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Finnland: Wirtschaft Finnland

25.08.2019 - Artikel

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Finnlands Wirtschaft profitierte in der Vergangenheit überdurchschnittlich von der Globalisierung, war demzufolge aber von der weltweiten Wirtschaftskrise auch stärker betroffen als andere Industrieländer. Gründe hierfür waren die hohe Exportabhängigkeit der finnischen Wirtschaft sowie der hohe Anteil von Investitionsgütern am Export. Etwa 70 % der Exporte fallen auf die Holz und Papierindustrie, Chemieindustrie sowie auf die Metall- und Elektroindustrie.

Im Jahr 2018 betrug das BIP-Wachstum 2,4 %; für die kommenden Jahre werden allerdings niedrigere Wachstumsraten prognostiziert. Finnland erlebte 2009 die stärkste Rezession seit der Banken- und Wirtschaftskrise zu Beginn der 1990er Jahre. Der wirtschaftliche Abschwung führte zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 8,3%, dem stärksten Rückgang eines OECD-Landes. Die Arbeitslosenquote liegt bei 6,67%; die Jugendarbeitslosenquote bei 16,05% (Juli 2019, Trend). Auch wenn sich die finnische Wirtschaft weiter erholt, bleiben die Fortsetzung der Haushaltskonsolidierung und der Strukturreformen zur langfristigen Verbesserung der Wirtschaftslage wichtig. Ein erster Schritt zur Konsolidierung war die Einigung auf einen „Wettbewerbsfähigkeitsvertrag“ zwischen den Tarifpartnern Anfang 2016.  Außerdem wird eine umfassende Reform des Gesundheitswesens angestrebt.

Energiesektor

Aufgrund des Klimas und der energieintensiven Industrien ist der Energieverbrauch pro Kopf in Finnland überdurchschnittlich hoch. Energiemix im Gesamtenergieverbrauch 2018: 42 % fossile Brennstoffe (davon 2/3 Erdöl und Erdgas, 1/3 Kohle und Torf), 32 % erneuerbare Energien (vor allem Biomasse, teilweise Wasserkraft), 17 % Kernkraft, 5 % Stromimport, 5 % andere Energieträger. Der Anteil der bisher nur marginal genutzten Windkraft stieg im Vergleich zum Vorjahr um 27 %.

Im westfinnischen Pori gibt es seit 2016 ein Flüssiggas-Terminal (LNG), um Erdgas auch außerhalb des südfinnischen Pipelinenetzes als Energiequelle nutzen zu können. Weitere Terminals sind in Rauma bei Turku, Tornio/Lappland und im südostfinnischen Hamina in Bau.

Finnland verfügt über zwei Kernkraftwerke mit insgesamt vier Reaktorblöcken, die rund 17 % des nationalen Energiebedarfs abdecken. In Anbetracht der Verpflichtung, die Klima-Ziele einzuhalten und der Sicherstellung der Energieversorgung, hat das Parlament im Juli 2010 den Plänen von zwei Energieversorgungsunternehmen zugestimmt, zwei neue Kernkraftwerke zu errichten, und den Ausbau einer Endlagerstätte im westfinnischen Olkiluoto beschlossen. Der in Olkiluoto darüber hinaus bereits seit 2005 im Bau befindliche fünfte Kernreaktor  ist auf 1.600 Megawatt ausgelegt und soll voraussichtlich Anfang 2020 ans Netz gehen. Das Parlament hat kurz vor Ende der letzten Legislaturperiode den Kohleausstieg zum 01.05.2029 beschlossen.

Umweltpolitik

Finnland deckt bereits gut 30 % seines gesamten Energiebedarfs und beinahe 40 % seines Strombedarfs aus erneuerbaren Energiequellen. Über 80% des in Finnland verbrauchten Stroms stammen aus CO2-neutralen Quellen. Finnland setzt weiterhin auf Kernenergie, um auch emissionsfrei Energie zu erzeugen. Der derzeit im Bau befindliche fünfte Kernkraftreaktor soll die finnische Schadstoffbilanz jährlich um etwa 10 Mio. Tonnen CO²-Ausstoß entlasten und hat deshalb entscheidende Bedeutung für die finnische Klimabilanz. Umwelt- und Klimapolitik waren die zentralen Themen des Wahlkampfs im Frühjahr 2019. An den Fridays for Future-Demonstrationen nehmen auch finnische Schüler teil. Finnland bleibt den EU-Klimazielen verpflichtet und hat das Pariser Klima-Übereinkommen unterzeichnet und ratifiziert. Bis 2035 will die im April 2019 neu gewählte Regierung erreichen, dass Finnlands Treibhausgasemissionen negativ sind.  Die Landesfläche besteht zu mehr als 70 % aus Wald. Weitere Aufforstung soll zusätzliche Kohlenstoffsenken erzeugen. Die Nutzung von Energie aus Abfallprodukten der Forstwirtschaft spielt daher in Finnland eine zentrale Rolle.

Außenhandel

Der Außenhandel, Stütze der finnischen Wirtschaft, erlebte 2009 einen dramatischen Einbruch. Finnland wickelt etwa 80 % seines gesamten Außenhandels mit europäischen Staaten ab. Der Anteil der EU-Staaten betrug 2018 bei Im- und Export etwa 60%. Die drei wichtigsten Handelspartner sind laut Angaben (2017) des finnischen Zolls Deutschland (15,3% des finnischen Außenhandelsvolumens), Schweden (10,5%) und Russland (9,3%). Der Außenhandel mit Deutschland entwickelte sich in den letzten Jahren gegen den Trend gut. Wichtige Importgüter aus Deutschland sind chemische Produkte, Maschinen und Kraftfahrzeuge. Exportiert werden chemische Produkte, Holz- und Papierprodukte, sowie Metalle.

Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Finnland ist Mitglied in allen bedeutenden internationalen und europäischen Wirtschaftsorganisationen und seit dem 1. Januar 1995 EU-Mitgliedstaat.

Staatshaushalt

Inzwischen hat Finnland nach der Finanzmarktkrise die Situation der öffentlichen Haushalte wieder entschärfen können.  So lag die Neuverschuldung für das Jahr 2018 nur noch bei 0,8 % des BIP. Finnland ist bestrebt, die Vorgaben des Stabilitäts- und Wachstumspakts der EU einzuhalten, und erreichte es, die Gesamtverschuldung von Staat und Kommunen 2018 auf 58,9% des BIP zu reduzieren.

Im Haushalt für 2019 sind 55,5 Milliarden Euro Ausgaben (2018 55,8 Mrd.) und 53,8 Milliarden Einnahmen vorgesehen. Die Neuverschuldung soll 1,7 Milliarden Euro betragen.

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