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Wirtschaft Hongkong

Artikel

Stand: Oktober 2018

Volkswirtschaft

Die Wirtschaft Hongkongs gehört zu den am weitesten entwickelten und reichsten Volkswirtschaften weltweit. Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf von ca. 40.000 Euro (2017) nimmt es in den internationalen Wohlfahrtsstatistiken Spitzenplätze ein. Allerdings ist dieser Wohlstand im internationalen Vergleich sehr ungleichmäßig unter der Bevölkerung verteilt.

Angesichts eines kleinen Binnenmarktes von sieben Millionen Einwohnern und einer nahezu vollständig nach Festlandchina abgewanderten Produktionsbasis ist Hongkong in hohem Maß vom Außenhandel und damit verbundenen Dienstleistungen abhängig. Traditionell trägt Hongkong dieser Situation durch eine weitgehend offene Außenwirtschaftspolitik und eine zurückhaltende Regulierung des Wirtschaftssystems Rechnung.

Gleichzeitig spielt Hongkong eine wichtige Rolle als Brücke, sowohl für die finanz- wie auch realwirtschaftlichen Ströme von und nach Festlandchina. Während die sehr liberale Marktordnung vor allem der außenwirtschaftlichen Verflechtung Hongkongs zugutekommt, ergeben sich auf dem Binnenmarkt gleichwohl in einigen Sektoren hohe Markteintrittsbarrieren, insbesondere aus der geringen Größe des Marktes, der marktbeherrschenden Stellung weniger lokaler Oligopol-Unternehmen in einigen Branchen und den hohen Immobilienpreisen. Der hohe Grad der Rechtssicherheit, die geringe Steuerlast und die erfolgreiche Bekämpfung von Korruption sind entscheidende positive Standortfaktoren.

Der Souveränitätsübergang an die Volksrepublik China am 1. Juli 1997 hatte keine negativen Rückwirkungen auf die Hongkonger Wirtschaft. Die Stellung der chinesischen Sonderver-waltungsregion als autonomes Zoll- und Steuergebiet, die marktwirtschaftliche Finanz- und Wirtschaftsordnung, die Haushaltsautonomie sowie das unabhängige Währungssystem sind bis 2047 festgeschrieben. Hongkong ist weiterhin eigenständiges Mitglied bei GATT/WTO und APEC, ist bei ESCAP assoziiert, gehört der Asian Development Bank an und spielt eine anerkannte Rolle im Financial Stability Forum.

Dienstleistungsorientierte Wirtschaftsstruktur

Hongkong wurde für den Handel gegründet. Diese Tatsache ist bis zum heutigen Tag der wesentliche Schlüssel zum Verständnis von Wirtschaft und Gesellschaft Hongkongs. Heute ist jeder zweite Arbeitnehmer Hongkongs im Bereich Handel und den damit verbundenen Dienstleistungen wie Finanzen, Logistik und sonstige kommerzielle Serviceleistungen beschäftigt. Insbesondere die Bedeutung der Bereiche Finanzen und Tourismus für die Wirtschaft allgemein hat in den vergangenen Jahren rasant zugenommen. Der Dienstleistungssektor trägt insgesamt 90 % zum Bruttoinlandsprodukt bei.

Hongkong ist eines der weltweit bedeutendsten Finanzzentren. Über 70 der 100 weltweit größten Banken sind in Hongkong tätig; mit 155 zugelassenen Banken und 54 Vertretungsbüros hat es eine der größten Angebotsdichten im Finanzbereich weltweit. Die Hongkonger Börse ist die sechstgrößte Börse der Welt und die viertgrößte in Asien. Hongkong ist ferner das zweitgrößte Private Equity Zentrum in Asien.

Rund 57 Millionen Besucher machten Hongkong trotz einem leichten Rückgang auch 2017 wieder zu einer der wichtigsten Tourismusdestinationen Asiens. Rund dreiviertel der Besucher kommen aus Festlandchina.

Hongkongs Wirtschaft hat einhergehend mit der wirtschaftlichen Öffnung Festlandchinas seit den 80er Jahren einen tief greifenden Strukturwandel durchgemacht. Die auf die Herstellung von Konsumgütern konzentrierten Produktionskapazitäten wurden weitgehend in das angrenzende Perlfluss-Delta verlegt und durch Dienstleistungen ersetzt. Heute trägt das verarbeitende Gewerbe nur noch 2,7 % zum Bruttoinlandsprodukt bei, während Groß- und Einzelhandel, Im- und Export, Gastronomie und Hotellerie 26 % beisteuern, Finanz- und Geschäftsdienstleistungen, Versicherungen und Immobiliengeschäfte 28 % ausmachen und knapp 17,5 % im sozial-administrativen und persönlichen Service-Sektor erbracht werden. Die lokale Güterherstellung beschränkt sich nunmehr auf wenige hochqualitative Nischenproduktionen. Marktchancen bestehen in den Bereichen Kultur und Kunst, Innovation und Technologie, Zertifizierungsdienstleistungen und Umwelttechnologie.

Parallel dazu hat sich auch die Marktstruktur der Hongkonger Wirtschaft im Verlauf der letzten 40 Jahre gewandelt. Die traditionellen britisch geprägten Konglomerate aus der Kolonialzeit wurden nach und nach von chinesischen Familienunternehmen übernommen. Vor allem der Immobiliensektor, der sowohl als wichtige Einkommensquelle der Regierung als auch für die Entwicklung in vielen anderen Branchen (insbesondere dem Einzelhandel) von entscheidender Bedeutung ist, wird von wenigen auf Familienverbindungen beruhenden Konzernen beherrscht.

Brückenkopf für das Chinageschäft

Neben der Rolle als führendes Handels- und Finanzzentrum ergibt sich Hongkongs wirtschaftliche Bedeutung vor allem aus seiner Stellung als Brücke für den wirtschaftlichen Austausch Festlandchinas mit dem Rest der Welt. Die Motive für die Handelspartner zur Nutzung Hongkongs liegen dabei vor allem in geringeren Informationskosten, Rechtssicherheit, der Ausnutzung von Steuer- und Abgabenvorteilen, der guten internationalen Vernetzung und dem hohen technischen Know-how. Hongkonger Unternehmer gehörten nach der wirtschaftlichen Öffnung Festlandchinas zu den Pionieren des Investitionsengagements in den Ende der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts eingerichteten Sonderwirtschaftszonen des Perlflussdeltas. Heute haben fast 90 % aller Auslandsinvestitionen im Perlflussdelta ihren Ursprung in Hongkong.

Auch als Finanzintermediär spielt Hongkong eine herausragende Rolle für Festlandchina. Hongkong ist die größte Quelle ausländischer Direktinvestitionen in China. Angesichts der in Festlandchina bestehenden Kapitalkontrollmechanismen bietet Hongkong festlandchinesischen Unternehmen Zugang zu internationalem Kapital und ausländischen Kapitalgebern eine Möglichkeit des finanziellen Engagements in China. Die finanzwirtschaftliche Verflechtung Hongkongs mit Festlandchina wird dabei zunehmend enger.

Integration in die Weltwirtschaft

Wenige andere Volkswirtschaften sind so intensiv in die Weltwirtschaft eingebunden und damit gleichzeitig so anfällig für externe wirtschaftliche Einflüsse wie Hongkong. 98 % der Exporte Hongkongs sind Re-Exporte, mehr als die Hälfte davon nach Festlandchina. Neben China sind die EU, die USA, Taiwan, Japan, Singapur die wichtigsten Handelspartner, innerhalb der EU ist Deutschland der wichtigste Handelspartner Hongkongs. Insgesamt steigt die relative Bedeutung der Länder Ostasiens als Handelspartner seit einigen Jahren kontinuierlich zu Lasten der USA und Europa.

Hongkong ist 2016 laut UNCTAD World Investment Report sowohl der zweitgrößte Zielmarkt als auch die drittgrößte Quelle für ausländische Direktinvestitionen weltweit. Dies spiegelt die zunehmende Wichtigkeit wieder, die Festlandchina Hongkong als globaler Investitions-Plattform zuschreibt.

Im Jahr 1983 wurde ein festes Wechselkursregime im Verhältnis zum US-Dollar eingeführt (Currency Board), seitdem bewegt sich der Wechselkurs des HK- zum US-Dollar stabil bei rund 7,8. Eine Lösung vom US-Dollar ist in naher Zukunft nicht geplant.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


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