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Europe United – Deutschland und seine Partner vor der EU-Ratspräsidentschaft 2020 Finnland

Ein Spezialschiff verlegt das Unterseekabel zwischen Helsinki und Rostock

Ein Spezialschiff verlegt das Unterseekabel zwischen Helsinki und Rostock, © Cinia Oy

06.08.2019 - Artikel

Deutschland und Finnland: Vernetzt auf digitaler Untersee-Autobahn 

Von Helsinki nach Frankfurt in zwanzig Millisekunden? Kein Problem! So schnell rasen seit März 2016 Informationen durch das von der finnischen Cinia-Gruppe verlegte „C-Lion1“-Datenkabel auf dem Ostseeboden. 93 Tage lang war ein Spezialschiff unterwegs, um 1.172 Kilometer Unterseekabel als Direktverbindung zwischen Helsinki und Rostock zu verlegen. Am 15. Dezember 2015 zogen Techniker das Ende des Kabels in Rostock am beliebten Strand Warnemünde an Land. Seitdem sind Deutschland und Finnland auch physisch miteinander verbunden. Die Informationen fahren in acht Glasfaserpaaren auf dieser digitalen Autobahn mit bis zu 144 Terabit pro Sekunde. Finnische und deutsche Partner haben das Projekt finanziert, u. a. der deutsche Datenzentrum-Spezialist Hetzner Online. Dank kühler klimatischer Verhältnisse, niedrigen Stromkosten und ausreichend vorhandenen Fachkräften etabliert sich Finnland mehr und mehr als Standort für riesige Datenspeicher und -zentren. Durch das Glasfaserkabel in der Ostsee sind diese fast in Echtzeit an Kontinentaleuropa und das Datendrehkreuz in Frankfurt angeschlossen. 

Deutsch-finnische Digitalisierungspartnerschaft

Doch die digitale Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Finnland geht weit über diese erste direkte Glasfaser-Verbindung zwischen Nord- und Westeuropa hinaus. Das von der deutschen und der finnischen Regierung in 2017 gestartete Partnerschaftsprogramm „Industrie 4.0“ soll die Zusammenarbeit zwischen deutschen Industrieunternehmen und finnischen Digitalisierungsexperten weiter erleichtern. Es ist das erste Programm der Deutsch-Finnischen „Digipartnerschaft“, die u.a. von der Deutsch-Finnischen Handelskammer mit über 600 Mitgliedsunternehmen in Deutschland und Finnland und der “Technology Industries of Finland” gemeinsam geleitet wird. Dieses Programm verbindet finnische Vorreiter der Digitalisierung mit der deutschen Fertigungsindustrie, so profitieren beide Seiten.

Digitalisierung als Schwerpunkt der Ratspräsidentschaft

Finnland hat in seiner jetzigen EU-Ratspräsidentschaft Digitalisierung zu einem Schwerpunkt gemacht. Europas Ziel, so heißt es im finnischen Programm, müsse es sein, zum globalen Vorreiter der Digitalwirtschaft zu werden. Finnland will den europäischen Dienstleistungssektor fit für die Zukunft machen als Grundlage für eine erfolgreiche Digitalwirtschaft sowie Innovationen und neue Technologien.

Auch Deutschland setzt in den Plänen zu seiner Ratspräsidentschaft ab Juli 2020 einen Akzent bei Digitalisierung: Die Bundesregierung will den europäischen Binnenmarkt stärker auf den digitalen Wandel ausrichten. Dafür braucht Europa eine Digitalpolitik, die Innovation und Investition fördert und gleichzeitig den Schutz der informationellen Selbstbestimmung sicherstellt. In der kürzlich verabschiedeten strategischen Agenda der EU heißt es: „Wir müssen dafür sorgen, dass Europa digitale Souveränität besitzt und seinen gerechten Anteil an den Vorteilen dieser Entwicklung erlangt. (…) Dafür muss die EU an allen Aspekten der digitalen Revolution und der künstlichen Intelligenz arbeiten: Infrastruktur, Konnektivität, Dienstleistungen, Daten, Regulierung und Investition.“ 

Die Datenautobahn „C-Lion“ steht also stellvertretend für ein zentrales Thema sowohl der deutsch-finnischen bilateralen Beziehungen, als auch ihrer jeweiligen Ratspräsidentschaften sowie der strategischen Agenda der EU: Wer sich auf digitalem und physischem Wege schnell verbindet, stärkt sich gegenseitig und legt in Europa die Basis für den Wohlstand der Zukunft.

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