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Frankreich: Kultur und Bildung Frankreich

27.02.2019 - Artikel

Frankreich gehört zu den führenden Kulturnationen der Welt. Kunst und Kultur genießen hohe Wertschätzung und werden mit erheblichen öffentlichen Beträgen unterstützt. In Paris wie in den Regionen ist das Angebot überwältigend. Dies gilt für traditionelle Ausdrucksformen ebenso wie für zeitgenössische Beiträge. Besonderes Augenmerk gilt auch dem Erhalt des reichen kulturellen Erbes, zahlreiche historische Bauten sind vorbildlich renoviert. In internationalen Gremien verfolgt Frankreich ein Konzept der kulturellen Vielfalt: Kultur soll nicht allein Marktgesetzen gehorchen. Daneben bleibt die weltweite Förderung der französischen Sprache ein zentrales Anliegen.

Der kulturelle Austausch mit dem Ausland, insbesondere mit Deutschland, ist rege. Viele junge französische Künstler finden den Weg v.a. in die vielfältige Szene Berlins.

Weltweit gehört Frankreich zu den führenden Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationsstandorten. Auf allen Ebenen in Wissenschaft und Forschung gibt es eine sehr intensive Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich. Jedes Jahr verbringen Tausende von Deutschen und Franzosen Studien- und Forschungsaufenthalte im jeweils anderen Land.

Bildungswesen

Ein unentgeltliches öffentliches Bildungswesen ist in Frankreich verfassungsmäßig verankert. Traditionell dominiert ein ganztägiges Gesamtschulsystem, das vom Bildungsministerium in Paris zentral gesteuert wird. Daneben behaupten sich Privatschulen mit Erfolg. Diese stehen zum Großteil zwar unter konfessioneller Trägerschaft, verfolgen in ihren Lehrplänen jedoch ebenfalls das Prinzip des Laizismus. Die Schulpflicht besteht in Frankreich bis zum 16. Lebensjahr.

Ab dem dritten Lebensjahr gibt es in Frankreich die staatliche Vorschule (école maternelle). Mit sechs Jahren beginnt verpflichtend die Grundschule (école primaire oder élémentaire, 5 Jahre), gefolgt von einer einheitlichen Mittelstufe (collège, 4 Jahre). Danach besteht die Wahl zwischen berufsbildenden Schulen (lycée professionnel, 2-4 Jahre) oder dem allgemeinbildenden Gymnasium (lycée, 3 Jahre). Mit der Abschlussprüfung des Gymnasiums (baccalauréat) nach 12 Jahren wird in Frankreich die allgemeine Hochschulreife erworben. Die Abiturquote (einschließlich berufsbildender und technischer Gymnasien) liegt bei über 80 Prozent. Die 2018 angekündigte Reform des baccalauréat zeigt eine strukturelle Annäherung an den europäischen Standard.

Für die berufliche Bildung sind in erster Linie die berufsbildenden Gymnasien (lycée professionnel) zuständig, Unterricht und praktische Ausbildungsteile von einigen Wochen wechseln sich ab. Der Abschluss erfolgt nach drei Jahren mit einem baccalauréat professionnelle, welcher zur Aufnahme eines Studiums berechtigt. Des Weiteren kann nach zwei Jahren ein sog. Zwischenabschluss (diplôme intermédiaire) erlangt werden, entweder das brevet d'études professionnelles (BEP) oder das certificat d'aptitude professionnelle (CAP). Neben diesen Ausbildungsgängen wird auch ein duales zwei- bis dreijähriges Ausbildungssystem (vergleichbar einer Lehre im deutschen Berufschulwesen) mit einer Kombination aus theoretischem Unterricht in speziellen Ausbildungszentren (centres de formation d'apprentis - CFA) und praktischer Ausbildung in Betrieben angeboten, das ebenfalls zu einem CAP-Abschluss führt. Dieser Weg wird aktuell besonders im Rahmen von Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit gefördert.

Hochschule und Forschung

Das französische Hochschulsystem ist durch Universitäten einerseits und die Grandes Écoles andererseits gekennzeichnet. Die Grandes Écoles sind hochselektive Einrichtungen mit anspruchsvollen Aufnahmeprüfungen (concours), auf die Abiturienten sich zwei Jahre lang in den so genannten Classes préparatoires aux Grandes Écoles (CPGE) vorbereiten. Die Führungseliten des Landes in Politik, Wirtschaft und Verwaltung rekrutieren sich immer noch weitgehend aus diesen Grandes Écoles.

Das Hochschulwesen erfährt seit einiger Zeit tiefgreifende Veränderungen, um die Qualität von Forschung und Lehre weiter zu verbessern. Hierzu dienen beispielsweise die Schaffung großer Universitäts- und Forschungsverbünde und die gezielte Förderung exzellenter Hochschulen. Die Anfang 2018 verabschiedete Hochschulzugangsreform wiederum hat das Ziel, die bisher hohen Studienabbrecherquoten zu senken. Die Studienplatzvergabe wurde mit der Netzanwendung Parcoursup ebenfalls 2018 völlig neu organisiert.

Ein besonderes Kennzeichen des französischen Forschungssystems ist die starke außeruniversitäre Forschung und hier die Schlüsselrolle des staatlichen Forschungszentrums Centre national de la recherche scientifique (CNRS), das mit 11.200 Wissenschaftlern alle Fachrichtungen abdeckt. Neben dem CNRS gibt es große spezialisierte Zentren der Spitzenforschung, die Projektförderagentur Agence nationale de la recherche (ANR) und herausragende forschungsstarke Hochschulen.

Auf der forschungspolitischen Agenda Frankreichs steht u.a. die Künstliche Intelligenz (KI) ganz oben. Weitere zentrale Ziele der Forschungs- und Innovationspolitik sind die Förderung von Sprunginnovationen, die engere Verflechtung von öffentlicher und privater Forschung und der Ausbau der Infrastrukturen, um Frankreich zu einer „Start-up-Nation“ werden zu lassen. 

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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