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Kultur- und Bildungspolitik, Medien Großbritannien / Vereinigtes Königreich

Artikel

Stand: April 2018

Kulturpolitik

Das Vereinigte Königreich verfügt über eine dichte und vielfältige Kulturlandschaft. Die britische Kreativwirtschaft ist seit etwa zehn Jahren der am schnellsten wachsende Wirtschaftssektor Großbritanniens und steuert rd. 91,89 Mrd. GBP p.a. zur Wirtschaft GBRs bei.

Neben dem Kulturzentrum London bieten auch Manchester oder Liverpool (britische Kulturhauptstadt 2017), sowie Cardiff (Wales) und Edinburgh und Glasgow (Schottland) ein vielfältiges kulturelles Angebot. Die seit 2003 betriebene Kunstmesse „Frieze Art“ ist zu einem internationalen Magneten für den Verkauf zeitgenössischer bildender Kunst geworden. Aber auch andere Kunstformen (Musik, Film, Theater, Tanz und vor allem Kreativwirtschaft/Design) sind im Vereinigten Königreich international anerkannt vertreten.

In England werden ca. 700 Kultureinrichtungen durch den Arts Council England (ACE) finanziell unterstützt. Zu diesen Organisationen gehören sowohl kleinere Gemeindeinstitutionen und Privatsammlungen, als auch die Schwergewichte der englischen Kulturlandschaft (Royal Opera House, Southbank Centre u.a.). Die Mittel stammen zum größten Teil aus Regierungsgeldern, die durch die National Lottery ergänzt werden. Bis 2018 sollen mindestens 75% dieser Mittel außerhalb Londons investiert werden, um die Kultur in den Regionen zu stärken. Im Übrigen beruht das Kulturfördersystem Großbritanniens in hohem Maße auf privater Initiative, ist oft projektgebunden und durch zahlreiche private oder halbprivate Stiftungen charakterisiert. Viele der zahlreichen Kulturinstitutionen finanzieren sich überwiegend kommerziell. „Public Private Partnerships“ sind wichtige Elemente der britischen Kulturfinanzierung.

Eine wichtige Einrichtung für den kulturellen Austausch mit anderen Ländern ist der bereits 1934 gegründete British Council. Hauptanliegen des British Council ist die Verbreitung der englischen Sprache und der britischen Kultur im Ausland. Er unterstützt außerdem Projekte im Bereich der internationalen Entwicklung.

Bildungspolitik

Das Bildungswesen ist dezentralisiert und in England, Wales, Nordirland und Schottland unterschiedlich organisiert. Die folgenden Informationen geben nur einen generellen Überblick und orientieren sich am englischen Bildungssystem.

In Großbritannien besteht zwischen dem 5. und 16. Lebensjahr Schulpflicht (Vorschule ab 3., Primarschule 5. – 11. und Sekundarschule 12. – 16. bzw. 18. Lebensjahr). Mit 16 Jahren wird das „General Certificate of Secondary Education“ (GCSE) abgelegt. Das Bestehen der GSCE ist Voraussetzung für den weiteren Schulbesuch und den Antritt der A-Level-Prüfungen, die das Pendant zum deutschen Abitur sind. Mit den A-Llevel-Ergebnissen ist dann die Bewerbung auf ein Studium an der Universität möglich. Auch das International Baccalaureate wird als Abschluss angeboten. Ein jährliches Ranking („League-Tables“) gibt einen Überblick über die Qualität der einzelnen Schulen.

Neben den staatlichen Schulen gibt es gebührenpflichtige Privatschulen, die ca. 7% der Schüler besuchen. Als staatlich finanzierte Schultypen werden seit einigen Jahren in großem Umfang „Academies“ und „Free Schools“ gegründet, die über wesentlich mehr Autonomie bei der Ausgestaltung des nationalen Lehrplans und der Auswahl ihres Lehrpersonals verfügen. Ein duales Ausbildungssystem („apprenticeship“) befindet sich im Aufbau.

Die Top 24 von ca. 180 Hochschuleinrichtungen, d.h. die weltweit führenden forschungsintensiven Spitzenuniversitäten wie Oxford, Cambridge, London School of Economics (LSE), Imperial College und University College London haben sich in der renommierten Russell-Group organisiert. An englischen Universitäten zahlen inländische und EU-Studierende für das Erststudium (Bachelor) Studiengebühren von bis zu £9.250 Pfund Sterling pro Jahr, die über ein staatliches Volldarlehen vorfinanziert werden können. Die britische  Regierung  hat mit Blick auf den EU-Austritt des Vereinigten Königreichs zugesagt, dass Studienanfänger aus  der  EU  ab  dem  Jahr  2018/19  für  die  gesamte  Dauer  des  Kurses  britischen  Studierenden  gleichgestellt bleiben (d.h. bei  einem  dreijährigen Bachelorstudium bis zum Ende des akademischen Jahres 2020/21).

In Schottland werden für schottische und EU-Studenten keine Gebühren für das Erststudium verlangt, für Wales und Nordirland bestehen Sonderregelungen. Die Kosten für einen Masterstudiengang sind nicht gesetzlich reglementiert und variieren stark nach Studienfach und Hochschule.

Fremdsprachenunterricht an staatlichen englischen Schulen ist im Alter von 11 bis 14 Jahren verpflichtend. Dies gilt auch für das Erlernen einer Fremdsprache im Primarschulbereich (Key Stage 2). Sekundarschüler (ab Year 7) müssen seit September 2015 im Rahmen des so genannten „English Baccalaureate“ eine Fremdsprache verpflichtend für ihre GCSE-Prüfungen ablegen. Innerhalb der letzten 10 Jahre hat sich die Zahl der Deutschlerner an englischen Schulen halbiert (2017: 43.649GCSE-Prüfungen, 3.663A-Level-Prüfungen).

Medien

Print-/Onlinemedien: Die Printmedien sind im für die öffentliche Meinungsbildung von großer Bedeutung. Es gibt eine Vielzahl an überregionalen Qualitäts- und Boulevardzeitungen, die die verschiedenen Lesersegmente bedienen. Die Auflagezahlen der  Zeitungen sind aber insgesamt rückläufig. Boulevardzeitungen weisen die höchsten Auflagezahlen auf, allen voran Sun, Daily Mail und Daily Mirror. Der Markt der Qualitätsblätter wird vom Daily Telegraph angeführt, gefolgt von Times, Financial Times und Guardian. International verbreitet werden vor allem das Wochenmagazin The Economist und die Tageszeitung Financial Times, sowie die Webseiten des Guardian und der Daily Mail.

Ein generelles Online-Konzept der Zeitungen hat sich bisher nicht durchgesetzt. Das populärste Onlineangebot ist das Nachrichtenportal der BBC, welches auch international großen Anklang findet. Auch die Internetseiten von Guardian und Daily Mail werden daneben sowohl national und international gelesen.

Fernsehen/Radio: Bei den öffentlich-rechtlichen, allein durch Gebühren finanzierten Anbietern, dominiert die BBC. Die privaten Sendeanstalten (allen voran ITV) gewinnen aber an Popularität. Der in öffentlicher Hand liegende und durch Werbung finanzierte Channel 4 landet in Zuschauerzahlen nach BBC One, ITV und BBC Two auf dem vierten Platz. Die Nachrichtenkanäle mit den höchsten Zuschauerzahlen sind BBC News und Sky News.  Der rasante Ausbau von Internetangeboten und Mediatheken der Fernsehsender  hat die Fernsehgewohnheiten im Vereinigten Königreich stark und nachhaltig verändert. Die Fernsehanstalten konkurrieren seitdem mit On-Demand-Angeboten wie Netflix und BlinkBox.

Wissenschaft und Technologie

Das Vereinigte Königreich zählt einerseits weltweit zu den führenden Wissenschafts- und Forschungsnationen. Die Förderung von (Natur-)Wissenschaften und Innovation hat in Großbritannien  generell einen hohen Stellenwert, auch zur Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und Schaffung von hochqualifizierten Arbeitsplätzen.  Die Forschung ist eher marktwirtschaftlich ausgerichtet und spielt im politischen Diskurs immer eine direkte Rolle mit Bezug auf Wachstum und Arbeitsplätze. Britische Universitäten erzielen regelmäßig in internationalen Rankings Spitzenwerte (meist an zweiter Stelle hinter den USA). Sie ziehen mit attraktiven Arbeits- und Forschungsbedingungen Hochqualifizierte aus aller Welt an.

Andererseits beträgt der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) nur ca. 1,7% des BIP – im Vergleich der führenden Industrieländer ein unterdurchschnittlicher Wert.  Ziel der brit. Regierung ist es daher, bis 2027 den Anteil der FuE-Ausgaben am BIP auf 2,4% zu steigern (OECD-Durchschnitt). Etwa ein Drittel davon sind öffentliche Mittel.

Im Zuge des Brexit steht die zukünftige Forschungsfinanzierung in GBR heute auf dem Prüfstand. Um innovativ und zukunftsfähig zu bleiben muss der Sektor weiter gestärkt werden. Die Regierung May hat 2017 auch daher die Bereitstellung zusätzlicher Mittel (2,3 Mrd GBP)  für Forschung und Entwicklung im Jahr 2021/22 angekündigt. Die Gesamtausgaben der Regierung würden so 12,5 Mrd. GBP erreichen – so viel wie zuletzt in 1980er Jahren.

Neben der staatlichen Förderung spielen private Investitionen in Forschung und Entwicklung in GBR eine große Rolle (1/3 staatliche Förderung, 2/3 private Förderung). Um auch dort die Ausgaben deutlich zu steigern wollen Regierung und Wirtschaft enger zusammenarbeiten. Ginge es nach Finanzminister Hammond könnten in den nächsten zehn Jahren die (privaten und öffentlichen) Investitionen in Forschung und Entwicklung auf bis zu 80 Mrd GBP ansteigen. Die Regierung kündigte jüngst außerdem 500 Mio GBP für Initiativen im Bereich --Künstliche Intelligenz, 5G Internet und Glaserfaserkabel-- an. Auch in der neuen Industriestrategie des Landes von 2017 spielen Forschung und Wissenschaftsförderung  eine zentrale Rolle.

Die Förderung von (Natur-)Wissenschaften und Innovation hat in Großbritannien einen hohen Stellenwert. Institutionell erfolgt dDie Finanzierung von Wissenschaft und Forschung  erfolgt zentral über ausgegliederte Institutionen. Staatliche Forschungsgelder werden größtenteils über die sieben „Research Councils“ verteilt, die die fachliche Bandbreite sektorspezifisch abdecken (es gibt Councils für Medizin, für Geisteswissenschaften, etc). Diese betreiben sowohl Projekt- als auch Einzelförderung. Parallel dazu operieren vier nationale Wissenschafts-Akademien, die deutlich weniger Mittel vergeben, aufgrund ihrer sehr renommierten Mitglieder (darunter mehr als 80 Nobelpreisträger) , jedoch über großes Ansehen verfügen.  Das Netzwerk der forschungsstarken Universitäten, die sog. „Russell Group“, erhält den Großteil der staatlichen Förderung.  

Eine der jüngsten Initiativen zur Förderung von Hochtechnologie-Branchen hat Großbritannien ist denr Aufbau sog. „Catapult Centres“ forciert, die analog den Fraunhofer-Instituten, denen sie nachgebildet sind, Kompetenzen von Wirtschaft und Wissenschaft verbinden und die Umsetzung von Forschungsergebnissen in marktfähige Produkte und Dienstleistungen stärken sollen. Das Netz von gegenwärtig elf Catapult Centres soll in den nächsten zehn Jahren auf 30 ausgebaut werden.

Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


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