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Neue Kirchenfenster als Symbol deutsch-französischer Freundschaft Frankreich

11.05.2015 - Artikel

Heute (11.5.) ist Außenminister Frank-Walter Steinmeier in die französische Stadt Reims gereist, um dort gemeinsam mit seinem französischen Amtskollegen Laurent Fabius Kirchenfenster des deutschen Künstlers Imi Knoebel in der Kathedrale einzuweihen.

Die Außenminister Steinmeier und Fabius mit dem Erzbischof von Reims
Die Außenminister Steinmeier und Fabius mit dem Erzbischof von Reims© photothek.net

„Alte Wunden heilen und gemeinsam Neues schaffen – das ist Anliegen und Antrieb der deutsch-französischen Aussöhnung.“ Das betonte Außenminister Steinmeier vor seiner Abreise ins französische Reims.

Dort weihte er am Montag gemeinsam mit seinem französischen Amtskollegen Laurent Fabius ein besonderes Kunstwerk in der Kathedrale ein: Drei vom deutschen Künstler Imi Knoebel gestaltete Kirchenfenster mit einer Gesamtfläche von 64 Quadratmetern. Dazu unterstrich der Außenminister: „Im Licht der Fenster strahlt die neue Qualität der deutsch-französischen Freundschaft“.

Die Kathedrale von Reims erhält neue Kirchenfenster
Die Kathedrale von Reims erhält neue Kirchenfenster© Kunststiftung NRW/Ivo Faber

Zur feierlichen Einweihung der Fenster waren Vertreter aus Politik, Kultur und Klerus und der Künstler selbst gekommen. Auch rund 500 Schülerinnen und Schüler von deutsch-französischen Gymnasien aus der Umgebung und dem Großraum Paris waren als Gäste dabei.

Zum Nachlesen:

Ansprache von Außenminister Steinmeier zur Einweihung der Glasfenster in der Kathedrale von Reims

Discours de Frank-Walter Steinmeier, Ministre fédéral des Affaires Etrangères, à l’occasion de l’inauguration des vitraux de l’artiste Imi Knoebel dans la Cathédrale de Reims PDF / 273 KB

Zerstörung im Ersten Weltkrieg

Die Zerstörung der Kathedrale von Reims 1914
Die Zerstörung der Kathedrale von Reims 1914© dpa/picture-alliance

Mit den neuen Kirchenfenstern sollen alte Wunden aus Kriegszeiten heilen, denn, so Außenminister Steinmeier: „Vor einhundert Jahren haben deutsche Truppen in nationalistischer Raserei diese Kirche mit ihrem unschätzbaren Wert für Frankreich und die Welt geschändet.“

Ein Angriff deutscher Artillerie im Ersten Weltkrieg beschädigte den Dachstuhl schwer. Ebenso wurden die kunsthistorisch wertvollen mittelalterlichen Buntglasfenster zerstört. Außenminister Steinmeier machte in seiner Ansprache klar:

In ihrem Kriegswahn glaubten die Deutschen gar, Gott sei ihr Verbündeter. Doch wer wie Sie, die Bürger von Reims, die Wunden dieser Kathedrale gesehen hat, der weiß für alle Zeiten: Der Krieg ist niemals heilig. Allein der Frieden ist es.
Imi Knoebel vor einem seiner Kirchenfenster in Reims
Imi Knoebel vor einem seiner Kirchenfenster in Reims© Kunststiftung NRW/Ivo Faber

In vergangenen Jahrzehnten gestalteten verschiedene Künstler, darunter auch Marc Chagall und Imi Knoebel, neue Kirchenfenster für die Kathedrale von Reims. Heute kommen jährlich rund eine Million Besucher nach Reims, um die Kathedrale zu besichtigen.

Bundeskanzler Adenauer und Frankreichs Staatspräsident de Gaulle feierten am 8. Juli 1962 in Reims eine Versöhnungsmesse. Aus Anlass des 50. Jahrestages des Elysée-Vertrags besuchten am 8. Juli 2013 Bundeskanzlerin Merkel und Staatspräsident Hollande gemeinsam die Kathedrale.

Initiative des Künstlers Imi Knoebel

Außenminister Steinmeier hielt seine Rede in der Kathedrale von Reims in französischer Sprache
Außenminister Steinmeier hielt seine Rede in der Kathedrale von Reims in französischer Sprache© photothek.net

Durch die großartige Initiative des Künstlers Imi Knoebel können wir nun eine Narbe schließen,” erklärte Außenminister Steinmeier mit Blick auf die Zerstörung, die die Kathedrale von Reims durch deutsche Kriegsangriffe erleiden musste.

Imi Knoebel selbst hatte im vergangenen Jahr vorgeschlagen, der französischen Republik die Neugestaltung der letzten immer noch notverglasten Fenster in der Jeanne D'Arc-Kapelle zu schenken.

Es sein ihm ein Anliegen und eine Ehre gewesen, auch die letzten drei Fenster der Kathedrale neu zu gestalten, so Knoebel. Für das Projekt verzichtete Knoebel auf ein Honorar und das Auswärtige Amts übernahm den Großteil der weiteren Kosten (ca. 900.000 Euro). Die Kunststiftung Nordrhein-Westfalen steuerte weitere Mittel bei und übernahm das Projektmanagement.

Enge deutsch-französische Freundschaft und Abstimmung

Verleihung der Ehrenbürgerwürde im Rathaus
Verleihung der Ehrenbürgerwürde im Rathaus© photothek.net

Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Imi Knoebel wurden im Anschluss an die Einweihung der Kirchenfenster mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Reims ausgezeichnet.

In seinen Dankesworten drückte Steinmeier seine Freude darüber aus, dass „heute ein weiteres Stück der deutsch-französischen Freundschaft“ in die Kathedrale von Reims hineingewachsen sei.

Rede von Außenminister Frank-Walter Steinmeier zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Reims

Auch ich persönlich fühle mich, als sei ich heute im Herzen noch ein bisschen französischer geworden... Und tatsächlich: jetzt auch auf dem Papier! Ich bin dankbar und gerührt über diese Ehrenbürgerschaft Ihrer stolzen Stadt!

Danach trafen sich die beiden Außenminister Steinmeier und Fabius zu einem politischen Gespräch über aktuelle internationale Fragen und bilaterale Themen. Steinmeier betonte deutlich die enge deutsch-französische Zusammenarbeit – zum Beispiel im EU-Rahmen oder im gemeinsamen Engagement für eine Beilegung des Konflikts in der Ostukraine:

Mit keinem Partner stimmen wir uns in außenpolitischen Fragen heute umfassender und intensiver ab als mit Frankreich.

Weitere Informationen:

Mehr zu den bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich

Der Elysée-Vertrag von 1963

Zur Webseite der Deutschen Botschaft in Paris

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