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Wirtschaft Griechenland

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Stand: November 2018

Wirtschaftspolitik

Im Zeitraum von 2009 bis 2016 ist das griechische BIP um rd. 25% zurückgegangen, wobei sich das Bild langsam aufzuhellen beginnt. 2016 konnte mit einem ausgeglichenen Ergebnis abgeschlossen werden, und 2017 wurde ein BIP-Wachstum von 1,6 % erreicht. Die Arbeitslosigkeit stagnierte zuletzt auf hohem Niveau und lag im 4. Quartal 2017 bei 21,2 %, die Jugendarbeitslosigkeit (20- bis 24-Jährige) bei bedrückenden 42,3 %. Die Verbraucherpreise bewegten sich von 2013 bis 2015 im deflationären Bereich (2015: −1,1 %), sind aber in 2017 erstmals wieder steigend (um 1 %).

Die Haushaltslage hat sich in den letzten Jahren ebenfalls verbessert. Seit 2014 (+0,4 % BIP) konnten jeweils leichte Primärüberschüsse erreicht werden. Für 2016 wurde die Vorgabe von +0,5 % des BIP deutlich übertroffen (knapp 4 %), die Vorgabe für 2017 war 1,75 % und wurde mit 4,2 % ebenfalls deutlich übererfüllt.

Zur Konsolidierung des Haushalts tragen ganz erheblich Maßnahmen im Rahmen des Anpassungsprogramms bei. Die griechische Regierung hat überwiegend Steuern und Sozialabgaben erhöht und Sozialversicherungsleistungen gekürzt. Nur ein Teil des Konsolidierungsbeitrags wird dabei durch Einsparungen (z.B. Rentenkürzungen) erreicht.

Der Schuldenstand für 2018 wird bei 179,8 % des BIP erwartet (Haushaltsentwurf 2018). Die im Zusammenhang mit dem ersten Review 2016 gefundene Einigung zur Schuldenerleichterung (zunächst kurzfristige Maßnahmen, mittelfristige nach Bedarf im Jahr 2018 zu definieren) soll die Tragfähigkeit des Schuldendienstes gewährleisten.

Die Industrie in Griechenland erarbeitet lediglich rd. 13,3 % des BIP, der Tourismus trägt mit rd. 23 % (direkt und indirekt) zur Wirtschaftsleistung bei. Deutschland stellte 2017 mit 3,7 Mio. Besuchern erneut den größten Anteil. Für 2018 wird nach den bislang verfügbaren Zahlen allgemein von einer erneuten deutlichen Steigerung der Besucherzahlen ausgegangen.

Die wichtigsten griechischen Exportprodukte sind Öl- und Raffinerie- sowie chemische Produkte. Traditionell bilden zudem landwirtschaftliche Erzeugnisse einen wichtigen Anteil am griechischen Export (2016: rd. 15 %). Die im Juni 2015 eingeführten Kapital-verkehrskontrollen wirkten sich auf den Export, besonders aber auch auf den Import aus. Zuletzt entwickelten sich sowohl Im- als auch Exporte jedoch wieder positiv.

Mit der Rekapitalisierung der Banken Ende 2015 wurde eine erste Grundlage für die Aufhebung der Kapitalverkehrskontrollen geschaffen. Bisher sind auch partielle Lockerungen erfolgt (freie Transferierbarkeit von Bargeldeinzahlungen oder Zahlungs-eingängen aus dem Ausland). Auch konnte die Liquiditätshilfe der Zentralbank (ELA) erheblich zurückgefahren werden. Nach einem Volumen von rd. 90 Mrd. Mitte 2015 liegt sie nun bei 12,2 Mrd. EUR. Dennoch zeigt die nur verhalten positive Entwicklung der Bankeinlagen, dass das Vertrauen der Anleger nur langsam zurückkehrt.

Mit einem „Entwicklungsgesetz“ wurden im Mai/Juni 2016 fragmentarisch Instrumente (Subventionierung/Steuererleichterungen) zur Förderung von Investitionen in bestimmten Wirtschaftssektoren vorgestellt. Eine in sich konsistente Strategie steht indes noch aus. Erkennbar sucht die Regierung die Rolle des Staates zu stärken, um darüber eine erhöhte Nachfrage und Wachstum zu generieren. PM Tsipras hat im September 2017 eine „Task Force“ für Investitionen unter seiner Leitung eingerichtet. Wachstums- und investitionshemmend wirken sich jedoch weiterhin Liquiditäts- und Bonitätsprobleme aus sowie schwerfällige Bürokratie, eine hohe Steuerlast, hohe Energiekosten und ein überlastetes Justizsystem.

Umweltpolitik

Die griechische Regierung will den Einsatz von erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, Wasserkraft) ausbauen.

Die Abfallverwaltung gehört zu den größten Umweltproblemen zahlreicher griechischer Regionen. Fortschritte werden durch Änderungen in der Gesetzgebung und im Rahmen von Ausschreibungen für Abfalldeponien angestrebt.

Zur Verbesserung der Luftqualität verfolgt die Stadt Athen weiterhin Maßnahmen, z.B. zur Beschränkung des Autoverkehrs in der Innenstadt und den Einsatz gasbetriebener Busse. Der infolge der Wirtschaftslage über Jahre zurückgegangene Individualverkehr hat vor allem in den Ballungsräumen Athen und Thessaloniki, in denen die Hälfte der griechischen Bevölkerung lebt, zu einer etwas sinkenden Belastung durch Autoabgase beigetragen.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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