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Frankreich: Wirtschaft Frankreich

12.11.2019 - Artikel

Aktuelle Wirtschaftslage

Frankreich ist zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone (BIP 2018: 2,4 Billionen Euro). Das Wirtschaftswachstum lag im Jahr 2018 bei 1,6% und wird laut aktuellen Prognosen im Jahr 2019 bei 1,3% liegen.

Das Haushaltsdefizit konnte in den beiden zurückliegenden Jahren gesenkt werden. Erstmals nach zehn Jahren hat Frankreich 2017 mit einem Defizit in Höhe von 2,8% des BIP das Maastricht-Defizitkriterium von maximal 3% des BIP eingehalten. 2018 reduzierte sich das Defizit  auf 2,5% des BIP. Für 2019 zeichnet sich allerdings erneut ein Anstieg des Defizits auf 3,1% des BIP ab. Gleichzeitig liegt die öffentliche Verschuldung bei knapp 99% des BIP und weicht damit deutlich vom europäischen Durchschnitt ab..

Frankreichs stärkste Exportbranchen sind Kfz-Zuliefer- und die pharmazeutische Industrie, die Hochtechnologie der Luft- und Raumfahrt sowie die Branche der Luxusgüter (insbesondere Textilien, Accessoires und Kosmetik) und Agrarprodukte (insbesondere Molkereiprodukte und Delikatessen).

Deutschland ist Frankreichs wichtigster bilateraler Handelspartner. 2018 betrug das Handelsvolumen 170,5 Milliarden Euro (Germany Trade & Invest). Deutschland ist gefolgt von den USA, Spanien, Italien, Belgien, dem Vereinigten Königreich und China.

Arbeitsmarkt und Sozialpolitik

Frankreich zählt zu den Staaten mit einem hohen Regulierungsniveau des Arbeitsmarktes und hochentwickelten Systemen der sozialen Sicherheit.

Die zahlreichen Sozialversicherungssysteme bieten umfassende Leistungen für nahezu die gesamte Bevölkerung in Bezug auf Krankheit, Invalidität, Arbeitsunfälle, Alter, Mutterschaft und Familie. Dies gilt in besonderem Maße für die medizinische Versorgung, aber auch die Leistungen der Altersversorgung liegen zum Teil deutlich über dem Niveau anderer europäischer Staaten. In all diesen Bereichen arbeitet die Regierung seit Amtsantritt von Präsident Macron an einer ehrgeizigen Reformagenda.

Wichtige Elemente der französischen Arbeitsmarktregelungen sind die 35-Stunden-Woche und der allgemeine Mindestlohn SMIC (seit 1. Januar 2019: 10,03 Euro brutto pro Stunde, das heißt ein Bruttomonatslohn von 1.521,22 Euro bei einer Wochenarbeitszeit von 35 Stunden). Das Grundsicherungseinkommen RSA (Revenu de Solidarité Active) für Bedürftige im Falle von Langzeitarbeitslosigkeit oder unzureichendem Erwerbseinkommen wird unter bestimmten Voraussetzungen auch jungen Erwerbslosen unter 25 Jahren gewährt. Damit sollen zusätzliche Anreize zu einer möglichst schnellen Aufnahme einer Beschäftigung geschaffen werden. Mit dem 2018 erlassenen Gesetz zur beruflichen Zukunft soll insbesondere die hohe Jugendarbeitslosigkeit bekämpft werden.

Energie und Umwelt

Frankreich ist eines der ambitioniertesten Länder im Bereich Klimaschutz. Präsident Macron wirbt international und auf europäischer Ebene für die Umsetzung der ehrgeizigen Ziele des Pariser Klimaabkommens. Mit dem Vertrag von Aachen haben sich Deutschland und Frankreich auch auf eine noch engere Zusammenarbeit und Abstimmung im Energie-, Klima- und Umweltbereich verständigt; so soll Klimaschutz in allen Politikbereichen berücksichtigt und dazu auch wirtschaftliche Anreize entwickelt werden.

Französisches Klimaziel ist, CO2-Neutralität bis 2050 zu erreichen. Dieses Ziel soll zum einen durch eine effizientere Energienutzung (50% Einsparung des Energieverbrauchs bis 2050) in allen relevanten Bereichen erreicht werden. Zum anderen wird eine weitere Dekarbonisierung der Stromversorgung und des Verkehrssektors durch den Ausbau von Erneuerbaren und dem Umstieg auf alternative Antriebe angestrebt. Frankreich setzt neben der Förderung erneuerbarer Energien mit den Schwerpunkten Ausbau der Photovoltaik, kontinuierlichem Ausbau der Windkraft an Land und der Verbesserung der Kosteneffizienz im Bereich Offshore Windenergie unverändert auch auf Nutzung der Atomkraft. Der Anteil von Atomstrom soll auf 50 Prozent der Stromerzeugung bis 2035 gesenkt werden (im Vergleich zu heute etwa 75 Prozent). Zur Umsetzung soll ein Änderungsgesetz zum Energiewende­gesetz von 2015 erlassen werden. Frankreich plant, einige Kernkraftwerke (KKW) bis 2035 vom Netz zu nehmen, unter anderem das grenznahe KKW Fessenheim bis 2020. Gleichzeitig sind Laufzeitverlängerungen von bestehenden KKW über 40 Jahre hinaus geplant und es wird der Neubau neuer KKWs geprüft.

Gemäß der französischen Energiemehrjahresplanung (programmations pluriannuelles de l'énergie, PPE) soll die Förderung von Öl und Gas bis 2040 auslaufen. Baugenehmigungen für neue fossile Anlagen sollen nicht mehr erteilt werden. Der Kohleausstieg ist bis 2022 geplant, der Anteil von Kohle  an der Stromversorgung  beträgt unter 2 Prozent.

Zu den weiteren umweltpolitischen Prioritäten Frankreichs gehören der Schutz der Biodiversität, darunter Artenschutz und Schutz vor Wilderei (Elfenbeinimportverbot), der Schutz von Insekten, die Schaffung von angemessenem Naturraum, der Kampf gegen Plastikmüll und der Schutz der Meere sowie eine nationale Verbesserung der Kreislaufwirtschaft (Erhöhung der Recyclingquote).

Der Umweltschutz wurde bereits 2005 als Staatsziel in die Verfassung aufgenommen, durch den aktuellen französischen Klimaplan (Plan Climat) wird er zur verpflichtenden Aufgabe für alle Ressorts. Die Chancen der Nutzung von erneuerbaren Energien für die Umwelt und die Schaffung von Arbeitsplätzen, auch in der Landwirtschaft, werden inzwischen erkannt. Frankreich hat im Bereich Windenergie und Solarenergie 2017 gute Zuwachsraten zu verzeichnen.

 

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