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Wirtschaft Chile

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Stand: März 2018

Wirtschaft

Seit dem 19. Jahrhundert profitiert Chile von seinen Rohstoffen. Zunächst beherrschte der Salpeterabbau die wirtschaftlichen Aktivitäten. Doch längst sind der Abbau von Kupfer sowie weiterer Rohstoffe zur treibenden Kraft der wirtschaftlichen Entwicklung geworden. Seit Ende der 1970er Jahre ist die chilenische Wirtschaft privatwirtschaftlich und wettbewerbsorientiert organisiert und auf den Weltmarkt ausgerichtet. 2016 lag der Andenstaat mit einem Pro-Kopf-Einkommen zur Kaufkraftparität von (laut IWF)  24.796 US-Dollar an der Spitze Lateinamerikas. Chile ist Mitglied wichtiger internationaler Wirtschaftsorganisationen wie WTO, IWF und Weltbank.
Das Wachstum der chilenischen Wirtschaft, das zwischenzeitlich nachgelassen hatte, zieht aufgrund steigender Preise für chilenische Rohstoffe wieder an: Für 2018 prognostiziert der IWF ein Wachstum knapp über 3%. Im Jahr 2017 betrug das Leistungsbilanzdefizit 2,8% des BIP und hat damit das höchste Niveau seit 2009 erreicht. Die chilenische Staatsverschuldung bleibt im weltweiten Vergleich gering. Die Haushaltslage wird weiterhin als relativ stabil angesehen. Die Gesamtauslandsverschuldung ist relativ gering. Die Kreditwürdigkeit der chilenischen Staatsanleihen gilt weiterhin als die beste Lateinamerikas. Von unterschiedlichen Rating-Agenturen wurde sie 2017 mit Aa3 (Moody’s), A+ (Standard and Poor’s) und A (Fitch) bewertet. Damit befindet sich Chile in Gesellschaft mit Industriestaaten wie Japan.
In Hinblick auf Lebenserwartung und Lebensstandard gehört Chile zu den am weitesten entwickelten Schwellenländern.  Der Anteil der Armen sank seit 1990 um mehr als die Hälfte, derjenige der absolut Armen um 2/3. Die Einkommensunterschiede sind dennoch weiterhin markant: Der Gini-Koeffizient lag 2015 bei 0,45 und Chile damit weltweit auf einem der hinteren Plätze (138 von 157 Plätzen). Das oberste Einkommenszehntel verdiente im Jahr 2015 im Durchschnitt 26 Mal so viel wie das unterste Einkommenszehntel. Die Arbeitslosigkeit lag Ende 2017 bei 6,4%..

Struktur der Wirtschaft

Der chilenische Binnenmarkt ist mit rund 18 Millionen Einwohnern relativ klein. Die klassische Industrieproduktion (Maschinenbau, Fahrzeugbau, Schiffbau, usw.) hat nachrangige Bedeutung. Auch wenn die chilenische Wirtschaft über viele kleine und mittlere Unternehmen verfügt, dominieren in vielen Bereichen Oligopole von wenigen einflussreichen Unternehmen. Die Wertschöpfung erfolgt vor allem im Dienstleistungssektor.
Hauptwirtschaftssektor ist der Bergbau. Er trug in der Vergangenheit erheblich zu den Staatseinnahmen bei. Aufgrund des Preisverfalls und Nachfragerückgangs in China kann das staatliche Kupferbergbau-Unternehmen Codelco allerdings immer weniger an den Fiskus überweisen, von den fast 5 Milliarden USD im Jahr 2014 ist man nun weit entfernt. Chile verfügt über die weltweit größten Kupferreserven (ca. 33%) und ist der größte Kupferproduzent der Welt. Der Kupfer-Tagebau stößt mittlerweile an seine Grenzen. Neue Vorkommen werden derzeit im Untertagebau erschlossen. Dies erfordert gewaltige Investitionen. Auch in Bezug auf andere wichtige Bodenschätze wie das an Bedeutung gewinnende Lithium, aber auch bei Jod und Rhenium liegt Chile an vorderer Stelle, auch das Molybdänvorkommen spielt eine Rolle. In der Atacamawüste lagern ferner Salzvorkommen, die für mehrere Jahrtausende reichen. Das dort abgebaute Salz ist – wie das Kupfer – ein weiteres wichtiges Exportprodukt Chiles. Der Reichtum an Bodenschätzen ist maßgeblicher Grund dafür, dass die chilenische Wirtschaft bis heute wenig diversifiziert und die Wertschöpfung bislang noch relativ gering ist.
Chiles Agrarexport steht auf drei Säulen: Fischerei (vor allem Aquakultur), Forstwirtschaft (hier vor allem Zellulose) und Obst- und Weinwirtschaft. Für landwirtschaftliche Exporte nach China sowie für Wein und Trockenfrüchte, aber auch für ökologische Produkte wird für die Zukunft Potential gesehen.
Etwa 46% der privaten Investitionen, die im Zeitraum 2016 bis 2019 geplant sind, beziehen sich auf die Sektoren Bergbau und Energie. Rund 80% der geplanten Bergbauprojekte starten voraussichtlich nicht vor 2020. Die Stromversorgung macht bis 2019 mit ca. 16 Milliarden US-Dollar den größten Posten aus. 2016 trat ein neues Gesetz über ausländische Direktinvestitionen in Kraft, welches das ausländische Engagement mit einer eigenen Agentur und einer Netzstruktur im Ausland aktiver fördern soll.

Außenwirtschaft

Chile ist stark außenhandelsorientiert und hat mehr Freihandelsabkommen abgeschlossen als jedes andere Land der Welt: inzwischen 26 Verträge, die über 60 Länder einbeziehen. Mit diesen Ländern wickelt Chile den überwiegenden Teil seines Handels ab. Zusammen mit Peru, Mexiko und Kolumbien bildet Chile seit 2012 die Pazifikallianz, die als wichtigstes Wirtschaftsbündnis in Lateinamerika gilt. Chile ist außerdem Signatarstaat des „Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership (CPTPP), auf das sich elf Pazifikanrainerstaaten nach dem Rückzug der USA aus “„Trans-Pacific Partnership“ (TPP) verständigt haben.
Chiles Außenhandelsvolumen belief sich 2017 auf 113,1 Mrd. US-Dollar. Haupthandelspartner blieb China, gefolgt von den USA und der EU. Deutschland ist mit einem Handelsvolumen von rund 3,5 Mrd. US-Dollar der wichtigste Handelspartner Chiles innerhalb der EU.

Umwelt, Energie, Klima

Chile trägt zwar nur rund 0,3% zum weltweiten Ausstoß von Treibhausgas-Emissionen bei, doch liegen die CO2-Emissionen pro Kopf mit 4,54 Tonnen über dem Weltdurchschnitt. Die verheerenden Waldbrände der Sommersaison 2016/17 haben der Bevölkerung eindringlich die Klimasensibilität des Landes vor Augen geführt. In der Umweltpolitik hat sich Chile daher in den letzten Jahren im regionalen Vergleich ehrgeizige Ziele gesetzt. Mit der Unterzeichnung des Klimaabkommens von Paris hat sich Chile verpflichtet, die Emissionsintensität seiner Treibhausgase bis 2030 um 30% im Vergleich zu 2007 zu reduzieren. Dieses Abkommen hat Chile im Februar 2017 ratifiziert. Unter der Bedingung, dass es internationale Unterstützung erhält, ist das Land bereit, seine Emissionsintensität um bis zu 45% zu reduzieren. Diese Klimaziele setzt Chile im Rahmen nationaler Klimapolitiken um, beispielsweise des Aktionsplans zum Klimawandel, des Nationalen Plans zur Klimaanpassung und des Aktionsplans zur Energieeffizienz. Der vom Energieministerium Ende des Jahres 2015 publizierte Fahrplan „Energía 2050“ konkretisiert die mittel- und langfristigen Ziele der Energieagenda.
Der chilenische Energiesektor erfuhr in den letzten Jahren eine dynamische Entwicklung, die vor allem durch das starke Wachstum erneuerbarer Energien (Sonne und Wind) geprägt war. Für 2035 erwartet die chilenische Regierung, dass mindestens 60% und 2050 mindestens 70% des Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt werden. Diese Ziele werden von Experten als eher konservativ betrachtet. 

Aktuelle Wirtschaftsentwicklung und konjunkturelle Lage

Nach Jahren des Wachstums mit Raten von über 5% (bis 2012) nimmt die Wirtschaftskraft derzeit immerhin noch um ca. 1,6% jährlich zu. Allerdings sind für die offene, exportorientierte und stark auf Bergbau ausgerichtete Wirtschaft der Kupferpreis und die Nachfrage aus China bestimmende externe Faktoren. Die Inflationsrate lag 2017 bei 2,3%,  der Leitzins liegt aktuell bei 2,5%.
Allerdings wird für die weitere Entwicklung der konjunkturellen Lage neben dem Wachstum Chinas und den Rohstoffpreisen vor allem auch die Pflege des Vertrauens der Investoren entscheidend sein. Verschiedenen Expertenmeinungen zufolge sehen ausländische Investoren in Chile weiterhin einen der stabilsten Standorte in der Region, jedoch muss es langfristig seine Wettbewerbsfähigkeit durch entsprechende Produktivitätssteigerungen, Innovationen und wertschöpfende Prozesse gegenüber anderen rohstoffexportierenden Ländern halten bzw. steigern. Dies kann durch geringere Energiepreise und gleichzeitige Diversifizierung der Wirtschaft gelingen. Im regionalen Kontext steht die chilenische Volkswirtschaft immer noch sehr gut da.
Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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