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Estland: Wirtschaft Estland

30.04.2019 - Artikel


Wirtschaftslage, Wirtschaftsstruktur

Estland verfolgt eine liberale Wirtschaftspolitik. Im Weltwirtschaftsforum-Ranking der wettbewerbsfähigsten Länder belegte Estland 2018 den 32. Platz.

2018 erzielte Estland ein Wirtschaftswachstum von 3,9% und ein BIP von 25,7 Mrd. Euro.(2017: 4,9 %).

Estland verfügt über ein weitgehend liberalisiertes Arbeitsrecht, das im Arbeitsvertragsgesetz 2009 umfassend modifiziert wurde. Damit verbunden sind die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und eine Verbesserung der Sozialversicherungsstandards von Arbeitnehmern.
Die Arbeitslosenrate ist vom historischen Höchststand von 19% im 1. Quartal 2010 auf 5,4 % im Jahr 2018 zurück gegangen. Es fehlen zunehmend Fachkräfte, auch im IT-Sektor, für den Estland mit speziellen Programmen auch im Ausland wirbt. Das sichere Umfeld, flache Hierarchien und gute Karriereperspektiven machen Estland auch für ausländische Experten attraktiv. Der Migrationssaldo ist seit einigen Jahren positiv (mehr Ein- als Auswanderung).

Wichtigste Wirtschaftszweige

Estland erwirtschaftet heute 70% des Bruttoinlandsprodukts im Dienstleistungssektor, 28% im Industrie- und Bausektor und etwa 3% in der Landwirtschaft. Die wichtigsten Exportgüter sind elektrotechnische Produkte, Mineralien, Holz- und Holzprodukte.
In Estland genießen moderne Informations- und Kommunikationstechnologien eine hohe Akzeptanz. Das Land ist stolz auf die flächendeckende Anwendung von „e-government“ oder „e-learning“. Bei den Kommunalwahlen im Oktober 2005 wurde das „e-voting“ erstmals angewandt. Bei den Parlamentswahlen am 3. März 2019 stimmten 44% der Wähler per Internet ab.

Außenwirtschaft

Eine liberale Wirtschaftspolitik sowie die Rechtsangleichung an EU-Richtlinien gelten als gute Investitionsbedingungen für ausländische Unternehmen. Unabhängig von ihrer Herkunft werden Investoren und Unternehmer in Bezug auf Verwaltungsverfahren, Steuerpolitik etc. gleich behandelt.

Als Wettbewerbs- und Standortvorteil gilt eine attraktive Unternehmensbesteuerung. Für Körperschaften wird die Einkommensteuer von derzeit 20 % erst dann erhoben, wenn Gewinne ausgeschüttet werden.

m Jahr 2018 betrug das Außenhandelsvolumen 30,6 Mrd. Euro  mit einem Exportanteil von 14,4 Mrd. Euro (+12%) und einem Importanteil von 16,2Mrd. Euro (+10%). Das Handelsbilanzdefizit betrug rund 1,8 Mrd. Euro wurde aber durch einen Überschuss in der Dienstleistungsbilanz von 1,86 Mrd. Euro überkompensiert. Die EU-Mitgliedstaaten sind mit 68% der wichtigste Exportmarkt für Estland, USA und Russland sind das Ziel von jeweils 6% der EST Exporte.
Die Messeaktivitäten in Estland konzentrieren sich örtlich auf Tallinn und Tartu, inhaltlich auf den privaten Konsumbereich. Den größten Zulauf verzeichnen die jährliche Baumesse (Eesti Ehitab), die Maschinenbaumesse (Instrutec) und die Tourismusmesse.

Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Seit 9. Dezember 2010 ist Estland volles Mitglied der OECD. Estland ist Mitglied des Internationalen Währungsfonds und der Weltbankgruppe, sowie UN, UNCTAD, WIPO und WMO. Ende November 1999 trat Estland der Welthandelsorganisation bei.

Die regionale Kooperation orientiert sich in erster Linie im Ostseeraum. Estland ist Mitglied im Ostseerat sowie im 1994 geschaffenen Baltischen Ministerrat (Baltic Council of Ministers). Die Kooperation in der Ostsee-Region im Rahmen der „Nördlichen Dimension“ der EU hat für Estland zunehmende Bedeutung.

Energiepolitik

Die Frage der Energiesicherheit ist eines der wichtigsten außen- und sicherheitspolitischen Themen, da Estlands Wirtschaft zu den energieintensivsten der EU gehört. Estland strebt in seinen langfristigen Planungen die völlige Energie-unabhängigkeit von Russland an, Hauptlieferant von Gas, das einen Anteil von ca. 6% am Primärenergieverbrauch hat. Dazu konzentriert man sich auf folgende Schwerpunkte:

  • Einbindung in europäische Netze (Strom, Gas)
  • Effizientere und umweltschonendere Nutzung der eigenen Ölschiefer-Vorräte
  • Bau eines regionalen Flüssiggas-Terminals
  • Entwicklung erneuerbarer Energieträger (Windkraft, Biomasse)
  • Steigerung der Energieeffizienz, besonders im Gebäudebereich

Noch immer dominiert bei der Primärenergieerzeugung der einheimische Ölschiefer mit gut 80%, wenn auch mit leicht abnehmender Tendenz zugunsten erneuerbarer Energien.

Durch den Einbau von Filteranlagen Anfang 2012 genügen die bestehenden mit Ölschiefer befeuerten Kraftwerke inzwischen strikten EU-Umweltnormen. Das Unterseestromkabel „Estlink-2“ wurde am 6. März 2014 in Betrieb genommen.

Im Oktober 2016 unterzeichneten Estland und Finnland gemeinsam mit der EU-Kommission einen Vertrag über den Bau einer Gaspipeline (Balticconnector) und neuen LNG-Terminals in beiden Ländern. Die Pipeline soll 2020 in Betrieb gehen.

Außerdem ist eine Zellstoffanlage von Est-For Invest geplant. Das Vorhaben mit einem Volumen von 1 Mrd. Euro ist aktuell in der Planungsphase (UVP, Raumplanung). Der Baubeginn ist für 2021 avisiert und die Fertigstellung bis 2022 geplant.

Umweltpolitik

Die EU-Vorgabe, bis 2020 den Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch auf 25% zu steigern, hat Estland bereits 2012 erfüllt. Umweltpolitisch problematisch ist die Ölschieferverbrennung. 60% des verbrannten Ölschiefers bleibt als Asche zurück, die auf Halden gelagert wird. Hinzu kommen Grundwasserverschmutzung und Landschaftszerstörung durch den Ölschiefer-Tagebau.

Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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