Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Kultur und Bildung Burkina Faso

Artikel

Stand: Mai 2018

Bildungssystem

Das formelle Ausbildungssystem ist weitgehend vom französischen Vorbild übernommen, genauso wie die Schulabschlüsse der Primar- und Sekundarstufe. Obwohl Schulpflicht ab dem sechsten Lebensjahr besteht, durchlaufen weniger als die Hälfte aller Kinder die sechsjährige Grundschule. Es gibt viel zu wenig Lehrer und Schulen. Vor allem in der Ost-Region werden häufig notdürftig Klassen unter Strohdächern eingerichtet.

Wissenschaft

Es gibt in Burkina Faso drei staatliche Universitäten (die Université de Ouagadougou, die Université Polytechnique de Bobo-Dioulasso und die Université de Koudougou) und zwei katholische Privatuniversitäten (die Université St Thomas d'Aquin bei Ouagadougou und die Université Catholique d'Afrique de l'Ouest in Bobo-Dioulasso). Die größte ist die Université de Ouagadougou.

Bis heute fehlt es immer noch an ausreichenden Studienmöglichkeiten. Die Regierung gewährt deshalb für die Ausbildung an europäischen und afrikanischen Universitäten Stipendien. Die Universitäten bieten teilweise berufsbezogene Ausbildungsprogramme an. Neben den Universitäten gibt es einige regionale Fachhochschulen. Weitere Informationen über die Hochschulausbildung in Burkina Faso bieten das Ministerium für Hochschulwesen, Forschung und Erneuerung (Ministère des Enseignements supérieur, de la Recherche scientifique et de l’Innovation) und die Datenbanken des Internationalen Büros für Erziehung der UNESCO an.

Fremdsprachenunterricht

Da die Mehrheit der Bevölkerung muslimisch ist, existieren viele islamische Schulen, in denen der Unterricht überwiegend in arabischer Sprache abgehalten wird. Dennoch beschränkt sich die arabische Sprache immer mehr auf den religiösen Bereich, ohne dem Französischen als offizieller Sprache im öffentlichen Leben Konkurrenz machen zu können. In einigen öffentlichen Schulen werden in der zweiten Stufe Fremdsprachen wie Englisch und Deutsch unterrichtet, wobei Englisch die erste Fremdsprache und Deutsch die zweite ist.

Kultur

Das bekannteste und weltweit beachtete kulturelle Großereignis von Burkina Faso sind die Filmfestspiele „Festival Panafricain du Cinéma et de la Télévision de Ouagadougou“, die FESPACO. Diese finden seit 1969 alle zwei Jahre in Ouagadougou statt. Sie gelten als „Schaufenster“ des afrikanischen Kinos. Die FESPACO ist inzwischen eine volksfestartige Massenveranstaltung mit kilometerlangen Verkaufsständen geworden. Einen Platz im Kino muss man sich schwer „erobern“.

Zweitgrößtes kulturelles Ereignis ist die SIAO, der „Salon International de l'Artisanat de Ouagadougou“, eine Kunsthandwerksmesse. Sie findet in zweijährigem Rhythmus statt. Das reichhaltige Angebot an burkinischem Kunsthandwerk zeugt von der handwerklichen Tradition. Als wichtigste Handelswaren sind Bronzestatuetten, die mit der Technik der verlorenen Form hergestellt werden, Holzarbeiten, wie Masken und Statuetten, aber auch Musikinstrumente (Djembé, Balafone, etc.), Lederwaren, Flechtwaren, Baumwolldecken und traditionelle Stoffe, sowie mit unterschiedlichen Batiktechniken eingefärbte und bemalte Stoffe und Bilder zu nennen. 2014 wurde die Veranstaltung vor dem Hintergrund der in Teilen Westafrikas grassierenden Ebola-Epidemie abgesagt. Vom 28.10. bis 06.11.2016 konnte sie unter großem Sicherheitsaufgebot wieder stattfinden.

Neben der Austragung der FESPACO als größte afrikanische Filmfestspiele hat Burkina Faso auch selbst international renommierte Filmemacher hervorgebracht. Unter anderem erhielten die Filme „Wend Kuuni“ und „Buud Yam“ von Gaston Kaboré sowie „Tilai“ von Idrissa Ouedraogo mehrere Auszeichnungen, auch in Cannes. Die Filme behandeln meist Probleme der Tradition Afrikas und sind ästhetisch und filmtechnisch häufig vom französischen Film beeinflusst. Weiterhin international bekannt wurden Fanta Régina Nacro, Pierre Yaméogo , Appoline Traore, Sanou Kollo David und Dani Kouyaté.

Unter den bildenden Künstlern Burkina Fasos ist der Bildhauer Jean-Luc Bambara durch Ausstellungen in Europa bekannt. Er war auch an der Entstehung des Skulpturenparks in Laongo beteiligt. Adama Pacode (geb. 1970) ist für seine Assemblagen bekannt, in denen er Mythen und Riten als lebendige Kräfte beschreibt. Als noch junge Maler sind Christophe Sawadogo, Fernand Nonkouni , Jean-Didier Yanogo, Sama, Mahamoudou Zinkoné, Kader Boly und Inoussa Simporé zu nennen.

Literatur begann in Burkina Faso mit dem ersten Aufschreiben alter Mythen und Legenden. Literaturgeschichte begann aber erst nach der Unabhängigkeit mit dem Werk von Nazi Boni (1909-1969) „Crépuscule des temps anciens“ aus dem Jahr 1962. Es geht dabei um die Konfrontation traditioneller Werte mit dem damals herrschenden Kolonialismus. Als Schriftstellerinnen traten in neuerer Zeit Monique Ilboudo (Juristin, Politikerin, Romanautorin), Bernadette Sanou und Sophie Heidi Kam (geb. 1968, Dichterin und Dramaturgin) in Erscheinung.

Musik als ästhetisches Klangerlebnis kennt man in Burkina Faso erst seit dem 20. Jahrhundert. Traditionell hat Musik ihren Sitz im kultischen oder sakralen Leben. Geschichten wurden von Griots (berufsmäßigen Sängern) vorgetragen. Das in Pentatonik gestimmte Balafon mit bis zu 21 Stäben ist im Westen von Burkina Faso vor allem bei den Senufo (Weltkulturerbe der Unesco) verbreitet, während im Osten und im Mossigebiet traditionelle Musik aus Trommeln und Flöten hervorgebracht wird. Dabei ist Musik immer mit Bewegung verbunden. Flöten sind manchmal nur auf einen Ton gestimmt. Die Tonfolge entsteht, indem mehrere Flötisten ihren unterschiedlichen Ton synchron zu gemeinsamen rhythmischen Gehbewegungen spielen, jeder an seiner Stelle. In Ouagadougou befindet sich ein Museum für Musikinstrumente.

In der Rock- und Reggaemusik errang Black So Man internationalen Ruhm. Der scharfe Systemkritiker starb 2002 an den Folgen eines Autounfalls. Ein weiterer bekannter Reggaekünstler ist seit 20 Jahren Zêdess. Bil Aka Kora konnte schon zweimal den Prix de Kundé d'Or gewinnen. Er greift auf traditionellen Tanz und Musik seines Stammes, die Kassena, zurück.

Medien

Das Radio ist in Burkina Faso das Medium mit der größten Verbreitung. Neben der nationalen Hörfunk- und Fernsehanstalt Radiodiffusion-Télévision du Burkina (RTB) gibt es heute über 70 private Radiostationen, davon etwa die Hälfte auf dem Land. Mehrere internationale FM-Radiostationen (RFI, BBC, V.O.A., Africa N°. 1) sind in Ouagadougou zu empfangen.

In Burkina Faso erscheinen über 30 Zeitungen, von denen etwa die Hälfte auch online zu lesen ist. Mediensprache ist Französisch. Daneben gibt es Zeitschriften in lokalen Sprachen. Der hohe Anteil an Analphabeten, die geringe Verbreitung der Zeitungen und die mangelnde Kaufkraft sind einige der großen Hindernisse für die Entwicklung der Printmedien. Ihre Rolle ist trotzdem nicht zu unterschätzen, da Zeitungsartikel auch in lokaler Sprache übersetzt im Radio vorgelesen und deren Inhalte von den anderen Medien aufgegriffen werden.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

Verwandte Inhalte

nach oben