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Wirtschaft Georgien

Artikel

Stand: März 2018

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Georgien ist ein kleiner Wirtschaftsraum (3,6 Mio. Einwohner). Die Wirtschaft ist traditionell auf Landwirtschaft ausgerichtet, in der etwa 50% der Erwerbstätigen beschäftigt sind. Sie besteht überwiegend aus Subsistenzwirtschaft und trägt weniger als 10% zum BIP bei. Die Industrie hat einen niedrigen technologischen Stand und erwirtschaftet ebenfalls ca. 10% des BIP. Die wirtschaftliche Entwicklung, die sich 2015/16 durch die wirtschaftliche Krise bei einigen Haupthandelspartnern Georgiens im früheren sowjetischen Raum (u.a. Russland, Ukraine, Aserbaidschan) verschlechterte hatte, blieb aber auf niedrigem Niveau stabil und zeigt gegenwärtig einen zunehmenden Aufschwung. Der Wert der Landeswährung sank bis Ende 2017 weiter gegenüber USD und Euro und das Außenhandelsdefizit (2016: 65%) bleibt chronisch hoch, aber das Wachstum des BIP stieg 2017 stärker als erwartet um geschätzte 4,3 % (2016: 2,7%). Ursächlich dafür waren u.a. höhere Exportpreise und vor allem eine starke Zunahme der Einnahmen durch Tourismus. Auch die Auslandsüberweisungen stiegen ab 2016 deutlich an (6,4% des BIP). Dadurch sank das (geschätzte) Leistungsbilanzdefizit gegenüber dem Vorjahr von 11,9% auf 7,4% des BIP deutlich. Durch die Erhöhung von Verbrauchssteuern konnte das Haushaltsdefizit auf 3,6% des BIP begrenzt und die Vorgaben des im März 2017 mit dem IWF vereinbarten Programms eingehalten werden. Dafür musste Georgien einen Anstieg der Inflation auf 5,8 % in Kauf nehmen, der aber 2018 vermutlich wieder auf ca. 3% sinken wird. Die Auslandsverschuldung (über 100% des BIP) und die Arbeitslosigkeit (offiziell 12 %, in ländlichen Gebieten geschätzt auf ca. 40%) sind unverändert hoch. 
Georgien ist weiterhin ein Transformationsland mit einem niedrigen BIP/Kopf (ca. 3900 EUR). Georgiens Wirtschaft hat aber eine Reihe struktureller Probleme, die gelöst werden müssen, wenn das Land seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und internationale Konkurrenzfähigkeit nachhaltig verbessern will. Dazu gehören die Modernisierung der Landwirtschaft, die Verbesserung der beruflichen Ausbildung und die Verringerung der Dollarisierung im Finanzsektor.

Grundlinien der Wirtschaftspolitik

Die georgische Regierung verfolgt ihre Anfang 2016 formulierten und weiter ausgearbeiteten vier Hauptziele für den Zeitraum 2016-2020 weiter. Dabei geht es vor allem um Reformen in den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Raumordnung und öffentliche Verwaltung.
Die georgische Regierung gestaltet bereits seit mehreren Jahren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gezielt unternehmensfreundlich, um vor allem Investitionen aus dem Ausland anzuziehen. Die Steuersätze für Unternehmen sind niedrig, Verfahren zur Gründung von Unternehmen einfach und die Aufenthaltsregelungen für Ausländer sehr großzügig. In der internationalen Rangliste der Wirtschaftsfreundlichkeit der World Bank Group liegt Georgien auf Platz 9 (2018). Georgien erwarb sich außerdem durch die erfolgreiche Bekämpfung der weit verbreiteten Korruption im Staatsapparat einen sehr guten Ruf. Dennoch bleibt die Unabhängigkeit der Justiz ein Problem.
2016 beschloss die Regierung eine Steuerreform, wonach Unternehmensgewinne erst besteuert werden, wenn sie verteilt werden (sog. Estnisches Modell). Gleichzeitig nahm sie weitere Reformmaßnahmen in Angriff (z.B. Rentensystem, Insolvenzrecht, Liegenschaftskataster, Arbeitsschutzrecht) Mit dem IWF hat Georgien im März 2017 ein neues Hilfsprogramm (i.H.v. 285 Mio. USD) vereinbart. Die angestrebte Bildungsreform hat u.a. eine duale Berufsausbildung zum Ziel.
Eine Priorität der Regierung ist es, die geografische Lage Georgiens zu nutzen, um es zu einem leistungsfähigen Transportkorridor zwischen China bzw. Zentralasien und der Türkei und Europa machen. Georgien baut deshalb seine Verkehrswege in Ost-West-Richtung aus. Die wichtigsten Projekte sind eine durchgehende Autobahnverbindung Tiflis-Batumi und der neue Seehafen in Anaklia am Schwarzen Meer, dessen Bau Ende 2017 offiziell begann und dessen erste Phase Ende 2020 abgeschlossen werden soll. 
Der Ausbau der Infrastruktur soll auch die Entwicklung der Bergregionen fördern und Georgien für ausländische Touristen und als Ort internationaler Veranstaltungen im Südkaukasus attraktiv machen. Tourismus und Bauwirtschaft gehören zu den wichtigsten Wachstumsbranchen der georgischen Wirtschaft.
Georgien hat sich politisch und wirtschaftlich auf die EU und die USA ausgerichtet und wird deshalb beim Kapazitätsaufbau in vielen Bereichen (z.B. Recht, Wirtschaft, Verwaltung) von der EU, ihren Mitgliedstaaten und den USA stark unterstützt. Ein zentrales Element ist das 2014 mit der EU abgeschlossene Assoziierungsabkommen, das ein vertieftes Freihandelsabkommen (DCFTA) umfasst. Es verpflichtet Georgien, seine Gesetzgebung in vielen Bereichen (z.B. Wettbewerbspolitik, technische Handelsbeschränkungen, gesundheitspolizeiliche und pflanzenschutzrechtliche Maßnahmen, Schutz des geistigen Eigentums) an europäische Standards anzupassen. Im Gegenzug erhalten in Georgien erzeugte Güter freien Zugang zum europäischen Markt.

Außenhandel

Georgien hat eine chronisch negative Außenhandels- (2016: -65%) und Leistungsbilanz (Defizit ca. 12 % des BIP). Der Umsatz des Außenhandels sank 2016 gegenüber dem Vorjahr leicht auf 9,3 Mrd. USD. Importen im Wert von 7,2 Mrd. USD standen Exporte von 2,1 Mrd. USD gegenüber. Das Land ist auf den Import der meisten Industriegüter sowie Erdgas und Erdöl angewiesen. Ausgeführt werden vor allem Metalle (z.B. Kupfererze, Eisenlegierungen), Nüsse, Kfz und Wein. Der Handel mit gebrauchten Kfz nimmt eine führende Position ein.

Die Handelsbilanz Georgiens mit der EU (einschl. Deutschland) wies 2016 ein Defizit von 2,4 Mrd. USD auf. Die größten Handelspartner 2016 waren Kanada, Türkei, Russland, Irland, China und Aserbaidschan. Deutschland lag mit einem Umsatz von ca. 500 Mio. USD auf dem 7. Platz. Georgien ist sehr bestrebt, die wirtschaftlichen Beziehungen mit China auszubauen. 2016 schlossen beide Länder ein Freihandelsabkommen. Mit der Türkei besteht ein Freihandelsabkommen seit 2007.

Hindernisse für die Verbesserung der Exportstruktur sind die geringe Zahl und Bandbreite der Exportprodukte, ihre starke Abhängigkeit von schwankenden Weltmarktpreisen, der hohe Anteil des Handels mit Ländern der ehemaligen Sowjetunion, fehlende Qualitätskontrollen und geringe Konkurrenzfähigkeit im EU-Raum (Verhältnis von Menge, Preis und Qualität).

Ausländische Direktinvestitionen

Wegen des begrenzten regionalen Marktes sind ausländische Investoren in Georgien trotz starker investitionsfördernder Anreize der Regierung zurückhaltend. Georgien liegt innerhalb seiner Region auf einer Spitzenposition. Ausländische Direktinvestitionen betrugen 2017 ca. 11% des BIP. Die wichtigsten Sektoren für ausländische direkte Investitionen sind: Transport/Kommunikation, Energie und Bauwesen.

Zu den besonderen wirtschaftlichen Chancen Georgiens gehört ein großes Potenzial an Wasserkraft. Es könnte neben der Stromversorgung des Landes und dem Stromexport auch ein Standortfaktor für die Ansiedlung energieintensiver Industriebetriebe sein. Um die Möglichkeiten zu nutzen, ist Georgien auf weitere ausländische Investitionen angewiesen.

Strategisch wichtige Investitionsprojekte bleiben die Leitungen für Gas und Öl vom Kaspischen Meer durch Georgien nach Europa.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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