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Wirtschaft China

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Stand: Oktober 2018

China ist 2017 im zweiten Jahr in Folge der wichtigste Wirtschaftspartner Deutschlands gewesen, Deutschland ist Chinas wichtigster Handelspartner in Europa. China sieht Deutschland nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch als wichtigen strategischen Partner. Dynamische Handelsbeziehungen, Investitionen, Umweltzusammenarbeit, forschungs- und wissenschaftspolitische Zusammenarbeit und ein intensiver hochrangiger Besucheraustausch prägen die Beziehungen. Reziproke Marktöffnung für Handel und Investitionen, Schutz geistigen Eigentums und unfreiwilliger Technologietransfer bleiben Themen des Dialogs zwischen Unternehmen und den Regierungen beider Länder.

Grundlinien der Wirtschaftspolitik

China ist seit 2010 die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nach den USA, seit 2014 nach Kaufkraft sogar die größte. Beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf lag China im Jahr 2016 mit rund 8.261  USD auf Platz 75 im weltweiten Vergleich. .Gegenüber 2008 hat sich das Bruttoinlandspordukt pro Kopf  in China mehr als verdoppelt. Zudem hält China die weltweit höchsten Devisenreserven. Bis Ende 2017 betrugen die Devisenreserven Chinas i. H. v. 3,1399 Billionen USD und verzeichnen einen Zuwachs um 129,4 Mrd. USD im Vergleich zu 2016. China bleibt weltweit die Konjunkturlokomotive Nummer eins, das Wachstum ist aber nicht mehr zweistellig, sondern bewegt sich im Jahr 2017 um die 6,9% (BIP: rund 12,84 Billionen USD). Innerhalb des Landes gibt es enorme regionale und soziale Unterschiede.

Seit im März 2013 die fünfte Führungsgeneration die Regierungsgeschäfte übernommen hat, wurden weitreichende Wirtschaftsreformen angekündigt (Drittes Plenum im November 2013). Auch auf dem 19. Parteitag der Kommunistischen Partei unterstrich die Führung, dass das bisherige Entwicklungsmodell nicht nachhaltig ist und Reformen Voraussetzung für neues sozial und ökologisch ausgeglicheneres sowie stärker auf die Binnennachfrage orientiertes Wachstum sind. Tatsächlich haben sich gravierende ökonomische (u.a. Überkapazitäten), soziale und ökologische Probleme angehäuft und werden sich in den nächsten Jahren noch verschärfen. Schlüsselthemen sind dabei die Stabilisierung des Wachstums, Verbesserung der Qualität, stärkere Berücksichtigung von Umweltbelangen, die Modernisierung der Produktionsstrukturen sowie die Partizipation möglichst breiter Bevölkerungsschichten an der weiteren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung. Die Umsetzung zahlreicher Reformen lässt allerdings nach wie vor auf sich warten. Den großen Versprechungen folgten bisher nur zögerliche und zum Teil wenig ambitionierte Reformansätze. Auch in zentralen Bereichen, wie dem Abbau von Überkapazitäten in wichtigen, in der Regel von Staatsunternehmen dominierten Industriebereichen oder im Fiskalbereich ist bisher in der Realität wenig geschehen. Bei der Neuordnung der staatseigenen Betriebe setzt China weniger auf die Schaffung kosteneffizienter Strukturen, sondern vor allem auf den Zusammenschluss großer Staatsbetriebe zu noch größeren Einheiten.

China steht unverändert vor gewaltigen Aufgaben: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss sich die Wirtschaft weiter modernisieren. Das Ziel des aktuellen 13. Fünfjahresplans ist die Umstrukturierung der chinesischen Volkswirtschaft von einer investitions- und exportorientierten zu einer innovationsgetriebenen. Hierfür müssen nicht zuletzt auch Innovationsfähigkeit und Kreativität in der Gesellschaft gestärkt werden, auch durch strukturelle Reformen im Bildungssystem. Um Märkte zu erschließen und technologische Lücken durch Zukäufe im Ausland zu schließen, wurden zudem im Jahr 2016 und auch im laufenden Jahr massive Auslandsinvestitionen getätigt.

Aktuelle Wirtschaftslage

2017 erreichte das Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft 6,9%. Für 2018 wird ein Wachstum von rund 6,7% erwartet. Während der Dienstleistungssektor weiterhin überdurchschnittlich zulegt, gehen vom industriellen Sektor kaum Impulse aus. Eine robuste Entwicklung verzeichnete in den letzten zwei Jahren der Einzelhandel, insbesondere die Onlinebranche, die ihren Umsatz deutlich steigern konnte.

Der Umbau der Volkswirtschaft schreitet voran. Der Anteil der Wertschöpfung im Dienstleistungssektor lag 2016 bei über 50%, rund zehn Prozentpunkte über dem Anteil des industriellen Sektors. Der Beitrag der Binnennachfrage zum Wirtschaftswachstum ist im Jahr 2017 weiter gestiegen und liegt nun bei rund 91%. Diese Entwicklung setzt sich absehbar im Jahr 2018 fort.

Der langfristige Wachstumstrend wird sich aufgrund der demographischen Entwicklung weiter abschwächen. Weniger Menschen werden auf den Arbeitsmarkt drängen. Für die weiteren Perspektiven wird es entscheidend darauf ankommen, ob die Umstellung der Wirtschaft auf innovationsgetriebenes, sozial und ökologisch nachhaltigeres Wachstum gelingen wird.

Die Auswirkungen des Handelskonfliktes zwischen China und den USA können derzeit noch nicht abgeschätzt werden.

Außenhandel

Das gesamte Handelsvolumen Chinas hat im Jahr 2017 um 14,2% auf 4253 Mrd. USD im Vergleich zu 2016 zugelegt. 2017 hat China Waren im Wert von 2346 Mrd. USD exportiert und im Wert von 1907 Mrd. USD importiert. Die chinesischen Exporte stiegen 2017 gegenüber dem Vorjahr um 10,8%, die Importe legten um 18,7% zu.

Der Handelsbilanzüberschuss betrug 2017 rund 439 Mrd. USD. (Quelle: Chinesisches Zollamt).

Größter Absatzmarkt für chinesische Güter waren auch 2016 die USA, dorthin lieferte China mehr als 18% seiner Waren. Die EU ist mit einem Anteil von 16% der zweitwichtigste Markt. Nach Deutschland gingen rund 4,9% der chinesischen Exporte im Wert von etwa 100,5 Mrd. EUR (Quelle: Statistisches Bundesamt). Da China aus den USA lediglich Waren im Wert von gut 159 Mrd. USD bezog, ergibt sich ein hieraus ein hohes Defizit für die USA im bilateralen Handel mit China (ca. 286 Mrd. USD), was einer der von den USA angeführten Gründe für die derzeitigen Zölle ist. Für die EU stellt sich die Situation etwas günstiger dar. Immerhin 13,1% der chinesischen Importe kommen aus diesem Wirtschaftsraum. Damit bleibt die EU auch 2017 der größte Handelspartner Chinas.

China hat seit seinem Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) 2001 mit 15 Handelspartnern Freihandelsabkommen geschlossen und steht mit weiteren elf Partnern in Verhandlungen. Mit über 130 Ländern weltweit hat China bilaterale Investitionsschutzabkommen verhandelt

Investitionsbedingungen

Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation  stellte nicht nur eine umfassende Verpflichtungserklärung des Landes und der Welthandelsorganisationsmitglieder zur Wiedereingliederung Chinas in das Weltwirtschaftssystem dar, sondern war auch für die chinesische Öffentlichkeit ein klares Zeichen der Öffnung und der Eingliederung des Landes in die arbeitsteilige globale Weltwirtschaft.

Nach wie vor haben sich allerdings nicht alle internationalen Erwartungen erfüllt, da viele Wirtschaftsbereiche weiterhin unter starker staatlicher Kontrolle stehen und teilweise deutliche Marktzugangsprobleme aufweisen. So ist China beispielsweise noch immer nicht dem WelthandelsorganisationsaAbkommen über das öffentliche Beschaffungswesen (Government Procurement Agreement) beigetreten. Ende 2013 fiel der Startschuss für Verhandlungen über ein umfassendes Investitionsabkommen zwischen der Europäischen Union und China. Es soll neben Investitionsschutz auch den Marktzugang für Investitionen regeln. Die Verhandlungen dauern an.

Strukturreformen

Die Notwendigkeit eines Strukturwandels in der Industrie ist in China kaum übersehbar und wird von der Führung zu den größten Herausforderungen gezählt, neben der Begrenzung der Umweltverschmutzung. In einigen Sektoren sind deutliche Überkapazitäten entstanden (Stahl, Zement, Chemikalien), worunter auch ausländische Anbieter in diesen Bereichen leiden. Außerdem sind die Schulden der regionalen Gebietskörperschaften und der staatseigenen Betriebe stark gewachsen. In den Büchern der staatlichen Banken werden nunmehr auch zahlreiche abschreibungsbedürftige Kredite vermutet. Die negativen Erfahrungen mit steigender Verschuldung und wachsenden Überkapazitäten in Folge wirtschaftlicher Stimuli im Rahmen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise 2009/2010 haben bei der jetzigen Führung zu einer Ablehnung groß angelegter Konjunkturprogramme geführt.

Im 13. Fünfjahresplan wurden sogenannte 'neue strategische Industrien' identifiziert, in denen China die Weltmarktführerschaft in den nächsten Jahrzehnten anstrebt. Dazu zählen Luft- und Raumfahrt, Spezialschiffbau, hochwertige Eisenbahntechnik, alternative Kfz-Antriebstechniken, Robotertechnik, moderne Landwirtschaft und Landmaschinen, neue Informationstechnologien, Biotechnologie, hochwertige Ausrüstungen. Durch eine aktive Industriepolitik will die chinesische Regierung die Wirtschaft in der Wertschöpfungskette weiter nach oben bewegen. Umfassende Reformen im Finanz- und Wirtschaftssektor wurden in den letzten Jahren wiederholt angekündigt. Ihr gemeinsamer Nenner wäre ein spürbarer Rückzug der politischen Führung aus der Wirtschaft zu Gunsten einer stärkeren Steuerungsrolle des Marktes. Auch der Aufbau einer 'Green Economy' und die Einbindung einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik im Konzept der 'ökologischen Zivilisation' gelten als wichtige Ziele. Auch der forcierte Kampf gegen die Korruption ist Teil der Reformagenda. So umfassend und vielschichtig diese Agenda aber auch ist, so bruchstückhaft ist ihre bisherige Umsetzung. Insbesondere ein Rückzug der politischen Steuerungsfähigkeiten, der mit tatsächlichen Kontrollverlusten von Staat und Partei einherginge, ist bisher nicht zu beobachten.

Als eine der dringendsten, zugleich aber schwierigsten Reformen gilt der Umbau der chinesischen Staatsunternehmen: noch knapp 100 zentralstaatliche und geschätzte 150.000 auf Provinz- und lokaler Ebene. Sie gelten als wenig effizient, korruptionsdurchzogen und sollen marktgerechter und wettbewerbsfähiger aufgestellt werden. Die  Reformschritte lassen – wie erwartet – die Sonderrolle der Staatsunternehmen und ihre Privilegierung im chinesischen Staatskapitalismus unberührt.

Zwar soll ihre Arbeitsweise marktwirtschaftlicher ausgestaltet und privates Kapital eingebracht werden (sogenannte mixed-ownership), Regierung und Partei behalten jedoch ihren maßgeblichen Einfluss. Privatisierungen nach westlichem Verständnis wird es nicht geben. Statt einer Zerschlagung staatlicher Monopole verfolgt China das Ziel Staatsunternehmen zu fusionieren, um sogenannte Nationale Champions zu schaffen (insbesondere  Eisenbahn- und Energiesektor). Ihre Unternehmensportfolios werden dabei so strukturiert, dass sie sich auf Auslandsmärkten gegenseitig keine Konkurrenz machen.

Chinesische Banken befinden überwiegend in staatlichem Eigentum und werden streng reguliert. Die Gewinnlage der großen Staatsbanken ist nach wie vor gut. Große wie kleine Banken tragen erheblich zur Erhaltung unrentabler Staatsunternehmen bei. Vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen im Privatsektor bleibt die Finanzierung der Ausweitung ihrer Geschäfte durch Bankkredite weiterhin schwierig. Eine große Bedeutung in der Finanzierung dieser Unternehmen kommt dem Schattenbankensektor zu. Im Zuge hoher Wachstumsraten bei Krediten und Verschuldung unterliegen Aktivitäten in diesem Sektor zunehmender Kontrolle. Hauptgläubiger der Staatsbanken sind private Sparer, die bei vorerst unvollständiger sozialer Absicherung durch eigene Ersparnisse für Kosten der medizinischen Vorsorge, Ausbildung der Kinder und die eigene Altersvorsorge aufkommen müssen.

Die Reform des Finanzsektors ist ein wichtiges Ziel im Hinblick auf eine Liberalisierung des Kapitalverkehrs. China beschreitet eigenen Aussagen zufolge eine Politik der Öffnung. Doch ist damit erst dann zu rechnen, wenn die Banken ihr Kreditportfolio nach eigenen Risiko- und Renditeerwägungen bestimmen können.

Soziale Bedingungen

Die chinesische Gesellschaft ist weiterhin von extremer Ungleichheit geprägt. Besonders gravierend zeigen sich die Unterschiede im Vergleich von wohlhabender Stadt- und vergleichsweise armer Landbevölkerung, regulärer Arbeit und Wanderarbeit sowie jüngerer und älterer Menschen. Entsprechend wird der Gini-Koeffizient unverändert mit 0,465 für 2017 angegeben. Damit liegt China nach wie vor deutlich über der Grenze, die nach der Definition der Vereinten Nationen eine extreme Ungleichheit anzeigt (0,4).

Die Mindestlöhne werden auf Provinzebene laufend angepasst und festgelegt. Über deren Anpassung versucht die Politik, die Schere zwischen Arm und Reich einzudämmen. In diesem Jahr erfolgte eine leichte Anhebung der Mindestlöhne in 10 Provinzen.

Das aktuelle Pro-Kopf-Einkommen  wirdmit 33.616 RMB (ca. 5.060 USD) 2,7 Mal so hoch wie in ländlichen Gebieten mit 12.363 RMB (ca. 1.861 USD). Das nachlassende Wirtschaftswachstum trug 2017 zur weiteren Verlangsamung der Lohnentwicklung bei. Während die Löhne in den letzten Jahren um durchschnittlich 10 Prozent stiegen, sollen die Einkommen im 1. Halbjahr 2018 inflationsbereinigt landesweit um 6,6 Prozent gestiegen sein. Allerdings steigen die Löhne von gut ausgebildeten Fachkräften weiterhin deutlicher an.

Erklärtes Ziel der chinesischen Regierung ist die Verdopplung der Einkommen bis zum Jahr 2020. Hierfür soll das System zur Festlegung des Mindestlohns und das System der Tarifverhandlungen, ausgebaut werden. Zur Reform der Tarifpolitik liegt ein umfassender Fünfjahresplan des All-Chinesischen Gewerkschaftsbundes vor, der in erster Linie auf den Ausbau industrie- und branchenspezifischer Tarifpolitik zielt.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist je nach Region, Branche und Berufsfeld extrem heterogen. Strukturprägend für die chinesische Arbeitsgesellschaft ist nach wie vor der hohe Anteil an Wanderarbeitern. Mit 282 Mio. machen diese 36% aller offiziell Erwerbstätigen in China aus. Die offizielle Arbeitslosenstatistik, die nur Personen mit städtischer Haushaltsregistrierung erfasst, liegt unverändert bei 4%. Boomenden Regionen und Branchen stehen solche mit struktureller Arbeitslosigkeit gegenüber.

Anfang 2014 hat der Staatsrat den Aufbau eines einheitlichen Altersversicherungssystems für Stadt- und Landbewohner beschlossen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass Rentenansprüche landesweit übertragbar sind. Provinzen, die nicht über genügend eigene Mittel verfügen, erhalten Subventionen von der Zentralregierung. Zur weiteren Vereinheitlichung wurden Anfang 2015 Staatsangestellte in die staatliche Rentenversicherung eingebunden. Diese mussten zuvor keine Beiträge entrichten und erhielten Pensionen.

China plant eine Ergänzung des Sozialversicherungssystems um eine Pflegeversicherung. Testläufe finden derzeit u.a. in Peking, Shanghai und Qingdao sowie in Chengdu statt.

Energie, Klima, Umwelt

Das enorme Wirtschaftswachstum Chinas hat zu enormer Belastung und Zerstörung der Umwelt geführt, die auch ein Hemmnis für die weitere wirtschaftliche Entwicklung ist.

Angesichts der wachsenden Unzufriedenheit der Bevölkerung, insbesondere in der urbanen Mittelschicht, steht Chinas Führung unter großem Druck, die Umweltprobleme rasch in den Griff zu bekommen. Sie hat daher den Umweltschutz zu einer ihrer Top-Prioritäten erklärt. Umweltschutz und die Förderung einer nachhaltigen Wirtschaft sind zentrale Elemente des 13. Fünfjahresplanes (2016-2020). Neben administrativen Vorgaben und der massiven Steigerung von Umweltschutzinvestitionen plant die Regierung für die nächsten fünf Jahre die schrittweise Einführung marktbasierter Instrumente, insbesondere den Aufbau eines nationalen Emissionshandelssystems bis etwa 2020. Eine große Herausforderung bleibt die Implementierung auf lokaler Ebene, wo Umweltschutz häufig in Konkurrenz zu wirtschaftlichen Interessen steht. Hier setzt die Regierung derzeit stark auf Inspektionskampagnen und kurzfristige Aktionsprogramme, plant aber auch systematische Maßnahmen wie Umweltzulassungen und Reformen der Umweltverwaltung.

Richtschnur sind dabei im Bereich Energie die graduelle Abkehr von fossilen Energieträgern sowie eine Steigerung der Energieeffizienz. Dies kommt auch den chinesischen Klimaschutzzielen zugute. China ist seit 2010 der weltgrößte Emittent von Treibhausgasen, will aber seinen CO2-Ausstoß pro BIP-Einheit bis 2020 um 40 bis 45%, bis 2030 sogar um 60 bis 65% (gegenüber 2005) senken. Auch bei den internationalen Verhandlungen (UNFCCC) hat China einen Richtungswechsel vorgenommen und sich dazu verpflichtet, bis spätestens 2030 den Höhepunkt seiner CO2-Emissionen zu erreichen und den Anteil nicht-fossiler Energieträger am Primärenergiebedarf auf 20% zu erhöhen.

Neben Wasser-, Solar- und Windenergie soll auch die Nuklearindustrie massiv ausgebaut werden. Kohle wird auch in Zukunft das Rückgrat der chinesischen Energieversorgung bleiben, jedoch soll der Verbrauch bis 2020 auf 4,2 Mrd. Tonnen pro Jahr gedeckelt werden und maximal 62% des Energiemix ausmachen. Der schnell wachsende Umwelttechnologiemarkt in China eröffnet auch ausländischen Unternehmen gute Chancen.

Urbanisierung

Seit 2012 leben erstmals mehr als 50% der Menschen in Chinas Städten, 2016 sind es etwa 57%. In den nächsten 15 Jahren sollen weitere 300 Mio. Menschen hinzukommen, dann würde die Zahl der in Städten lebenden Chinesen die 1 Milliarde-Grenze überschreiten. Die dynamische Urbanisierung stellt die chinesische Regierung vor große Herausforderungen, unter anderem durch sich verschlechternde Umweltbedingungen, rasch zunehmende Verkehrsströme, Wohnungsmangel und stark steigende Mieten und Kaufpreise für Immobilien, ein Mangel an qualifizierten Arbeitsplätzen, Mängel in der Infrastruktur und der starke Rückgang von landwirtschaftlichen Nutzflächen. Immer wieder kommt es aufgrund von Landenteignungen ohne ausreichende Entschädigungen zu Protesten. Eine sozial ausgewogene und ökologisch nachhaltige Stadtentwicklung ist einer der entscheidenden Faktoren für die Stabilität des Landes insgesamt. Die chinesische Regierung misst den Herausforderungen einer geplanten Urbanisierung deshalb hohe Priorität bei.

Bundeskanzlerin Merkel und der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang haben im Mai 2013 die deutsch-chinesische Urbanisierungspartnerschaft vereinbart, die im November 2015 von Bundesministerin Hendricks und ihrem chinesischen Amtskollegen in Peking unterzeichnet wurde. Die Bedeutung der Urbanisierung wurde auch in der G20 Erklärung der Agrarminister im Januar 2017 im Zusammenhang mit einer nachhaltigen Entwicklung der ländlichen Räume erneut thematisiert. Die chinesische Seite hat ein großes Interesse an deutschen Erfahrungen im Bereich Urbanisierung. Aber auch deutschen Unternehmen bieten sich hier viele Chancen, zum Beispiel beim Ausbau der Infrastruktur, im Gesundheitswesen, bei der energetischen Sanierung von Wohngebäuden und im Bereich Stadtplanung.

Landwirtschaft

Der sich fortsetzende Trend der Urbanisierung mit +1,17 Prozentpunkten (2017: 58,52%)macht sich mit einer weiter zunehmenden Überalterung und dem Fehlen gut ausgebildeter Facharbeitskräfte in der Landwirtschaft bemerkbar.  Die chinesische Landwirtschaft hinkt der in weiten Teilen rasanten Industrialisierung des Landes hinterher. Die Einkommen der aus dem Lande Tätigen beträgt nur 37;% im Vergleich zur städtischen Bevölkerung. Der absolute Einkommensabstand wächst seit Jahren. Trotz massiver Anstrengungen der Regierung zur Entwicklung der ländlichen Regionen, ist keine Minderung der Wanderungsbewegung  zu erkennen. Dabei steht China vor der enormen Herausforderung, die Ernährung für seine wachsende Bevölkerung bei gleichzeitig schwindender Ackerfläche und Bodenfruchtbarkeit zu sichern. Seit mittlerweile mehr als zwölf Jahren ist China Agrar-Nettoimporteur, vor allem von Getreide und Soja als Futtermittel für die Tierproduktion, aber auch bei immer mehr Lebensmitteln tierischen Ursprungs. Inzwischen hält China nur noch bei bestimmten essentiellen  Grundnahrungsmitteln an dem Ziel eines hohen Selbstversorgungsgrades fest. Nach wie vor wird dieses Ziel mit zunehmenden Anreizen in Form von Subventionen mehr oder weniger erfolgreich flankiert. Zugleich sind chinesische Auslandsinvestitionen in die Agrarbranche sprunghaft angestiegen.

Der überfällige Strukturwandel und die Modernisierung der Landwirtschaft sowie eine Verbesserung der Lebensbedingungen im ländlichen Raum (Daseinsvorsorge, Infrastruktur, Trinkwasser- und Stromversorgung) sind als Kernthemen in dem Arbeitsplan der chinesischen Regierung fest verankert. Im aktuellen Zentraldokument No.1 für das Jahr 2018 wird die Bedeutung der „Verjüngung/Re-Vitalisierung der Landwirtschaft und des Ländlichen Raums“ mit einer mittel- und langfristigen Zeitplanung bis zum Jahr 2050 dargelegt. Die Armutsbekämpfung und eine grundlegende Verbesserung der Lebensqualität auf dem Lande stehen weiterhin im Vordergrund. Umweltschutz, moderne und effiziente Landwirtschaft sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen innerhalb von Wertschöpfungsketten einschließlich des Aufbaus einer modernen Ernährungsindustrie auf dem Land und der Schaffung einer adäquaten Infrastruktur zur Versorgung der städtischen Ballungsgebiete sollen helfen, allen im ländlichen Raum Beschäftigten ein befriedigendes Einkommen zu ermöglichen, nicht zuletzt auch um die weiter anhaltende massive Landflucht zu begrenzen. Als weiterhin bestehende Herausforderungen werden die nicht am Bedarf ausgerichtete und im internationalen Vergleich wenig wettbewerbsfähige Produktion gesehen, die sich darüber hinaus an der WTO-kritischen Grenze bei Subventionen bewegt.

Neu aufgelegte Finanzprodukte und staatliche Versicherungsprodukte sollen den Transformationsprozess hin zu größeren und zeitgemäßen landwirtschaftlichen Betriebseinheiten unterstützen. So soll nicht nur effizienter produziert, sondern gleichzeitig höhere Anbau- und Produktionsstandards erreicht und die Lebensmittelsicherheit, als weiteres drängendes Thema für die Verbraucher, aufgegriffen werden.

Mit der im November 2013 angekündigten Landrechtereform, die Bauern künftig eine selbstbestimmte Verwaltung verspricht, soll schließlich eine zweckentsprechende, effektivere und intensivere ackerbauliche Nutzung aller landwirtschaftlichen Flächen erreicht und die soziale Absicherung der Bauern gewährleistet werden. Derzeit laufen in allen Provinzen Pilotprojekte zur Umsetzung der Landrechtereform. Durch Urbanisierungsdruck, lukrativen Grundstückshandel, Bodendegradierung und Erosion geht dennoch weiterhin viel landwirtschaftliche Fläche verloren. Mittlerweile gilt mehr ein Viertel der Agrarflächen als mit Rückständen von Chemikalien und Pflanzenschutzmitteln derart belastet, dass sie für den Ackerbau nur bedingt geeignet sind.

Verkehr

China ist seit einigen Jahren der größte Automobilmarkt der Welt und wächst weiter: 2017 wurden 24,7 Mio. Pkws verkauft, 3 % mehr als im Vorjahr. Der Absatz von Fahrzeugen mit alternativem Antrieb stieg um über 53,3% auf rund 770.000 Fahrzeuge. Für die deutschen Hersteller ist China der wichtigste Einzelmarkt.

2017 stieg das Passagieraufkommen im Luftverkehr im Jahresvergleich zu 2016 um 13% auf 552 Mio. Passagiere. China ist damit heute der zweitgrößte Luftverkehrsmarkt weltweit und wird allen Prognosen zufolge mittelfristig die USA als weltgrößten Markt ablösen. Es wird erwartet, dass chinesische Fluglinien bis 2030 rund 6.000 neue Passagierflugzeuge kaufen werden. Die staatliche COMAC (Commercial Aircraft Corporation of China) arbeitet mit Hochdruck an der Entwicklung eines eigenen Passagierflugzeuges (C919), das in Wettbewerb zum Airbus A320 und zur Boeing 737 treten und diese im Preis und bei den Betriebskosten unterbieten soll. Nach dem erfolgreichen Jungfernflug im Mai 2017 rechnen Branchenexperten mit der Zulassung des Flugzeuges in den nächsten zwei bis drei Jahren. Ende 2017 gab es in China 224 zivile Flughäfen, davon 32 mit mehr als 10 Mio. Passagieraufkommen jährlich.

Die Gesamtlänge des chinesischen Schienennetzes beträgt rund 127.000 km, davon sind 25.000 km Hochgeschwindigkeitsstrecken. In 2017 wurden 3038 km Strecke neu gebaut. China besitzt damit heute – neun Jahre nach Eröffnung der ersten Strecke – das größte Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt. In den Ausbau des Eisenbahnnetzes und in das Zugmaterial sollen bis 2020 3,8 Billionen RMB (umgerechnet ca. 517 Mrd. Euro) investiert werden. Das Gesamtstreckennetz Chinas soll bis 2020 auf eine Länge von insgesamt 150.000 km ausgebaut werden, wovon dann 30.000 km Hochgeschwindigkeits-Strecken sein sollen. Am 21.9.2017 ging der neue chinesische Hochgeschwindigkeitszug „Fuxing“ auf der Strecke Beijing-Shanghai in den Regelbetrieb. Er erreicht eine Dauergeschwindigkeit von 350 km/h, in Spitzen 400 km/h.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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