Mrd. USD nach Deutschland exportierte. Auch stützt sich die indonesische Volkswirtschaft auf einen vergleichsweise hohen Binnenkonsum. 55 % des BIP wurden 2016 für den privaten Verbrauch verwendet, zählt man den staatlichen Verbrauch hinzu, sind es sogar zwei Drittel.

Die Regierung hat die Diskrepanz zwischen tatsächlichem Wachstum und Potentialwachstum zum Anlass genommen, Reformmaßnahmen einzuleiten. So wurden seit September 2015 kontinuierlich insgesamt 16 „Reformpakete“ auf den Weg gebracht. Unter anderem sollten Investitionen vereinfacht, die Wertschöpfung im Lande gestärkt, die Kaufkraft der Bevölkerung erhöht, die Energie- und Logistikkosten gesenkt, für Ausländer die Vorschriften für Arbeitserlaubnisse gelockert, und der Landerwerb vereinfacht werden. Auch der Förderung von „e-commerce“ wurde ein eigenes Paket gewidmet. Das Geschäftsklima wurde durch die Maßnahmen verbessert. Für eine Beurteilung der Auswirkungen auf die reale Wirtschaft ist es jedoch noch zu früh. Unter Wirtschaftsexperten besteht Konsens, dass noch weitere Wirtschaftsreformen folgen müssen. Außerdem hat die Regierung seit 2015 verstärkt in den Ausbau von Infrastruktur investiert.

Nach einer Phase niedrigerer Leitzinsen von 4,25 % (zwischen September 2017 und April 2018), erhöhte die Zentralbank „Bank Indonesia“ den Leitzins im Zuge der Abwertung der Indonesischen Rupiah gegenüber dem USD und dem EUR auf 5,5 % (August 2018). Grund für diese Abwertung ist u. a. die Verlagerung von Auslandskapital in die USA.  Die Inflationsrate bewegt sich seit 2016 zwischen 3,2 und 4,4 %. Sie könnte in Abhängigkeit der Rohstoffmärkte weiter steigen, falls sich beispielsweise Ölimporte weiter verteuern. Das offizielle Inflationsziel liegt in einem Korridor von 3-5 %. Die Devisenreserven sind, nach einer Steigerung auf rd. 130 Mrd. USD 2017  inzwischen wieder auf 118 Mrd. USD abgeschmolzen. Der Jakarta Aktienindex JCI bewegte sich – nach einem Jahresplus von 20 % in 2018 – seit dem Frühjahr 2018 abwärts und verlor zwischenzeitlich ca. 10 %.

Das indonesische Bankensystem ist grundsätzlich stabil und verfügt insgesamt über eine gute Kapitalausstattung. Jedoch ist der Anteil fauler Kredite in den Büchern gestiegen und die Kreditqualität vermehrt in den Fokus gerückt. Hinzu kommen Risiken, die insbesondere Unternehmen betreffen, die unter Verschuldung in ausländischer Währung leiden.

Umweltpolitik

Indonesien gehört zu den weltweit größten Emittenten von Treibhausgasen und bekommt gleichzeitig zunehmend die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen des Klimawandels zu spüren. Umweltpolitische Herausforderungen liegen in den Bereichen Ausbau der Infrastruktur, zunehmende Entwaldung und Verlust an Biodiversität sowie Ausbau der auf fossilen Brennstoffen basierenden Energieversorgung. Durch Bevölkerungswanderung in die Ballungsräume - und damit weiteres Wachstum insbesondere der Megastädte wie Jakarta, die zu den größten der Welt zählt - ist auch die urbane Verschmutzung zu einem zentralen Problem Indonesiens geworden. Die steigenden Abwassermengen, die größten Teils ungeklärt in die Ozeane eingeleitet werden, und Plastikmüll, der ebenfalls seinen Weg dorthin findet, verschärfen die Umweltprobleme. Dies hat die indonesische Regierung auch als dringende Herausforderung erkannt und einen ambitionierten Aktionsplan zur Bekämpfung von Meeresmüll beschlossen. Sichtbare Umsetzungserfolge zeichnen sich hier jedoch noch nicht ab.

Mit ehrgeizigen Klimazielen hat die indonesische Regierung wichtige politische Signale für ein klimafreundliches Entwicklungsmodell gesetzt. So sollen die Emissionen bis 2030 um 29% bzw. bei entsprechender internationaler Unterstützung um 41% reduziert und der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung bis 2025 auf 23 % erhöht werden. Nach Abschluss des Klimaabkommens von Paris arbeitet Indonesien nun an der Umsetzung. Die Prioritäten der Regierung liegen zur Erreichung der Minderungsziele in den Bereichen Landnutzung, Energie und Abfall, sowie bei Anpassung, Berichterstattung und Überwachung sowie Erschließung von Klimafinanzierung inklusive Einbindung des Privatsektors.

Steigende Nachfrage nach primären Energieträgern (Kohle, Biomasse) und Rohstoffen, die Nachfrage nach agroindustriellen Produkten (Palmöl, Papier, Kautschuk) sowie anhaltende Migration innerhalb Indonesiens erhöhen die Nachfrage nach landwirtschaftlich nutzbaren Anbauflächen sowie nach Bauland. Diese Entwicklung gefährdet die Existenz von Wäldern und trägt wie auch die (z. T.  durch Brandrodung herbeigeführten) großflächigen Wald- und Torfmoorbrände zu einem Anstieg klimaschädlicher Emissionen des Landes bei. 2015 verstärkten sich die jährlich wiederkehrenden Wald- und Torfbrände durch den El-Niño-Effekt und setzten Indonesien nach China und den USA sogar an die Spitze der größten Treibhausgasemittenten weltweit. Die indon. Regierung hat daher u. a. Moratoriem gegen die weitere Ausweitung von Palmölplantagen und Brandrodung erlassen, arbeitet an der Verbesserung von Nachhaltigkeitsstandards für die Palmölherstellung und will höhere Wertschöpfung auf bestehenden Anbauflächen erreichen. Die Regierung legt zudem verstärktes Gewicht auf die Themen Torfmoormanagement und –rehabilitierung sowie auf Aufklärung der lokalen Bevölkerung und strengere Strafverfolgung auch der Unternehmen. Die neu gegründete Agentur für Torfmoorrehabilitation soll dabei Pionierarbeit leisten. Darüber hinaus hat sich die indonesische Regierung das Ziel gesetzt, 12,7 Millionen ha Wald bis 2019 als Gemeindewald zu deklarieren. Zudem wird an der Erstellung einer einheitlichen Karte (one-map-policy) gearbeitet, die die erlaubte Landnutzung und die z.T. überlappenden Konzessionen einheitlich abbilden soll.

Weitere Informationen zur deutsch-indonesischen Entwicklungszusammenarbeit zum Klimaschutz finden Sie im Kapitel Beziehungen zwischen Deutschland und Indonesien.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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