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Kultur- und Bildungspolitik Brunei Darussalam

Artikel

Stand: März 2018

Der Islam setzt in Brunei die Rahmenbedingungen für den gesamten Bereich der Kultur-und Bildungspolitik. Staatsreligion ist der sunnitische Islam schafiitischer Prägung mit dem Sultan als Oberhaupt, dem ein sog. „State Mufti“ unterstellt ist. Neben einer Religionsadministration (im Rang eines Ministeriums) mit mehreren tausend Mitarbeitern ist die höhere Geistlichkeit dem Amt des Premierministers (Sultan in Personalunion) beigeordnet. Grundsätzlich bestimmt der religiöse Kalender (Fastenmonat, zahlreiche religiöse Feiertage) das gesamte öffentliche und kulturelle Leben im Sultanat. Hieran müssen sich die Ausrichter von Veranstaltungen halten und den „Kalender“ der Religionsverwaltung beachten. In der Kultur-und Bildungspolitik Bruneis gibt es weder einen „religionsfreien Raum“, noch eine unabhängige kulturelle Szene. Einziger „überkonfessioneller“ und insofern freier Monat ist der Hauptferien- und Urlaubsmonat Dezember, wenn Schulen und Universitäten geschlossen sind. Bemerkenswert ist, dass in Brunei der Sonntag arbeitsfrei und der Weihnachtstag 25. Dezember öffentlicher Feiertag ist.

Die Religion beeinflusst das private, aber auch das gesamte öffentliche und kulturelle Leben des Landes. Bruneis staatliche Rundfunk- und Fernsehanstalt hat neben einer Anzahl von Programmen herkömmlicher Art auch Kanäle für ausschließlich religiöse Sendungen reserviert. Dennoch gewähren auch die „normalen“ Programme der staatlichen Anstalt religiösen Inhalten sowie der täglichen Propagierung des Konzeptes der malaiisch-islamischen Monarchie zusätzliche Sendezeit. Ein unabhängiges kulturelles oder zivilgesellschaftliches Leben gibt es nicht. Eine öffentliche Präsentation fremden - insbesondere westlichen - Kulturguts für ein größeres Publikum wird nicht gefördert, aber im Rahmen restriktiver Regeln geduldet. Über Kabel- und Satellitenfernsehen können auch nicht-bruneiische Fernsehprogramme empfangen werden. Theater oder Kunstmuseen nach unserem Verständnis gibt es nicht. Traditionell islamische Malerei und Kunsthandwerk werden staatlich gefördert, nicht ausreichend hingegen die musikalischen Traditionen.

Frankreich unterhält in Bandar Seri Begawan ein kleineres Kulturinstitut („Alliance Francaise“), das vor allem in der Spracharbeit aktiv ist. Die sich häufenden Schwierigkeiten, die Spracharbeit um eine allgemeine Kulturarbeit zu ergänzen, bewegten Frankreich seine Aktivitäten im Wesentlichen auf die Spracharbeit zu reduzieren. Großbritannien wird seit Protektoratszeiten geschätzt, nicht zuletzt als Studienort. Die USA und Australien sind in der Kultur-und Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen des Möglichen (Religion, Zensur) bemüht und erfreuen sich, mit deutlichem Abstand hinter Großbritannien, einer vergleichsmäßig hohen Anzahl bruneiischer Hochschulstipendiaten.

Die Regierung fördert bereits seit der britischen Protektoratszeit 1905 – 1984 intensiv den Ausbau des Erziehungswesens. Angesichts von ca. 18.000 arbeitslosen bzw. fehlqualifizierten Jugendlichen ist insbesondere eine Erweiterung des Berufsbildungszweigs dringlicher geworden. Daneben steigt die Zahl von Jugendlichen ohne allgemeinen Schulabschluss.

An zwei Internationalen Schulen können britische, US-amerikanische und internationale Baccalaureat-Abschlüsse erworben werden, die britischen O- und A-Level-Abschlüsse darüber hinaus auch an weiteren staatlichen Schulen Bruneis. Begabte Studenten und Studentinnen kommen, nach Auswahlverfahren durch das Erziehungsministerium, in den Genuss von umfassenden staatlichen Programmen zum Studium im Ausland (überwiegend Großbritannien, USA und Australien). An den Schulen und Hochschulen des Landes sind zahlreiche Lehrkräfte vor allem, aber nicht nur, aus dem englischsprachigen Ausland beschäftigt. Ausländische Lehrkräfte sind auch im medizinischen Ausbildungswesen des Landes tätig. Aktuell unterrichten drei deutsche Lehrkräfte (Biologie, Geschichte, Geologie) an der University of Brunei Darussalam. An der bruneiischen Islam-Universität sind zahlreiche int. Forscher und Lehrkräfte aus islamischen Staaten tätig.

An der weiter im Ausbau befindlichen landeseigenen Universität (University of Brunei Darussalam, UBD) studieren gegenwärtig mehr als 3.000 Bruneier und Ausländer, gegenwärtig aber keine deutschen Master-Stipendiaten Der Aufbau einer eigenständigen Technischen Hochschule (ITB) ist seit Anfang 2016 abgeschlossen. Inzwischen studieren an ihr über 1.500 Studenten.

Seit 2007 besteht eine Universität für Islamische Studien (UNISSA), die in erster Linie auf religiöse Studien ausgerichtet ist und deren Kurse teilweise auf Arabisch abgehalten werden. Daneben gibt es an der allgemeinen University of Brunei Darussalam (UBD) ein Islam-Departement, das moderne , auch sozialwissenschaftliche und kulturwissenschaftliche Studien , hauptsächlich in englischer Sprache, betreibt. Eine vierte Hochschuleinrichtung für wirtschaftswissenschaftliche Studien (Laksamana College, privater Träger) vervollständigt eine für das kleine Brunei beeindruckende Universitätslandschaft.

Die Berufseingliederung nach Schul- und Ausbildungsabschluss bleibt angesichts des sehr begrenzten nationalen Arbeitsmarkts schwierig. Zahlreiche Probleme der gewerblich- technischen und praktischer Berufsausbildungsgänge , die sich gegenwärtig im Aufbau befinden, werden seit einigen Jahren verstärkt angegangen. Hilfestellung leistet das in Bandar Seri Begawan angesiedelte Berufsbildungsinstitut der Südostasiatischen Erziehungsministerkonferenz SEAMEO –VocTec.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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