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Wirtschaft Bulgarien

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Stand: März 2018

Bis Ende der 1990er Jahre war Bulgarien ein Beispiel weitgehend erfolgloser Transformation in Politik und Wirtschaft. Seit Anfang des Jahrtausends und insbesondere seit der EU-Mitgliedschaft 2007 hat das Land einen allgemeinen Aufwärtstrend erfahren. Korruption und ineffiziente Verwaltung, ein schwaches Justizsystem und oligarchische Strukturen schwächen jedoch das Investitionsklima und ökonomische Möglichkeiten.

Die Wirtschaft Bulgariens ist vor allem im Süden des Landes konzentriert. Die am stärksten entwickelten Regionen sind Sofia, Plovdiv, Burgas, Stara Zagora sowie in Nordostbulgarien Varna. Die Region Nordwestbulgarien ist die wirtschaftlich am wenigsten entwickelte Region des Landes. Der Dienstleistungssektor ist mit 67,3% des BIP Stütze der bulgarischen Wirtschaft. Bulgarien weist das niedrigste BIP pro Kopf (6.630 €; EU: 28.000 €, BIP-Wachstum 2017 lag bei 3,8%) sowie eine der höchsten Armutsquoten (21,8%) innerhalb der EU auf.  Der Außenhandel ist 2017 um über 10% auf 57 Mrd. Euro gestiegen. Daran hat Deutschland als größter Handelspartner einen Anteil von über 7 Mrd. Euro bei fast ausgeglichener Bilanz.

Jedoch deuten eine niedrige Erwerbsbeteiligung und Fehlqualifizierungen laut EU-Kommission weiterhin auf beträchtliche strukturelle Herausforderungen für Arbeitsmarkt und Bildungspolitik hin. Hohe Einkommens-Disparitäten prägen zudem das Bild. Bulgarien hat (laut Eurostat-Angaben von 2016) mit 4,40 Euro die niedrigsten Lohn-und Lohnnebenkosten pro Stunde in der EU. Auswanderung und eine schrumpfende Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter stellen ein zusätzliches langfristiges Risiko für das Wachstumspotenzial der Wirtschaft dar (IWF: 2015: 7,2 Mio. Einwohner, davon 20% älter als 65 Jahre; Prognose 2060: 5,5 Mio. Einwohner, davon 32% älter als 65).

 Die guten Fremdsprachenkenntnisse der Bevölkerung kombiniert mit dem geringen Lohnniveau machen Bulgarien zu einem attraktiven Outsourcing-Standort für Kundenservicecenter, Call Center und IT–Dienstleistungen.

Bulgarien hängt sehr stark von russischen Energielieferungen ab (95% Gas, 58% Öl). Bulgarien strebt eine Diversifizierung des ausländischen Gasbezugs an. Der Markt für regenerative Energien ist zwar noch überschaubar, nichtsdestotrotzkonnte Bulgarien bereits 2016 das von der EU für 2020 gesteckte Ziel zum Anteil erneuerbarer Energien auf dem Strommarkt übererfüllen.Der schlechten Energieeffizienz soll u.a. das „Nationale Programm für Energieeffizienz von Wohngebäuden“ entgegenwirken sowie auch eine Sanierung des nationalen Stromnetzes. Neben dem Energiesektor sind weitere staatliche Unternehmen wie die Bahn und Krankenhäuser stark verschuldet. 80% der Investitionen im Land werden über EU-Mittel finanziert. Die möglichen EU-Förderungen werden allerdings noch nicht voll ausgeschöpft.

 

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