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Bosnien und Herzegowina: Wirtschaft Bosnien und Herzegowina

25.06.2019 - Artikel

Wirtschaftslage

Nach vormaligen Rückschlägen, vor allem durch die weltweite Finanzkrise, wächst die bosnische Wirtschaft inzwischen stabil mit Wachstumsraten von rund 3% im Jahr; für 2019 und 2020 wird ein Wachstum von circa 3,2% vorhergesagt. Das prognostizierte Wachstum wirkt sich aufgrund struktureller Probleme – wie hohen Markteintrittshürden, fehlenden stark wachsenden Unternehmen, hohen Lohnnebenkosten - kaum auf den Arbeitsmarkt aus. Die offizielle Arbeitslosenquote lag 2018 auf einem historischen Tief von 18,4% (Quelle: Weltbank). Zu dieser Angabe ist jedoch zu beachten, dass der Rückgang auch auf Abwanderung von Arbeitskräften oder ihren Rückzug vom Arbeitsmarkt zurückzuführen ist. .

Für Frauen und Jugendliche ist die Lage am Arbeitsmarkt besonders problematisch: Eine Trendwende ist derzeit nicht in Sicht. Viele junge Menschen zieht es deshalb weiterhin ins Ausland.

Die Durchschnittslöhne liegen im europäischen und regionalen Vergleich am unteren Ende  (2017: ca. 4.586 Euro pro Jahr).

Die Inflationsrate steigt nur sehr moderat; sie wird für 2019 mit 1,4% prognostiziert (niedrigste Inflationsrate aller Länder des westlichen Balkans).

Das Investitionsklima bleibt schwierig. Laut Global Competitiveness Report 2017/2018 des Weltwirtschaftsforums liegt Bosnien und Herzegowina im Vergleich zum Vorjahr auf dem zwar leicht verbesserten aber weiterhin schwachen Rang 103 von 137 Ländern

Wirtschaftsstruktur

Das größte Wirtschaftspotential bietet der Energiesektor. Insbesondere im Bereich der Erneuerbaren Energien ist das Potenzial bei Weitem nicht ausgeschöpft. Das während des Krieges zu rund 60 Prozent zerstörte Stromnetz ist wiederhergestellt. Mittlerweile exportiert Bosnien und Herzegwoina wieder Energie. Beide Entitäten streben an, die Stromproduktion (je etwa zur Hälfte Kohle und Wasserkraft) signifikant zu erhöhen, um den Energieexport zu stärken und damit auch das Leistungsbilanzdefizit (2016: 5,4%) weiter zurückzuführen.

Die deutsche Entwicklungspolitische Zusammenarbeit fördert im Sinne des sozio-ökonomischen Reformprozesses hauptsächlich Maßnahmen, der Demokratie-, Wirtschafts- und Verwaltungsförderung sowie zur Entwicklung Erneuerbarer Energien. So unterstützt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) die Finanzierung mehrerer Windparks sowie die Instandsetzung von bestehenden Wasserkraftwerken in Bosnien und Herzegowina. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) führt unter anderem im Bereich der Energieeffizienz und Erneuerbare Energien Beratungsprojekte durch.

Über komparative Vorteile in der Region verfügt Bosnien und Herzegowina auch im Bereich der Metallverarbeitung.

Die meisten neuen Arbeitsplätze werden weiterhin durch Neugründungen im KMU-Sektor (kleine und mittlere Unternehmen) geschaffen, die stark exportorientiert produzieren, da die Binnennachfrage auch auf mittlere Sicht gering bleiben wird. Viele KMUs sind daher als „Werkbank“ für westeuropäische, insbesondere deutsche Firmen tätig.

Zu den Erfolgen der Wirtschaftstransformation in Bosnien und Herzegowina zählt der Bankensektor, der zu den stabilsten der Region gehört.

Die landwirtschaftliche Erzeugung und Verarbeitung sind größtenteils auf einem technisch und qualitativ veralteten Stand. Produkte und Betriebsgröße sind kaum wettbewerbsfähig, es fehlt an einer differenzierten Lebensmittelverarbeitungs- und Verpackungsindustrie. Nach längeren Anlaufschwierigkeiten hat Bosnien und Herzegowina nun die phytosanitären EU-Mindeststandards erfüllt und kann daher seit September 2015 Milchprodukte in die EU einführen. Die Holzindustrie hat trotz großen Bedarfs bei weitem nicht das Vorkriegsniveau erreicht. Die wenigen Großbetriebe, die Parkett und ähnliche Fertigprodukte exportieren, erfreuen sich dank hoher Holzqualität großer Nachfrage.

Im Transportsektor stehen erhebliche Investitionen an. Im Rahmen der Konnektivitätsagenda (“core network”) haben Bosnien und Herzegowina und die EU folgende Prioritäten definiert: Ausbau des paneuropäischen Bahn- und Straßenkorridors Vc (Nord-Süd-Autobahn durch Bosnien und Herzegowina von Šamac über Doboj, Zenica, Sarajewo, Mostar bis zur kroatischen Grenze nach Ploče), die Route 2a (Straßenverbindung Gradiška-Banja Luka-Lašva-Travnik), den Flughafen Sarajewo und die Binnenhäfen Bosanski Šamac und Brčko. Der Tourismussektor ist im Wachstum begriffen und bietet weiteres Potenzial. Sarajewo erfreut sich bei ausländischen Besuchern steigender Beliebtheit. Auch an die Wintersporttradition wird durch den Ausbau und die Modernisierung entsprechender Infrastruktur angeknüpft. Die olympischen Skigebiete ziehen vor allem Touristen aus den benachbarten Ländern an. Internationaler Massentourismus findet derzeit allenfalls in Form von Tagesausflügen von der kroatischen Küste nach Mostar oder zum katholischen Pilgerort Medjugorje statt. Die nach wie vor bestehende Minengefahr steht einer weiteren Entwicklung etwa im Bereich des Naturtourismus oft noch im Wege.

Außenwirtschaft

Die Wirtschaft von Bosnien und Herzegowina ist eng insbesondere mit dem regionalen Ausland verknüpft. Sie verfügt über ein traditionell hohes Außenhandelsdefizit.  2017 lag es nach einem leichten Rückgang bei 3,6 Mrd. Euro. Bosnien und Herzegowina profitiert wie viele andere Transformationsländer zudem von umfangreichen Transferleistungen der Diaspora (laut Zentralbank von Bosnien und Herzegowina 14% des Bruttoinlandsprodukts 2015). , Auch der Zufluss internationaler Hilfsgelder ist nach wie vor beträchtlich.

Deutschland war 2017 mit Importen von 812 Mio. Euro aus Bosnien und Herzegowina und Exporten von 1,07 Mrd. Euro wichtigste Handelspartner. Für Deutschland steht Bosnien und Herzegowina in der Rangfolge der deutschen Außenhandelspartner auf Platz 71 (2017).

Zu den wichtigsten Warengruppen des Exports aus Bosnien und Herzegowina gehören Rohstoffe (außer Brennstoffen), Möbel und Möbelteile, chemische Erzeugnisse, Metalle und Metallprodukte, Maschinen, Nahrungsmittel, Schuhe, Textilien und Strom.

Im November 2007 ist Bosnien und Herzegowina dem Zentraleuropäischen Freihandelsabkommen CEFTA beigetreten, welches die Zölle zwischen den Nicht-EU-Mitgliedsstaaten Südosteuropas abschafft. Am 01.06.2015 trat nach einer langen Übergangsphase das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommens (SAA) mit der EU in Kraft, von dem unter der Bedingung fortgesetzter Reformen weitgehende ökonomische Impulse erwartet werden. Bosnien und Herzegowina hat das Luftverkehrsabkommen der Mitgliedstaaten der EU mit Südosteuropa (ECAA-Abkommen) ratifiziert und verhandelt derzeit den WTO-Beitritt. Das Sekretariat des Regional Cooperation Council (RCC), das sich unter anderem auch mit Wirtschaftsfragen befasst, hat seinen Sitz in Sarajewo. Das Investitionsschutzabkommen zwischen Deutschland und Bosnien und Herzegowina ist seit 11.11.2007 in Kraft. Bosnien und Herzegowina ist Mitglied der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, die 2019 ihre Jahrestagung in Sarajewo abhält, und der Weltbank. Mit dem IWF vereinbarte Bosnien und Herzegowina eine neue Kreditfazilität (“Extended Fund Facility”) über 550 Mio. Euro, welche momentan jedoch ausgesetzt ist. Das Freihandelsabkommen mit der EFTA trat am 01.01.2015 in Kraft. Es gilt weiterhin das Doppelbesteuerungsabkommen mit Jugoslawien aus dem Jahr 1988.

In Bosnien und Herzegowina besteht eine Delegation der Deutschen Wirtschaft. Die Delegation arbeitet eng mit dem dynamisch wachsenden Wirtschaftsverein BIH zusammen, der derzeit über 170 Mitgliedsunternehmen zählt.

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