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Georgien: Wirtschaft Georgien

12.02.2019 - Artikel

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Georgien ist ein kleiner Wirtschaftsraum (3,7 Mio. Einwohner). Die Wirtschaft ist traditionell auf Landwirtschaft ausgerichtet, in der etwa 50% der Erwerbstätigen beschäftigt sind. Sie besteht überwiegend aus Subsistenzwirtschaft und trägt weniger als 10% zum BIP bei. Die Industrie hat einen niedrigen technologischen Stand und erwirtschaftet ebenfalls ca. 10% des BIP. Die wirtschaftliche Entwicklung, die sich 2015/16 durch die wirtschaftliche Krise bei den Haupthandelspartnern Georgiens im früheren sowjetischen Raum (Russland, Armenien, Ukraine, Aserbaidschan) verschlechtert hatte, blieb aber auf niedrigem Niveau stabil und zeigt gegenwärtig einen positiven Trend. Der Wert der Landeswährung hielt sich mit Schwankungen in einer gewissen Bandbreite gegenüber USD und Euro. Das Außenhandelsdefizit (2018: 63%) bleibt chronisch hoch, aber das Wachstum des BIP stieg 2018 stärker als erwartet um geschätzte 5,5% (2017: 4,3%). Ursächlich dafür waren u.a. höhere Exportpreise und vor allem eine starke Zunahme der Einnahmen durch Tourismus. Das Wachstum der  Auslandsüberweisungen ging leicht zurück (5,6% des BIP). Das (geschätzte) Leistungsbilanzdefizit, das in den letzten Jahren deutlich gesunken war, erhöhte sich von 7,4% auf 10,5% des BIP. Das Haushaltsdefizit konnte auf 1,6% des BIP mehr als halbiert und die Vorgaben des im März 2017 mit dem IWF vereinbarten Programms eingehalten werden. Die Inflation sank 2018 stärker als erwartet auf ca. 2,8%. Auslandsverschuldung (obwohl zurückgegangen von über 100 auf 96% des BIP) und Arbeitslosigkeit (offiziell 12%, in ländlichen Gebieten geschätzt auf ca. 40%) sind unverändert hoch. 
Georgien ist weiterhin ein Transformationsland mit einem niedrigen BIP/Kopf (ca. 3.600 EUR. Eine Reihe struktureller Probleme müssen gelöst werden, wenn das Land wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und internationale Konkurrenzfähigkeit nachhaltig verbessern will. Dazu gehören Modernisierung der Landwirtschaft, Verbesserung der beruflichen Ausbildung und Verringerung der Dollarisierung im Finanzsektor.

Grundlinien der Wirtschaftspolitik

Die georgische Regierung verfolgt ihre Anfang 2016 formulierten und weiter ausgearbeiteten vier Hauptziele für den Zeitraum 2016-2020 weiter. Dabei geht es vor allem um Reformen in den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Raumordnung und öffentliche Verwaltung. Als neue Akzente des  Kabinetts Bachtadse (seit Juni 2018) kamen ein inklusiveres Wachstum (ländliche Armut) und Themen der “green economy” hinzu.
Die Regierung gestaltet die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gezielt unternehmensfreundlich, um vor allem Investitionen aus dem Ausland anzuziehen. Die Steuersätze für Unternehmen sind niedrig, Verfahren zur Gründung von Unternehmen einfach und die Aufenthaltsregelungen für Ausländer sehr großzügig. In der internationalen Rangliste der Wirtschaftsfreundlichkeit der World Bank Group liegt Georgien auf Platz 6 (von 190 Ländern). Georgien erwarb sich außerdem durch erfolgreiche Bekämpfung der verbreiteten Korruption einen sehr guten Ruf, wenngleich Herausforderungen im Wirtschaftsgeschehen bleiben. Auch bleibt die Unabhängigkeit der Justiz ein Problem.
2016 beschloss die Regierung eine Steuerreform, wonach Unternehmensgewinne erst besteuert werden, wenn sie verteilt werden (sog. Estnisches Modell). Gleichzeitig nahm sie weitere Reformmaßnahmen in Angriff (z.B. Rentensystem, Insolvenzrecht, Liegenschaftskataster, Arbeitsschutzrecht). Mit dem IWF hatte Georgien im März 2017 ein neues Hilfsprogramm (i.H.v. 285 Mio. USD) vereinbart. Die angestrebte Bildungsreform hat u.a. die Einführung der dualen Berufsausbildung zum Ziel.
Eine Priorität der Regierung ist es, Georgiens geografische Lage zu nutzen, um es zu einem leistungsfähigen Transportkorridor zwischen China bzw. Zentralasien und der Türkei und Europa zu machen. Georgien baut deshalb seine Verkehrswege in Ost-West-Richtung aus. Wichtigste Projekte sind eine durchgehende Autobahnverbindung Tiflis-Batumi und der neue Seehafen in Anaklia am Schwarzen Meer, dessen Bau Ende 2017 offiziell begann und dessen erste Phase Ende 2020 abgeschlossen werden soll. 
Der Ausbau der Infrastruktur soll auch die Entwicklung der Bergregionen fördern und Georgien für Touristen und als Ort internationaler Veranstaltungen im Südkaukasus noch attraktiver machen. Tourismus und Bauwirtschaft gehören zu den wichtigsten Wachstumsbranchen.
Georgien hat sich politisch und wirtschaftlich auf EU und USA ausgerichtet und wird deshalb beim Kapazitätsaufbau in vielen Bereichen (z.B. Recht, Wirtschaft, Verwaltung) von der EU, ihren Mitgliedstaaten und den USA stark unterstützt. Ein zentrales Element ist das 2014 mit der EU abgeschlossene Assoziierungsabkommen, das ein vertieftes Freihandelsabkommen (DCFTA) umfasst. Es verpflichtet Georgien, seine Gesetzgebung in vielen Bereichen (z.B. Wettbewerbspolitik, technische Handelsbeschränkungen, Verbraucher- und umweltschutzrechtliche Maßnahmen, Schutz des geistigen Eigentums) an europäische Standards anzupassen. Im Gegenzug erhalten in Georgien erzeugte Güter freien Zugang zum europäischen Markt.

Außenhandel

Georgien hat eine chronisch negative Außenhandels- (2018: -63%) und Leistungsbilanz (Defizit ca. 10,5% des BIP). Der Umsatz des Außenhandels stieg 2017 gegenüber dem Vorjahr auf knapp 12,5 Mrd. USD. Importen im Wert von 9,1 Mrd. USD standen Exporte von 3,3 Mrd. USD gegenüber. Das Land ist auf den Import der meisten Industriegüter sowie Erdgas und Erdöl angewiesen. Ausgeführt werden vor allem Metalle (z.B. Kupfererze, Eisenlegierungen), Nüsse, Kfz und Wein. Der Handel mit gebrauchten Kfz nimmt eine führende Position ein.

Die Handelsbilanz Georgiens mit der EU (einschl. Deutschland) wies 2016 ein Defizit zulasten Georgiens von 1,3 Mrd. USD auf. Größte bilaterale Handelspartner 2018 waren Türkei, Russland, China und Aserbaidschan. Deutschland lag mit einem Umsatz von ca. 475 Mio. USD auf dem 6. Platz. Georgien ist bestrebt, die wirtschaftlichen Beziehungen mit China auszubauen. 2016 schlossen beide Länder ein Freihandelsabkommen. Mit der Türkei besteht ein Freihandelsabkommen seit 2007.

Hindernisse für die Verbesserung der Exportstruktur sind geringe Zahl und Bandbreite der Exportprodukte, ihre starke Abhängigkeit von schwankenden Weltmarktpreisen, der hohe Anteil des Handels mit Ländern der ehemaligen Sowjetunion, fehlende Qualitätskontrollen und geringe Konkurrenzfähigkeit im EU-Raum (Verhältnis von Menge, Preis und Qualität).

Ausländische Direktinvestitionen

Georgien liegt innerhalb seiner Region auf einer Spitzenposition. Indessen sind wegen des begrenzten regionalen Marktes ausländische Investoren trotz starker investitionsfördernder Anreize der Regierung zurückhaltend. Ausländische Direktinvestitionen betrugen 2018 ca. 11% des BIP, hauptsächlich in den Sektoren Transport/Kommunikation, Energie und Bauwesen.

Zu den besonderen wirtschaftlichen Chancen Georgiens gehört ein großes Potenzial an Wasserkraft. Es könnte neben der Stromversorgung des Landes und dem Stromexport auch ein Standortfaktor für die Ansiedlung energieintensiver Industriebetriebe sein. Um die Möglichkeiten zu nutzen, ist Georgien auf weitere ausländische Investitionen angewiesen.

Strategisch wichtige Investitionsprojekte bleiben die Leitungen für Gas und Öl vom Kaspischen Meer durch Georgien nach Europa.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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