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Außenpolitik Guatemala

Artikel

Stand: Oktober 2018

Außenpolitik

Während der Zeit der militärischen Auseinandersetzung mit der Guerilla war Guatemala jahrelang internationaler Isolierung vor allem durch die europäischen Staaten ausgesetzt, die erst mit dem Beginn der Demokratisierung (1985) und dem 1996 abgeschlossenen Friedensabkommen überwunden werden konnte. Zu diesem Friedensschluss trug auch der so genannte San José-Dialog bei, der seit 1984 bestehende, älteste Dialogmechanismus der Europäischen Union mit einer lateinamerikanischen Region. Guatemala ist seitdem bemüht, auf internationaler Bühne, insbesondere in den Vereinten Nationen und der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS), eine angemessene Rolle zu spielen.

Das Land bemüht sich auch um eine Vertiefung der zentralamerikanischen Integration. Im zentralamerikanischen Integrationssystem SICA (Sistema de Integracion Centroamericana) spielt es eine wichtige Rolle. Aktueller Generalsekretär ist Vinicio Cerezo, Ex-Präsident Guatemalas von 1986-1991.

In den letzten Jahren ist das Verhältnis zu den ostasiatischen Staaten immer wichtiger geworden. Dies zeigt sich auch in der Eröffnung weiterer diplomatischer und konsularischer Vertretungen in Asien (neu: Indonesien). In China wurde – trotz fehlender diplomatischer Beziehungen – ein Verbindungsbüro eingerichtet. Mit Taiwan hat Guatemala schon im September 2005 ein Freihandelsabkommen unterzeichnet und unterhält sehr enge Beziehungen.

USA

Die USA sind der bei weitem wichtigste außenpolitische Partner Guatemalas. Knapp zwei Fünftel des Handels Guatemalas werden mit den USA abgewickelt. US-Behörden schätzen, dass mehr als 3 Millionen Guatemalteken dort leben; ihre Überweisungen entsprechen rund 11% des Bruttoinlandsprodukts und stellen eine wichtige Einkommensquelle für viele Familien dar.

In den ersten 8 Monaten des Jahres 2018 nahmen die Abschiebungen von guatemaltekischen Einwanderern aus den USA um über 80% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu. Zusammen mit den Rückführungen aus Mexiko wurden über 60.000 Menschen nach Guatemala zurückgebracht. Die rückkehrenden, meist jungen Migranten stellen für Guatemala eine große Herausforderung dar, die von fehlenden Arbeits- und Ausbildungsplätzen über den Wegfall der Rücküberweisungen bis hin zur Bekämpfung der Verbrechen von Jugendbanden reichen, denen sich viele Jugendliche aus Perspektivlosigkeit anschließen. Nach einer intensiven Besuchsdiplomatie zwischen den USA und den Ländern des “Nördlichen Dreiecks“ (Guatemala, Honduras und El Salvador) wurde noch unter der Administration von Barack Obama eine „Allianz für den Wohlstand“ ausgerufen, die seitens der USA mit etwa 600-800 Millionen Euro gefördert wird. Hierbei handelt es sich um einen ganzheitlichen Ansatz zur Bekämpfung der Armut, Schaffung von Arbeitsplätzen und letztendlich zur Beseitigung der Fluchtursachen. Gleichzeitig werden Reformen im Rechtsstaatsbereich eingefordert.

Die Verschärfung der US-Politik gegenüber Migranten würde weitreichende Folgen für Guatemala haben (Überweisungen, Deportationen etc.).

Mittelamerikanische Nachbarstaaten

Zwischen Nicaragua, Guatemala, Honduras und El Salvador besteht seit 2001 ein Freihandelsabkommen. 2009 unterzeichneten die Präsidenten von El Salvador und Guatemala den Rahmenvertrag für eine Zollunion. Die zwischenzeitig abgeschafften Grenzkontrollen zwischen beiden Ländern wurden 2011 allerdings wieder eingeführt. Der bereits funktionierenden Zollunion zwischen Guatemala und Honduras trat El Salvador im August 2018 bei.

Mit Mexiko verstärken sich die wirtschaftlichen Beziehungen. 11% der Importe stammen aus diesem Land. Der Bau einer Gasleitung zur Versorgung von Guatemala-Stadt und später auch nach San Salvador wurde zwar unterzeichnet, aber ein Baubeginn zeichnet sich bisher nicht ab. Die mexikanische Eisenbahnstrecke entlang der Pazifikküste, die früher bis nach Tecun Uman (Guatemala) reichte, soll wieder reaktiviert werden.

Das Verhältnis zu Belize ist weiterhin vom ungelösten Grenz- und Territorialitätskonflikt gekennzeichnet. Im Dezember 2008 einigte man sich darauf, die Lösung in einem Verfahren vor dem IGH (Internationaler Gerichtshof in Den Haag) anzustreben. Voraussetzung dafür sind allerdings Referenden in beiden Ländern, die bereits 2013 stattfinden sollten. In Guatemala sprach sich bei der Volksbefragung am 15.04.2018 eine große Mehrheit dafür aus, den Konflikt durch den IGH entscheiden zu lassen, allerdings bei geringer Wahlbeteiligung. In Belize soll das Referendum im April 2019 stattfinden.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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