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Wirtschaft Costa Rica

Artikel

Stand: September 2018

Wirtschaftsstruktur

Costa Rica hat eine offene, exportorientierte Marktwirtschaft. Traditionelle Exportgüter wie Kaffee, Ananas und Bananen haben zwar an Bedeutung verloren, die Landwirtschaft bleibt aber nach dem Tourismus und den Exporten in der Medizintechnik- und Computerbranche wichtigster Devisenbringer des Landes.

Costa Rica ist Mitglied der Welthandelsorganisation WTO. Es existieren Freihandelsabkommen mit den USA (CAFTA), Mexiko, Chile, Kanada, der Dominikanischen Republik (CARICOM Caribbean Community), Panama und China sowie mit Peru, Singapur, der Europäischen Union und der Europäischen Freihandelszone EFTA. Ende April 2014 konnte ein Freihandelsabkommen mit Kolumbien und im Februar 2018 ein Freihandelsabkommen mit Südkorea abgeschlossen werden. Im August 2016 ist das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Costa Rica in Kraft getreten, das somit seit 1. Januar 2017 anwendbar ist. Die costa-ricanische Wirtschaft wies in den letzten Jahren stetiges Wachstum auf. Gemessen am realen Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug das Wachstum im Jahr 2017 3,2% (2016: 4,3%).

Die Warenexporte erreichten 2017 einen Wert von rd. 11 Mrd. USD (2016: 9,9 Mrd. USD), die Warenimporte 16,6 Mrd. USD (2016: 15,3 Mrd. USD).

Das Haushaltsdefizit lag 2017 bei 6,2% (2016: 5,1%) des BIP. Für 2018 wird ein weiterer Anstieg des Defizits bis zu 7,1% erwartet. Die Sanierung des Haushalts und die Durchsetzung einer seit langem diskutierten Finanzreform bilden die größten Herausforderungen für die nächste sich ab Mai 2018 im Amt befindliche Regierung. Die Staatsverschuldung betrug 2017 49,2% des BIP (2016: 44,7%, Zentralbank Costa Ricas).

Die Landeswährung Colón floatet zum US-Dollar innerhalb einer von der Zentralbank gestützten Bandbreite, zur Zeit liegt der Kurs bei etwa 570 Colones für 1 USD. Seit 2013 weist das Land einstellige Inflationsraten auf; 2017 lag die Inflation bei 2,6% (2016: 0%).

Wichtigste Wirtschaftszweige

Costa Rica hat sich heute vom Agrarstaat zum Dienstleistungs- und Industriestaat gewandelt. Während die Landwirtschaft 1965 noch 23,5% zum BIP beitrug, waren es 2014 nur noch 6%. Dienstleistungen und Industrie haben heute dagegen einen Anteil von 73,9% und 20,1%.

In den letzten Jahren bemühte sich Costa Rica erfolgreich um Investitionen ausländischer Firmen, vor allem auch im Hightech-Bereich. 2017 erreichten sie rd. 2 Mrd. USD. Vor allem US-amerikanische Großkonzerne haben sich in den Freihandelszonen in Costa Rica niedergelassen. Auch große deutsche Firmen sind im Großraum San José z.T. neu (Bosch, Bayer, Evonik mit Dienstleistungszentren) vertreten. 2018 kam die Heraeus Holding GmbH hinzu, die eine Fertigungsanlage für Medizintechnik in Betrieb nahm.

Der Tourismus ist inzwischen vor der Landwirtschaft (Ananas, Bananen, Kaffee) wichtigster Devisenbringer des Landes (2017: 3,8 Mrd. USD). Im Jahr 2017 kamen mehr als 3 Mio. Touristen nach Costa Rica (2016: 2,92 Mio.). Knapp 50% der Touristen stammten aus Nordamerika, die meisten davon aus den USA. Aus Deutschlandreisten 2017 rd. 71.000 Touristen ein. Insbesondere der „Ökotourismus“ bringt Gäste nach Costa Rica. Über 30% der Landfläche stehen unter Naturschutz.

Für die Stromerzeugung sind erneuerbare Energien immer wichtiger (2017 99,35%, davon rund 75% Wasserkraft, 11% Geothermie, 12% Windenergie, 1,5% Biomasse). Bei Öl besteht volle Importabhängigkeit.

Außenwirtschaft

Der Export von Gütern und Dienstleistungen stellt einen wichtigen Faktor der costa-ricanischen Wirtschaft dar; die Handelsbilanz ist allerdings traditionell negativ. Hauptexportgüter waren 2017 Waren pflanzlichen Ursprungs 25,3% (2016: 27%), medizinische oder elektrische Geräte, Präzisionstechnik und chemische Produkte 43,3 %, Lebensmittel 14,6%. Die Exportquote betrug 2017 18,9%/BIP (2016: 17,8%).

Das Leistungsbilanzdefizit in Höhe von 3,5% (2016) des BIP wird hauptsächlich durch Mineralölimporte verursacht.

Dominierender Handelspartner Costa Ricas bleiben die USA. 2017 gingen 40% der Exporte in die USA (2016: 41%). Bei den Importen beträgt der Wert 39,6% (2016: 37,3%).

Nach dem 2011 abgeschlossenen Freihandelsabkommen mit China haben sich die Exporte in das asiatische Land zwar deutlich erhöht, unterliegen jedoch Schwankungen. Gingen 2014 noch 3% der Exporte nach China, waren es 2017 nur noch 1,6%. Der Anteil importierter Waren aus China belief sich 2017 auf 12,45% (2016: 13,6%).

Mitgliedschaft in Wirtschaftsgruppierungen

Costa Rica ist seit 1990 Mitglied des GATT und 1995 Gründungsmitglied der Welthandelsorganisation WTO. Darüber hinaus ist Costa Rica Mitglied des zentralamerikanischen Gemeinsamen Marktes (Mercado Común Centroamericano). Zu Beginn des Jahres 2009 trat das Freihandelsabkommen mit den USA (CAFTA) in Kraft. Costa Rica steht in formalen Beitrittsverhandlungen mit der OECD, 10 von 22 Ausschussthemen sind geklärt (Stand: Mai 2018).

Das Mitte 2012 unterzeichnete Assoziierungsabkommen zwischen der EU und Zentralamerika wurde im Juli 2013 durch Costa Rica ratifiziert; seit dem 1.10.2013 wird der Handelsteil des Abkommens gegenüber Costa Rica vorläufig angewendet. Es enthält Regelungen über Freihandel zwischen den beiden Regionen sowie Bestimmungen über Kooperation und Politischen Dialog; es sieht schrittweise Zollerleichterungen vor.

Seit 1. Januar 2017 ist das nach 20-jährigen Verhandlungen 2016 in Kraft getretene deutsch-costa-ricanische Doppelbesteuerungsabkommen anwendbar.

Umwelt

Umweltpolitik genießt in Costa Rica einen hohen Stellenwert. Das von der Regierung Arias (2006 – 2010) angekündigte Ziel, als erstes Land der Welt eine ausgeglichene CO2-Bilanz vorweisen zu können, wird weiterhin verfolgt, jedoch wohl erst 2030 erreicht werden können. Costa Rica erzeugt über 99% des Stroms aus erneuerbaren Energien (vor allem Wasserkraft, Geothermie, Windkraft). Für Spitzenverbrauch in der Trockenzeit (Rückgang der Wasserkraft) stehen Schweröl-Kraftwerke bereit.

Für die kommenden Jahre werden hohe Investitionen in die Energieinfrastruktur erforderlich sein. Die notwendigen Kapazitäten sollen vor allem durch den Bau neuer Wasserkraft-Großanlagen erzeugt werden. Im September 2011 wurde das Wasserkraftwerk Pirrís eingeweiht, im September 2016 folgte das Wasserkraftwerk Reventazón (305 MW). 2016 deckte Costa Rica 75% seines Strombedarfs aus Wasserkraft. Daneben wächst auch die Bedeutung der Stromgewinnung aus Geothermie und Windkraft. Costa Rica nimmt im Klima- und Umweltschutz weltweit eine Vorreiterrolle ein. Beide sind in der costa-ricanischen Bevölkerung tief verwurzelte Maximen, denen sich auch die Regierung verpflichtet fühlt. Costa Rica verfügt über einen „nationalen Klimaaktionsplan“, der konsequent umgesetzt wird. So wurde z. B. die Waldfläche in den letzten zwanzig Jahren verdoppelt (54% des Landes, angestrebt: 60%), knapp 30% des Landes stehen unter Naturschutz. Costa Rica betreibt gezielt „Ökotourismus“.

Bei der Abwasserentsorgung besteht allerdings erheblicher Nachholbedarf. Nahezu alle Abwässer fließen ungeklärt in Flüsse und Meere. Die costa-ricanische Regierung investiert 1,08 Milliarden USD in den Bau drei neuer Kläranlagen im Großraum San José, die bis 2028 den Betrieb aufnehmen sollen.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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