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Finnland: Kultur- und Bildungspolitik Finnland

25.08.2019 - Artikel

Grundlinien der Bildungs- und Kulturpolitik

Wichtiges Ziel finnischer Bildungs- und Kulturpolitik ist die Stärkung Finnlands als eine der weltweit führenden Informationsgesellschaften. Staatliche Maßnahmen umfassen die systematische Förderung des Lernumfeldes, wobei digitales und lebenslanges Lernen Schwerpunkte darstellen. Der Hochschulbereich hat den Gürtel in den letzten Jahren enger schnallen müssen. Ein seit Schuljahresbeginn 2016/17 in Kraft getretener Rahmenlehrplan soll das selbstständige Lernen der Schülerinnen und Schüler fördern. Zum 1. Januar 2018 ist eine Ausbildungsreform in Kraft getreten, die die flexiblere Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt erlauben soll. Ab 2020 soll zudem der Sprachunterricht an den Schulen bereits ab der ersten Klasse beginnen.

Institutionen

Kultur und Bildungswesen stützen sich in Finnland auf ein gut ausgebautes flächendeckendes Netz von Institutionen sowie das Nebeneinander öffentlicher Förderung durch Kommunen und Staat. Finnland verfügt über eine sehr gute kulturelle Infrastruktur im ganzen Land. Musik, Film und darstellende Kunst bewegen sich auf hohem Niveau. Finnisches Design und Architektur genießen weltweite Anerkennung. Helsinki war 2012 weltweite Designhauptstadt (World Design Capital 2012) und Turku 2011 Europäische Kulturhauptstadt. Seit dem Jahre 2005 findet in Helsinki zudem jährlich die Helsinki Design Week statt – das größte Design Festival der nordischen Länder.

Die literarische Szene in Finnland gedeiht unter günstigen Voraussetzungen, zu denen ein dichtes Netz öffentlicher Bibliotheken, eine differenzierte Verlagslandschaft und ein weit gefächertes System von Stipendien und Literaturpreisen gehören. Ende 2018 wurde in Helsinki die neue Vorzeigebibliothek Oodi im Stadtzentrum eröffnet, die nach den Wünschen der modernen Nutzer gestaltet wurde und neben einem breiten Literaturangebot auch die Nutzung von Tonstudios, 3D-Druckern, Nähmaschinen, Arbeitsräumen und vieles mehr anbietet und täglich von durchschnittlich ca. 10.000 Besucherinnen und Besuchern frequentiert wird. Deutschland war 2016 Gastland auf der ältesten finnischen Buchmesse in Turku, die einen Besucherrekord verzeichnete.

Finnen sind aktive Nutzer der für ein relativ kleines Land beachtlichen kulturellen Angebote. Über 50 Theater und mehr als 20 Orchester erhalten staatliche Förderung und werden stark frequentiert. In Finnland gibt es 160 Museen an über 300 Museumsstätten. Ihre Sammlungen umfassen fast 4,5 Millionen Objekte und über 286.000 Kunstwerke. Bildung und Wissen haben einen hohen Stellenwert und genießen in der finnischen Gesellschaft hohe Wertschätzung. Für Finnland sind Ausgaben für Kultur und Bildung strategische Investitionen in die Zukunft des Landes.

Hochschulen/Fachhochschulen

Finnland verfügt über insgesamt 13 Universitäten und gleichgestellte Hochschulen. Hinzu kommt die dem Verteidigungsminister unterstellte Hochschule für Landesverteidigung. An den Hochschulen sind etwa 160.000 Studierende immatrikuliert.

Das weitgehend am deutschen Modell orientierte, seit 1990 aufgebaute Fachhochschulsystem genießt die besondere Förderung der Regierung. Von derzeit insgesamt 25 Fachhochschulen in Finnland sind 23 dem Ministerium für Bildung und Kultur unterstellt. Sie befinden sich entweder in kommunaler oder privater Trägerschaft. Zudem gibt es die dem Innenministerium unterstellte Polizeifachhochschule und auf den Ålandinseln die „Högskolan på Åland“ (Åland-University of Applied Sciences). An den Fachhochschulen studieren knapp 140.000 Studenten.

Deutschland ist weiterhin ein beliebter Studienstandort. Als Zielland finnischer Austauschstudierender belegt Deutschland den ersten Platz (1120 Studierende im Jahr 2017). Die meisten ausländischen Austauschstudierenden in Finnland kommen aus Deutschland (1877 im Jahr 2017). Hinzu kamen 2017 617 deutsche Studierende, die in Finnland ein Vollzeitstudium absolvierten. Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz verzeichnet über 800 deutsch-finnische Hochschulkooperationen. Vor dem Hintergrund der geplanten Sparmaßnahmen der finnischen Regierung durchlaufen die Universitäten und Hochschulen einen Reformprozess.

Schulsystem

In Finnland gibt es eine allgemeine Lernpflicht, wobei die Kinder in der Regel erst ein Jahr später - mit ca. sieben Jahren - eingeschult werden. Der Besuch der einjährigen Vorschule für Kinder ab sechs Jahren ist seit 1. Januar 2015 Pflicht. Zentrales Element des finnischen Schulsystems ist die verpflichtende und kostenfreie Gesamtschule, die alle Kinder in den Klassenstufen 1–9 durchlaufen. In den Schulen wird kostenloses Mittagessen angeboten. Nach deren Abschluss besuchen etwa 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler die gymnasiale Oberstufe (Gymnasium Sekundarstufe II, Klassenstufen 10–12) und 40 Prozent eine dreijährige berufsbildende Schule. Auch der Abschluss der berufsbildenden Schule berechtigt zur Aufnahme eines Universitätsstudiums.

Die rund 550.000 Schülerinnen und Schüler Finnlands besuchen eine der der 2700 Gesamtschulen, die sich ganz überwiegend in Trägerschaft der Städte und Gemeinden befinden.

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