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China: Wirtschaft China

21.03.2019 - Artikel

Auch 2018 wird China voraussichtlich (nach 2017 und 2016) der wichtigste Wirtschaftspartner Deutschlands bleiben, ebenso bleibt Deutschland Chinas wichtigster Handelspartner in Europa. Dynamische Handelsbeziehungen, Investitionen, Umweltzusammenarbeit, forschungs- und wissenschaftspolitische Zusammenarbeit und ein intensiver hochrangiger Besucheraustausch prägen die Beziehungen. Reziproke Marktöffnung für Handel und Investitionen, der Schutz geistigen Eigentums und unfreiwilliger Technologietransfer bleiben weiterhin kritische Themen des Dialogs zwischen Unternehmen und den Regierungen beider Länder.

China ist seit 2010 die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nach den USA, seit 2014 nach Kaufkraft sogar die größte. Das nominale Bruttoinlandsprodukt pro Kopf stieg im Jahr 2018 weiter auf prognostizierte 10.088 USD (2017 8.643 USD). Gegenüber 2008 hat sich das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in China somit mehr als verdoppelt. China hält die weltweit höchsten Devisenreserven: Ende 2018 betrugen die Devisenreserven Chinas 3.073 Mrd. USD. Chinas Bedeutung für die weltweite Konjunktur hat weiter zugenommen. Seit 2007 verlangsamt sich das Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft jedoch. 2017 erreichte das Wachstum noch 6,9%, die Prognosen für 2018 sind schwächer (ca. 6,6%). Für 2019 wird vielfach ein Wert unterhalb der Schwelle von 6,5% erwartet. Innerhalb des Landes gibt es enorme regionale und soziale Unterschiede.

Grundlagen der Wirtschaftspolitik

China ist seit 2010 die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nach den USA, seit 2014 nach Kaufkraft sogar die größte. Beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf lag China lt. IMF im Jahr 2017 mit rund 8.643 USD auf Platz 74 im weltweiten Vergleich. Gegenüber 2008 hat sich das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in China mehr als verdoppelt. China hält die weltweit höchsten Devisenreserven. Bis Ende 2018 betrugen die Devisenreserven Chinas i. H. v. 3,073 Billionen USD China bleibt weltweit die Konjunkturlokomotive Nummer eins, das Wachstum ist aber nicht mehr zweistellig, sondern bewegt sich im Jahr 2018 um die 6,5%. Innerhalb des Landes gibt es enorme regionale und soziale Unterschiede.

Seit im März 2013 die fünfte Führungsgeneration die Regierungsgeschäfte übernommen hat, wurden weitreichende Wirtschaftsreformen angekündigt (Drittes Plenum im November 2013). Auch auf dem 19. Parteitag der Kommunistischen Partei 2017 unterstrich die Führung, dass das bisherige Entwicklungsmodell nicht nachhaltig ist und Reformen Voraussetzung für neues sozial und ökologisch ausgeglichenes sowie stärker auf die Binnennachfrage orientiertes Wachstum sind. Tatsächlich haben sich gravierende ökonomische (u.a. Überkapazitäten), soziale und ökologische Probleme aufgetan und werden sich in den nächsten Jahren wohl noch verschärfen. Schlüsselthemen sind dabei unter anderem die Stabilisierung des Wachstums unter Berücksichtigung des Schuldenstandes, die Modernisierung der Produktionsstrukturen, die Intensivierung der Forschungs- und Entwicklungsbemühungen, die stärkere Berücksichtigung von Umweltbelangen sowie die Teilhabe möglichst breiter Bevölkerungsschichten an der weiteren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung.

Die Umsetzung angekündigter Reformen verläuft zäh. Auch in zentralen Bereichen wie dem Abbau von Überkapazitäten in wichtigen, in der Regel von Staatsunternehmen dominierten Industriebereichen oder im Fiskalbereich ist bisher in der praktischen Umsetzung wenig geschehen.

Das Ziel des aktuellen 13. Fünfjahresplans (2016-2020) ist die Umstrukturierung der chinesischen Volkswirtschaft von einer investitions- und exportorientierten zu einer innovationsgetriebenen. Dies wird insbesondere in der Industriestrategie „Made in China 2025“ deutlich. Deren Ziel ist es, die chinesische Wirtschaft in zehn identifizierten Zukunftsbranchen (u.a. Energieeinsparung / Elektromobilität, Informations- und Kommunikationstechnologien, Werkzeugmaschinensysteme / Robotertechnologie, Luft- / Raumfahrttechnik) zum globalen Technologieführer aufzubauen. Bis 2049 (100-jähriges Bestehen der Volksrepublik) soll China die global führende Industrienation sein. Die Stärkung der Innovationsfähigkeit ist daher prioritär für Chinas Führung. Um Märkte zu erschließen und technologische Lücken zu schließen, wurden in den letzten Jahren massive Auslandsinvestitionen (u.a. Firmenzukäufe) getätigt. Auch wirbt China verstärkt um ausländische Forscher, wobei sich parallel neue Fragen des Schutzes des geistigen Eigentums stellen.

Aktuelle Wirtschaftslage

2018 lag das Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft nach ersten Schätzungen bei rund 6,6%, dem niedrigsten Wert seit der globalen Finanzkrise 2008/2009 (2017 6,9%). Für 2019 wird von vielen Analysten ein Wachstum unterhalb der Schwelle von 6,5% erwartet. Der Dienstleistungssektor wächst weiterhin und steht inzwischen für über 50% der Wirtschaftsleistung. Eine robuste Entwicklung verzeichnete in den letzten zwei Jahren der Einzelhandel, insbesondere die Onlinebranche, die ihren Umsatz deutlich steigern konnte. Der Beitrag der Binnennachfrage zum Wirtschaftswachstum ist auch im Jahr 2017 weiter gestiegen und liegt nun bei rund 91%. Vom industriellen Sektor und vom Export gehen aktuell hingegen nur geringe Impulse aus. Die realwirtschaftlichen Auswirkungen des Handelskonfliktes zwischen China und den USA zeigen sich inzwischen in den schwächeren Wachstumszahlen Ende 2018 und den Prognosen für 2019.

Der langfristige Wachstumstrend wird sich aufgrund der demographischen Entwicklung voraussichtlich weiter abschwächen. Weniger Menschen werden auf den Arbeitsmarkt drängen. Für die weiteren Perspektiven wird es entscheidend darauf ankommen, ob die Umstellung der Wirtschaft auf innovationsgetriebenes, sozial und ökologisch nachhaltigeres Wachstum gelingen wird.

Außenhandel

Das gesamte Handelsvolumen Chinas lag laut UN Comtrade im Jahr 2017 bei  4.107 Mrd. USD. China hat 2017 Waren im Wert von 2.263 Mrd. USD exportiert und im Wert von 1.844 Mrd. USD importiert.

Der Handelsbilanzüberschuss betrug laut UN Comtrade 2017 rund 420 Mrd. USD.

Größter Absatzmarkt für chinesische Güter waren auch 2018 die USA, dorthin lieferte China mehr als 19% seiner Waren. Die EU ist mit einem Anteil von ca. 16% der zweitwichtigste Markt. Nach Deutschland gingen rund 3,1% der chinesischen Exporte im Wert von etwa 100,5 Mrd. EUR (Quelle: GTAI). Da China lediglich 8,4% seiner Lieferungen aus den USA bezog und sich der Konsum in den USA positiv entwickelt hat, stieg das bilaterale Handelsbilanzdefizit der USA gegenüber China weiter an (ca. 323 Mrd. USD), was einer der von den USA

angeführten Gründe für den derzeitigen Handelskonflikt ist. Für die EU stellt sich die Situation etwas günstiger dar. Die EU insgesamt bleibt auch 2018 der größte Handelspartner Chinas (Quelle: CHN Zollamt).

China hat seit seinem Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) 2001 mit 15 Handelspartnern Freihandelsabkommen geschlossen und steht mit weiteren elf Partnern in Verhandlungen. Mit über 100 Ländern weltweit hat China bilaterale Investitionsschutzabkommen abgeschlossen.

Investitionsbedingungen

Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation 2001 stellte nicht nur eine umfassende Verpflichtungserklärung des Landes und der Welthandelsorganisationsmitglieder zur Wiedereingliederung Chinas in das Weltwirtschaftssystem dar, sondern war auch für die chinesische Öffentlichkeit ein klares Zeichen der Öffnung und der Eingliederung des Landes in die arbeitsteilige globale Weltwirtschaft. Mittlerweile ist CHN – mit 10,1% im Jahr 2019 – zweitgrößter Beitragszahler zum WTO-Haushalt hinter den USA (11,6%) und vor DEU (7,1 %).

Nach wie vor haben sich allerdings nicht alle internationalen Erwartungen erfüllt, da viele Wirtschaftsbereiche weiterhin unter starker staatlicher Kontrolle stehen und teilweise deutliche Marktzugangsprobleme aufweisen. So ist China beispielsweise noch immer nicht dem WTO-Abkommen über das öffentliche Beschaffungswesen (Government Procurement Agreement) beigetreten. Auch der Entwicklungslandstatus Chinas in der WTO zieht mit Blick auf die rasante Wirtschaftsentwicklung vermehrt Kritik auf sich. Seit Ende 2013 wird über ein umfassendes Investitionsabkommen zwischen der Europäischen Union und China verhandelt, auch hier bleiben die Fortschritte begrenzt. Das Abkommen soll neben Investitionsschutz auch den Marktzugang für Investitionen regeln.

Strukturreformen

Die Notwendigkeit eines Strukturwandels in der Industrie ist in China kaum übersehbar und wird von der Führung zu den größten Herausforderungen gezählt, neben der Begrenzung der Umweltverschmutzung. In einigen Sektoren sind deutliche Überkapazitäten entstanden (Stahl, Zement, Chemikalien), worunter auch ausländische Anbieter in diesen Bereichen leiden. Außerdem sind die Schulden der regionalen Gebietskörperschaften und der staatseigenen Betriebe stark gewachsen. In den Büchern der staatlichen Banken werden zahlreiche abschreibungsbedürftige Kredite vermutet. Die negativen Erfahrungen mit steigender Verschuldung und wachsenden Überkapazitäten in Folge wirtschaftlicher Stimuli im Rahmen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise 2009/2010  hatte in der chinesischen  Führung  zunächst zu einer Zurückhaltung gegenüber  groß angelegten Konjunkturprogrammen geführt. Vor dem Hintergrund der aktuellen Wachstumsschwäche scheint ein Umdenken einzusetzen.

Im 13. Fünfjahresplan (2016-2020) wurden sogenannte 'neue strategische Industrien' identifiziert, in denen China die Weltmarktführerschaft in den nächsten Jahrzehnten anstrebt. Dazu zählen Luft- und Raumfahrt, Spezialschiffbau, hochwertige Eisenbahntechnik, alternative Kfz-Antriebstechniken, Robotertechnik, moderne Landwirtschaft und Landmaschinen, neue Informationstechnologien, Biotechnologie, hochwertige Ausrüstungen. Durch eine aktive Industriepolitik ('Made in China 2025') will die chinesische Regierung die Wirtschaft in der Wertschöpfungskette weiter nach oben bewegen.

Umfassende Reformen im Finanz- und Wirtschaftssektor wurden in den letzten Jahren wiederholt angekündigt. Ihr gemeinsamer Nenner wäre ein spürbarer Rückzug der politischen Führung aus der Wirtschaft zu Gunsten einer stärkeren Steuerungsrolle des Marktes. Tatsächlich scheint die chinesische Regierung diese Ankündigung nicht umzusetzen.

Der Aufbau einer 'Green Economy' und die Einbindung einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik im Konzept der 'ökologischen Zivilisation' gelten als wichtige Ziele.

Auch der forcierte Kampf gegen die Korruption ist Teil der Reformagenda. So umfassend und vielschichtig diese Agenda aber auch ist, so bruchstückhaft ist ihre bisherige Umsetzung. Insbesondere ein Rückzug der politischen Steuerungsfähigkeiten, der mit tatsächlichen Kontrollverlusten von Staat und Partei einherginge, ist bisher nicht zu beobachten. . Zudem wird der Kampf gegen Korruption auch zur Disziplinierung der KP-Mitglieder eingesetzt.

Als eine der dringendsten, zugleich aber schwierigsten Reformen gilt der Umbau der chinesischen Staatsunternehmen: noch knapp 100 zentralstaatliche und geschätzte 150.000 auf Provinz- und lokaler Ebene. Sie gelten als wenig effizient.

Ihre Arbeitsweise soll marktwirtschaftlicher ausgestaltet werden. Zudem soll privates Kapital eingebracht werden (sogenannte 'mixed-ownership'), Regierung und Partei behalten jedoch ihren maßgeblichen Einfluss. Privatisierungen nach westlichem Verständnis wird es nicht geben. Statt einer Zerschlagung staatlicher Monopole verfolgt China das Ziel Staatsunternehmen zu fusionieren, um sogenannte Nationale Champions zu schaffen (insbesondere  Eisenbahn- und Energiesektor). Ihre Unternehmensportfolios werden dabei so strukturiert, dass sie sich auf Auslandsmärkten gegenseitig keine Konkurrenz machen.

Chinesische Banken befinden sich in staatlichem Eigentum und werden streng reguliert. Die Gewinnlage der großen Staatsbanken ist nach wie vor gut. Große wie kleine Banken tragen erheblich zur Erhaltung unrentabler Staatsunternehmen bei. Vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen im Privatsektor bleibt die Finanzierung der Ausweitung ihrer Geschäfte durch Bankkredite weiterhin schwierig. Eine große Bedeutung in der Finanzierung dieser Unternehmen kommt dem Schattenbankensektor zu. Im Zuge hoher Wachstumsraten bei Krediten und Verschuldung unterliegen Aktivitäten in diesem Sektor zunehmender Kontrolle. Hauptgläubiger der Staatsbanken sind private Sparer, die bei vorerst unvollständiger sozialer Absicherung durch eigene Ersparnisse für Kosten der medizinischen Vorsorge, Ausbildung der Kinder und die eigene Altersvorsorge aufkommen müssen.

Die Reform des Finanzsektors ist ein wichtiges Ziel im Hinblick auf eine Liberalisierung des Kapitalverkehrs. China beschreitet eigenen Aussagen zufolge eine Politik der Öffnung. Doch ist damit erst dann zu rechnen, wenn die Banken ihr Kreditportfolio nach eigenen Risiko- und Renditeerwägungen bestimmen können.

Soziale Bedingungen

Grundsätzlich steht die Partei unter dem Erwartungsdruck, eventuelle wirtschaftliche Auswirkungen des Handelskonflikts mit den USA nicht auf die soziale Situation durchschlagen zu lassen.

Die chinesische Gesellschaft ist von extremer Ungleichheit geprägt. Besonders gravierend zeigen sich die Unterschiede im Vergleich von wohlhabender Stadt- und vergleichsweise armer Landbevölkerung, regulärer Arbeit und Wanderarbeit sowie jüngerer und älterer Menschen. Entsprechend wird der Gini-Koeffizient unverändert mit 0,465 angegeben. Damit liegt China nach wie vor über der Grenze, die nach der Definition der Vereinten Nationen eine extreme Ungleichheit anzeigt (0,4).

Die Mindestlöhne werden auf Provinzebene laufend angepasst und festgelegt. Über deren Anpassung versucht die Politik, die Schere zwischen Arm und Reich einzudämmen.

Das aktuelle Pro-Kopf-Einkommen liegt bei 33.616 RMB (ca. 5.060 USD). Das verlangsamte Wirtschaftswachstum wirkt sich auf die Lohnentwicklung aus. Allerdings steigen die Löhne von gut ausgebildeten Fachkräften überdurchschnittlich an.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist je nach Region, Branche und Berufsfeld extrem heterogen. Strukturprägend für die chinesische Arbeitsgesellschaft ist nach wie vor der hohe Anteil an Wanderarbeitern. Die offizielle Arbeitslosenstatistik, die nur Personen mit städtischer Haushaltsregistrierung erfasst, liegt unverändert um die 3,8%. Boomenden Regionen und Branchen stehen solche mit struktureller Arbeitslosigkeit gegenüber.

Anfang 2014 hat der Staatsrat den Aufbau eines einheitlichen Altersversicherungssystems für Stadt- und Landbewohner beschlossen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass Rentenansprüche landesweit übertragbar sind. Provinzen, die nicht über genügend eigene Mittel verfügen, erhalten Subventionen von der Zentralregierung. Zur weiteren Vereinheitlichung wurden Anfang 2015 Staatsangestellte in die staatliche Rentenversicherung eingebunden. Diese mussten zuvor keine Beiträge entrichten und erhielten Pensionen.

China plant eine Ergänzung des Sozialversicherungssystems um eine Pflegeversicherung. Testläufe finden derzeit u.a. in Peking, Shanghai und Qingdao sowie in Chengdu statt.

Energie, Klima, Umwelt

Das enorme Wirtschaftswachstum Chinas hat zu enormer Belastung und Zerstörung der Umwelt geführt, die auch ein Hemmnis für die weitere wirtschaftliche Entwicklung ist.

Angesichts der wachsenden Unzufriedenheit der Bevölkerung, insbesondere in der urbanen Mittelschicht, steht Chinas Führung unter großem Druck, die Umweltprobleme in den Griff zu bekommen. Umweltschutz und die Förderung einer nachhaltigen Wirtschaft sind deshalb zentrale Elemente des 13. Fünfjahresplanes (2016-2020). Neben administrativen Vorgaben und der massiven Steigerung von Umweltschutzinvestitionen plant die Regierung die schrittweise Einführung marktbasierter Instrumente, insbesondere den Aufbau eines nationalen Emissionshandelssystems bis etwa 2020. Eine große Herausforderung bleibt die Implementierung auf lokaler Ebene, wo Umweltschutz häufig in Konkurrenz zu wirtschaftlichen Interessen steht.

Richtschnur sind dabei im Bereich Energie die graduelle Abkehr von fossilen Energieträgern sowie eine Steigerung der Energieeffizienz. China ist seit 2010 der weltgrößte Emittent von Treibhausgasen, will aber seinen CO2-Ausstoß pro BIP-Einheit bis 2020 um 40 bis 45%, bis 2030 um 60 bis 65% (gegenüber 2005) senken. Auch bei den internationalen Verhandlungen (UNFCCC) hat China einen Richtungswechsel vorgenommen und sich dazu verpflichtet, bis spätestens 2030 den Höhepunkt seiner CO2-Emissionen zu erreichen und den Anteil nicht-fossiler Energieträger am Primärenergiebedarf auf 20% zu erhöhen.

Neben Wasser-, Solar- und Windenergie soll auch die Nuklearindustrie massiv ausgebaut werden. Kohle wird auch in Zukunft das Rückgrat der chinesischen Energieversorgung bleiben, jedoch soll der Verbrauch bis 2020 auf 4,2 Mrd. Tonnen pro Jahr gedeckelt werden und maximal 62% des Energiemix ausmachen. Der schnell wachsende Umwelttechnologiemarkt in China eröffnet auch ausländischen Unternehmen einige Chancen.

Urbanisierung

Seit 2012 leben erstmals mehr als 50% der Menschen in Chinas Städten, 2017 sind es etwa 58,7%. In den nächsten 15 Jahren sollen weitere 300 Mio. Menschen hinzukommen, dann würde die Zahl der in Städten lebenden Bevölkerung die 1 Milliarde-Grenze überschreiten. Die dynamische Urbanisierung stellt die chinesische Regierung vor große Herausforderungen, unter anderem durch sich verschlechternde Umweltbedingungen, rasch zunehmende Verkehrsströme, Wohnungsmangel und stark steigende Mieten und Kaufpreise für Immobilien, ein Mangel an qualifizierten Arbeitsplätzen, Zugang zu qualitativ hochwertiger aber bezahlbarer Kinderbetreuung und -bildung, Mängel in der Infrastruktur und der starke Rückgang von landwirtschaftlichen Nutzflächen. Die Regierung versucht, über Zugänge zum Bildungssystem und eine gezielte Lockerung von Familienplanungsinstrumenten den Zuzug in Metropolen in Peking und Shanghai in „kleinere“ Millionenstädte umzulenken.

Bundeskanzlerin Merkel und der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang haben im Mai 2013 die deutsch-chinesische Urbanisierungspartnerschaft vereinbart, die im November 2015 von Bundesministerin Hendricks und ihrem chinesischen Amtskollegen in Peking unterzeichnet wurde. Die Bedeutung der Urbanisierung wurde auch in der G20 Erklärung der Agrarminister im Januar 2017 im Zusammenhang mit einer nachhaltigen Entwicklung der ländlichen Räume erneut thematisiert. Die chinesische Seite hat ein großes Interesse an deutschen Erfahrungen im Bereich Urbanisierung. Aber auch deutschen Unternehmen bieten sich hier viele Chancen, zum Beispiel beim Ausbau der Infrastruktur, im Gesundheitswesen, bei der energetischen Sanierung von Wohngebäuden und im Bereich Stadtplanung.

Landwirtschaft

Der sich fortsetzende Trend der Urbanisierung mit +1,17 Prozentpunkten (2017: 58,52%)macht sich mit einer weiter zunehmenden Überalterung und dem Fehlen gut ausgebildeter Facharbeitskräfte in der Landwirtschaft bemerkbar.  Die chinesische Landwirtschaft hinkt der in weiten Teilen rasanten Industrialisierung des Landes hinterher. Die Einkommen der aus dem Lande Tätigen beträgt nur 37;% im Vergleich zur städtischen Bevölkerung. Ein zentrales Anliegen der Regierung besteht deshalb in einer „Revitalisierung der ländlichen Räume“  und im forcierten Ausbau einer modernen, digitalen Landwirtschaft unter Einbindung aller Teilnehmer der Wertschöpfungsketten vom Acker bis zum Teller der städtischen Konsumenten. Dabei steht China vor der enormen Herausforderung, die Ernährung für seine wachsende Bevölkerung bei gleichzeitig schwindender Ackerfläche und Bodenfruchtbarkeit zu sichern. Seit mittlerweile mehr als zwölf Jahren ist China Agrar-Nettoimporteur, vor allem von Getreide und Soja als Futtermittel für die Fleischproduktion, aber auch bei immer mehr Lebensmitteln tierischen Ursprungs für die Endverbraucher. Inzwischen hält China nur noch bei bestimmten essentiellen  Grundnahrungsmitteln an dem Ziel eines hohen Selbstversorgungsgrades fest.

Der überfällige Strukturwandel und die Modernisierung der Landwirtschaft sowie eine Verbesserung der Lebensbedingungen im ländlichen Raum sind als Kernthemen in den Arbeitsplänen der chinesischen Regierung fest verankert. Im aktuellen Zentraldokument No.1 für das Jahr 2018 wird die Bedeutung der „Verjüngung/Re-Vitalisierung der Landwirtschaft und des Ländlichen Raums“ mit einer mittel- und langfristigen Zeitplanung bis zum Jahr 2050 dargelegt. Als weiterhin bestehende Herausforderungen werden die nicht am Bedarf ausgerichtete und im internationalen Vergleich wenig wettbewerbsfähige Agrarproduktion gesehen, die sich darüber hinaus an der WTO-kritischen Grenze bei Subventionen bewegt.

Neu aufgelegte Finanzprodukte und staatliche Versicherungsprodukte sollen den Transformationsprozess hin zu größeren und zeitgemäßen landwirtschaftlichen Betriebseinheiten unterstützen. So soll nicht nur effizienter produziert, sondern gleichzeitig höhere Anbau- und Produktionsstandards erreicht und die Lebensmittelsicherheit, als weiteres drängendes Thema für die Verbraucher, aufgegriffen werden.

Mit der im November 2013 angekündigten Landrechtereform, die Bauern künftig eine selbstbestimmte Verwaltung verspricht, soll schließlich eine zweckentsprechende, effektivere und intensivere ackerbauliche Nutzung aller landwirtschaftlichen Flächen erreicht und die soziale Absicherung der Bauern gewährleistet werden. Derzeit laufen in allen Provinzen Pilotprojekte zur Umsetzung der Landrechtereform. Durch Urbanisierungsdruck, lukrativen Grundstückshandel, Bodendegradierung und Erosion geht dennoch weiterhin viel landwirtschaftliche Fläche verloren. Mittlerweile gilt mehr ein Viertel der Agrarflächen als mit Rückständen von Chemikalien und Pflanzenschutzmitteln derart belastet, dass sie für den Ackerbau nur bedingt geeignet sind.

Verkehr

China ist seit einigen Jahren der größte Automobilmarkt der Welt, allerdings verlangsamte sich das Wachstum Ende 2018. Der Absatz von Fahrzeugen mit alternativem Antrieb stieg 2018 um über 62% auf rund 1,26 Mio. Fahrzeuge. Für die deutschen Hersteller ist China der wichtigste Einzelmarkt. Die chinesische Regierung treibt weiterhin Vorhaben zur Stärkung der Anteile von E-Autos sowie das Zukunftsprojekt „vernetztes Fahren“ mit hohe politischer Priorität voran.

2018 stieg nach chinesischen Angaben das Passagieraufkommen im Luftverkehr im Jahresvergleich zu 2017 um knapp 10,9% auf über 610 Mio. Passagiere. Es wird erwartet, dass chinesische Fluglinien bis 2037 einen Bedarf von rund 7.700 neuen Passagierflugzeuge haben werden. Die staatliche COMAC (Commercial Aircraft Corporation of China) arbeitet mit Hochdruck an der Entwicklung eines eigenen Passagierflugzeuges (C919), das in Wettbewerb zum Airbus A320 und zur Boeing 737 treten und diese im Preis und bei den Betriebskosten unterbieten soll. Nach dem erfolgreichen Jungfernflug im Mai 2017 rechnen Branchenexperten mit der Zulassung des Flugzeuges bis Ende 2020. Ende 2018 gab es in China 224 zivile Flughäfen, davon 37 mit mehr als 10 Mio. Passagieraufkommen jährlich.

Die Gesamtlänge des chinesischen Schienennetzes beträgt rund 131.000 km, davon sind 29.000 km Hochgeschwindigkeitsstrecken. In 2018 wurden 4683 km Strecke neu gebaut. China besitzt damit heute – neun Jahre nach Eröffnung der ersten Strecke – das größte Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt. In den Ausbau des Eisenbahnnetzes und in das Zugmaterial sollen bis 2020 3,8 Billionen RMB (umgerechnet ca. 517 Mrd. Euro) investiert werden. Das Gesamtstreckennetz Chinas soll bis 2020 auf eine Länge von insgesamt 150.000 km ausgebaut werden, wovon dann 30.000 km Hochgeschwindigkeits-Strecken sein sollen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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